Die Entscheidung für den richtigen Kindersitz ist für Eltern von großer Bedeutung, insbesondere wenn es um die Sicherheit des Nachwuchses geht. Rückwärtsgerichtete Kindersitze, auch Reboarder genannt, bieten hierbei signifikante Vorteile, vor allem in den ersten Lebensjahren eines Kindes. Dieser Ratgeber beleuchtet die Nutzungsdauer, die Vorteile und worauf bei der Auswahl geachtet werden sollte.
Warum rückwärtsgerichtetes Fahren so sicher ist
Die primäre Funktion eines Reboarders liegt in der Erhöhung der Sicherheit bei Autounfällen. Bei einem Frontalaufprall verteilt die Sitzschale die entstehende Aufprallenergie gleichmäßig über den gesamten Körper des Kindes, einschließlich Kopf und Nacken. Dies reduziert das Verletzungsrisiko im Vergleich zu vorwärtsgerichteten Sitzen erheblich. Bei einem Frontalcrash wird das Kind in die Schale hineingedrückt, wobei Kopf und Körper gleichzeitig gestützt werden. Dies ist besonders wichtig, da der Kopf von Kleinkindern im Verhältnis zum Körpergewicht sehr groß und schwer ist, während die Nackenmuskulatur noch nicht vollständig entwickelt ist.
Auch bei einem Seitenaufprall kann ein rückwärtsgerichteter Sitz Vorteile bieten. Bei einer starken Bremsung wird das Kind in den Sitz gedrückt und von den tiefen Seitenwangen aufgefangen und geschützt. Vorwärtsgerichtete Sitze bieten hier oft weniger Schutz.

Nutzungsdauer von Reboardern und Kindersitzen
Die Nutzungsdauer eines Kindersitzes variiert je nach Hersteller und Modell. Generell wird eine Nutzungsdauer von fünf bis zehn Jahren als Richtwert angesehen. Spezifische Empfehlungen finden sich in der Bedienungsanleitung des jeweiligen Sitzes.
Haltbarkeit von Babyschalen (Gruppe 0)
Babyschalen haben oft eine etwas kürzere empfohlene Nutzungsdauer von ca. drei bis sieben Jahren. Dies liegt daran, dass sie häufig aus dem Auto genommen werden, um das Baby zu transportieren, was sie Temperaturschwankungen und Belastungen aussetzt. Zudem besteht die Gefahr, dass sie herunterfallen oder angeschlagen werden.
Haltbarkeit von Reboardern (Gruppe 1)
Die meisten Reboarder sind für eine Nutzungsdauer von drei bis sieben Jahren ausgelegt. Hersteller gehen dabei in der Regel von höchstens zwei Kindern als Nutzern aus.
Haltbarkeit von Folgesitzen (Gruppe 2 und 3)
Kindersitze der Gruppe 2 und Kindersitzerhöhungen (Gruppe 3) haben oft eine empfohlene maximale Nutzungsdauer von zehn Jahren.
Besonders langlebige Modelle
Ein Beispiel für einen besonders langlebigen Kindersitz ist der BeSafe Stretch B. Dank der Verwendung von langlebigen Materialien wie Aluminium und expandiertem Polypropylen (EPP) kann seine Lebensdauer von sieben auf 15 Jahre verlängert werden. Sein modularer Aufbau ermöglicht den einfachen Austausch verschlissener Teile. Da der Sitz von Geburt an nutzbar ist und bis 125 cm Größe eingesetzt werden kann, gilt er als sehr nachhaltig.

Wann muss ein Kindersitz gewechselt werden?
Ein Kindersitz muss unbedingt gewechselt werden, wenn er in einen Unfall verwickelt war oder heruntergefallen ist. Selbst bei geringer Geschwindigkeit und ohne sichtbare Beschädigungen ist die Sicherheit nach einem solchen Vorfall nicht mehr gewährleistet.
Weitere Gründe für einen Wechsel sind:
- Erkennbare Schäden am Kunststoff oder Styropor
- Starke Abnutzungsspuren
- Verformungen oder Risse
- Beschädigte oder ausgefranste Gurte
- Haken oder Klemmen beim Anschnallen
Zudem sollte auf die Normen geachtet werden. Sitze mit der Norm R 44/01 oder R 44/02 sind gesetzlich nicht mehr zugelassen und sollten nicht mehr verwendet werden. Auch von der Norm R 44/03 wird abgeraten.
Produktionsdatum und Haltbarkeit erkennen
Das Produktionsdatum (Monat und Jahr) ist oft als "Uhr" in den Sitz eingeprägt, manchmal an den Seiten oder hinten. Bei manchen Herstellern ist es auf einem Aufkleber unter dem Barcode als vierstellige Zahl (Kalenderwoche und Produktionsjahr) angegeben. Maßgeblich für die Herstellerempfehlung ist das Datum der ersten Benutzung, nicht das Produktionsdatum. Daher ist es ratsam, den Kaufbeleg aufzubewahren.
Die Entscheidung für einen Reboarder: Wann und warum?
Experten sind sich einig, dass Kinder mindestens bis zum zweiten Geburtstag rückwärts fahren sollten. Die meisten Sicherheitsexperten empfehlen sogar, Kinder bis zum vierten Geburtstag oder länger im Reboarder zu belassen, da dies die sicherste Variante für die Halswirbelsäule und den Nacken bleibt.
Die Umstellung von einer Babyschale auf einen Reboarder ist oft einfacher als der Wechsel in einen vorwärtsgerichteten Sitz. Viele Reboarder sind bereits ab Geburt zugelassen und bieten spezielle Babyeinlagen und Ruhepositionen. Dennoch wird empfohlen, Neugeborene zunächst körpergerechter in einer Babyschale zu transportieren, bis sie gut sitzen können.
Passende Modelle und Einbau
Die Auswahl des richtigen Reboarders hängt stark vom Fahrzeug und den individuellen Bedürfnissen ab. Modelle wie der Klippan Kiss 2 oder Kiss II werden für ihre integrierte Babyschale gelobt, was den frühen Einsatz ab Geburt ermöglicht. Der Axkid Kidsofix ist rückwärts bis 18 kg und vorwärts bis 25 kg nutzbar. Der Maxi Cosi 2Way Pearl und der Cybex Sirona sind ebenfalls beliebte Optionen, wobei der Sirona eine Besonderheit durch seine Drehbarkeit und Liegeposition aufweist.
Es ist entscheidend, den gewählten Sitz probeweise im eigenen Fahrzeug einzubauen. Die mögliche Neigung und der Platzbedarf können fahrzeugabhängig sein. Fachgeschäfte bieten hier eine wertvolle Beratung und Unterstützung.
Reboarder auf dem Beifahrersitz in einem kleinen Auto
Bei der Montage von Reboardern ohne Isofix ist besondere Sorgfalt geboten. Die Gurte müssen korrekt und straff angezogen werden. Die Herstellerangaben und Bedienungsanleitungen sind hierbei unerlässlich.
Häufige Fragen und Bedenken
- Platzbedarf: Der Platzbedarf von Reboardern variiert. Auch vorwärtsgerichtete Sitze benötigen Platz. In fast jedes Auto passt ein Reboarder, entscheidend ist die Kompatibilität mit dem Fahrzeug.
- Mitfahrer daneben: Reboarder stören meist weniger die Beifahrer als manche breiteren vorwärtsgerichteten Sitze.
- Reiseübelkeit: Reiseübelkeit ist nicht zwangsläufig mit der Fahrtrichtung verbunden. Bei Kleinkindern kann sie auch durch optische Reize entstehen. Wenn Kinder aus einer rückwärtsgerichteten Babyschale umsteigen und keine Probleme hatten, ist die Fahrtrichtung selten das Problem.
- Beinfreiheit: Eingeschränkte Beinfreiheit stört Kinder oft weniger als Eltern vermuten. Viele winkeln ihre Beine lieber an. Es gibt Modelle, die auf längere Beine ausgelegt sind.
- Heckaufprall: Heckunfälle sind seltener und meist weniger folgenschwer als Frontalunfälle. In einem Reboarder sitzt das Kind mit dem Kopf weiter weg vom Aufprallpunkt.
Die Entscheidung für einen Reboarder ist eine Investition in die bestmögliche Sicherheit für Ihr Kind. Durch die richtige Auswahl und den fachgerechten Einbau können Sie sicherstellen, dass Ihr Kind über viele Jahre hinweg optimal geschützt ist.