Mutterschaftsgeld und Krankengeld: Ein umfassender Überblick

Länger als sechs Wochen krank - und schon endet die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber. Ab diesem Zeitpunkt übernimmt die Krankenkasse die finanzielle Unterstützung in Form von Krankengeld. Dieses liegt in der Regel etwa 20 Prozent unter dem bisherigen Netto-Einkommen. In diesem Beitrag beleuchten wir die Auswirkungen einer längeren Erkrankung auf Ihre nachfolgenden finanziellen Ansprüche, insbesondere im Zusammenhang mit dem Mutterschaftsgeld.

Infografik, die den Übergang von Lohnfortzahlung zu Krankengeld und die Dauer der Leistungen erklärt.

Mutterschaftsgeld: Unterstützung für werdende und junge Mütter

Der sogenannte Mutterschutz beginnt üblicherweise sechs Wochen vor der Geburt und endet acht Wochen danach. Um werdende oder junge Mütter in dieser sensiblen Phase finanziell zu unterstützen, sind verschiedene Leistungen vorgesehen. Diese Leistungen hängen von Ihrer beruflichen Situation und Ihrer Krankenkasse ab. Detaillierte und umfassende Informationen zu diesem Thema finden Sie auf dem Portal des Bundesfamilienministeriums.

Die wohl bekannteste Unterstützung ist das Mutterschaftsgeld. Die Höhe dieses Anspruchs berechnet sich auf Grundlage Ihres Verdienstes in den 13 Wochen vor Beginn des Mutterschutzes. Ihre Krankenkasse ermittelt diesen Zeitraum und überweist Ihnen das Mutterschaftsgeld auf Basis Ihrer Einnahmen. Maximal beträgt dieser Betrag jedoch 13 Euro pro Kalendertag. In den meisten Fällen zahlt Ihr Arbeitgeber die Differenz zum bisherigen Netto-Verdienst aus.

Illustration einer glücklichen Familie, die die finanzielle Unterstützung durch Mutterschaftsgeld symbolisiert.

Krankengeld vor dem Mutterschutz: Was passiert, wenn Sie nicht gearbeitet haben?

Sollten Sie in den 13 Wochen vor dem Mutterschutz nicht gearbeitet haben, sondern stattdessen Krankengeld bezogen haben, wird die Krankenkasse Ihnen wie oben beschrieben bis zu 13 Euro pro Kalendertag überweisen. Die Frage nach dem Zuschuss des Arbeitgebers klärt sich wie folgt:

  • Fortlaufende Krankschreibung: Wenn Sie weiterhin krankgeschrieben sind, erhalten Sie insgesamt nicht mehr als die Höhe Ihres Krankengeldes.
  • Ende der Krankschreibung im Mutterschutz: Wenn Ihre Krankschreibung mit Beginn des Mutterschutzes endet, stockt der Arbeitgeber Ihr Einkommen bis zur Höhe Ihres letzten Netto-Verdienstes auf.

Es ist ratsam, frühzeitig den Kontakt zu Ihrem Arbeitgeber und Ihrer Krankenkasse aufzunehmen, falls Sie während der Schwangerschaft krankheitsbedingt länger ausfallen. Dies stellt sicher, dass Sie keine unnötigen finanziellen Nachteile erleiden.

Der Anspruch auf Krankengeld während des Mutterschutzes

Sobald Sie in den Mutterschutz übergehen, ruht Ihr Anspruch auf Krankengeld. Dennoch verringert sich die Anspruchsdauer dieser Zahlung mit jeder Woche, in der Sie Mutterschaftsgeld erhalten.

Beispiel:

Nadine hat ursprünglich noch 20 Wochen Anspruch auf Krankengeld. Beginnt nun der Mutterschutz, der insgesamt 14 Wochen dauert, bleiben ihr im Anschluss nicht mehr 20 Wochen Krankengeld, sondern maximal noch sechs. Denn während des Bezugs von Mutterschaftsgeld reduziert sich auch die Anspruchszeit auf Krankengeld.

Grafik, die den reduzierten Anspruch auf Krankengeld während des Mutterschaftsgeldbezugs veranschaulicht.

Nach der Aussteuerung: Was passiert bei Bezug von Arbeitslosengeld?

Die Situation wird komplexer, wenn Sie bereits Arbeitslosengeld beziehen, also wenn Ihr Krankengeldanspruch ausgelaufen ist und Sie "ausgesteuert" wurden. Treten Sie in dieser Phase in den Mutterschutz ein, ruht Ihr Arbeitslosengeld, ähnlich wie beim Krankengeld. Im Anschluss können Sie die verbleibenden Wochen und Monate Ihres Arbeitslosengeldes beziehen.

Besonderheiten beim ALG I

Der Bezug von Arbeitslosengeld nach einer Aussteuerung ist mit einigen Besonderheiten verbunden. Nur wenn die sogenannte "Nahtlosigkeitsregelung" festgestellt wird, erhalten Sie das ALG I ohne Einschränkungen. Im Zweifelsfall ist eine sozialrechtliche Beratung empfehlenswert.

Wenn Sie nach dem Mutterschutz Elterngeld beziehen, erhalten Sie dieses in voller Höhe neben dem Arbeitslosengeld. Aufgrund der Tatsache, dass Sie zuvor lange auf Krankengeld angewiesen waren, erhalten Sie jedoch nur den Mindestsatz beim Elterngeld - also 300 Euro im Monat. Dieser Betrag wird dann jedoch ungekürzt neben dem Arbeitslosengeld ausgezahlt.

Schema, das den Ablauf von Krankengeldbezug, Aussteuerung, Mutterschutz und Elterngeldbezug darstellt.

Wichtige Aspekte und Empfehlungen

Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Sie sich rechtzeitig persönlich beraten lassen, wenn Sie während der Schwangerschaft lange krankheitsbedingt ausfallen. Je nach individueller Situation kann dies Auswirkungen auf die Höhe Ihres Mutterschaftsgeldes haben.

Wichtige Punkte im Überblick:

  • Mutterschaftsgeld wird für die Schutzfristen vor und nach der Entbindung sowie für den Entbindungstag gezahlt.
  • Die Höhe des Mutterschaftsgeldes orientiert sich am durchschnittlichen Nettoarbeitsentgelt der letzten drei Kalendermonate vor Beginn der Schutzfrist.
  • Der maximale Tagessatz des Mutterschaftsgeldes beträgt 13 Euro.
  • Bei einem höheren Nettoverdienst zahlt der Arbeitgeber einen Zuschuss, um das Nettoentgelt auszugleichen.
  • Bei Arbeitsunfähigkeit erhalten Arbeitnehmer sechs Wochen Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber. Danach zahlt die Krankenkasse Krankengeld.
  • Das Krankengeld beträgt im Regelfall 70 Prozent des regelmäßigen Arbeitseinkommens, wobei Einmalzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld berücksichtigt werden.
  • Das Krankengeld wird für höchstens 78 Wochen innerhalb von drei Jahren gezahlt.
  • Bei Erkrankung eines Kindes kann unter Umständen ebenfalls Krankengeld gezahlt werden, wenn keine andere Person im Haushalt das Kind betreuen kann.
  • Die Bezugsdauer für Kinderkrankengeld beträgt zehn Tage pro Kind (20 Tage für Alleinerziehende).
  • Frauen, die Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse sind und einen Verdienstausfall haben, erhalten während der Mutterschutzfrist Mutterschaftsgeld.
  • Bei Frühgeburten, Mehrlingsgeburten oder festgestellten Behinderungen des Neugeborenen verlängert sich die Mutterschutzfrist auf bis zu 12 Wochen nach der Entbindung.
  • Das Mutterschaftsgeld ist steuerfrei, unterliegt jedoch dem Progressionsvorbehalt, was den Steuersatz erhöhen kann.
  • Bei Bezug von Arbeitslosengeld oder Bürgergeld gelten spezifische Regelungen für das Mutterschaftsgeld.
  • Frauen mit privater Krankenversicherung oder familienversicherte Frauen mit Minijob können unter bestimmten Voraussetzungen einmalig Mutterschaftsgeld vom Bundesamt für Soziale Sicherung erhalten.
  • Für Selbstständige mit privater Krankentagegeldversicherung kann diese Police Einkommenslücken während der Mutterschutzzeit schließen.

Kinder & Finanzen: Komplette Checkliste zu Elterngeld, Elternzeit, Mutterschutz & Co.! | Finanzfluss

Wichtiger Hinweis: Es ist ratsam, sich frühzeitig persönlich beraten zu lassen, insbesondere wenn Sie während der Schwangerschaft krankheitsbedingt ausfallen. Die Regelungen können komplex sein und individuelle Beratung hilft, finanzielle Nachteile zu vermeiden.

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