Die Uterusruptur, ein Riss in der Wand der Gebärmutter, ist ein seltenes, aber ernstes geburtshilfliches Ereignis, das besondere Aufmerksamkeit verdient, insbesondere bei Frauen, die nach einem Kaiserschnitt eine weitere Geburt planen.
Was ist eine Uterusruptur?
Eine Uterusruptur bezeichnet das spontane Aufreißen der Gebärmutterwand. Dieser medizinische Notfall kann potenziell lebensbedrohlich für Mutter und Kind sein. Der Riss tritt meist während der Geburt unter den Wehen auf, in sehr seltenen Fällen jedoch auch schon im letzten Drittel der Schwangerschaft (3. Trimenon).
Man unterscheidet verschiedene Formen der Uterusruptur:
- Komplette Uterusruptur: Ein vollständiger Riss der Gebärmutterwand, einschließlich der umliegenden Gewebehaut (Serosa) und aller Muskelschichten (Myometrium).
- Inkomplette Uterusruptur: Die Gebärmutterwand reißt, einschließlich des Myometriums, aber die Serosa bleibt intakt.
- Gedeckte Uterusruptur: Ein anderes Organ, meist die Harnblase, schließt den Riss in der Gebärmutterwand (Myometrium und Serosa) zum Bauchraum hin ab.
Eine Dehiszenz, das Auseinanderweichen von Narbengewebe, ist keine Uterusruptur. Hier dehnt sich das Narbengewebe unter der Geburt zwar, es kommt jedoch weder zu einer Blutung noch zu einer Eröffnung der Gebärmutterwand.
Bei einer Uterusruptur können Blut, Fruchtwasser sowie das Baby und die Plazenta in die freie Bauchhöhle der Mutter gelangen. Dies kann zu einer Unterversorgung des kindlichen Gehirns mit Sauerstoff und Blut führen, was schwere Hirnschädigungen oder den Tod zur Folge haben kann. Für die Mutter sind vor allem Komplikationen infolge des starken Blutverlustes gefährlich.

Häufigkeit einer Uterusruptur
Die Wahrscheinlichkeit eines Gebärmutterrisses ist nach einem früheren Kaiserschnitt am höchsten. Dennoch ist eine natürliche Geburt nach einem Kaiserschnitt nicht unmöglich. Das Risiko einer Uterusruptur bei einer vaginalen Geburt nach Kaiserschnitt (VBAC - Vaginal Birth After Cesarean) ist insgesamt gering. Laut aktuellen Studien liegt das Risiko für eine Zerreißung des Uterus bei einer VBAC etwa bei 0,5 - 1 %.
Die Häufigkeit von Spontanrupturen liegt bei etwa 1:1500 Geburten. Konkrete Zahlen zur Häufigkeit von Rupturen während der Schwangerschaft liegen nicht vor; zu dieser Komplikation kommt es sehr selten.
Ursachen und Risikofaktoren für eine Uterusruptur
Eine Uterusruptur tritt auf, wenn die Gebärmutterwand dem Druck durch Wehentätigkeit oder Überdehnung nicht mehr standhalten kann. Folgende Umstände erhöhen das Risiko:
- Vorangegangene Operationen: Nach einem Kaiserschnitt, einer manuellen Plazentalösung oder anderen Eingriffen an der Gebärmutter kann das Narbengewebe unter der Geburt einreißen. Das Narbengewebe eines Kaiserschnitts ist naturgemäß weniger elastisch und widerstandsfähig als das ursprüngliche Muskelgewebe.
- Geburtsstillstand: Wenn das Baby nicht durch das mütterliche Becken passt (Kopf-Becken-Missverhältnis oder Schulterdystokie), kann es zu einem Geburtsstillstand mit starken, hyperaktiven Wehen und einer Ruptur kommen.
- Medikamente: Eine Überdosierung von wehenfördernden Mitteln, zum Beispiel bei einer Einleitung, kann einen Wehensturm auslösen und das Risiko für eine Ruptur erhöhen. Einleitungsversuche ohne medizinische Indikation gelten als Risikofaktor.
- Lageanomalien: Liegt der Fötus in Querlage, insbesondere nach Blasensprung, kann dies Spontanrupturen begünstigen.
- Überdehnung: Bei Mehrlingsschwangerschaften oder zu viel Fruchtwasser (Polyhydramnion) kann es zu einer Überdehnung des Uterus kommen, wodurch das Gewebe schon in der Schwangerschaft nachgeben kann. Dies geschieht in der Regel nur im letzten Drittel der Schwangerschaft.
- Uterusanomalie: Frauen mit einer Uterusanomalie wie einem Uterus bicornis haben ein erhöhtes Risiko für eine Zerreißung der Uteruswand unter der Geburt.
- Kristeller-Handgriff: Wird durch diesen Griff von außen Druck auf den Bauch der Gebärenden ausgeübt, kann es in sehr seltenen Fällen zu einer Ruptur kommen.

Symptome einer Uterusruptur
Eine Uterusruptur kann sich durch eine Reihe von Symptomen bemerkbar machen, die frühzeitig erkannt werden sollten:
- Starke, plötzliche Bauchschmerzen: Oft stechend und anhaltend im Unterleib.
- Wehensturm und plötzlicher Wehenstopp: Die Wehen können zunächst extrem stark werden und dann schlagartig aufhören.
- Druckempfindlichkeit am Bauch: Der Bauch ist bei Berührung sehr schmerzhaft.
- Unruhe, Angst und Panik der Gebärenden.
- Schocksymptome: Starker Blutdruckabfall, kalter Schweiß.
- Auffällig verlangsamte oder fehlende Herzfrequenz beim Fötus (Bradykardie).
- Anstieg der Bandl-Furche: Ein Muskelring, der bei starker Wehentätigkeit auf dem Bauch sichtbar werden kann und dessen Höhe über dem Nabel ein Indiz für eine drohende Uterusruptur ist.
- Schwierigkeiten bei der vaginalen Untersuchung: Der vorangehende Teil des Fötus (Steiß oder Kopf) lässt sich schwer oder gar nicht mehr ertasten. Das Baby ist eventuell direkt unter der Bauchdecke ertastbar.
Eine gedeckte Ruptur kann sich durch Schmerzen in der Kaiserschnittnarbe bemerkbar machen, auch schon während der Schwangerschaft. In einigen Fällen kann es auch zu keinen offensichtlichen Symptomen kommen, bis die Ruptur während der Geburt eintritt.
Diagnose und Behandlung einer Uterusruptur
Bei Verdacht auf eine Uterusruptur ist sofortiges Handeln unerlässlich.
Diagnose:
- Die Diagnose kann durch eine klinische Untersuchung unter der Geburt gestellt werden.
- Ein Ultraschall kann durch die Bauchdecke zur Diagnosesicherung eingesetzt werden.
- In manchen Fällen kann ein chirurgischer Schnitt im Bauchraum (Laparotomie) notwendig sein, um die Gebärmutter direkt zu beurteilen.
Behandlung:
Eine Uterusruptur ist ein absoluter Notfall, der eine sofortige operative Intervention erfordert:
- Notkaiserschnitt: Das Kind muss umgehend per Kaiserschnitt entbunden werden, um sein Leben zu schützen.
- Chirurgische Behandlung der Gebärmutter: Nach der Entbindung des Kindes wird der Gebärmutterriss genäht.
- Hysterektomie: Ist die Naht nicht möglich oder lässt sich die Blutung der Ruptur nicht stillen, muss die Gebärmutter der Patientin in einem größeren operativen Eingriff entfernt werden (Hysterektomie).
- Schockbekämpfung und Vitalzeichenkontrolle: Falls es infolge der Ruptur zu einem Schock kommt, werden Atmung und Kreislauf der Patientin stabilisiert.
- Wehenhemmer: Bei einem drohenden Gebärmutterriss durch einen Wehensturm kann versucht werden, die Stärke der Wehen durch die Gabe von Tokolytika (Wehenhemmern) abzuschwächen und die Ruptur zu verhindern.
Kaiserschnitt
Auswirkungen auf weitere Schwangerschaften
Nach einer Uterusruptur ist die Wahrscheinlichkeit für eine erneute Ruptur in einer Folgeschwangerschaft nicht auszuschließen. Die Entscheidung für eine weitere Geburt sollte daher immer individuell und nach eingehender Beratung mit dem behandelnden Arzt getroffen werden.
Häufig wird bei Frauen, die eine Uterusruptur erlitten haben, eine geplante Sectio (Re-Sectio) als sicherste Option empfohlen. Nach einer Hysterektomie ist keine weitere Schwangerschaft möglich.
Defekte Kaiserschnittnarben und ihre Folgen
Nach einem Kaiserschnitt können sich in der Gebärmutterwand Nischen und Löcher bilden, die als defekte Kaiserschnittnarben bezeichnet werden. Diese können zu verschiedenen Problemen führen, die oft unerkannt bleiben:
- Schmerzen
- Vermehrte Blutungen
- Blutungsstörungen (sehr schmerzhafte und verlängerte Blutungen)
- Vermehrter Ausfluss
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Endometriose
- Sekundäre Sterilität (Unfruchtbarkeit)
Diese defekten Narben können sich weiter vergrößern, wenn sie nicht behandelt werden. Die Diagnose erfolgt mittels vaginalem Ultraschall, idealerweise in der ersten Zyklushälfte.

Ärztliche Aufklärung und Sorgfaltspflicht
Medizinisches Fachpersonal ist verpflichtet, vor einer geplanten natürlichen Geburt nach Kaiserschnitt eine umfassende und individuelle Risikoaufklärung durchzuführen. Dabei müssen die medizinische Vertretbarkeit einer Spontangeburt, die Risiken für Mutter und Kind sowie die sichere Begleitung der Geburt (z. B. durch kontinuierliches CTG) geklärt werden.
Auch während der Geburt müssen Ärzte und Hebammen wachsam sein und Anzeichen einer drohenden Uterusruptur erkennen und ernst nehmen. Ein Behandlungsfehler kann vorliegen, wenn die Risiken nicht oder nur unvollständig erklärt wurden, eine vaginale Geburt im individuellen Fall nicht hätte empfohlen werden dürfen, auffällige CTG-Werte ignoriert wurden oder ein Notkaiserschnitt zu spät erfolgte.
Rechte betroffener Patientinnen
Wenn eine Uterusruptur durch ärztliche Fehler mitverursacht oder nicht rechtzeitig behandelt wurde, können betroffene Frauen und Familien rechtliche Schritte einleiten. Mögliche Ansprüche umfassen Schmerzensgeld und Schadensersatz, insbesondere bei bleibenden Beeinträchtigungen des Kindes, sowie die Kostenübernahme für Betreuung, Pflege oder Verdienstausfall.