Die Geburt eines Hundewelpen ist ein aufregendes, aber auch oft mit Sorge verbundenes Ereignis für Hundehalter, insbesondere wenn es sich um die erste Geburt der Hündin handelt. Dieser Leitfaden bietet umfassende Informationen zur Dauer, den Anzeichen und dem Ablauf einer Hundgeburt, um Halter bestmöglich vorzubereiten.
Trächtigkeitsdauer und Geburtstermin
Die Trächtigkeitsdauer bei Hunden schwankt erheblich und liegt zwischen 58 und 68 Tagen, wobei die durchschnittliche Dauer bei etwa 63 Tagen liegt. Eine exakte Berechnung des Geburtstermins ist daher nicht möglich. Generell gilt, dass weniger Welpen im Mutterleib zu einer längeren Trächtigkeitsdauer führen können.
Wenn nach dem 65. Tag der Trächtigkeit noch keine Anzeichen für eine bevorstehende Geburt erkennbar sind, ist eine tierärztliche Untersuchung, beispielsweise mittels Ultraschall, ratsam. Eine Ultraschalluntersuchung kann die Trächtigkeit ab dem 21. bis 25. Tag nachweisen. Alternativ ist ab dem 28. Tag eine Blutuntersuchung auf das Hormon Relaxin möglich. Eine röntgenologische Bestätigung ist erst ab dem 42. bis 45. Tag der Trächtigkeit aussagekräftig.
Anzeichen für die bevorstehende Geburt
Kurz vor der Geburt zeigt die Hündin typische Verhaltensänderungen und körperliche Anzeichen:
- Temperaturabfall: Etwa 24 bis 36 Stunden vor der Geburt sinkt die Körpertemperatur der Hündin von durchschnittlich 38°C um etwa 1°C auf ca. 37°C. Dieser Abfall ist ein sehr zuverlässiger Indikator. Um diesen nicht zu verpassen, wird empfohlen, ab dem 50. Trächtigkeitstag zweimal täglich die rektale Temperatur zu messen und zu protokollieren. Nach dem Temperaturabfall steigt die Temperatur wieder an und kann während der Geburt bis zu 39,5°C erreichen. Deutlich höhere Temperaturen, Apathie und Appetitlosigkeit sind Anzeichen für Komplikationen und erfordern tierärztliche Untersuchung.
- Verhaltensänderungen: Die Hündin wird unruhig, hechelt vermehrt und beginnt, ein "Nest" zu bauen, indem sie mit den Pfoten scharrt oder mit Decken und Kissen hantiert.
- Appetitlosigkeit: Viele Hündinnen verweigern kurz vor der Geburt die Nahrungsaufnahme.
- Erhöhte Anhänglichkeit: Manche Hündinnen suchen in dieser Phase vermehrt die Nähe ihres Besitzers.
- Vermehrung des Scheidenlecks: Ein vermehrtes Belecken der Scheide und ein klarer, geruchloser Scheidenausfluss sind ebenfalls häufige Anzeichen.
- Milchbildung: Im Gesäuge kann Milch sichtbar werden, die sich teils herausmassieren lässt. Bei manchen Hündinnen beginnt die Milchbildung jedoch erst nach der Geburt.
- Schwellung der Vulva: Die Vulva kann anschwellen, was auf eine Durchsaftung und Auflockerung der Geschlechtsorgane hinweist.

Der Geburtsablauf: Phasen und Dauer
Die Geburt bei Hunden verläuft in zwei Hauptphasen:
1. Öffnungsphase (Eröffnungsphase)
Diese Phase ist von außen kaum sichtbar und dauert in der Regel zwischen 6 und 24 Stunden, manchmal auch bis zu acht Stunden. Während dieser Zeit ziehen sich die Gebärmutter und die Muskulatur um den Muttermund zusammen. Das Hormon Progesteron fällt ab, und der Muttermund beginnt sich zu öffnen und zu weiten, um den Durchtritt der Welpen zu ermöglichen. Die Hündin zeigt dabei Unruhe, Hecheln und Nestbauverhalten. Gelegentlich kann es zu Erbrechen und Futterverweigerung kommen. Am Ende dieser Phase wird der erste Welpe durch die Wehen Richtung Geburtskanal geschoben.
2. Austreibungsphase (Geburt der Welpen)
Sobald der erste Welpe den Muttermund passiert, beginnt die Austreibungsphase. Die Hündin unterstützt die Geburt nun aktiv durch Bauchpressen, was von außen deutlich sichtbar ist. Zuerst platzt die äußere Fruchtblase, und Fruchtwasser tritt aus. Das Fruchtwasser ist zunächst farblos bis gräulich, verfärbt sich aber später oft grünlich. Der Welpe wird dann durch die Presswehen nach draußen geboren, meist innerhalb weniger Minuten bis zu einer Stunde nach Beginn der Austreibungswehen. Eine Hälfte der Welpen wird mit dem Kopf voran geboren, die andere Hälfte mit dem Hinterteil.
Die Geburt des ersten Welpen kann bis zu zwei Stunden dauern. Danach können weitere Welpen in Abständen von wenigen Minuten bis zu mehreren Stunden geboren werden. Bei großen Würfen kann die Hündin eine Geburtspause einlegen, die jedoch nicht länger als vier Stunden dauern sollte. Die gesamte Austreibungsphase sollte im Idealfall nicht länger als 12 Stunden dauern.
Direkt nach der Geburt befreit die Mutterhündin den Welpen von den Fruchthüllen, beißt die Nabelschnur durch und leckt ihn intensiv ab. Dieses Lecken regt die Atmung, den Kreislauf und die Darmtätigkeit des Welpen an.

Nachgeburt (Plazenta)
Nach der Geburt jedes Welpen wird die Nachgeburt (Plazenta) ausgeschieden, üblicherweise 5 bis 15 Minuten nach jedem Welpen. Es ist jedoch auch möglich, dass die Nachgeburten mehrerer Welpen zusammen ausgeschieden werden. Die Hündin frisst die Nachgeburt instinktiv auf. Dies ist normal, aber der Verzehr zu vieler Nachgeburten kann zu Erbrechen und Durchfall führen.
Es ist wichtig, die Vollständigkeit der Nachgeburten zu überprüfen, um sicherzustellen, dass keine Reste in der Gebärmutter verbleiben. Eine Puerperalkontrolle durch den Tierarzt wird empfohlen, insbesondere wenn Unsicherheit bezüglich der Vollständigkeit besteht.
Wichtige Hinweise und Vorbereitung
Ruhe und Geduld: Die wichtigste Unterstützung für die Hündin ist die Ruhe des Besitzers. Die meisten Geburten verlaufen problemlos, und die Hündin kennt instinktiv, was zu tun ist. Ein gestresster Besitzer kann die Hündin verunsichern.
Geburtsprotokoll: Es ist sehr hilfreich, ein Geburtsprotokoll zu führen, in dem alle relevanten Daten wie Temperatur, Verhalten der Hündin und Geburtszeitpunkte der Welpen festgehalten werden. Dies hilft, den Überblick zu behalten und im Bedarfsfall dem Tierarzt genaue Informationen zu geben.
Tierärztliche Hilfe: Zögern Sie nicht, Ihren Tierarzt anzurufen, wenn Sie unsicher sind, ob die Geburt normal verläuft, oder wenn Anzeichen für Komplikationen auftreten.
Anzeichen für Geburtschwierigkeiten (Dystokie)
Folgende Anzeichen deuten auf Geburtschwierigkeiten hin und erfordern sofortige tierärztliche Hilfe:
- Eitriger, blutiger oder übelriechender Scheidenausfluss.
- Grüngefärbter Ausfluss vor der Geburt des ersten Welpen.
- Intervalle von mehr als vier Stunden zwischen den Geburten von Welpen.
- Erfolgloses Pressen der Hündin über mehr als 30 Minuten.
- Die gesamte Geburt dauert länger als 24 Stunden.
- Schlechtes Allgemeinbefinden der Mutterhündin (Apathie, starker Schmerz).
- Wenn die Hündin starke Wehen zeigt und nach 45-60 Minuten kein Welpe geboren wurde.
- Wenn nach 2 Stunden andauernder Wehen kein Welpe geboren wurde (Wehenschwäche).
Die Geburt bei Hunden - Welpengeburt
Vorbereitung des Wurflagers
Etwa eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin sollte der Hündin ein ruhiger, warmer und sicherer Ort für die Geburt angeboten werden. Eine Wurfkiste, beispielsweise ein Pappkarton oder ein Hundekörbchen mit ausreichend Platz und Rändern, die ein Herausfallen der Welpen verhindern, ist ideal. Die Kiste sollte mit sauberer Bettwäsche wie Laken, Bettbezügen oder Handtüchern ausgelegt werden. Der Platz sollte zugfrei und ruhig sein. Die Hündin sollte sich an diesen Ort gewöhnen können.
Ernährung der Hündin während Trächtigkeit und Säugezeit
Etwa ab der 6. Trächtigkeitswoche steigt der Energiebedarf der Hündin deutlich an. Eine Umstellung auf energiereicheres Futter, wie beispielsweise Welpenfutter, ist empfehlenswert. Dieses Futter kann die Hündin auch während der gesamten Säugeperiode weiter erhalten. Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig, um übermäßiges Körperfett zu vermeiden, das den Geburtsweg verengen und die Leber belasten kann.
Pflege der Neugeborenen Welpen
Die Körpertemperatur von neugeborenen Welpen liegt bei der Geburt zwischen 37-38°C und sinkt danach auf 35-37°C ab. Da ihre Temperaturregulation noch nicht ausgereift ist, wird für die erste Lebenswoche eine Umgebungstemperatur von 28-30°C empfohlen, die in den folgenden Wochen schrittweise reduziert werden kann. Zugluft und Feuchtigkeit müssen vermieden werden.
Die Augen und Ohren der Welpen sind bei der Geburt verschlossen. Die Augen öffnen sich etwa am 10. Tag, die Ohren um den 13. Tag. Das Sehvermögen entwickelt sich zwischen der 4. und 6. Lebenswoche.
Ab der 3. bis 4. Lebenswoche beginnt die Beifütterung zusätzlich zur Muttermilch.
