Fremdeln bei Kleinkindern: Ursachen und Unterstützung in der Entwicklungsphase

Babys entwickeln in den ersten Lebensmonaten eine immer differenziertere Wahrnehmung ihrer Umwelt. Anfangs erkennen sie ihre Eltern vor allem am Geruch und an der Stimme, später wird auch das Gesicht vertraut. Irgendwann beginnt die sogenannte Fremdelphase, ein natürlicher und wichtiger Schritt in der kindlichen Entwicklung. In dieser Phase reagiert Ihr Kind vorsichtiger auf Menschen, die ihm nicht vertraut sind, manchmal sogar auf nahestehende Personen wie Großeltern. Gründe dafür können äußere Merkmale wie ein Bart oder eine ungewohnte Stimme sein, die plötzliche Unsicherheit auslösen.

Die Intensität, mit der Babys fremdeln, und die Dauer dieser Phase sind von Kind zu Kind sehr unterschiedlich. Dies hängt maßgeblich von der individuellen Persönlichkeit und den bisherigen Erfahrungen des Kindes ab.

In diesem Beitrag erfahren Sie, warum Kinder fremdeln und wie Sie die typischen Anzeichen erkennen können. Zudem erhalten Sie praktische Tipps, die Ihnen den Umgang mit dieser Entwicklungsphase erleichtern.

Illustration eines Babys, das sich schüchtern hinter seiner Mutter versteckt, während eine freundliche Person lächelt.

Fremdeln als Zeichen einer gesunden Bindung

Der Zeitpunkt und die Ausprägung des Fremdelns sind individuell verschieden. Mit fortschreitender Entwicklung differenziert sich die Sinneswahrnehmung des Babys, und es entwickelt ein gesundes Misstrauen gegenüber Unbekanntem. Fremdeln ist somit ein ganz normaler und gesunder Entwicklungsschritt. Durch die Geborgenheit bei den Eltern bildet sich ein sogenanntes Urvertrauen, und das Kind lernt, zwischen bekannten und unbekannten Personen zu unterscheiden.

Die Fremdelphase beginnt meist zwischen dem vierten und achten Lebensmonat und nimmt im Alter von etwa zwei bis drei Jahren allmählich wieder ab. Daher wird sie auch häufig als „Acht-Monats-Angst“ bezeichnet. Fremdeln gegenüber anderen ist somit ein positives Anzeichen für eine stabile und sichere Bindung zu den Eltern. In Ihrer Nähe verspürt Ihr Kind Sicherheit, selbst wenn es mit neuen oder unbekannten Situationen konfrontiert wird.

Typische Anzeichen für Fremdeln bei Babys

Zu den typischen Anzeichen für das Fremdeln zählen:

  • Plötzliche Verunsicherung und Ängstlichkeit gegenüber Fremden, aber manchmal auch gegenüber bekannten, vertrauten Personen.
  • Unruhe, Panik, lautes Weinen oder Schreien.
  • Das Kind versteckt sich hinter den Eltern, möchte auf den Schoß oder auf den Arm.
  • Klammern an die Bezugsperson.

Fremdeln kann jedoch auch ein Anzeichen für Trennungsangst sein.

Trennungsangst - Wo liegen die Unterschiede?

Trennungsangst ist ebenfalls ein normaler Schritt in der kindlichen Entwicklung. Hier setzt die sogenannte Objektpermanenz ein: Das Baby ist sich seiner Trennung von der Bezugsperson bewusst, weiß aber noch nicht, dass die Person auch wieder zurückkehren wird. Kinder denken in dieser Phase möglicherweise, dass der Abschied von den Eltern „für immer“ ist.

Trennungsangst beginnt ab dem achten Lebensmonat und erreicht ihren Höhepunkt zwischen dem zehnten und 18. Lebensmonat. Im Alter von etwa zwei Jahren verschwindet sie in der Regel wieder und hinterlässt keine langfristigen Folgen für das Kind. Bleibt die Trennungsangst jedoch nach dem zweiten Lebensjahr bestehen oder zeigt sich in ausgeprägter Intensität, kann dies die Entwicklung beeinflussen und ein Anzeichen für eine generalisierte Angst sein. In solchen Fällen ist eine ärztliche Abklärung, beispielsweise im Rahmen der U-Untersuchungen, sinnvoll.

Anzeichen der Trennungsangst

Typische Anzeichen dafür, dass ein Kind unter Trennungsangst leidet, können sein:

  • Das Kind wirkt unruhig.
  • Das Kind beginnt zu weinen oder zu schreien, sobald ein Elternteil den Raum verlässt.
  • Es kommt zu Wutanfällen.
  • Das Kind möchte die Nähe zu den Eltern nicht verlassen.
  • Das Kind wacht nachts häufiger auf.
Grafik, die den typischen Verlauf von Fremdeln und Trennungsangst im ersten Lebensjahr zeigt.

Warum manche Kinder stärker fremdeln

Warum einige Kinder ausgeprägter fremdeln als andere, ist wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass Kinder schon früh zwischen vertrauten und unvertrauten Personen unterscheiden können. Zu ihren Bezugspersonen haben sie eine eingespielte Form der Verständigung entwickelt, beispielsweise über Mimik, Gestik, Gerüche oder Laute. Auch typische Merkmale eines Gesichts kann ein Kind bereits erkennen.

Verändert sich etwas an diesen gewohnten Eindrücken, registriert das Gehirn, dass etwas nicht zusammenpasst. Das Kind kann die Situation noch nicht einordnen und reagiert daher mit Unsicherheit. Dies kann dazu führen, dass es stärker fremdelt.

Fremdeln im Alltag - Praktische Tipps für Eltern

Es ist wichtig, Ihr Kind in dieser natürlichen Entwicklungsphase zu unterstützen. Versuchen Sie nicht, das Verhalten abzugewöhnen, sondern bleiben Sie gelassen und vermeiden Sie übermäßige Fürsorge. Geben Sie Ihrem Kind Sicherheit und Orientierung, ohne es zu überfordern.

Trösten Sie Ihr Kind: Nehmen Sie Ihr Kind ernst und trösten Sie es. Streicheln und auf den Arm nehmen geben ihm Sicherheit und Geborgenheit. Gehen Sie mit Ihrem Kind ein paar Schritte zurück und haben Sie Geduld. Akzeptieren Sie die eigenen Grenzen Ihres Kindes. Erklären Sie auch „fremden“ Personen kurz, warum Ihr Kind fremdelt. Diese sollten sich nicht aufdrängen oder übergriffig werden.

Nehmen Sie behutsam Kontakt auf: Bauen Sie gemeinsam langsam Kontakt zur neuen Person auf. Binden Sie diese in Aktivitäten wie beim Spielen oder Füttern ein. Wichtig sind auch ein positives, fröhliches Auftreten und eine vorherige Ankündigung, wenn die Eltern von ihrem Kind weggehen.

Ziehen Sie Körpernähe vor: Nehmen Sie Ihr Kind auf den Arm oder auf den Schoß und schaffen Sie damit Sicherheit und Nähe. Halten Sie zunächst Abstand zur fremden Person. Überlassen Sie Ihrem Kind den Moment, in dem es sich annähern möchte. Begegnen Sie der Situation ruhig und gelassen, damit sich Ihr Kind an Ihrem Verhalten orientieren kann.

Tipps zum „Fremdeln“ 👶 Eltern-Guide der Privatklinik Goldenes Kreuz

Tipps bei Trennungsangst

Bei Trennungsangst kann eine einfühlsame Ablenkung durch die betreuende Person in der Krippe oder im Kindergarten hilfreich sein. Verabschieden Sie sich ruhig und kurz, ohne auf das Weinen oder Schreien einzugehen. Entwickeln Sie gemeinsam mit Ihrem Kind feste Abschiedsroutinen, die Sicherheit geben und den Übergang erleichtern.

Wichtige Entwicklungsphasen und Unterstützung

Die U-Untersuchungen sind wichtige Meilensteine, um Gesundheitsprobleme und Entwicklungsstörungen bei Ihrem Kind frühzeitig zu erkennen. Die Kosten für diese Vorsorgeuntersuchungen werden von den Krankenkassen übernommen.

Angebote wie Babyschwimmkurse oder Babymassagekurse können die Entwicklung Ihres Kindes positiv unterstützen. Im Wasser erleben Babys ihren Körper, können Bewegungen ausprobieren und stärken so ihre Muskulatur. Regelmäßige Massagen helfen Ihrem Baby dabei, einen geregelten Schlafrhythmus zu finden.

Fremdeln ist ein natürlicher Entwicklungsschritt, der zeigt, dass Ihr Kind eine sichere Bindung zu Ihnen aufgebaut hat. Mit Geduld, Verständnis und liebevoller Unterstützung können Sie Ihrem Kind helfen, diese Phase gut zu meistern.

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