Amalgamfüllungen und ihre Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit

Amalgamfüllungen, die zu etwa 50% aus Quecksilber bestehen, stehen im Verdacht, einen Einfluss auf den weiblichen Zyklus zu haben und dadurch zu Unfruchtbarkeit zu führen. Obwohl die wissenschaftliche Evidenz hierzu uneinheitlich ist, gibt es Bedenken hinsichtlich der potenziellen gesundheitlichen Auswirkungen, insbesondere während der Schwangerschaft.

Was ist Amalgam und warum wird es eingesetzt?

Amalgam ist ein Metallgemisch, das zu 50% aus Quecksilber und zur anderen Hälfte aus Schwermetallen wie Silber, Zinn und Kupfer besteht. Es wird seit über 150 Jahren als Standardmaterial für Zahnfüllungen eingesetzt, da es günstig, leicht zu verarbeiten, handwerkliche Fehler verzeiht, relativ lange hält und ein antibakterielles Milieu schafft.

Eine Füllung kann bis zu 10 Jahre halten und wird in der Regel von den Krankenkassen übernommen. Im Vergleich zu anderen Füllstoffen ist Amalgam leicht zu verarbeiten und kostengünstig.

Was ist schädlich an Amalgam?

Das Hauptproblem bei Amalgamfüllungen ist die langsame Auflösung in der Mundhöhle, wodurch Quecksilber in den Körper gelangen kann. Nach etwa 10 Jahren befindet sich nur noch die Hälfte des ursprünglich vorhandenen Quecksilbers in den Füllungen. Es wird angenommen, dass der menschliche Organismus die andere Hälfte des Quecksilbers aufgenommen hat.

Der Abrieb von Amalgam wird durch verschiedene Faktoren begünstigt, darunter Zähneknirschen, der Konsum von heißen, sauren oder zuckerhaltigen Lebensmitteln wie Cola, Kaffee oder Essig. Auch ein allgemein erhöhter Säuregehalt des Speichels oder Kaugummikauen kann dazu beitragen.

Die genaue Schädlichkeit von Amalgam ist umstritten. Während einige Studien Amalgam als gesundheitsschädigend einstufen, stellen andere nur die Verwendung bei Kindern und Schwangeren in Frage. Fakt ist, dass die EU ab 2018 den Einsatz von Amalgam bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren sowie bei schwangeren und stillenden Frauen verbietet.

Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit und den weiblichen Zyklus

Mit steigender Zahl von Amalgamfüllungen nimmt das Risiko für Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit zu, berichtet Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard, Frauenärztin mit Spezialisierungen in Endokrinologie, Fortpflanzungsmedizin, Naturheilkunde und Umweltmedizin.

Amalgam (welches zu ca. 50% aus Quecksilber besteht) kann einen so hohen Einfluss auf den Körper haben, dass der Zyklus aus dem Gleichgewicht gerät und unter anderem weniger Progesteron gebildet wird - ein Hormon, das für den Kinderwunsch wichtig ist. Nachweisen lässt sich eine Quecksilbervergiftung beispielsweise über den Urin.

Amalgamfüllungen können, müssen aber nicht zwingend die Ursache für Unfruchtbarkeit sein. Schwanger werden mit einer Zahnfüllung aus Amalgam kann durchaus schwierig werden, wobei es natürlich dennoch viele Frauen gibt, auf die die Amalgamfüllung keinen Einfluss hatte.

Infografik: Schematische Darstellung des weiblichen Hormonzyklus und mögliche Einflussfaktoren

Amalgamfüllungen und Schwangerschaft

Amalgamfüllungen und Schwangerschaft sind zwei Themen, die oft Bedenken und Ängste hervorrufen. Ärzte sind sich nicht zu 100% sicher, welche Folgen Amalgamfüllungen für das Baby haben können.

Quecksilber, das aus den Zahnfüllungen aus Amalgam in Dampfform entweicht, kann während der Schwangerschaft die Plazenta passieren und so auf das Kind übertragen werden. Auch in der Muttermilch kann Quecksilber in geringen Dosen nachgewiesen werden.

Bei bereits bestehenden Schwangerschaften wird von einer Entfernung der Füllungen und einer anschließenden Entgiftung abgeraten. Das Problem bei der Entfernung von Amalgam ist, dass dabei Quecksilber freigesetzt werden kann oder winzige Reste verschluckt werden.

Risiken während der Schwangerschaft

Personen mit Amalgamfüllungen zeigen erwiesenermaßen höhere Quecksilberwerte in ihren Körperorganen und -flüssigkeiten auf als Patienten ohne Amalgamfüllungen. Quecksilber kann über die Nahrung, die Umwelt, aber eben auch über Amalgamfüllungen in den Organismus gelangen.

Eine norwegische Studie der Universität Bergen, veröffentlicht in PLOS ONE, untersuchte den Zusammenhang zwischen Amalgamfüllungen und perinataler Mortalität. Die Studie mit 72.000 Schwangeren ergab einen statistisch nachweisbaren Zusammenhang ab einer Menge von 13 Amalgamfüllungen. Das absolute Risiko für eine Schwangerschaft bei Frauen mit 13 Füllungen lag bei 0,67 Prozent, verglichen mit 0,2 Prozent bei Frauen ohne Amalgamfüllungen. Dies deutet darauf hin, dass die Menge der Füllungen entscheidend ist.

Quecksilber ist ein bekanntes Neurotoxin, das Menschen, insbesondere Kindern, schwangeren Frauen und Föten, Schaden zufügen kann. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte bereits 2005 vor Quecksilber und dessen schädlichen Auswirkungen auf das Nerven-, Verdauungs-, Atmungs-, Immunsystem und die Nieren.

Umgang mit Amalgam in der Praxis

Einige Praxen, wie die von Dr. Jürgen Pink und Kollegen, setzen grundsätzlich auf eine amalgamfreie, biokompatible und innovative Zahnmedizin. Trotz der Tatsache, dass Amalgam günstiger und leichter zu verarbeiten ist, setzen sie auf biokompatible Füllstoffe wie keramischen Komposit, Keramik- und Goldinlays oder Kronen. Diese Versorgung ist ebenso langlebig und dazu gesundheits- und umweltbewusst.

In der Praxis Dr. Pink und Kollegen wird schwangeren und stillenden Frauen eine eingehende Beratung angeboten und alle drei Monate eine zahnärztliche Kontrolle empfohlen, da sich der Hormonhaushalt und dadurch auch der Zustand von Zahnfleisch und Zähnen verändern kann.

Potenzielle Nebenwirkungen von Amalgam

Es können 15 Jahre und mehr vergehen, bis sich bei Amalgamträgern erste Unverträglichkeitssymptome einstellen. Da die Giftwirkung nicht dramatisch oder akut ist, werden häufige Erkrankungen wie Erkältungen oder Kopfschmerzen oft nicht in Zusammenhang mit Amalgam und dem enthaltenen Quecksilber gebracht.

Es können sich jedoch auch konkrete Leitsymptome zeigen, wie z.B. starke Müdigkeit und Erschöpfung, Schmerzen oder Krämpfe im Kiefer, metallischer Geschmack im Mund, Schmerzen in Händen und Füßen, Zittern der Hände, verminderte Muskelkraft, starker schneller Herzschlag nach geringster Anstrengung oder ein unklares Schwindelgefühl. In diesen Fällen ist eine Komplett-Entfernung des Amalgams dringend zu überdenken.

Extreme Kritiker von Amalgam attestieren ihm und dem damit verbundenen Quecksilber im Gehirn Erscheinungen wie Nervenerkrankungen, Morbus Alzheimer, Multiple Sklerose, Parkinson, Gedächtnisstörungen, Schwindel, Depression, Wutanfälle, Schüchternheit, Stottern, Lernstörungen, Legasthenie sowie Seh- und Hörstörungen mit Tinnitus.

Gesundheitliche Risiken und Symptome von Quecksilberbelastung

Quecksilber ist ein bekanntes Neurotoxin, das Menschen, insbesondere Kindern, schwangeren Frauen und Föten, Schaden zufügen kann. Mögliche gesundheitliche Auswirkungen der Quecksilberbelastung können sein:

  • Zittern, Seh- und Hörstörungen, Lähmungen, Schlaflosigkeit, emotionale Instabilität
  • Entwicklungsdefizite während der Entwicklung des Fötus
  • Aufmerksamkeitsdefizite und Entwicklungsverzögerungen während der Kindheit
  • Kognitive/neurologische Beeinträchtigungen, Gedächtnisverlust, Abnahme der mentalen Funktion, Schwierigkeiten bei der verbalen und visuellen Verarbeitung
  • Wahnvorstellungen, Delirium, Halluzinationen
  • Dermatologische Erkrankungen, Dermographismus, Dermatitis
  • Endokrine Störungen, Vergrößerung der Schilddrüse
  • Erethismus (Symptome wie Reizbarkeit, abnormale Reaktionen auf Stimulation und emotionale Instabilität)
  • Ermüdung
  • Beeinträchtigungen des Immunsystems
  • Veränderungen der Nervenreaktion, periphere Neuropathie, verminderte Koordination, verminderte motorische Funktion, Polyneuropathie, neuromuskuläre Veränderungen wie Schwäche, Muskelatrophie und Zuckungen
  • Mündliche Manifestationen: Gingivitis, metallischer Geschmack, orale Lichenoidläsionen
  • Psychologische Probleme: Stimmungsschwankungen im Zusammenhang mit Wut, Depression, Erregbarkeit, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen und Nervosität
  • Nierenprobleme: Proteinurie, nephrotisches Syndrom
  • Atmungsprobleme: Bronchialreizung, Bronchitis, Husten, Atemnot, Pneumonitis, Atemversagen
  • Schüchternheit, sozialer Rückzug
  • Tremors (Quecksilberzittern, Absichtszittern)

Zusätzlich zu diesen Symptomen haben zahlreiche Studien Risiken für andere mit Zahnamalgam verbundene Gesundheitszustände dokumentiert, darunter Alzheimer-Krankheit, Amyotrophe Lateralsklerose (Lou-Gehrig-Krankheit), Antibiotikaresistenz, Angstzustände, Autismus-Spektrum-Störungen, Autoimmunerkrankungen, Herz-Kreislauf-Probleme, chronische Müdigkeit, Depression, Unfruchtbarkeit, Nierenkrankheit, Multiple Sklerose und Parkinson-Krankheit.

Collage aus Symbolen, die verschiedene gesundheitliche Symptome darstellen (z.B. Kopfschmerz, Müdigkeit, Zittern)

Muss jede Amalgam-Füllung raus?

Auf diese Frage gibt es keine allgemein gültige Antwort. In Hinblick auf die Tatsache, dass Amalgamfüllungen ca. 10 Jahre halten und ohnehin irgendwann entfernt werden müssen oder ausfallen, empfiehlt Dr. Pink eine frühe Sanierung. Welche neue amalgamfreie Füllung dann in Betracht kommt, hängt von der Größe des kariösen Defekts und den Wünschen des Patienten ab. In jedem Fall findet eine gründliche Untersuchung und eine Einschätzung der alten Füllungen sowie ein ausführliches Beratungsgespräch statt, auf deren Basis ein individueller Heil- und Kostenplan erstellt wird.

Amalgam und die Umwelt

Ein weiterer Grund für das Verbot von Amalgam besteht in der Entsorgung. Das aus den Zähnen entfernte Amalgam muss als Sondermüll deklariert und entsorgt werden. Laut Studien werden allein durch die Füllungen 75 Tonnen Quecksilber in den Mündern von Europäern verbaut, in Deutschland sind es rund 2 Tonnen.

Die EU hat den Einsatz von Amalgam bei Schwangeren im letzten Jahr verboten. Seit Juli 2018 gilt eine neue EU-Quecksilberverordnung, mit der Zahnärzte angehalten werden, bei Schwangeren, stillenden Müttern und Kindern unter 15 Jahren auf Amalgam als Füllungsmaterial zu verzichten. Die Maßnahme hat vor allem präventiven Charakter und soll dem Umweltschutz dienen.

Vorbereitende Tipps für eine Schwangerschaft

Wenn Sie schwanger werden möchten, sollten Sie einige allgemeine Ratschläge zur Förderung der Fruchtbarkeit und einer gesunden Schwangerschaft beachten:

  • Stress vermeiden: Körperlicher und seelischer Stress kann den weiblichen Zyklus beeinflussen. Setzen Sie sich nicht unter Druck und achten Sie auf eine gesunde Lebensführung.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig. Achten Sie insbesondere auf eine hohe Zufuhr an Folsäure, um Entwicklungsdefekte des Nervensystems beim Embryo zu verhindern. Spätestens einen Monat vor der geplanten Schwangerschaft sollte die Einnahme eines Folsäure-Präparats begonnen werden.
  • Genussgifte meiden: Verzichten Sie möglichst frühzeitig auf Rauchen und schränken Sie den Alkoholkonsum ein. Rauchen beeinträchtigt nachweislich die Fruchtbarkeit beider Partner.
  • Schutz vor Infektionen: Lassen Sie Ihren Impfstatus überprüfen und stellen Sie sicher, dass Sie ausreichend gegen Röteln geschützt sind. Eine Blutuntersuchung kann Aufschluss über vorhandene Antikörper gegen Windpocken, Cytomegalie und Toxoplasmose geben.
  • Zahnarztbesuch: Lassen Sie notwendige zahnärztliche Behandlungen vor einer Schwangerschaft durchführen oder die Zähne kontrollieren.

Bei akuten oder chronischen Gesundheitsproblemen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Schilddrüsenfunktionsstörungen, Epilepsie, Asthma oder Erkrankungen von Herz, Nieren und Leber sollten Sie dies vor der Schwangerschaft mitteilen. Eine medikamentöse Behandlung muss gegebenenfalls angepasst werden. Auf nicht ärztlich verordnete Arzneimittel sollte verzichtet oder deren Einnahme besprochen werden.

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Zusammenfassung der wissenschaftlichen Erkenntnisse

Die Studienlage zur krankheitsauslösenden Wirkung von Amalgam ist uneinheitlich. Bekannt ist jedoch, dass Quecksilber das werdende Leben beeinträchtigen kann. Die Menge der aus Amalgamfüllungen entweichenden Quecksilbermenge hat Auswirkungen auf Föten. Während bei wenigen Füllungen das Risiko gering ist, steigt es ab einer Menge von 13 Amalgamfüllungen signifikant an. Wer einen Kinderwunsch hegt und viele Amalgamfüllungen hat, sollte über eine Amalgamsanierung nachdenken. Die meisten Füllungen lassen sich durch Komposit (Kunststoff) oder ein Inlay ersetzen. Steht nicht mehr genug Zahnschmelz zur Verfügung, kommt in der Regel eine Krone zum Einsatz.

Die EU-Quecksilberverordnung von 2018 zielt darauf ab, den Einsatz von Amalgam bei Risikogruppen wie Schwangeren, stillenden Müttern und Kindern unter 15 Jahren zu reduzieren, was primär präventiven Charakter und Umweltschutz bezweckt. Die Forschung zeigt, dass Quecksilber ein Neurotoxin ist und verschiedene gesundheitliche Probleme verursachen kann. Die individuellen Reaktionen auf Quecksilberbelastung können durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst werden, darunter genetische Veranlagung, Anzahl der Amalgamfüllungen, Ernährung und Exposition gegenüber anderen Umweltgiften.

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