Das Kleinkindalter, das auf die ersten, oft herausfordernden Babymonate folgt, ist eine Phase intensiver Entwicklung und des Lernens. Jede Entwicklungsphase beginnt mit einer schwierigen Zeit, in der das Kind besonders anhänglich, weinerlich und launisch sein kann. Die Sprünge während des zweiten Lebensjahres sind dabei oft noch mühsamer als die im ersten Halbjahr. Während Eltern im ersten Lebenshalbjahr bei schwierigen Phasen ihres Babys eher irritiert sind und es trösten, weil sie wissen, dass das Kind nichts dafür kann, sind sie im zweiten Halbjahr häufiger verunsichert und versuchen, ihr Baby abzulenken. Ein Baby lässt sich meist noch darauf ein, doch bei einem Kind im zweiten Lebensjahr funktioniert das oft nicht mehr, was zu Konflikten führen kann.
Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Phasen bei Kleinkindern Teil ihrer normalen Entwicklung sind. Eine positive Haltung und die Erkenntnis, dass solche Phasen wieder vorübergehen, können Eltern helfen, diese Zeit gelassener zu meistern.
Die Phasen der kindlichen Entwicklung und Wachstumsschübe
Kinder wachsen und entwickeln sich unterschiedlich schnell. Während manche Kinder früher als Gleichaltrige in die Höhe schießen, dauert es bei anderen länger, bis ein Wachstumsschub eintritt. Grundsätzlich zeichnen sich Wachstumsschübe dadurch aus, dass die Körpergröße, das Gewicht und der Kopfumfang eines Kindes innerhalb einer kurzen Zeit deutlich zunehmen. Diese Phasen sind jedoch nicht nur auf das körperliche Wachstum beschränkt, sondern werden auch von geistigen und motorischen Entwicklungsschüben begleitet. Wachstum und geistige Entwicklung verlaufen weitgehend parallel.
Man unterscheidet grundsätzlich drei Wachstumsphasen:
- Erste Phase: Von der Geburt bis zum 3. Lebensjahr. In dieser Phase findet eine rasante Entwicklung statt, mit insgesamt acht Entwicklungssprüngen im ersten Lebensjahr.
- Zweite Phase: Vom dritten Lebensjahr bis zum Beginn der Pubertät. In dieser Phase wachsen Kinder zwar insgesamt etwas langsamer, gewinnen aber dennoch mit jedem Lebensjahr einige Zentimeter dazu.
- Dritte Phase: Der dritte und größte Wachstumsschub erfolgt während der Pubertät bis zum Alter von etwa 17 (Mädchen) bis 19 (Jungen) Jahren.
Die Entwicklungsschübe sind nicht nur auf die Körpergröße beschränkt, sondern umfassen auch die Grob- und Feinmotorik, kognitive Fähigkeiten, Sprachentwicklung und soziale Entwicklung. Der Begriff "Schub" ist dabei etwas irreführend, da die Entwicklung eigentlich fließend verläuft und Fähigkeiten nicht ausschließlich in einem bestimmten Schub erlernt werden, sondern sich dort besonders eindrücklich zeigen.

Entwicklungssprünge im Kleinkindalter: Symptome und Anzeichen
Während Entwicklungsschübe bei Babys oft durch vermehrtes Quengeln, Schlafstörungen und erhöhte Nähebedürfnisse erkennbar sind, äußern sich diese bei Kleinkindern differenzierter und wirken sich auf alle Verhaltensbereiche aus. Die Anzeichen können für Eltern oft anstrengender sein, da Kleinkinder bereits mehr äußern, verweigern und in Unordnung bringen können.
Typische Symptome für einen Wachstumsschub bei Kleinkindern umfassen:
- Einschlafschwierigkeiten und häufiges Aufwachen in der Nacht
- Verweigerung gewohnter Rituale (z.B. Zähneputzen, Einschlafen)
- Erhöhte Anhänglichkeit
- Unzufriedenheit, Nörgeln und Quengeln
- Einsetzen der "Trotzphase" (Autonomiephase)
- Entwicklung der Selbstständigkeit
- Abkapseln von gewohnten Bezugspersonen
- Verweigern von fester Nahrung
Besonders die Autonomiephase, auch bekannt als Trotzphase, ist in dieser Zeit in den Startlöchern. Kinder beginnen, ihren eigenen Willen durchzusetzen und hinterfragen vermehrt Regeln und Vorgaben der Eltern.
Die bekannten Wachstumsschübe nach "Oje, ich wachse!"
Das Buch "Oje, ich wachse!" von Hetty van de Rijt und Frans X. Plooij beschreibt die ersten zehn Entwicklungsschübe, von denen drei im Kleinkindalter stattfinden:
| Schub | Alter in Wochen | Alter in Monaten | Beschreibung |
|---|---|---|---|
| 8. Sprung | 55 Wochen | 12 Monate | Vom Baby zum Kleinkind: Verbesserung der Motorik, erster Wortschatz, Verständnis für Abläufe. |
| 9. Sprung | 64 Wochen | 15 Monate | Die Welt der "Prinzipien": Abwandlung von erlerntem Verhalten, Vorausdenken, erste Wutanfälle und trotziges Verhalten. |
| 10. Sprung | 75 Wochen | 17 Monate | Die Welt der "Systeme": Gezieltes Handeln zur Erzielung eines Ergebnisses, Verständnis für unterschiedliche Regeln in verschiedenen Umgebungen. |
Auch nach dem zehnten Schub finden weiterhin Entwicklungssprünge statt, auch wenn diese nicht immer so systematisch beschrieben sind. Eltern berichten beispielsweise von einem Schub um den 22. Monat, nach dem Kinder kognitiv und körperlich deutliche Fortschritte zeigen.

Entwicklung neuer Fähigkeiten und Verhaltensweisen
Mit jedem Entwicklungsschub entwickeln Kinder neue Fähigkeiten, die sich im Spiel und im Umgang mit der Umwelt zeigen. Sie lernen, was es braucht, um ein Ziel zu erreichen, und können erlernte Aktionen erstmals verändert ausführen. Dies führt zu einem spielerischen Experimentieren mit Handlungen und deren Folgen.
Kinder entdecken und lernen:
- Handlungen endlos zu variieren und die Folgen zu beobachten.
- Lustige Dinge zu tun und die Außenwelt kennenzulernen.
- Geschickter mit Gegenständen und Sprache umzugehen.
- Andere nachzuahmen und den Tagesablauf nachzuspielen.
- Gefühle auszutesten und vorauszudenken.
- Kleine Theaterstücke aufzuführen und Mitsprache einzufordern.
Besonders im Alter von drei Jahren machen viele Kinder einen deutlichen Entwicklungsschub durch, der sich auf sprachlicher, kognitiver und sozialer Ebene bemerkbar macht. Dies ermöglicht neue Formen der Interaktion im Spiel, sowohl mit Gleichaltrigen als auch mit Eltern.
Sprachliche Entwicklung und neue Wortschöpfungen
Die neuen sprachlichen Fähigkeiten eröffnen Kindern ganz neue Möglichkeiten. Der Kleinkind-Sprech kann oft witzig sein, mit einer Satzstellung, die an Figuren wie Yoda erinnert, und gelegentlichen Wortschöpfungen, die Eltern zum Lachen bringen. Kinder lernen, Fragen zu formulieren und tun dies mit Begeisterung, was oft den Beginn der "Warum"-Fragenketten markiert.
Beispiele für erfundene Wörter und deren Bedeutung, die von Eltern gesammelt wurden:
- Trottelini (Tortellini)
- Kinderwärterin (Kindergärtnerin)
- Schrumpfhose (Strumpfhose)
- Schlussverreiß (Reißverschluss)
- Süchtigkeiten (Süßigkeiten)
- Mopsarella (Mozzarella)
- Trostbrot (Toastbrot)
Auch die Fähigkeit, alltägliche Situationen im Spiel nachzuahmen, entwickelt sich weiter. Spiele wie "Einkaufen" oder "Vater, Mutter, Kind" werden beliebter, wobei Kinder verschiedene Rollen einnehmen.
Soziale Entwicklung und Interaktion
Mit zunehmendem Alter und verbesserten sprachlichen Fähigkeiten lernen Kinder, besser mit anderen Kindern zusammenzuspielen. Dies wird durch den Kindergartenbesuch gefördert, wo sie auf Gleichaltrige treffen und voneinander lernen. Erste Freundschaften, oft Spiel-Freundschaften, werden geschlossen.
Die zunehmende Selbstständigkeit führt jedoch auch zu vermehrten Diskussionen. Kinder wollen ihre Unabhängigkeit zeigen und akzeptieren nicht mehr alles bedingungslos. Dies kann sich in Diskussionen über Kleidung, Essen oder andere alltägliche Dinge äußern. Eltern können hier oft durch das Anbieten von zwei Alternativen das Gefühl der Selbstbestimmung beim Kind fördern.

Wachstumsschmerzen bei Kleinkindern
Obwohl wissenschaftlich nicht eindeutig nachgewiesen ist, dass Wachstumsschmerzen existieren oder woher sie genau kommen, berichten viele Eltern von Schmerzen bei ihren Kindern, insbesondere im Bereich der Knie, Waden und Oberschenkel. Diese Schmerzen treten oft diffus auf und können vor allem nachts oder in Ruhephasen auftreten, wenn das Wachstumshormon vermehrt ausgeschüttet wird.
Bis zum Morgen sind die Schmerzen in der Regel wieder verschwunden. In seltenen Fällen können sie auch tagsüber auftreten, besonders nach starker körperlicher Aktivität.
Linderung von Wachstumsschmerzen
Eltern können verschiedene Maßnahmen ergreifen, um die Wachstumsschmerzen ihres Kindes zu lindern:
- Wärme oder Kälte: Je nachdem, was das Kind als angenehmer empfindet, können warme Kompressen, Wärmflaschen oder kühle Wickel helfen.
- Sanfte Berührungen und Massagen: Vorsichtige Berührungen der schmerzenden Bereiche oder Massagen mit geeigneten Salben (z.B. Arnika) oder Ölen können schmerzlindernd und beruhigend wirken.
- Krafttraining: In einigen Fällen kann ein auf das Kind abgestimmtes Krafttraining unterstützend wirken.
- Trost und Geborgenheit: Das Kind in den Arm zu nehmen und ihm Trost zu spenden, zeigt Verständnis und gibt ihm Sicherheit.
- Gemeinsame Aktivitäten: Ablenkung durch gemeinsame Unternehmungen kann ebenfalls hilfreich sein.
Es ist wichtig, die Schmerzen des Kindes ernst zu nehmen. Wenn Kinder über einen längeren Zeitraum hinweg über Schmerzen an verschiedenen Stellen klagen, diese wiederkehrend auftreten, tagsüber stark sind oder mit Schwellungen, Rötungen und Fieber einhergehen, sollten Eltern unbedingt einen Kinderarzt aufsuchen, um andere Ursachen auszuschließen.
Beinmassage für Kinder - bei Wachstumsschmerzen
Unterstützung der kindlichen Entwicklung durch Eltern
Die Entwicklungsphasen von Kindern sind individuell, aber Wachstumsschübe sind ein normaler Teil der Entwicklung. Eltern sollten diesen Phasen positiv und gelassen begegnen.
Es gibt zahlreiche Aktivitäten, die Eltern mit dreijährigen Kindern unternehmen können, um Spaß zu haben, die Bindung zu stärken und die Entwicklung zu fördern:
- Gespräche führen: Den Tag gemeinsam besprechen, sei es beim Essen oder vor dem Schlafengehen. Ermutigen Sie Ihr Kind, von seinen Erlebnissen zu erzählen.
- Vorlesen: Kinder können nun kurzen Geschichten folgen und Märchen in Kurzversionen verstehen.
- Singen und Rituale schaffen: Gemeinsames Singen und das Etablieren von Ritualen (z.B. Gutenacht-Ritual, spezielle Unternehmungen) stärken die Bindung.
- Entscheidungen treffen lassen: Lassen Sie Ihr Kind Dinge entscheiden, um sein Selbstbewusstsein zu stärken.
- Dinge erklären und zeigen: Erklärungen sollten nicht zu kompliziert sein. Zeigen Sie Ihrem Kind Dinge, anstatt sie nur zu erklären (z.B. die Wichtigkeit des Anschnallens im Auto durch eine Demonstration).
- Erfahrungen sammeln lassen: Schützen Sie Ihr Kind, wo es nötig ist, aber lassen Sie es auch ungefährliche Erfahrungen sammeln.
- Selbstständigkeit fördern: Lassen Sie Ihr Kind Dinge selbst tun und sich Dinge von ihm zeigen und erklären lassen.
- Teilen üben: Das Prinzip des Teilens ist für Kinder in diesem Alter noch schwer verständlich, aber wichtig zu üben.
- Bedürfnisse ernst nehmen: Erkennen Sie an, dass Ihr Kind ein eigenständiges Wesen mit eigenen Vorlieben und Bedürfnissen ist.
Eltern können ihre Kinder auch im Hinblick auf Motorik und Beweglichkeit unterstützen, beispielsweise durch Laufräder oder Dreiräder. Wichtig ist, dass Eltern ihren Kindern Zeit geben, Dinge selbst zu tun, auch wenn dies Geduld erfordert und zu Frustration führen kann.
Die Zeit mit einem dreijährigen Kind ist oft von vielen lustigen Momenten geprägt. Trotz der Herausforderungen wie der Trotzphase und dem Wunsch nach Selbstständigkeit, ist es eine Phase, in der Kinder verständiger werden und Eltern mehr mit ihnen unternehmen können.
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