Schadstoffe in Kinderwagen: Risiken und worauf Eltern achten sollten

Seit den letzten Tests der Stiftung Warentest sind viele Eltern verunsichert bezüglich der Schadstoffbelastung von Kinderwagen. Die Sorge ist verständlich, da Kinderwagen zu den teuersten Anschaffungen für junge Familien gehören und Eltern für ihr Geld gute Qualität erwarten. Die Stiftung Warentest hat insgesamt 14 Kinderwagen unter die Lupe genommen, darunter auch hochpreisige Modelle. Das Ergebnis war alarmierend: Kein einziger Wagen erhielt die Note "Sehr gut" oder "Gut", und zehn Modelle fielen durch. Hauptursache für die schlechten Bewertungen war die Schadstoffbelastung.

Grafik mit den häufigsten Schadstoffen in Kinderwagen und ihren potenziellen Gesundheitsrisiken

Identifizierte Schadstoffe und ihre Herkunft

In den getesteten Kinderwagen wurden verschiedene Schadstoffe nachgewiesen, die potenziell gesundheitsschädlich sein können:

  • Weichmacher (Phthalate): Diese Chemikalien können in hoher Konzentration zu Unfruchtbarkeit führen.
  • Polzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs): Diese Stoffe können die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen, gelten als krebserregend und erbgutverändernd. PAK-haltiger Ruß wird beispielsweise zur Schwarzfärbung von Gummigriffen verwendet.
  • Krebs­erregende Flammschutzmittel (z. B. Chlorparaffine): Diese können über die Muttermilch auf das Baby übertragen werden und eine Gefahr darstellen.
  • Formaldehyd: Dieser Stoff wurde ebenfalls in einigen Modellen nachgewiesen.
  • PFAS (per- und polyfluorierte Chemikalien): Diese sogenannten "Ewigkeitschemikalien" wurden in mehreren Wagen gefunden und stehen im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein. Sie werden oft für schmutz- und wasserabweisende Eigenschaften von Textilien verwendet.
  • TCPP (Tris(2-chlorisopropyl)phosphat): Dieses für Spielzeug verbotene Flammschutzmittel wurde in einem Innenbezug gefunden und steht im Verdacht, krebserregend zu sein.

Diese Schadstoffe fanden sich in verschiedenen Komponenten der Kinderwagen wie Griffen, Gurten, Bezügen und Regenhauben. Die Exposition kann für Eltern durch das Schieben des Wagens und für Babys durch direkten Kontakt oder durch Kauen an Gurten erfolgen. Viele dieser Stoffe dünsten aus oder können durch Schweiß und Speichel leichter freigesetzt werden.

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Strenge Testkriterien und Herstellerreaktionen

Die Stiftung Warentest legt bei ihren Prüfungen sehr strenge Maßstäbe an. Bei den PAKs orientierten sich die Tester beispielsweise an den Grenzwerten für Kinderspielzeug, die für das GS-Prüfzeichen gelten und bei denen diese Stoffe nicht nachweisbar sein dürfen. Für Kinderwagen und Zubehör gelten diese strengen Richtlinien jedoch nicht. Dennoch hinterfragt die Stiftung Warentest die Notwendigkeit der Verwendung solcher Schadstoffe, wenn sie offensichtlich vermeidbar sind, da nicht alle getesteten Modelle die fraglichen Stoffe enthielten.

Obwohl die Hersteller nicht verpflichtet sind, sich an die strengeren Spielzeugrichtlinien zu halten, reagieren einige auf die Testergebnisse. Beispielsweise kündigte ein Hersteller an, die beanstandeten Wetterschutzhauben nicht mehr auszuliefern und eine schadstofffreie Alternative in Auftrag zu geben. Dies zeigt, dass die Ergebnisse der Stiftung Warentest durchaus Einfluss auf die Produktentwicklung haben.

Sicherheit und Handhabung im Test

Neben der Schadstoffbelastung wurden auch Sicherheitsaspekte und die Handhabung der Kinderwagen geprüft. Bei einigen Modellen gab es Kritik an:

  • Sicherheitsmängeln: Bei drei Modellen bestehe die Gefahr des Einklemmens oder Sturzes für Kinder.
  • Komfort für das Kind: Die Sitze einiger Testsieger waren so tief verbaut, dass Babys erst ab etwa neun Monaten bequem darin sitzen können. Dies führt zu einem unbequemen Zeitraum zwischen der Nutzung der Babywanne und der Sitzeinheit.
  • Zu kurze Babywannen: Bei einigen Modellen können Babys bereits nach vier bis fünf Monaten herauswachsen, was die Gefahr birgt, dass sie zu früh hingesetzt werden.
  • Engen Wannen: Manche Wannen sind so schmal, dass Kinder mit Windel oder Winterkleidung kaum Platz haben.
  • Verletzungsgefahr: Lücken zwischen Rahmen und Fußstütze oder beim Aufrichten des Sitzes können zu Einklemmen oder Stolpern führen.
  • Instabile Babywannen: Bei einem Modell kann die Babywanne durch einen einzelnen Entriegelungsknopf unbeabsichtigt herunterkippen.

Positiv hervorgehoben wurde hingegen die Haltbarkeit aller getesteten Kinderwagen, was sie auch für Geschwisterkinder geeignet macht.

Infografik: Worauf Eltern beim Kauf eines Kinderwagens achten sollten

Worauf Eltern beim Kinderwagenkauf achten sollten

Angesichts der Testergebnisse ist es für Eltern ratsam, beim Kauf eines Kinderwagens auf verschiedene Kriterien zu achten:

Materialien und Schadstofffreiheit

Achten Sie darauf, dass der Kinderwagen frei von Schadstoffen ist. Zertifizierungen wie Ökotex 100 oder eine Prüfung durch Dermatest können Hinweise auf Schadstofffreiheit geben. Bevorzugen Sie Modelle, die aus natürlichen Materialien wie Baumwolle gefertigt sind und deren Bezüge bei 30 Grad waschbar sind. Achten Sie auf atmungsaktive Stoffe, die Feuchtigkeit regulieren.

Sicherheit

Informieren Sie sich über vorhandene Sicherheitszertifizierungen (z. B. nach EN 1888). Überprüfen Sie, ob es keine Einklemm- oder Sturzgefahr für das Kind gibt und ob alle Sicherheitsstandards erfüllt sind.

Handhabung und Ergonomie

Der Kinderwagen sollte eine ergonomische Handhabung für die Eltern gewährleisten, mit leicht abwärts geneigten Armen beim Schieben. Eine gut erreichbare Feststellbremse ist ebenfalls wichtig. Achten Sie auf eine höhenverstellbare Griffstange, falls Sie oder Ihr Partner besonders groß oder klein sind.

Passform und Komfort für das Kind

Stellen Sie sicher, dass die Babywanne ausreichend lang und breit ist, um Ihrem Baby auch mit Kleidung und Windel genügend Platz zu bieten. Prüfen Sie, ob die Rückenlehne und Fußstütze verstellbar sind und ob das Kind auch im Sitzen gut gestützt wird. Beachten Sie, dass Babys in der Regel erst ab sechs Monaten aufrecht sitzen sollten.

Funktionalität und Alltagstauglichkeit

  • Klappmaß: Passt der Kinderwagen zusammengeklappt in Ihr Auto?
  • Federung: Eine gute Federung ist wichtig, besonders wenn Sie oft auf unebenen Wegen unterwegs sind.
  • Stauraum: Ein geräumiger und gut zugänglicher Einkaufskorb ist praktisch.
  • Wendigkeit: Für den Stadtverkehr ist ein kleiner Wendekreis von Vorteil.
  • Gewicht: Ein leichtes Modell erleichtert das Tragen und Einladen.
  • Sonnenschutz: Ein Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor 50+ schützt das Baby vor schädlicher UV-Strahlung und verhindert das Ausbleichen der Stoffe.
  • Regenschutz: Ein integrierter oder leicht anzubringender Regenschutz ist unerlässlich.

Hersteller und Garantie

Vertrauen Sie auf Marken, die in Deutschland produzieren oder endfertigen. Informieren Sie sich über die Garantiebedingungen - eine längere Garantiezeit als die gesetzlichen zwei Jahre kann ein Zeichen für die Produktqualität sein.

Vergleichstabelle der getesteten Kinderwagen mit Noten für Schadstoffe, Sicherheit und Handhabung

Die Stiftung Warentest rät Eltern, nach dem Kauf abnehmbare Textilien zu waschen, um einen Teil der Schadstoffe zu entfernen. Wer sich zusätzlich Sorgen macht, sollte darauf achten, dass Kinder möglichst wenig Teile des Wagens mit dem Mund berühren und auf eine gute Handhygiene achten.

tags: #schadstoffe #hesba #kinderwagen