Eine Fehlgeburt, auch missed abortion (MA) genannt, macht sich oft erst spät bemerkbar und bleibt zunächst ohne auffällige äußere Symptome. Häufig wird erst bei der zweiten oder dritten Vorsorgeuntersuchung festgestellt, dass das Baby nicht mehr gewachsen ist und keine Herzaktion mehr vorhanden ist. Das Ausbleiben einer Blutung ist dabei oft das erste Anzeichen, obwohl dies nicht immer der Fall sein muss. Diese Diagnose stellt für die betroffenen Frauen einen tiefen Schock und eine emotionale Katastrophe dar.
Der Umgang mit einer Fehlgeburt ist in Deutschland noch immer stark von medizinischer Routine geprägt. Vielerorts wird Frauen sofort eine Ausschabung (Curettage) angeraten, ein Eingriff, der oft als invasiv und belastend empfunden wird. Fehlgeburten sind dabei keine Seltenheit, wie die Autorin betont und die Resonanz auf das Thema in ihrem Buch hervorhebt. Die Erfahrung zeigt, dass viele Frauen nach der Diagnose zunächst unter Schock stehen und dann, in ihrem individuellen Tempo, die notwendige Trauerarbeit durchlaufen. Phasen der Verzweiflung, Trauer, Wut und die Frage nach dem "Warum" können zu einer emotionalen Achterbahnfahrt führen.
Alternative Ansätze und abwartendes Verhalten
Es gibt jedoch auch Hinweise darauf, dass ein abwartendes Verhalten bei bestimmten Anzeichen einer Fehlgeburt sinnvoll sein kann. Untersuchungen deuten darauf hin, dass manche Babys in einem sehr frühen Stadium der Schwangerschaft unkonventionell wachsen oder eine Herzaktion aufweisen, die zunächst nicht nachweisbar ist. Die gültigen Normwerte stellen lediglich die Mittellinie dar, und es gibt immer Ausreißer. In einigen Fällen kann es ratsam sein, etwa zwei Wochen abzuwarten, um eine erneute Untersuchung durchzuführen.
Manche Babys scheinen zu Beginn ihres Wachstums und ihrer Herzschlagaktivität eine Art "Winterschlaf" zu halten. Es gibt Berichte von Frauen, denen gesagt wurde, dass eine Ausschabung notwendig sei, obwohl das Baby später doch noch wuchs. Daher wird empfohlen, nicht überstürzt zu handeln, aber auch nicht alles auf eine Karte zu setzen.

Die "Kleine Geburt" zu Hause und die Rolle der Hebamme
Wenn feststeht, dass das Baby nicht mehr lebt, ist die Verarbeitung ein Prozess, der Körper und Seele Zeit gibt. Ein überstürztes Handeln oder Aktionismus kann hier kontraproduktiv sein. Bis vor wenigen Jahren war es in einigen Regionen noch üblich, Frauen direkt nach der Diagnose zur sofortigen Ausschabung in die Klinik zu überweisen. Dies wird heute als weder notwendig noch ratsam angesehen. Es ist empfehlenswert, die Gebärmutter in Ruhe zu lassen, um Verletzungsrisiken zu vermeiden.
Alternativ kann eine natürliche "Kleine Geburt" zu Hause abgewartet werden. Dieser Prozess kann einige Tage bis Wochen dauern. Eine Curettage ist nur in seltenen Fällen tatsächlich notwendig. Die Vorstellung, ein totes Baby im Körper zu tragen, kann beängstigend sein, doch gleichzeitig ist es dort noch sicher und geborgen. Es besteht keine Gefahr einer Vergiftung oder Sepsis, die ein schnelles Handeln erfordern würde.
Die Begleitung durch eine Hebamme, die auf Fehlgeburten spezialisiert ist, kann in diesem Prozess sehr hilfreich sein. Sie unterstützt körperlich und emotional, beantwortet Fragen und kann gegebenenfalls naturheilkundliche Unterstützung anbieten. Wenn eine Ausschabung vermieden werden möchte, ist es wichtig, sich bewusst zu sein, dass dies Geduld erfordert und nicht immer leicht ist. Diese Zeit kann für den Abschied, das Weinen und die Verarbeitung der Leere genutzt werden.
Hirtentäschel in der Frauenheilkunde
Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris) ist ein beliebtes Kraut in der Frauenheilkunde, das auch nach einer Fehlgeburt zur Unterstützung der Gebärmutterrückbildung eingesetzt wird. Es blüht am Wegesrand und ist auch als Magerblümchen bekannt. Seine Beliebtheit verdankt es seinen Wirkstoffen, insbesondere einer Eiweißverbindung, die dem Hormon Oxytocin ähnelt. Oxytocin ist während der Geburt für die rhythmischen Kontraktionen der Gebärmutter und nach der Geburt für die Nachwehen verantwortlich, die zur Rückbildung beitragen.
Anwendung von Hirtentäschel
Hirtentäschel kann sowohl äußerlich als auch innerlich angewendet werden. Für die Unterstützung der Gebärmutterrückbildung eignen sich Tees oder Tinkturen. Das Kraut kann frisch verwendet oder getrocknet und luftdicht gelagert werden. Getrocknetes Hirtentäschel sollte innerhalb von drei Monaten aufgebraucht werden, da es sonst seine Wirkung verliert.
- Tee zur Rückbildung: Eine Mischung aus 30g Hirtentäschelkraut, 30g Schafgarbenkraut, 30g Frauenmantelkraut und 10g Ringelblumenblüten wird mit heißem Wasser übergossen und fünf bis zehn Minuten ziehen gelassen.
- Reiner Hirtentäschel-Tee: Zwei Teelöffel frisches oder ein Teelöffel getrocknetes Kraut werden mit einem halben Liter heißem Wasser aufgegossen. Während des Wochenflusses können drei Tassen Tee täglich getrunken werden.
- Hirtentäschel-Tinktur: Frisches, leicht zerpflücktes Kraut wird bis zu drei Vierteln in ein Schraubglas gefüllt und mit 40-prozentigem Korn aufgegossen. Das Glas zieht drei Wochen im Halbschatten. Maximal 30 Tropfen können fünfmal täglich eingenommen werden. Hinweis: Die Tinktur ist aufgrund des Alkohols für stillende Frauen nicht geeignet.
Der Geschmack von Hirtentäschel ist eigen und nicht jedermanns Sache. Die Anwendung von Kräutern sollte stets in Absprache mit einer Hebamme oder einem Arzt erfolgen.
Medizinische und naturheilkundliche Unterstützung
Neben Hirtentäschel gibt es weitere unterstützende Maßnahmen. Eine Empfehlung ist, den Zyklus vor der Schwangerschaft nachzurechnen. Oft verabschieden sich Kinder zu einem Zeitpunkt, an dem normalerweise die Menstruation eintreten würde. Begleitende Maßnahmen sind zu diesem Zeitpunkt besonders sinnvoll, da die Gebärmutter offenbar auf mehr Aktivität eingestellt ist.
Weitere unterstützende Maßnahmen, die in Absprache mit einer Hebamme erwogen werden können:
- Gebärmutteranregendes Massageöl: Ut-Öl von Ingeborg Stadelmann kann sanft auf den Bauch über dem Schambein massiert werden.
- Hochdosiertes Vitamin C: 6 Gramm (ca. ein Teelöffel) über den Tag verteilt können die Gebärmutteraktivität anregen. Achtung: Kann Durchfall auslösen.
- Senfmehlfußbäder: 2 EL Senfmehl in einem Eimer mit lauwarmem Wasser ergeben ein anregendes und ausleitendes Fußbad für 10-15 Minuten.
Schulmedizinische Optionen:
In Deutschland gewinnt auch ein schulmedizinischer Weg an Bekanntheit, insbesondere durch positive Erfahrungen aus Skandinavien, den Benelux-Ländern und der Schweiz. Das Medikament Misoprostol (Cytotec®) wird mittlerweile von einigen Frauenärzten und Kliniken eingesetzt. Es wird "off-label" zur Geburtseinleitung und zum medikamentösen Schwangerschaftsabbruch verwendet und kann bei einer missed abortion eine Fehlgeburt auslösen. Dieses Medikament ist verschreibungspflichtig.
Wichtig ist hierbei die korrekte Dosierung und eine gute Begleitung, da die medikamentös unterstützte Fehlgeburt einer "Kleinen Geburt" ähnelt und nicht nur einer verstärkten Menstruation. Frauen sollten den Umfang der Blutung und mögliche Schmerzen nicht unterschätzen. Wehenartige Schmerzen, ähnlich starken Regelschmerzen, können auftreten. Bei Bedarf können Schmerzmittel wie Ibuprofen 600 und Buscopan® eingenommen werden. Auch ein Tee aus Gänsefingerkraut kann lindernd wirken.
Geburtsvorbereitung für Männer I Dr. Johannes Wimmer
Es ist entscheidend, dass die betroffene Frau nicht allein ist. Unterstützung durch den Partner, Freunde oder die Hebamme ist wichtig. Die Umgebung sollte gemütlich und geschützt gestaltet werden. Von der Gabe von Cytotec® bis zum Beginn der Fehlgeburt vergehen meist ein bis vier Stunden.
Viele Frauen unterschätzen den Umfang der Blutung, die mit Gewebeteilen einhergehen kann. Gelegentlich kann es auch zu Übelkeit kommen. Die Fruchtblase kann sich lösen und mit dem Embryo abgehen. Manche Frauen möchten das Baby auffangen, um es später zu bestatten. Die Hebammenbegleitung ist in dieser Zeit enorm wichtig.
Ausschabung als Option
Auch wenn der Fokus oft darauf liegt, eine Ausschabung zu vermeiden, ist sie nicht das Ende der Welt. Wenn ein abwartendes Verhalten oder eine medikamentöse Einleitung nicht zu einer vollständigen "Kleinen Geburt" führt oder keine Option für die Frau ist, ist die Curettage ein Routineeingriff, der wenige Minuten dauert und oft ambulant durchgeführt wird.
Die Entscheidung für oder gegen eine Ausschabung sollte immer individuell getroffen werden, basierend auf der persönlichen Situation, den medizinischen Empfehlungen und dem eigenen Gefühl. Unabhängig vom gewählten Weg ist die emotionale und körperliche Unterstützung durch Fachpersonal wie Hebammen und Ärzte unerlässlich.

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