Das indische Kino, heute allgemein als Bollywood bekannt, gilt als eine der bedeutendsten kulturellen und künstlerischen Waffen Indiens. Diese Sammlung von Texten zielt darauf ab, die „weiche“ Macht Bollywoods darzustellen, die es zu einem einzigartigen und wirkungsvollen Verbreiter indischer Kultur und Werte im Ausland macht. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Bollywood-Kreisen in Deutschland und den Drehorten in Europa.
Bollywoods Präsenz in Deutschland
Im April 2004 titelte die Zeitung Die Welt mit der „Bollywoodisierung des Abendlandes“ im Allgemeinen und Deutschlands im Besonderen. Diesem Beispiel folgten weitere deutsche Zeitungen, die eine Zunahme der Popularität von Bollywood verzeichneten, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die verkündete: „Was Medien angeht, hat Indien Deutschland eindeutig erreicht.“ Tatsächlich erwiesen sich DVD-Veröffentlichungen und TV-Übertragungen von Hindi-Filmen in Deutschland als überraschend erfolgreich. Die deutsche Nation entwickelte sich zu einem westlichen Raum, in dem die Hindi-Filmindustrie neue, breite „weiße“ Zielgruppen erobern konnte.
Die Frage nach der Effektivität Bollywoods in Deutschland seitdem und seinem Einfluss („soft power“) wird in diesem Kontext untersucht. Euphorisierende Behauptungen über den „Bollywood-Boom“ in Deutschland werden hinterfragt, indem die vielfältigen Medien analysiert werden, durch die diese „glitzernde Unterhaltungsform“ in Deutschland und sogar früher Verbreitung fand. Der Fokus liegt auf der Verbreitung kommerzieller Hindi-Filme über die Kanäle Kino, DVD und Fernsehen aus einer transkulturellen Perspektive.
Da die Verbreitung populärer indischer Filme in Deutschland weder auf eine bestimmte Einwanderergruppe noch auf einen bestimmten Verbreitungskanal beschränkt ist, werden sowohl Mainstream- als auch diasporische Medien sowie deren Überschneidungen berücksichtigt. Diese Veröffentlichungen können mit einer breiteren Entwicklung im indischen Kino verbunden werden, die Rajadhyaksha (2007) als „Bollywoodisierung“ bezeichnete.
Deutschland unterscheidet sich jedoch von anderen westlichen Nationen wie Kanada oder dem Vereinigten Königreich durch eine vergleichsweise kleinere südasiatische Diaspora. Man könnte es sogar als „Bollywood ohne Inder“ (Larkin 2003: 175) beschreiben, ähnlich wie Nigeria, ein Rezeptionskontext, der von Brian Larkin (2002 [1997]) brillant erforscht wurde. Auf den ersten Blick scheint Deutschland auch die „bisher unerforschten Gebiete“ zu verkörpern, die in Anjali Gera Roys Einführung zu diesem Buch erwähnt werden, und das Publikum könnte größtenteils aus „nicht-traditionellen Bollywood-Konsumenten (NBC)“ (Gopal und Moorti 2008: 43) bestehen. Eine genauere Betrachtung der Verbreitung des indischen Kinos in Deutschland zwingt jedoch zur Relativierung solcher Annahmen. Während populäre Hindi-Filme seit mehreren Jahren teilweise über informelle diasporische Kanäle sichtbar waren, muss darauf hingewiesen werden, dass einige Filme bereits in den späten 1950er und 1960er Jahren offiziell in deutschen Kinos liefen.
Drehorte von Bollywood in Europa
Österreich und die Schweiz als beliebte Kulissen
Bollywood-Produktionsfirmen kehren immer wieder nach Österreich und in die Schweiz zurück. Beide Länder profitieren wirtschaftlich und sind erfreut über indische Investitionen. Eine Woche Dreh kann mit allem Drum und Dran etwa eine Viertelmillion Euro einbringen. Die Beliebtheit dieser Länder bei indischen Filmemachern erklärt sich durch ihre Entgegenkommen und Flexibilität. Die Schweizer und Österreicher können gut mit Indern umgehen und bieten erstklassige Filmausrüstung, Crews und indisches Essen.
Zeitweise waren auch Großbritannien, insbesondere Schottland, beliebte Drehorte. Der Titelsong von „Kuch Kuch Hota Hai“ wurde beispielsweise in Loch Lomond gedreht. Weitere in Schottland gedrehte Filme waren „Dhaai Akshar Prem Ke“ (Edinburgh Castle) und Rahul Rawails „Kuch Khatti Kuch Meethi“ (auf der Princes Street in Edinburgh). Mittlerweile sind schottische Drehorte, insbesondere im Sommer, für die indischen Produktionen zu teuer geworden.
Indische Filme werden auch gerne in Ungarn, Tschechien und Polen gedreht. Polen gewinnt insbesondere für Bollywood-Dreharbeiten an Bedeutung, angefangen mit dem Film „Fannah“. Die Dreharbeiten zu „Fannah“ sind in vollem Gange. Im Vorjahr wurden mehrere Filme in polnischen Kinos gezeigt, darunter Shah Rukh Khans „Main Hoon Na“, „Kal Ho Naa Ho“ und „Kabhi Khushi Kabhie Gham“, die große Hits waren und ihn zu einer Sensation bei jungen Kinobesuchern machten. Yash Raj Films, das Produktionshaus hinter Hits wie „Kabhi Kabhie“, „Silsila“ und „Dilwale Dulhania Le Jayenge“, war möglicherweise die erste Bollywood-Produktionsfirma, die auf den Hängen der Tatra-Berge drehte. „Fannah“ wird in einem wunderschönen Luftkurort in Südpolen gedreht.
Das Land hofft natürlich auf weitere Filmproduktionen und Investitionen. Der stellvertretende indische Botschafter in Berlin, Amit Dasgupta, äußert sich zuversichtlich, dass die deutsch-indische Zusammenarbeit in der Filmbranche noch besser werden wird. Interessanterweise war ausgerechnet ein Deutscher einer der Pioniere des Bollywood-Kinos: Der in Deutschland weitgehend vergessene Münchner Franz Ostermayr, der sich selbst Franz Osten nannte, prägte das indische Kino als Regisseur wie kein zweiter. Zwischen 1935 und 1939 führte der Bayer bei nicht weniger als 16 Spielfilmen für die indische Produktionsfirma „Bombay Talkies“ Regie.
Osten setzte technische und dramaturgische Maßstäbe, wie Gerhard Koch, Professor für Germanistik und Anglistik, berichtet. In Deutschland hatte Osten 1909 in München-Schwabing die Produktionsfirma Emelka gegründet, aus der später die Bavaria Film hervorging. Osten begann seine Karriere mit der Verfilmung von Heimatromanen, und er übertrug die gefällige Dramaturgie dieser Filme einfach auf indische Gegebenheiten. Außer den Kostümen änderte sich überraschend wenig, was bis heute gilt: Ein Bollywoodfilm ist oft ein „richtig schöner Heimatfilm“, der die Sehnsucht nach geordneten Verhältnissen befriedigt und weltweit Menschen zum Träumen bringt. Allein in Deutschland schalteten 2,33 Millionen Zuschauer ein, als RTL2 im vergangenen Jahr den ersten von zwölf Bollywoodfilmen zeigte.
Die Schweiz als Bollywood-Drehort
Ein Nutzer teilt seine Begeisterung darüber, dass Bollywood-Filme in der Schweiz gedreht werden, und hofft, selbst Zeuge eines Drehs zu werden. Er erwähnt, dass das Thema „Bollywood - Das indische Kino und die Schweiz“ für ein Schulprojekt gewählt wurde, da er ein großer Bollywood-Fan ist. Die Möglichkeit, Stars wie Shah Rukh Khan und Rani Mukerji zu treffen, würde ihn „durchdrehen“ lassen.
Ein weiterer Nutzer bestätigt, dass der Song „Humko Humise Churaa Lo“ aus dem Film „Veer & Zara“ in der Schweiz gedreht wurde. Die Nutzerin erinnert sich an einen Besuch bei ihrer Familie in Lienz/Osttirol (Österreich), wo in einer kleinen Burg, die eine Stiftung mit Ausstellungen beherbergt, ein Film gedreht wurde. Sie bedauert im Nachhinein, dass sie nicht näher dabei war, als sie noch nichts von Bollywood wusste und die indischen Berge als Filmkulisse für witzig hielt. Ihr Verwandter, der in der Burg arbeitet, hat nun den Auftrag, sie sofort bei weiteren Dreharbeiten zu informieren.
Tirol als neue Kulisse
Seit Jahren drehen indische Regisseure ihre Bollywood-Dramen in den Schweizer Alpen und lösen damit einen Touristenboom aus. Nun hoffen auch deutsche Bergdörfer auf das lukrative Geschäft. Als die Schauspielerin Diyaa Sharma in einem orange-goldenen Sari ihrem Angebeteten einen Kuss auf die Wange haucht, stapfen im Hintergrund Wanderer in Lederhosen vorbei. Das orientalische Paar blickt sehnsüchtig zu den schroffen Gipfeln auf, während es Hand in Hand über eine Almwiese tanzt.
Auf einer Anhöhe in der Nähe von Innsbruck prallen die Kulturen aufeinander: Ein Filmteam aus der südindischen Metropole Hyderabad dreht gerade die Schlüsselszene des Films „Asadhyudu“, was auf Deutsch „Tapferer Mann“ bedeutet. Diese „Song and Dance“-Sequenzen sind der beliebteste Bestandteil der Drei-Stunden-Epen, und die Songs dazu sind meist schon Wochen vorher in den Charts. Bis in die achtziger Jahre wurden diese Szenen im Kaschmir-Gebirge gedreht. Als dieses Gebiet durch politische Unruhen unsicherer wurde, fanden die Produzenten in der Schweiz perfekte Ersatzkulissen für die Tanzeinlagen. Inzwischen kennt fast jedes indische Kind Bilder der eidgenössischen Berglandschaft. Auf der Suche nach neuen, unverbrauchten Schauplätzen hat die milliardenschwere indische Filmindustrie nun die Tiroler Alpen für sich entdeckt. Die indische Filmwirtschaft ist mit rund 1000 Produktionen im Jahr die größte der Welt und wird deshalb Bollywood genannt.
Für ein Land wie Tirol zahlt es sich aus, wenn indische Filmteams dort drehen. Nicht nur, dass die Region so auf einem der weltgrößten Märkte der Zukunft bekannt wird - Indien hat mehr als eine Milliarde Einwohner und ist nach China der zweitgrößte Staat der Erde -; die zahlungskräftige indische Mittel- und Oberschicht reist auch gerne auf den Spuren ihrer Filmhelden um die Welt. So sind in Tirol in den vergangenen fünf Jahren die Übernachtungen indischer Film-Touristen um 100 Prozent gestiegen. In der Schweiz hat man sich längst auf die Ansprüche der Gäste eingestellt. Das Hotelpersonal wird in Seminaren im „Kulturverständnis Indien“ geschult, auf dem Brienzersee werden „Indian Dinner Cruises“ angeboten. In Deutschland tut man sich indes schwer, die betuchten Film-Inder anzulocken. Kaum ein Team verirrt sich bisher auf deutschen Boden.
Von offizieller Seite werden die indischen Filmproduzenten in Deutschland deshalb heftig umworben. Ob sich die Hoffnungen auf einen indischen Geldsegen erfüllen werden, ist fraglich - bisher hält sich die Resonanz indischer Filmteams in Grenzen. Gerade mal eine Handvoll Bollywood-Filmer haben sich in den vergangenen Jahren für die Exotik des Schwabenlandes begeistern können.

Der Film „Koi... Mil Gaya“
Der indische Hindi-Science-Fiction-Drama-Film Koi... Mil Gaya aus dem Jahr 2003, unter der Regie und Produktion von Rakesh Roshan, spielt eine Rolle im Kontext der indischen Filmproduktion, auch wenn er nicht direkt mit europäischen Drehorten in Verbindung steht. Der Film erzählt die Geschichte von Rohit Mehra, einem Mann mit einer Entwicklungsstörung, der mit Hilfe eines außerirdischen Wesens namens Jadoo übernatürliche Fähigkeiten erlangt. Nach dem Erfolg seines romantischen Films Kaho Naa... Pyaar Hai (2000) wollte Rakesh Roshan erneut mit seinem Sohn Hrithik Roshan an einem anderen Filmtyp arbeiten.
Die Dreharbeiten fanden von November 2001 bis März 2003 in Kanada, Indien und Neuseeland statt. Rajesh Roshan komponierte den Soundtrack und die Hintergrundmusik des Films. Mit einem Budget von 25 Crore Rupien (3,0 Millionen US-Dollar) wurde Koi... Mil Gaya am 8. August 2003 veröffentlicht und war der erste Teil der Krrish-Reihe. Der Film, beworben mit dem Slogan „You Are Not Alone…“, richtete sich an Kinder und Eltern. Er war der zweiterfolgreichste indische Film des Jahres und erzielte weltweit 82,326 Crore Rupien (9,7 Millionen US-Dollar). Der Film erhielt positive kritische Reaktionen, wobei die Leistungen des Ensembles besonders gelobt wurden. Zwei Fortsetzungen, Krrish (2006) und Krrish 3 (2013), wurden später veröffentlicht.
Koi... Mil Gaya gewann drei National Film Awards (darunter Best Film on Other Social Issues). Bei den 49. Filmfare Awards erhielt er elf Nominierungen und gewann fünf Preise, darunter Best Film, Best Director (Rakesh Roshan) und Best Actor (Hrithik Roshan). Der Film gewann fünf seiner elf Nominierungen bei den 5. IIFA Awards, darunter Best Director und Best Actor.
Der Film gilt als Meilenstein seines Genres und ist einer der ersten indischen Filme, der Außerirdische thematisiert. Die Figur Jadoo wurde populär und inspirierte eine Spin-off-Serie namens J Bole Toh Jadoo (2004).
(84 Mistakes) In KOI MIL GAYA - Plenty Mistakes In " KOI MIL GAYA " Full Movie - Hrithik Roshan
Der Film wurde am 8. August 2003 veröffentlicht und war an den Kinokassen erfolgreich, unter anderem aufgrund des Mitgefühls des Publikums für Hrithik Roshans Charakter als Mann mit einer Entwicklungsstörung. Branchenanalysten spekulierten, der Film würde ein „harter Test“ für den Schauspieler sein. Der Film wurde in Indien auf 450 Leinwänden veröffentlicht und erzielte am Eröffnungstag 22,5 Millionen Rupien (270.000 US-Dollar), was die zweithöchsten Eröffnungstageseinnahmen des Jahres darstellte. Bis zum Ende seines Eröffnungswochenendes erzielte er 64,5 Millionen Rupien (760.000 US-Dollar) und nach seiner ersten Woche 129 Millionen Rupien (1,5 Millionen US-Dollar). Im Ausland zog der Film kein großes Publikum an.
Koi... Mil Gaya erhielt positive kritische Reaktionen, wobei die meisten Kritiker die schauspielerischen Leistungen (insbesondere die von Hrithik Roshan) lobten. Die Leistungen von Rekha und Zinta wurden kritisiert; mehrere Kritiker empfanden sie als „völlig verschwendet“ und nur als „dekoratives Stück“ des Films. Trotzdem wurde Rekhas Leistung kritisch besser aufgenommen. Udita Jhunjhunwala von Mid-Day bemerkte: „Man geht zu Koi... Mil Gaya und erwartet, einen mysteriösen Außerirdischen zu finden, was man am Ende entdeckt, ist ein Kind in einem selbst.“ Sie lobte Roshan für seine Leistung in „seiner mutigsten Rolle“. Bollywood Hungama bemerkte: „Hrithik Roshan dominiert die Show und liefert eine kraftvolle Leistung ab. Die Rolle eines geistig behinderten Menschen ist kein Spaziergang, aber der Schauspieler nimmt sie an wie eine Fisch zum Wasser. Er schafft es, die Null-zu-Helden-Routine außergewöhnlich gut zu meistern. Als Schauspieler erreicht er mit dieser großartigen Leistung schwindelerregende Höhen.“
Kritiker bemängelten jedoch die wissenschaftliche Ungenauigkeit des Films und verglichen die Spezialeffekte mit denen von Independence Day (1996). Die Darbietung von Hrithik Roshan wurde als „sehr aufrichtig“ und „mutig“ bezeichnet, und das Thema des Films als „erfrischend“. Die kindlichen Darsteller, die Hrithik Roshans Charakter im Laufe des Films begleiteten, trugen positiv zu seiner Leistung bei. Die Rollen von Rekha und Preity Zinta wurden als unterentwickelt kritisiert. Die Figur Jadoo wurde als „amateuerhaft“ bezeichnet.
Rakesh Roshan wurde für seine Bemühungen gelobt, „reine und saubere Unterhaltung“ zu bieten. Hrithik Roshan bewies seine Vielseitigkeit als Schauspieler, bewegte das Publikum und brachte es zum Lachen. Er gilt als Schauspieler, mit dem man rechnen muss.
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