Während der Schwangerschaft durchläuft der Körper beeindruckende Veränderungen, um Raum für das wachsende Baby zu schaffen. Eine dieser Veränderungen betrifft die Mutterbänder. Ein Ziehen in den Leisten ist vielen Schwangeren bekannt und kann mit den Mutterbändern zusammenhängen. Es ist wichtig zu verstehen, dass dies in der Regel ein normaler Prozess ist.

Was sind Mutterbänder?
Mutterbänder sind starke Bindegewebsstränge, die für die Stabilisierung der Gebärmutter unerlässlich sind. Sie verlaufen von beiden Seiten der Gebärmutter bis zum Schambein und sorgen dafür, dass der Uterus stabil und aufrecht bleibt, unabhängig von der Körperhaltung oder Bewegung. Gemeinsam mit dem Beckenboden halten sie die Gebärmutter in ihrer korrekten Position.
Arten von Mutterbändern und ihre Funktion
Es gibt zwei Haupttypen von Mutterbändern:
- Das breite Mutterband (Ligamentum latum uteri): Diese breite, flügelartige Struktur verbindet die Gebärmutter seitlich mit der Beckenwand.
- Das runde Mutterband (Ligamentum teres uteri): Dieses Band verläuft von der oberen Gebärmutter durch den Leistenkanal bis zu den großen Schamlippen.
Für medizinisch Interessierte sind weitere wichtige Bänder im Bandapparat der Gebärmutter das Ligamentum cardinale (Kardinalband), das die Gebärmutter seitlich fixiert, sowie das Ligamentum sacrouterinum (Sakrouterinband) und das Ligamentum rectouterinum (Rektouterinband), die für die dorsale Befestigung sorgen. All diese Strukturen sind in das Parametrium eingebettet, ein Bindegewebsnetz, das die gesamte Gebärmutter umgibt und ihre flexible Anpassung an Veränderungen im Beckenraum ermöglicht.
Die Mutterbänder stabilisieren die Gebärmutter in einer leicht nach vorne geneigten Position, der sogenannten Anteflexion.
Wann und warum treten Mutterbandschmerzen auf?
Während der Schwangerschaft werden die Mutterbänder stark beansprucht. Viele Frauen spüren ein Ziehen in den Mutterbändern bereits ab der 8. Schwangerschaftswoche. Besonders intensiv kann es zwischen der 17. und 24. Woche werden, wenn das Baby einen Wachstumsschub macht.
Die Dehnung der Mutterbänder ist eine Voraussetzung dafür, dass die Gebärmutter und das Baby wachsen können. Die runden Mutterbänder verlängern sich mit dem Wachstum des Babys um das 3- bis 4-Fache und liegen steiler im Becken. Die Dehnung wird mit fortschreitender Schwangerschaft immer größer.
Ab der 24. Schwangerschaftswoche lässt das Ziehen bei vielen Frauen nach.
Symptome von Mutterbandschmerzen
Das Ziehen in den Mutterbändern kann sich auf verschiedene Weisen bemerkbar machen:
- Ein Gefühl, das leichten Menstruationsschmerzen ähnelt, mit einem dumpfen, drückenden Gefühl im Unterbauch.
- Ein plötzlicher, scharfer, stechender Schmerz, der oft durch Bewegung ausgelöst wird.
- Schmerzen, die in die Leiste ausstrahlen, da die runden Mutterbänder durch den Leistenkanal verlaufen.
Diese Schmerzen sind in der Regel nicht anhaltend und dauern oft nur wenige Minuten, können aber mehrmals am Tag auftreten. Sie treten häufig beim Gehen, Stehen, Tragen oder beim Aufstehen aus dem Bett oder vom Sofa auf.

Was hilft bei Mutterbandschmerzen?
Das Ziehen in den Mutterbändern ist ein natürlicher Teil der Schwangerschaft und zeigt, dass sich der Körper anpasst. Wenn die Schmerzen lästig werden, können folgende Maßnahmen Linderung verschaffen:
Selbsthilfemaßnahmen
- Ruhe: Gönnen Sie sich Pausen und vermeiden Sie übermäßige Anstrengung. Legen Sie die Beine hoch, um die Bänder zu entlasten.
- Wärme: Ein warmes Bad, eine Wärmflasche oder ein warmer Lavendel- oder Kamillenwickel können die Schmerzen lindern und die Muskulatur entspannen.
- Positionswechsel: Umkehrpositionen wie die Beckenbrücke können bei ziehenden Schmerzen in der Leistengegend helfen.
- Haltung: Achten Sie bewusst auf Ihre Haltung. Ein gerader Stand und angespannte Bauchmuskeln können Linderung verschaffen. Vermeiden Sie ein Hohlkreuz, indem Sie das Becken kippen.
- Sanfte Bewegung: Leichte Sportarten wie Schwimmen oder Yoga können helfen. Die Übung „Katzenbuckel“ im Vierfüßlerstand kann bei Rückenschmerzen guttun.
- Abstützen bei Husten/Niesen: Stützen Sie den Bauch mit den Händen ab, um den Druck auf die Beckenwand zu mildern.
- Bauchgurt: Ein Stütz- oder Bauchgurt kann Bauch und Rücken während der Schwangerschaft stützen und Rückenschmerzen lindern.
- Magnesium: Magnesium kann bei Mutterbandschmerzen helfen, die Einnahme sollte jedoch mit einer Ärztin oder Hebamme abgesprochen werden.
- Ernährung und Erholung: Eine ausgewogene, proteinreiche Ernährung unterstützt die Regeneration des Bindegewebes. Achten Sie auf ausreichend Schlaf und Erholungsphasen.
Mutterbänder Schwangerschaft
Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?
Obwohl Mutterbandschmerzen in der Schwangerschaft normal sind, ist es wichtig, bei Unsicherheiten professionellen Rat einzuholen. Zögern Sie nicht, Ihre Ärztin oder Hebamme zu kontaktieren, wenn:
- die Schmerzen anhaltend oder ungewöhnlich stark sind.
- Sie sich Sorgen machen oder andere Symptome auftreten.
Es ist besser, einmal zu viel ärztlichen Rat einzuholen als einmal zu wenig, da starke oder anhaltende Schmerzen auch auf andere Ursachen wie vorzeitige Wehen, Nierensteine oder eine Blinddarmentzündung hinweisen könnten.
Rückbildung nach der Geburt
Nach der Geburt bilden sich die Mutterbänder und der gesamte Bandapparat der Gebärmutter zurück. Dieser Prozess kann mehrere Monate dauern. Während der Stillzeit sind die Körpergewebe hormonell bedingt noch aufgelockert, was die Funktionen der Mutterbänder und anderer Beckenorgane beeinträchtigen kann. Eine unzureichende Rückbildung kann zu einer Organsenkung führen.
Rückbildungsgymnastik ist wichtig, um die Muskulatur zu stärken und Folgeproblemen vorzubeugen. Intensiven Sport wie Springen oder Joggen sollte man postpartal mindestens vier bis sechs Monate meiden, um eine Gebärmuttersenkung oder Blasensenkung zu verhindern.
