Kreidezähne: Ursachen und Behandlung bei Kindern

Leiden Kinder und Jugendliche unter porösen, verfärbten und schmerzempfindlichen Zähnen, handelt es sich unter Umständen um Kreidezähne. Diese Erkrankung ist auch bekannt unter den medizinischen Begriffen MIH (Molarer-Inzisiven-Hypomineralisation) oder MMH (Milchmolaren-Hypomineralisation). Erste Symptome können bereits bei den Backenzähnen im Milchgebiss auftreten. Nach Angaben der 5. Deutschen Mundgesundheitsstudie sind mehr als 28 Prozent der Zwölfjährigen betroffen, was Kreidezähne zu einer neuen Volkskrankheit macht.

Kreidezähne sind ein Zahnschmelzdefekt, bei dem der Zahnschmelz zu wenig Mineralien und zu viel Wasser und Protein enthält. Dadurch ist er weich und anfällig für Karies. Im Vergleich zu einem gesunden Zahn besitzt der Zahnschmelz bei Kreidezähnen nur etwa ein Zehntel der üblichen Härte. Das Mineral Hydroxylapatit, welches die Grundlage für unsere Zähne und Knochen bildet und die härteste Substanz im menschlichen Körper darstellt, ist bei Kreidezähnen nur unzureichend vorhanden. Im Zahnbein (Dentin) ist es zu etwa 70 % enthalten, im Zahnschmelz (Enamelum) sogar zu 95 %.

Schema der Zahnstruktur mit Hervorhebung von Zahnschmelz und Dentin

Ursachen für Kreidezähne

Die Entwicklung der bleibenden Zähne des Kindes beginnt bereits im Mutterleib und ist im Alter von dreieinhalb bis vier Jahren abgeschlossen. In dieser Zeit lagern sich Kalzium und Phosphat ein, um den Zahnschmelz auszuhärten. Bei hypomineralisierten Zähnen ist dieser Prozess gestört, und der Zahnschmelz bleibt weich. Die genauen Gründe dafür sind wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Im Verdacht stehen jedoch verschiedene Faktoren:

  • Gesundheitsstörungen des Kindes in den ersten vier Lebensjahren: Insbesondere Erkrankungen wie Windpocken, Masern, Bronchitis oder Asthma können den Mineralisationsprozess beeinträchtigen.
  • Antibiotikagaben in den ersten drei Lebensjahren.
  • Gesundheitliche Beeinträchtigungen der werdenden Mutter während der Schwangerschaft.
  • Sauerstoffmangel oder andere Komplikationen bei der Geburt.
  • Vitamin-D-Mangel des Kindes oder der Mutter.
  • Nierenerkrankungen.
  • Umwelteinflüsse: Weichmacher in Kunststoffen und Dioxine werden ebenfalls als mögliche Auslöser diskutiert.

Auch eine erbliche Veranlagung wird als möglicher Faktor in Betracht gezogen.

Symptome und Erkennung von Kreidezähnen

Die Symptome von Kreidezähnen zeigen sich erst nach dem Durchbruch der Zähne. Eine Störung der Zahnschmelzbildung ist auf einem Röntgenbild nicht erkennbar, was die Erkrankung besonders tückisch macht und präventive Maßnahmen erschwert. Folgende Anzeichen können auf Kreidezähne hindeuten:

  • Gelblich-bräunliche, scharf abgegrenzte Flecken auf den Zähnen.
  • Furchen auf der Zahnoberfläche.
  • Fehlende Zahnhöcker oder abgeplatzter Zahnschmelz.
  • Schmerzen beim Zähneputzen.
  • Empfindlichkeit gegenüber heißen oder kalten Speisen und Getränken.

Regelmäßige Routine-Untersuchungen beim Zahnarzt sind entscheidend für die Früherkennung, da Symptome bereits bei Milchzähnen auftreten können. Nicht nur deshalb sind erste zahnärztliche Checks bereits im Kleinkindalter sinnvoll.

Nahaufnahme eines Zahns mit typischen gelblich-bräunlichen Flecken und Furchen bei Kreidezähnen

Diagnose und Einteilung des Schweregrads

Bei Verdacht auf Kreidezähne wird der Zahnarzt gezielt auf charakteristische Anzeichen achten. Da auch schon bei Milchzähnen Schmelzdefekte möglich sind, haben sich erste Routine-Checks beim Zahnarzt bereits im Kleinkindalter bewährt.

Im Jahr 2016 entwickelte eine internationale Arbeitsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (DGKiZ) den MIH-Treatment-Need-Index, der vier verschiedene Stufen der Erkrankung festlegt:

Index Definition
Index 0 Keine MIH, klinisch gesund
Index 1 (2a bis 2c) MIH ohne Hypersensibilität, ohne Substanzdefekt
Index 2 MIH ohne Hypersensibilität, mit Substanzdefekt (Grad abhängig von Ausdehnung, Position, atypischer Restauration oder Extraktion)
Index 3 MIH mit Hypersensibilität, ohne Substanzdefekt
Index 4 (4a bis 4c) MIH mit Hypersensibilität, mit Substanzdefekt (Grad abhängig von Ausdehnung, Position, atypischer Restauration oder Extraktion)

Grundsätzlich gilt: Je größer und dunkler die Flecken auf den MIH-Zähnen, umso ausgeprägter ist die Mineralisationsstörung.

Behandlung von Kreidezähnen

Eine Heilung für Kreidezähne gibt es bisher nicht. Daher ist es von größter Bedeutung, den Krankheitsprozess möglichst frühzeitig zu stoppen und die Zähne zu schützen. Die Therapie richtet sich nach dem Grad der Erkrankung und wird individuell angepasst.

Regelmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt sind unerlässlich, idealerweise alle drei bis sechs Monate, abhängig vom Schweregrad der Erkrankung. Ziel der Behandlung ist es, die Zähne vor Karies zu schützen, einen Verlust von Zahnsubstanz zu verhindern und Schmerzen zu vermeiden.

Folgende Maßnahmen stehen im Vordergrund:

  • Intensivprophylaxe mit regelmäßiger Fluoridierung mit hochkonzentriertem Fluoridlack.
  • Fissurenversiegelung der Backenzähne.
  • Füllungen oder Verkronungen, sofern notwendig.
  • In schweren Fällen kann das Ziehen des betroffenen Zahns notwendig sein.

Um die Zähne möglichst lange zu erhalten, empfiehlt sich eine tägliche Zahnpflege bereits ab dem ersten Zähnchen. Eine konsequente Vorsorge ist essenziell, um den frühzeitigen Ausbruch des Schmelzdefekts zu verhindern und den Zahnschmelz nachhaltig zu stärken. Ein zahngesunder Speiseplan, bei dem auf gesüßte Getränke und zuckerhaltige Speisen verzichtet wird, unterstützt die Zahngesundheit zusätzlich.

Kreidezähne bei Kindern: Ursachen, Symptome und Behandlung | MIH

Fluoridierung und Zahnpflege

Die Bundeszahnärztekammer empfiehlt in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde folgende Fluoridmengen für Kinderzahnpasta:

Alter Fluoridkonzentration in Kinderzahnpasta Menge und Häufigkeit
Durchbruch erster Zahn bis 2 Jahre 0,05 % / 500 ppm oder 0,10 % / 1.000 ppm 2 mal täglich eine erbsengroße Menge (alternativ: 0,10 % / 1.000 ppm, 2 mal täglich eine reiskorngroße Menge)
Vom 2. bis zum 6. Geburtstag 0,10 % / 1.000 ppm 2 mal täglich eine erbsengroße Menge
Durchbruch der bleibenden Zähne 0,15 % / 1.500 ppm 2 mal täglich eine erbsengroße Menge

Diese Empfehlungen gelten, wenn Fluorid ausschließlich über die Zahnpasta verabreicht wird. Bei zusätzlicher Gabe von Fluorid in Tablettenform sollte in der Zahnpasta kein Fluorid enthalten sein. Ab dem Schulalter können in Abstimmung mit dem Zahnarzt ein Fluoridgel oder eine fluoridhaltige Mundspülung verwendet werden.

Eine ausgewogene Ernährung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle für die Zahngesundheit. Obwohl die Ernährung nicht die Hauptursache für Kreidezähne ist, kann sie dazu beitragen, die Zähne zu stärken und Karies vorzubeugen. Der Verzicht auf Lebensmittelverpackungen aus Kunststoff und Plastikspielzeug wird zur Minimierung des Risikos empfohlen, da Forscher davon ausgehen, dass Umweltgifte eine Rolle spielen könnten.

Kostenübernahme durch Krankenkassen

Die Kosten für die Therapie von Kreidezähnen sind abhängig von den konkreten Maßnahmen. Gesetzliche Krankenversicherungen übernehmen Kosten, die auf die Vermeidung von Karies abzielen, wie beispielsweise die Fissurenversiegelung der hintersten zwei Backenzähne. Empfiehlt sich die Versiegelung weiterer Zähne, müssen die zusätzlichen Kosten selbst getragen werden.

Wird eine aufwendigere Behandlung wie Inlays oder Kronen notwendig, beteiligt sich die Krankenkasse im Rahmen der Regelversorgung und übernimmt mindestens 60 Prozent der Rechnung. Höherwertige Materialien oder eine leistungsstärkere Therapie gehen zu Lasten der Eltern. Eine Zahnzusatzversicherung für Kinder kann hier sinnvoll sein, um die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung zu ergänzen.

Vorbeugung von Kreidezähnen

Über Kreidezähne ist bisher noch sehr wenig bekannt, daher gibt es keine effektive Möglichkeit, ihnen vorzubeugen. Forscher vermuten, dass Umweltgifte eine Rolle bei der Entstehung spielen. Insbesondere der Plastikweichmacher Bisphenol A steht im Verdacht, die Erkrankung im Zusammenspiel mit weiteren Faktoren zu begünstigen.

Nach derzeitigem Forschungsstand können Eltern verschiedene Maßnahmen ergreifen, um das Risiko zu minimieren:

  • Verzicht auf Lebensmittelverpackungen aus Kunststoff.
  • Kein Plastikspielzeug, das zum Kauen geeignet ist.

Für betroffene Zähne gelten folgende Empfehlungen:

  • Regelmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt.
  • Tägliche Zahnpflege zu Hause bereits ab dem ersten Zähnchen.
  • Regelmäßige Fluoridierung zur Verhinderung von Karies.

Eine konsequente Vorsorge ist essenziell, um den frühzeitigen Ausbruch des Schmelzdefekts zu verhindern und den Zahnschmelz nachhaltig zu stärken. Wichtig ist zudem ein zahngesunder Speiseplan, bei dem Sie auf gesüßte Getränke, zuckerhaltige Speisen und andere kariesauslösende Nahrungsmittel verzichten.

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