Schmerzhafte Tage: Ursachen und Behandlung von Endometriose und PCOS

Unerfüllter Kinderwunsch kann viele Ursachen haben, darunter Endometriose oder das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS). Eine umfassende Beratung durch einen Gynäkologen oder in einem Kinderwunschzentrum ist entscheidend, um die zugrunde liegenden Probleme zu identifizieren und zu behandeln.

Endometriose: Wenn Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter wächst

Regelschmerzen sind für viele Frauen eine normale Begleiterscheinung, doch starke Schmerzen können ein Hinweis auf tiefere Probleme sein. Schätzungsweise bis zur Hälfte der Frauen mit stark schmerzhaften Regelblutungen leiden an Endometriose, einer Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutterhöhle wächst. Diese Gewebe reagieren auf den hormonellen Zyklus, was zu zyklischen Blutungen, Entzündungen, Verklebungen und Verwachsungen führen kann.

Das Tückische an der Endometriose ist, dass sie oft erst spät erkannt wird. In Deutschland vergehen durchschnittlich sechs bis zehn Jahre bis zur korrekten Diagnose. Dies liegt unter anderem an mangelndem Wissen über die chronische Erkrankung und der Tendenz, starke Menstruationsbeschwerden als normal anzusehen. Eine erhöhte Sensibilisierung bei Frauen und medizinischem Personal sowie die wichtige Rolle von Apothekern als erste Anlaufstelle können hier Abhilfe schaffen. Pharmazeutisches Personal kann Patientinnen aufklären und bei bestimmten Anzeichen hellhörig werden.

Schema zur Entstehung von Endometriose-Herden durch retrograde Menstruation

Symptome der Endometriose

Die Symptomatik der Endometriose ist sehr vielfältig und kann stark variieren, was die Diagnose erschwert. Manche Frauen sind sogar völlig symptomfrei. Typische Beschwerden, die anfangs oft zyklusabhängig sind, aber auch zyklusunabhängig auftreten können, umfassen:

  • Dysmenorrhö: Starke und schmerzhafte Menstruationsblutungen.
  • Dyspareunie: Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.
  • Sterilität: Unfruchtbarkeit.
  • Gastrointestinale Beschwerden: Störungen bei der Stuhlentleerung (Dyschezie).
  • Urologische Beschwerden: Schmerzhafte oder unangenehme Blasenentleerung (Dysurie).

Professor Dr. Sylvia Mechsner betont, dass typisch für Endometriose sehr starke Regelschmerzen sind, die oft kurz vor der Monatsblutung beginnen und sich intensivieren. Betroffene Frauen haben oft Schwierigkeiten, normale von pathologischen Schmerzen zu unterscheiden. Die Wirksamkeit von Schmerzmitteln kann ein Indikator sein: Butylscopolaminiumbromid hilft bei Endometriose-Schmerzen in der Regel nicht, und selbst 600 mg Ibuprofen reichen oft nur aus, um den Tag zu überstehen.

Weitere Anzeichen können sein:

  • Schmerzhafte Abbruchblutungen trotz Einnahme der Antibabypille.
  • Vegetative Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall im Zusammenhang mit starken Schmerzen.
  • Schmerzen beim Wasserlassen, Stuhlgang und Geschlechtsverkehr.
  • Der sogenannte "Endo-Belly" (Bauchschwellung).
  • Rücken- oder Schulterschmerzen (seltener).
  • Zunehmend zyklusunabhängige Schmerzen im weiteren Krankheitsverlauf.

Die Annahme, dass Endometriose-Patientinnen erst nach langer Beschwerdefreiheit Symptome entwickeln, ist falsch. Etwa 80 bis 90 Prozent der Frauen berichten, dass die Schmerzen mit dem Einsetzen der Regel begonnen und sich stetig verschlimmert haben.

Infografik mit den häufigsten Symptomen der Endometriose

Ätiologie und Pathogenese der Endometriose

Die genaue Ursache der Endometriose ist noch nicht vollständig geklärt. Die ältere Sampson-Hypothese besagt, dass eine retrograde Menstruation Endometriumzellen über die Eileiter in die Bauchhöhle verschleppt. Aktuellere Theorien gehen davon aus, dass Kontraktionen der Gebärmutter zu Mikrotraumata in der Übergangsschicht zur Muskelschicht führen, aus denen sich Endometriumzellen lösen und verschleppt werden.

Endometriose ist eine gutartige Erkrankung, kann aber erhebliche Beeinträchtigungen im Alltag, Beruf und der Lebensqualität verursachen, die auch die psychische Gesundheit sowie Sexualität und Partnerschaft betreffen können. Unerfüllter Kinderwunsch stellt ebenfalls eine erhebliche Belastung dar. Die Erkrankung neigt zu Rezidiven. Bei einigen Frauen bessern sich die Beschwerden nach einer Schwangerschaft dauerhaft.

Behandlung der Endometriose

Da die Ätiologie unklar ist, sind weder Prävention noch eine kausale Therapie möglich. Ein Langzeitkonzept, das individuelle Beschwerden und Familienplanung berücksichtigt, ist erforderlich. Behandlungsziele sind:

  • Möglichst lange Beschwerdefreiheit.
  • Reduktion funktioneller Beschwerden.
  • Vermeidung von Organschädigungen.
  • Verbesserung der Lebensqualität.

Die Therapie umfasst konservative (hormonelle und/oder medikamentöse) sowie operative Maßnahmen.

Hormonelle Therapie

Das Prinzip der hormonellen Therapie ist die Induktion einer therapeutischen Amenorrhö (Ausbleiben der Menstruation). Zum Einsatz kommen:

  • Gestagene: Als Erstliniensubstanz gilt ein geeignetes Gestagen, wie z.B. Dienogest (2 mg täglich). Auch Levonorgestrel als Intrauterinpessar kann zur Schmerzkontrolle und Rezidivprävention eingesetzt werden.
  • Kombinierte orale Kontrazeptiva (KOK): Werden ohne Pause eingenommen und sind Mittel der zweiten Wahl.
  • GnRH-Analoga (z.B. Leuprorelin, Goserelin, Nafarelin): Sind wegen ihres Nebenwirkungsspektrums (klimakterische Beschwerden, Verringerung der Knochendichte) ebenfalls zweite Wahl und meist auf drei bis sechs Monate beschränkt. Eine Verlängerung ist durch eine "Add-Back-Therapie" mit einer Östrogen-Gestagen-Kombination möglich.

Alle Formen der Hormontherapie reduzieren laut Leitlinie Endometriose-assoziierte Beschwerden. GnRH-Analoga führen über die Hypothalamus-Hypophysen-Achse zu einem generellen Hypoöstrogenismus und hemmen das Wachstum von Endometrioseherden.

Operative Behandlung

Eine operative Entfernung von Endometrioseherden per Laparoskopie (Bauchspiegelung) wird empfohlen, wenn medikamentöse Therapien nicht greifen oder Organschädigungen drohen. Die Operation ermöglicht auch eine histologische Diagnostik, wobei Experten uneinig sind, ob diese immer vor einer medikamentösen Therapie notwendig ist.

Supportive Maßnahmen

Zusätzlich zur medizinischen Behandlung können supportive Maßnahmen hilfreich sein:

  • Ernährung: Eine antientzündliche, vegane Ernährung mit Meidung von Fertigprodukten kann über vier Monate getestet werden.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Antientzündliche Mittel wie Curcumin oder Omega-3-Fettsäuren.
  • Bewegung: Regelmäßiges Yin Yoga kann Muskelverspannungen lösen.
  • Osteopathie.

Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS)

Das Polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) ist ein weiteres häufiges Krankheitsbild, das junge Frauen betrifft. Mit einer Prävalenz von etwa 15 Prozent ist es die häufigste endokrinologische Erkrankung bei Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter, typischerweise beginnend zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr. Der Leidensdruck für Betroffene ist oft sehr hoch.

Ein Problem beim PCOS ist das Fehlen eines zugelassenen Medikaments sowie einer deutschsprachigen Leitlinie, was zu Unsicherheit bei den Patientinnen führen kann. Aufklärung durch Apotheker ist hier besonders wichtig.

Schema des hormonellen Ungleichgewichts beim PCOS

Charakteristika und Symptome des PCOS

Das PCOS ist gekennzeichnet durch:

  • Hyperandrogenismus: Ein Überschuss an männlichen Hormonen (Androgenen).
  • Zyklusstörungen: Unregelmäßige oder ausbleibende Menstruationsperioden (Oligomenorrhö, Amenorrhö).
  • Polyzystische Ovarien: Sonografischer Nachweis von vielen kleinen Follikeln (oft als Zysten fehlinterpretiert) in den Eierstöcken.

Die Manifestationen des Hyperandrogenismus können vielfältig sein:

  • Hirsutismus: Vermehrtes Körperhaarwachstum nach männlichem Muster (z.B. Gesicht, Brust, Rücken).
  • Androgenetische Alopezie: Haarausfall, oft nach männlichem Muster (Geheimratsecken).
  • Akne vulgaris: Schwere Akne.

Die Symptome sind individuell unterschiedlich stark ausgeprägt. Viele Betroffene leiden zudem an einem metabolischen Syndrom mit Adipositas, Insulinresistenz und Dyslipoproteinämie. Das Risiko für Typ-2-Diabetes ist deutlich erhöht. Dies kann zu einem Teufelskreis führen: Insulinresistenz bedingt Übergewicht, was wiederum die Insulinproduktion steigert und den Androgenüberschuss verstärkt.

Frauen mit PCOS haben ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte, depressive und angstbedingte Symptome.

Infografik mit den typischen Symptomen des PCOS

Diagnose des PCOS

Die Diagnose des PCOS erfolgt nach der sogenannten Rotterdam-Definition, wenn zwei von drei Hauptkriterien erfüllt sind und andere Ursachen ausgeschlossen wurden:

  1. Oligo- und/oder Anovulation (seltene oder ausbleibende Eisprünge).
  2. Klinische und/oder biochemische Anzeichen eines Hyperandrogenismus.
  3. Polyzystische Ovarien im Ultraschall.

Andere Ursachen für die Symptome müssen ausgeschlossen werden, wie z.B. Erkrankungen der Schilddrüse, der Nebenniere oder des Hypophysenvorderlappens.

Behandlung des PCOS

Die Behandlungsstrategie ist individuell und orientiert sich an den Symptomen und dem Kinderwunsch der Patientin.

Basistherapie

  • Lebensstiländerung: Eine Steigerung der körperlichen Aktivität und eine Gewichtsreduktion von 5-10% bei Übergewicht können klinisch signifikante Verbesserungen bewirken.
  • Ernährungsumstellung: Eine kalorienreduzierte Ernährung (ca. 500 kcal/Tag weniger) mit Fokus auf ballaststoffreiche Kost (> 30 g/Tag), viel Gemüse und Obst, moderatem Konsum tierischer Produkte und hochwertigen pflanzlichen Ölen.

Medikamentöse Therapie

  • Zyklusregulierung: Bei chronischer Anovulation kommen orale Kontrazeptiva (Ethinylestradiol/Progesteron) oder Metformin zum Einsatz. Bei Kinderwunsch wird oft Clomifen oder Letrozol zur Stimulation des Eisprungs eingesetzt.
  • Hormonelle Verhütungsmittel: Bei Frauen ohne Kinderwunsch stabilisieren kombinierte orale Kontrazeptiva (KOK) mit antiandrogener Komponente den Zyklus und schützen vor Endometriumhyperplasie.
  • Metformin: Steigert die Insulinsensitivität, kann zur Gewichtsreduktion beitragen und den Eisprung anregen.
  • Spironolacton: Blockiert die Wirkung männlicher Hormone und kann bei übermäßigem Haarwuchs helfen.
  • Cyproteron: Ein weiteres Medikament zur Hemmung männlicher Hormone.

Behandlung spezifischer Symptome

  • Übermäßige Körperbehaarung: Bleichen, Entfernungsmethoden (Elektrolyse, Laser), Eflornithin-Creme, orale Kontrazeptiva, Spironolacton, Cyproteron.
  • Akne: Topische oder orale Medikamente, oft in Kombination mit KOK.

Fruchtbarkeitsbehandlung

Bei unerfülltem Kinderwunsch können neben Clomifen und Letrozol auch Gonadotropine oder eine In-vitro-Fertilisation (IVF) in spezialisierten Zentren erwogen werden. Eine Kombination aus Metformin und Letrozol hat sich als besonders effektiv erwiesen.

PCOS - Was ist PCOS, Symptome und Behandlung I ARD Gesund

Langfristige Risiken und Management

Unbehandelt kann PCOS zu langfristigen Gesundheitsproblemen wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Unfruchtbarkeit führen. Regelmäßige Kontrollen von Blutdruck, Blutzucker und Blutfettwerten sind daher wichtig.

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