Farming-Simulationen haben sich als ein äußerst beliebtes Genre in der Spieleindustrie etabliert und erfreuen sich großer Beliebtheit bei den Spielern. Titel wie Stardew Valley, Story of Seasons und die Landwirtschafts-Simulator-Reihe sind hierfür beste Beispiele. Als Fan der klassischen Harvest Moon-Reihe freute ich mich über die Ankündigung eines neuen Teils von Rising Star Games. Dennoch mischte sich eine gewisse Besorgnis in meine Vorfreude, als ich das Spielmodul in meinen 3DS einlegte. Die früheren Teile auf dem SNES, Game Boy Advance und N64 waren Meisterwerke, doch die späteren DS- und 3DS-Portierungen litten zunehmend unter Qualitätsverlust oder wurden schlichtweg langweilig. Daher hoffte ich, dass Harvest Moon: Das Dorf des Himmelsbaums mich nicht enttäuschen würde.
Zu Beginn des Spiels wählt man seinen Charakter, entweder weiblich oder männlich. Kurz darauf wird man von der Erntegöttin kontaktiert, mit der Bitte, die einstige Oase der Erntegöttin wiederzubeleben. Das üppige Grün der Felder ist verschwunden, die Böden sind unfruchtbar und die Pflanzen vertrocknet. Die ersten Spieltage nutze ich, um mich mit der Welt von Das Dorf des Himmelsbaums vertraut zu machen. Ich spreche mit der Erntegöttin und ihren Gehilfen, lerne einen Händler kennen, der mir Saatgut verkauft und meine Ernte abkauft. Im weiteren Spielverlauf gesellen sich weitere Einwohner und Händler hinzu, die sich im Dorf niederlassen. Diese bieten unterschiedliche Waren an und stellen kleine Aufgaben.
Ein Beispiel hierfür ist der Schreiner, der Baupläne für die Innengestaltung der Farm oder für die Erweiterung von Ställen und den Bau neuer Gebäude wie einer Windmühle anbietet. Die Teilnahme an den alljährlichen Dorfwettbewerben ist möglich, und einige Dorfbewohner haben kleinere Aufgaben für uns parat, für deren erfolgreiche Erledigung wir belohnt werden. Natsume hat nach dem Verlust der Bokujō Monogatari-Lizenz versucht, die Magie von Minecraft mit der bewährten Bauernformel zu verschmelzen. Dieses Prinzip mag für Minecraft-Fans ein willkommenes Geschenk sein, um das eigene Land nach Belieben zu gestalten, doch persönlich hat mich diese Kombination eher geärgert.
Spielmechaniken und Herausforderungen
Rising Star Games verspricht auf die Fans gehört und ein ausführliches Tutorial sowie eine verbesserte Spielsteuerung eingeführt zu haben. Diese Behauptung kann ich jedoch nicht bestätigen. Stattdessen werden wir in Harvest Moon: Das Dorf des Himmelsbaums zu Beginn mit Erklärungen und Texten überhäuft. Vieles lässt sich durch Ausprobieren herausfinden, und bei Unklarheiten kann man auf das eigene Bücherregal zugreifen. In den ersten sechs Spielstunden wird der Spielfortschritt jedoch merklich ausgebremst, was als störend empfunden werden kann.
Der Reiz von Harvest Moon: Das Dorf des Himmelsbaums liegt in seinen unzähligen Möglichkeiten. Anfangs besitze ich nur ein Schaf und ein Pferd, doch ich entdecke, dass man auch Hühner oder Kühe züchten, ein Rastalocken-Pferd oder Haustiere besitzen kann. Die Arbeit lohnt sich: Wir können angeln und die gefangenen Fische zu köstlichen Gerichten verarbeiten, indem wir Rezepte erweitern. Auch das Herstellen von Mayo oder Brot ist möglich. In einer Bergbaumine können Materialien und Edelsteine abgebaut werden. Durch das Fällen von Bäumen mit der Axt sammeln wir Holz, und Felsen können zu Brei zerkleinert werden. Diese Materialien und noch viele mehr können wir nutzen, um mit Bauplänen neue Gegenstände herzustellen oder bestehende zu verbessern.
Die drei Hauptaufgaben des Spiels umfassen Landwirtschaft, Angeln und Bergbau. Die kleinen Nebenaufgaben der Dorfbewohner können jedoch schnell nerven, insbesondere wenn sie das Fangen bestimmter Fischarten oder den Abbau von Erz verlangen. Es dauerte beispielsweise etwa sechs Spieltage, um einen sterbenden Hund zu retten, indem ich sein Lieblingsfutter herstellen und servieren musste.

Die Tiere in Dorf des Himmelsbaums
Die Tierhaltung spielt eine zentrale Rolle in Harvest Moon: Das Dorf des Himmelsbaums. Neben den klassischen Tieren wie Kühen und Schafen gibt es auch Hühner und ein Pferd. Neu im Spiel sind Esel, die als eine Art Ladeanzeige fungieren. Die Pflege der Tiere ist essenziell, denn nur so geben sie Produkte wie Milch oder Eier. Es ist jedoch zu beachten, dass die Tiere im Stall umständlich zu handhaben sind und lange brauchen, um zur Futterstelle zu gelangen. Erst nach dem Fressen können sie gemolken oder geschoren werden.
Die Zucht von Tieren erfordert Geduld. Neue Sorten zu züchten ist nicht einfach, da sie nur unter bestimmten Bedingungen wachsen. Spieler müssen experimentieren oder auf Online-Hilfe zurückgreifen. Die Zuneigung der Dorfbewohner kann nicht mehr durch Geschenke, sondern durch das Erledigen von Aufgaben erhöht werden.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Die Möglichkeit zur Familienplanung ist ein wichtiger Aspekt in Harvest Moon: Das Dorf des Himmelsbaums. Spieler können heiraten und Kinder bekommen. Um heiraten zu können, muss die Beziehung zu einem potenziellen Partner auf mindestens 70% gestiegen sein. Dies geschieht durch nette Gespräche, Besuche und gemeinsame Aktivitäten bei Events und Festivals. Zudem muss das eigene Haus zweimal vergrößert worden sein und über einen großen Tisch sowie ein ebensolches Bett verfügen.
Nach der Heirat kann Nachwuchs gezeugt werden. Hierfür wird eine Krippe benötigt, die gekauft werden muss. Die Schwangerschaft kann einige Tage bis Wochen dauern. Wie schnell ein zweites Kind geboren werden kann, hängt vom Wachstum des ersten Kindes ab. Erst wenn das Kind laufen und sprechen kann, ist weitere Fortpflanzung möglich.
Es gibt jedoch auch Einschränkungen bei der Tierhaltung. Die Ziege wird nach einem Jahr unfruchtbar und gibt keine Milch mehr. Sie lässt sich nicht verkaufen und verbleibt auf der Weide. Kühe können Milch geben, und es ist möglich, sie mit einem Bullen aus Mineralstadt zu befruchten. Für die Trächtigkeit einer Kuh muss immer Platz für ein Kalb im Stall sein.

Die Spielwelt und ihre Besonderheiten
Das Spielprinzip von Harvest Moon: Das Dorf des Himmelsbaums ist vielen Spielern der Reihe bekannt, und es gibt keine bahnbrechenden Neuerungen. Dennoch gibt es einige optische Verbesserungen. Die Grafik ist schöner, die Figuren wirken lebendiger und größer. Anleitungen sind leichter zu finden und unterwegs abrufbar, und jederzeit und überall kann gespeichert werden.
Eine positive Neuerung ist die Möglichkeit zu springen und mehrere Felder gleichzeitig zu bearbeiten, sei es zum Abbauen, Umackern, Säen oder Gießen. Dies beschleunigt die Feldarbeit und schafft mehr Zeit für die Belange der Dorfbewohner. Die Landschaft selbst kann durch das Ab- und Umbauen von Blöcken verändert werden, was an Minecraft erinnert. Obwohl diese kubischen Landschaftsblöcke nicht immer ästhetisch ansprechend sind und zu Clipping-Fehlern führen können, beeinträchtigt dies den Spielspaß kaum.
Die Kameraführung wird als nicht optimal kritisiert. Hilfsbereitschaft ist für die Erfüllung der Hauptquests und das Vorankommen im Spiel unerlässlich. Die Story wird nur fortgesetzt, wenn die Bitten anderer Dorfbewohner erfüllt werden. Fürsorge wird betont und durch die Spielmechanik gefordert und belohnt, obwohl Tiere mit marginalen Konsequenzen vernachlässigt werden können.
Kritikpunkte und Fazit
Trotz einiger positiver Aspekte gibt es auch Kritikpunkte. Das Spiel wird als langsam und schleppend empfunden, besonders in den ersten Spielstunden, die sich wie ein endloses Tutorial anfühlen. Die Steuerung und die ständige Kameranachjustierung werden als umständlich beschrieben. Die Festivals werden als enttäuschend empfunden, und die Dorfbewohner bieten keine wirkliche Unterhaltungsquelle. Die Kombination aus Minecraft und Landwirtschaft hat nicht alle Spieler überzeugt.
Die Hauptstory um die Himmelsbäume kann relativ schnell, innerhalb eines Jahres im Spiel, abgeschlossen werden. Die Erfüllung der Wünsche der Dorfbewohner erfordert jedoch viel Zeit und tägliche Arbeit. Das Spiel verlangt mäßig viel Farmarbeit. Um in der Story voranzukommen, müssen die Bitten anderer Dorfbewohner erfüllt werden. Oft muss man dazu bestimmte Feldfrüchte anbauen, eine bestimmte Menge an tierischen Erzeugnissen erhalten, Fischfang oder Bergbau betreiben oder zwischen mehreren Personen vermitteln.
Harvest Moon: Das Dorf des Himmelsbaums ist ein Spiel, das viel Geduld erfordert. Während es für Fans der Reihe vertraut ist und durch die Quests eine gute Orientierung bietet, mangelt es an echten Innovationen. Die Grafik und einige Gameplay-Verbesserungen sind positiv hervorzuheben, doch die negativen Punkte trüben den Spielspaß für viele.