Jürgen Otto Thorer, geboren am 13. Januar 1926 in Leipzig und verstorben am 2. Juni 2009, war eine prägende Figur in der deutschen Pelzindustrie. Seine familiären Wurzeln reichen tief in die Tradition des Kürschner- und Pelzhändlerhandwerks zurück, das von seinem Vorfahren Theodor Thorer im 17. Jahrhundert begründet wurde. Jürgen Thorer entstammte der angesehenen Kürschner- und Pelzhändler-Familie Thorer.
Nach seiner Ausbildung in London trat Jürgen Thorer 1950 als Mitinhaber in die Firma Thorer & Hollender ein, die ab 1953 wieder unter dem Namen Thorer & Co. firmierte. Die Geschichte des Unternehmens ist eng mit der Familie verbunden: Vor dem Krieg wurde Thorer & Hollender von seinem Vater, Arndt Johannes Max Thorer, und dessen Schwager Paul Hollender geleitet. Während des Zweiten Weltkriegs überlebte das Unternehmen durch Aufträge für die Wehrmacht und wurde 1946 enteignet. Bereits am 1. Juni 1945 war in Hamburg die Thorer & Hollender KG neu gegründet worden, die zunächst von Paul Hollender, seiner Frau Ella und Otto Nauen im Namen des noch minderjährigen Jürgen Thorer und seiner Geschwister geführt wurde.
Nach dem Tod seines Onkels Paul und seiner Tante Ella übernahm Jürgen Thorer ab 1951 zusammen mit Oskar Volkmann die persönliche Haftung als Gesellschafter der Thorer OHG. Seit 1965 war er Direktor der in Belfast, Nordirland, ansässigen Thorer (U.K.) Limited. In den 1960er Jahren expandierte das Unternehmen erheblich. Es entstanden Pelzreinigungsbetriebe unter dem Namen Thorer-Cleaning in Berlin, Hamburg, Velbert und Oberpframmern bei München. Weitere Werke wurden 1967 in Sulzbach und 1978 in Mühlheim errichtet. Angesichts der Krise in der Pelz verarbeitenden Branche musste die Thorer & Co. jedoch ihre Produktion einstellen.
Von 1978 bis 1989 stand Thorer an der Spitze des Deutschen Pelzverbandes (heute: Deutscher Pelz-Groß- und Außenhandelsverband e.V.).

Engagement und Interessen über den Beruf hinaus
Wie der damalige Frankfurter Kulturdezernent Hilmar Hoffmann in seiner Laudatio zu Jürgen Thorers 60. Geburtstag hervorhob, reichten Thorers Interessen weit über sein berufliches Engagement hinaus. Ein Jugendtraum war es, Musiker zu werden, eine Begabung, die ihm bereits 1943 einen Preis für eigene Kompositionen einbrachte. Zudem erhielt er einen Preis für Flugmodelle. Bereits während seiner Kriegsgefangenschaft widmete er sich dem Chemiestudium und legte sein Dolmetscherexamen mit hervorragenden Ergebnissen ab.
Internationale Expansion und die Bedeutung von Karakul
Ein bedeutender Schritt in der Unternehmensgeschichte war die Eröffnung eines neuen Pelzveredlungswerks in Hongkong am 18. Dezember 1984, an der auch Jürgen Thorer und Jürgen Bauske (Thorer & Co., Offenbach) teilnahmen. Mit diesem Werk erhöhte sich die Anzahl der Betriebe der Thorer-Gruppe auf sechs. Neben der Zentrale in Offenbach gehörten dazu die Werke in Kapstadt, Belfast, Dietesheim und Sulzbach an der Murr. Besonders hervorzuheben ist die Bedeutung der Firma im Zusammenhang mit Karakulschafe in Südwestafrika, ihrer Einfuhr, Zucht und wirtschaftlichen Bedeutung.

Verbindungen nach Windhoek und Kapstadt
Die Erwähnung von Kapstadt als Standort eines Thorer-Werkes und die Namensnennung von Jürgen Thorer im Zusammenhang mit der Eröffnung des Werkes in Hongkong deuten auf eine internationale Ausrichtung und die Präsenz des Unternehmens in wichtigen Pelzhandelszentren hin. Die Tatsache, dass die Familie Thorer auch Verbindungen nach Südwestafrika (dem heutigen Namibia) hatte, wird durch die Erwähnung von "Karakulschafe in Südwestafrika" und die Auflistung von Personen, die die "Deutsche Realschule Windhoek" besuchten, weiter unterstrichen. Die Deutsche Realschule in Windhoek, später umbenannt in Deutsche Oberrealschule und dann in Deutsche Höhere Privatschule (DHPS), spielte eine zentrale Rolle in der deutschsprachigen Gemeinschaft in Windhoek. Viele der aufgeführten Namen sind mit der DHPS verbunden, sei es als Schüler, Lehrer oder Vorstandsmitglieder.
Die Deutsche Höhere Privatschule (DHPS) Windhoek
Die DHPS Windhoek hat eine lange Geschichte, die bis ins Jahr 1912 zurückreicht. Sie bot Schülern die Möglichkeit, das deutsche Schulabschlusszeugnis, das Abitur, zu erlangen. Die umfangreichen Listen von Schülern, Lehrern und Vorstandsmitgliedern der DHPS belegen die Bedeutung dieser Institution für die deutschsprachige Gemeinschaft in Namibia. Viele dieser Personen waren im Handel, in der Landwirtschaft oder in anderen Berufen tätig, die indirekt oder direkt mit der Wirtschaft des Landes verbunden waren, wie es auch die Pelzindustrie war.

Von Leipzig über London nach Südafrika: Ein globales Geschäft
Jürgen Thorers beruflicher Werdegang, seine Ausbildung in London und die Expansion seines Unternehmens nach Kapstadt und Hongkong zeigen ein klares Muster globaler Geschäftsaktivitäten. Die Pelzindustrie war stets ein internationales Geschäft, und die Familie Thorer war über Generationen hinweg in diesem Sektor tätig. Die Verbindungen nach Südafrika, insbesondere im Kontext der Karakulzucht, unterstreichen die strategische Bedeutung dieser Region für die Pelzversorgung.
Ein Leben für die Pelzbranche und darüber hinaus
Jürgen Thorer war nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann, sondern auch eine Person mit vielfältigen Interessen und einem ausgeprägten Sinn für Gemeinschaft und Kultur. Sein Engagement im Deutschen Pelzverband und die Anerkennung seiner Verdienste, wie die Ehrung als Kaufmann, Verbandspräsident und Mensch, spiegeln seine Bedeutung für die Branche wider. Seine familiäre Herkunft, seine internationale Ausbildung und seine unternehmerischen Tätigkeiten machten ihn zu einer Schlüsselfigur, deren Wirken auch Verbindungen nach Afrika, insbesondere nach Windhoek und Kapstadt, einschloss.