Invagination bei Säuglingen und Kleinkindern: Ursachen, Symptome und Behandlung

Babys und Kleinkinder leiden häufig unter Bauchschmerzen, die meist harmlos sind. In seltenen Fällen kann jedoch eine Invagination, auch Darmeinstülpung genannt, dahinterstecken. Dies stellt einen medizinischen Notfall dar, der schnelles Handeln erfordert.

Die Invagination ist auch unter den Begriffen „Darmeinstülpung“ oder „Intussuszeption“ bekannt. Dabei stülpt sich ein Teil des Darmes teleskopartig in einen angrenzenden Darmabschnitt ein. Diese Engstelle führt zu einem Darmverschluss, wodurch der Darminhalt sich vor der Engstelle staut. Zusätzlich wird durch die Einstülpung die Blutzufuhr des betroffenen Darmabschnitts unterbrochen, was starke Schmerzen verursacht. Bleibt die Invagination unbehandelt, kann Darmgewebe absterben.

Obwohl eine Invagination in jedem Alter auftreten kann, betrifft sie in erster Linie Babys und Kleinkinder im ersten und zweiten Lebensjahr. Bei älteren Kindern sind Jungen deutlich häufiger betroffen als Mädchen.

Formen der Invagination

Je nach betroffenem Darmabschnitt werden unterschiedliche Formen der Invagination unterschieden:

  • Dünndarm stülpt sich in den Dickdarm ein (in mehr als 80 Prozent der Fälle im Kindesalter).
  • Dünndarm stülpt sich in Dünndarm ein.
  • Dickdarm stülpt sich in Dickdarm ein (selten).

Symptome einer Invagination bei Babys und Kleinkindern

Um im Ernstfall schnell handeln zu können, ist es wichtig, die Symptome einer Darmeinstülpung rechtzeitig zu erkennen. Typische Warnzeichen sind:

  • Plötzliche, schubweise auftretende Bauchschmerzen, unterbrochen von schmerzfreien Phasen - oft aus einem Zustand völliger Gesundheit heraus.
  • Bei Säuglingen äußern sich die Schmerzen durch schrilles Schreien und ein Anziehen der Beine.
  • Auffallende Blässe.
  • In einigen Fällen Erbrechen.
  • Blutiger und geleeartiger Stuhlgang tritt auf, wenn die Darmeinstülpung über einen längeren Zeitraum anhält.
  • Bei manchen Kindern lässt sich eine walzenförmige Verdickung im Bauchraum tasten.
Säugling mit Bauchschmerzen, der die Beine anzieht

Ursachen und Risikofaktoren einer Invagination

In den meisten Fällen lässt sich keine genaue Ursache für die Invagination finden. Häufig geht eine virale Erkrankung des Magen-Darm-Traktes voraus, beispielsweise durch Rota- oder Adeno-Viren. Besonders bei älteren Kindern können Lymphknotenschwellungen an der Darmwand begünstigend wirken, die ebenfalls mit Infekten zusammenhängen können.

Seltener lösen konkrete Ursachen wie Darmpolypen oder ein Tumor die Invagination aus. Als Risikofaktor gilt die Erbkrankheit Mukoviszidose.

Es gibt ein leicht erhöhtes Risiko für Invaginationen in der ersten Woche nach einer Rotavirusimpfung. Der Nutzen der Impfung überwiegt jedoch das geringfügige Risiko, und eine frühe Impfung wird empfohlen, da die Wahrscheinlichkeit einer Darmeinstülpung mit zunehmendem Impfalter steigt.

Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

Eine schnelle und sichere Diagnosestellung ist entscheidend für die Behandlung. Die Ärztin oder der Arzt wird zunächst die Symptome abfragen und das Kind untersuchen. Die Sonographie (Ultraschall) ist die geeignetste Methode zur Feststellung einer Invagination, da der eingestülpte Darmabschnitt in der Regel gut erkennbar ist.

Liegt eine Invagination vor, wird in der Klinik üblicherweise ein Einlauf durchgeführt. Dabei wird über ein in den After eingeführtes Darmrohr körperwarme Flüssigkeit eingeleitet, um den eingestülpten Darmteil wieder in die richtige Position zu bringen. Zur Kontrolle wird auch hierbei ein Ultraschall eingesetzt.

Wenn der Einlauf nicht erfolgreich ist oder der Verdacht auf abgestorbenes Darmgewebe besteht, ist eine Operation notwendig. Dabei kann der Darm entstülpt und abgestorbenes Gewebe entfernt werden. In manchen Fällen reicht ein minimal-invasiver Eingriff aus.

Bei 75 bis 95 Prozent der betroffenen Kinder reicht ein Einlauf für eine erfolgreiche Behandlung aus. In der Regel heilt eine behandelte Invagination komplikationslos aus. Bis der Darm seine Tätigkeit wieder aufgenommen hat und die Kinder wieder normal essen können, bleiben sie zur Beobachtung im Krankenhaus.

Was ist eine Invagination? Dr. Eduard Karsten klärt auf

Anorektale Fehlbildungen (Analatresie)

Ein weiterer Bereich der Erkrankungen des Enddarms bei Säuglingen sind die anorektalen Fehlbildungen (ARM), früher als Analatresie oder Anus imperforata bezeichnet. Hierbei handelt es sich um angeborene Fehlbildungen des Enddarms und/oder des Afters, die in unterschiedlicher Ausprägung auftreten können.

Was ist eine Anorektale Fehlbildung?

Bei einer ARM ist der Enddarm nicht korrekt mit dem After verbunden. Stattdessen endet er blind oder öffnet sich an einer ungewöhnlichen Stelle, wie beispielsweise der Harnröhre, dem Damm, der Scheide oder in seltenen Fällen der Blase. Diese unnormale Verbindung wird als Fistel bezeichnet.

Die Schließmuskulatur, die für die Stuhlkontrolle entscheidend ist, kann ganz oder teilweise fehlen. Eine Analatresie ist Teil eines Spektrums von anorektalen Fehlbildungen, das auch eine Verengung des Afters oder Mastdarms (Rektumstenose) umfassen kann.

Diese Fehlbildungen entstehen sehr früh in der Schwangerschaft, zwischen der vierten und zwölften Schwangerschaftswoche, während der Entwicklung des Enddarms, des Harntrakts und des Genitaltrakts. Die genaue Ursache ist unbekannt, aber es wird ein Zusammenhang mit teratogenen Substanzen und genetischen Faktoren vermutet.

Häufigkeit und Risikofaktoren

ARM tritt bei etwa 1 von 3.000 bis 4.000 Neugeborenen auf. Jungen und Mädchen sind etwa gleich häufig betroffen. Bei etwa der Hälfte aller Kinder mit ARM liegen gleichzeitig weitere Fehlbildungen vor, insbesondere des Urogenitaltrakts (Nieren, Harnleiter, Blase), der Wirbelsäule, des Herzens oder der Gliedmaßen.

Symptome und Diagnose

Das Hauptsymptom einer Analatresie ist das Fehlen einer Afteröffnung oder eine Öffnung, die sich nicht an der normalen Stelle befindet. Bei Säuglingen kann dies zu einem Darmverschluss (Ileus) führen, der sich durch Schmerzen, Reizbarkeit, Erbrechen und einen geschwollenen Bauch äußert. Wenn keine Verbindung nach außen besteht, staut sich das Ende des Dickdarms als blind endende Aussackung.

Die Diagnose erfolgt in der Regel direkt nach der Geburt bei der Erstuntersuchung. Weitere Untersuchungen wie Ultraschall, Röntgenaufnahmen und gegebenenfalls eine MRT des Beckens dienen dazu, die genaue Art und Ausprägung der Fehlbildung zu bestimmen.

Schema einer anorektalen Fehlbildung mit Fistel

Behandlung von Anorektalen Fehlbildungen

Die Therapie richtet sich nach der Schwere der Fehlbildung. Bei einfachen Formen, wie einer rektoperinealen Fistel, kann eine direkte operative Korrektur (Anoplastik) in den ersten Lebenstagen erfolgen.

Bei komplexeren Fehlbildungen oder bei Frühgeborenen wird zunächst oft ein künstlicher Darmausgang (Anus praeter, Stoma) angelegt. Dies schafft einen vorübergehenden Weg zur Stuhlausscheidung und ermöglicht dem Darm, sich zu erholen. Anschließend erfolgt in der Regel eine Korrekturoperation (z. B. posteriore-sagittale-anorektale Plastik - PSARP), bei der die analen Öffnung neu geformt wird.

Nach der Operation ist eine regelmäßige Dehnungsbehandlung (Bougieren) notwendig, um eine narbige Verengung des neu geschaffenen Afters zu verhindern. Der künstliche Darmausgang wird in der Regel nach einigen Monaten zurückverlegt.

Ein Viertel der Betroffenen kann auch nach der Operation eine Stuhlinkontinenz aufweisen. Eine enge urologische, chirurgische und ggf. nephrologische Begleitung ist oft bis ins Erwachsenenalter erforderlich, insbesondere bei gleichzeitig vorliegenden Fehlbildungen der Nieren und Harnwege oder des Kreuzbeins.

Morbus Hirschsprung

Morbus Hirschsprung ist eine seltene, angeborene Fehlbildung des Darms, die durch das Fehlen von Nervenzellen (Ganglienzellen) in der Darmwand gekennzeichnet ist. Dies beeinträchtigt den Weitertransport des Darminhalts und kann zu Verstopfungen bis hin zu einem Darmverschluss führen.

Ursachen und Mechanismen

Die fehlenden Nervenzellen verhindern die normale Kontraktion und Entspannung der Darmabschnitte, was zu einer Engstelle im betroffenen Bereich führt. Der Darminhalt staut sich vor diesem funktionsunfähigen Teil des Darms.

Häufigkeit und Symptome

Morbus Hirschsprung betrifft etwa 1 von 5.000 Neugeborenen, wobei Jungen viermal häufiger betroffen sind als Mädchen. Die Diagnose wird meist im Neugeborenen- oder Säuglingsalter gestellt.

Typische Symptome sind:

  • Verzögertes Absetzen des Mekoniums (Kindspech) nach der Geburt.
  • Ausladendes Abdomen (Blähbauch).
  • Bauchschmerzen.
  • Nahrungsunverträglichkeiten oder Gedeihstörungen.
  • Die Kinder sind oft nicht in der Lage, ohne Hilfe wie Einläufe oder rektale Manipulationen selbstständig Stuhl abzusetzen.
  • Bei anhaltender Verstopfung können ein enger Analkanal mit explosionsartiger Entleerung von Gas und schlecht riechendem dünnflüssigem Stuhl auftreten.

Eine gefürchtete Komplikation ist das „toxische Megakolon“, eine fulminante Entzündung des gestauten, erweiterten Dickdarms, die intensivmedizinische Betreuung erfordern kann.

Diagnose

Der erste Schritt ist ein ausführliches Anamnesegespräch. Darauf folgt eine körperliche Untersuchung. Im Ultraschall lassen sich stuhlgefüllte, erweiterte Darmschlingen gut darstellen. Ein Kolon-Kontrasteinlauf (Röntgenuntersuchung des Dickdarms mit Kontrastmittel) kann eine Engstelle und die Erweiterung der vorgelagerten Darmanteile zeigen.

Zur sicheren Bestätigung der Diagnose ist eine Gewebeentnahme (Biopsie) aus der Darmschleimhaut unter Narkose notwendig (Goldstandard).

Behandlung

Die Behandlung von Morbus Hirschsprung erfordert in der Regel eine oder mehrere Operationen. Das Ziel ist die Entfernung des erkrankten Darmabschnitts und die Verbindung des gesunden Darms mit dem verbleibenden Enddarm.

Je nach Gesundheitszustand des Neugeborenen kann zunächst eine Darmspülung zur Stuhlentleerung bis zur geplanten Operation erfolgen. In manchen Fällen ist die vorübergehende Anlage eines künstlichen Darmausgangs notwendig. Die Operation wird meist minimalinvasiv (laparoskopisch) oder transanal durchgeführt.

Kinder mit Morbus Hirschsprung benötigen eine langfristige Betreuung in spezialisierten Zentren, um mögliche Komplikationen wie Narbenenge, Verstopfung oder Gedeih- und Ernährungsschwierigkeiten frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

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