Vaginaler Ausfluss ist ein natürlicher Bestandteil des weiblichen Körpers und spielt eine wichtige Rolle für die Gesundheit der Vagina. Insbesondere weißer, cremiger Ausfluss wird oft beobachtet und kann je nach Zyklusphase und individuellen Faktoren variieren. In den meisten Fällen ist weißer Ausfluss ein Zeichen dafür, dass der Körper normal funktioniert. Dennoch können Veränderungen in Menge, Farbe oder Geruch auf zugrunde liegende Gesundheitsprobleme hinweisen.
Was ist vaginaler Ausfluss?
Unter vaginalem Ausfluss werden verschiedene Arten von Vaginalflüssigkeiten zusammengefasst, die außerhalb der Regelblutung auftreten. Dazu zählt in erster Linie der Zervixschleim, der sich größtenteils aus Zellen des Gebärmutterhalses und Scheidensekret zusammensetzt. Die Schleimhaut der Scheide (Vagina) und des Gebärmutterhalses produziert Ausfluss, der als natürlicher Abwehrmechanismus dient, um die Vagina sauber zu halten und vor Infektionen zu schützen. Im Ausfluss befinden sich unter anderem Zellen der Schleimhaut, die nützlichen Bakterien Nahrung bieten. Diese sorgen für ein saures Milieu in der Vagina, in dem sich andere Bakterien und Pilze schlechter vermehren können.
Der weibliche Zyklus und seine Auswirkungen auf den Ausfluss
Die Beschaffenheit von Scheidenausfluss kann sich im Verlauf des Zyklus verändern, was auf normale, hormonelle Schwankungen zurückzuführen ist. Der weibliche Sexualhormon Östrogen spielt dabei eine entscheidende Rolle. Durch den Anstieg des Östrogenspiegels kommt es unmittelbar nach der Menstruation zu einer Steigerung der Zervixschleim-Produktion. Je höher die Konzentration von Östrogen, umso mehr Zervixschleim wird von den Drüsen am Gebärmutterhals produziert.
Ausfluss vor dem Eisprung
Kurz vor dem Eisprung ist der Ausfluss bei vielen Frauen dickflüssig bis zäh und eher klebrig, bevor er cremiger und milchig-trüb wird. Der Ausfluss um den Eisprung herum ähnelt dann eher einer Lotion. Zum Zeitpunkt des Eisprungs nimmt die Menge des Zervixschleims oft erheblich zu. Der zuvor cremige, weiße Ausfluss wird jetzt durchsichtig, eiweißartig und zieht Fäden. Die Vagina fühlt sich bei vielen Frauen um den Eisprung herum durch das erhöhte Ausfluss-Aufkommen deutlich feuchter an - die Scheide sondert jetzt bis zu 20-mal mehr Schleim ab als sonst!
Ausfluss nach dem Eisprung
Nach dem Eisprung beginnt die sogenannte Lutealphase. Der vorher flüssig-transparente und spinnbare Vaginalausfluss wird nun wieder zähflüssiger und damit weniger durchlässig für Spermien. Auch die Menge an Zervixschleim nimmt jetzt deutlich ab. Progesteron, das in dieser Phase des Zyklus dominiert, hemmt die Schleimproduktion.
Ausfluss vor der Periode
Vor dem Einsetzen der Regelblutung kann die Menge des Ausflusses ebenfalls zunehmen. Dieser Ausfluss ist oft zäh und klebrig, kann aber auch weißlich und cremig sein.
Ausfluss nach der letzten Regelblutung (Menopause)
Nach der Menopause werden weniger Östrogene gebildet, sodass auch der Ausfluss abnimmt und der pH-Wert steigt. Bei einer Behandlung mit Östrogenen ist der Ausfluss aber eher so wie bei Menstruierenden.
Wann gilt Ausfluss als normal?
Als normal gilt vaginaler Ausfluss, der:
- Farbe: weißlich oder durchsichtig, eventuell leicht gelblich nach dem Trocknen.
- Konsistenz: variiert von dünn- bis dickflüssig, cremig, milchig oder klebrig.
- Geruch: geruchlos oder nur sehr leicht und unauffällig riechend.
- Menge: etwa ein halber bis ganzer Teelöffel pro Tag.
Geruchloser weißer Ausfluss, der keine Beschwerden verursacht, ist in den meisten Fällen kein Anlass zur Besorgnis und Teil des normalen Zyklusverlaufs.
Mögliche Ursachen für ungewöhnlichen Ausfluss
Ungewöhnlicher Ausfluss, der sich in Farbe, Konsistenz oder Geruch vom Normalzustand unterscheidet, kann auf verschiedene Ursachen hinweisen. Dazu zählen Infektionen, hormonelle Ungleichgewichte oder Reizungen.
Infektionen
- Pilzinfektion (Kandidiasis/Candidose): Typisch ist ein dicker, weißer, klumpiger oder bröckeliger Ausfluss, der an Quark oder Hüttenkäse erinnert. Meist wird dieser von starkem Juckreiz im Bereich der Scheide oder des äußeren Genitals begleitet. Eine Rötung kann ebenfalls sichtbar sein.
- Bakterielle Vaginose: Hierbei liegt ein Ungleichgewicht der gesunden Bakterien in der Vagina vor. Der Ausfluss kann gräulich gefärbt, dünnflüssig und unangenehm fischig riechend sein. Manchmal verursacht die bakterielle Vaginose auch keine Symptome.
- Infektion mit Trichomonaden: Diese Parasiten werden sexuell übertragen. Charakteristisch ist dünnflüssiger, grünlich-gelblicher und mitunter schaumiger Ausfluss mit einem unangenehmen, manchmal fischigen Geruch. Weitere Symptome können Schmerzen bei der Blasenentleerung und beim Geschlechtsverkehr, sowie Jucken, Brennen und Rötung im Genitalbereich sein.
- Sexuell übertragbare Infektionen (STIs): Infektionen wie Chlamydien und Gonorrhoe können ebenfalls vaginalen Ausfluss verursachen, der sich oft als gelber oder grüner Ausfluss zeigt. Bei Frauen verlaufen diese Infektionen jedoch häufig symptomlos.
Andere Ursachen
- Fremdkörper: Ein vergessener Tampon oder ein zurückgebliebenes Kondom kann ungewöhnlichen Ausfluss und unangenehmen Geruch verursachen.
- Reizungen und allergische Reaktionen: Inhaltsstoffe in Intimpflegeprodukten, aggressiven Seifen oder auch Latexkondome können die Vagina oder die Haut um die Vagina reizen und zu Ausfluss führen.
- Hormonelle Veränderungen: Neben dem natürlichen Zyklus können auch Medikamente wie hormonelle Verhütungsmittel (z.B. die "Pille") oder eine Hormontherapie den Ausfluss beeinflussen. Auch Stress und sexuelle Erregung können vorübergehend zu vermehrtem Ausfluss führen.
- Vaginale Veränderungen bei geringem Östrogenspiegel: In oder nach den Wechseljahren kann ein Rückgang der Östrogene zu einer trockenen Scheide und möglicherweise zu vermehrtem, dünnem, weißem und geruchlosem Ausfluss führen.
- Krebserkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane: In seltenen Fällen kann ungewöhnlicher Ausfluss, insbesondere blutiger oder wässriger Ausfluss, ein Symptom einer Krebserkrankung sein.

Ausfluss in der Schwangerschaft
Durch den Anstieg der Hormonproduktion kommt es bei vielen schwangeren Frauen, vor allem zu Beginn einer Schwangerschaft, zu verstärktem Ausfluss. Dies ist in der Regel normal und dient dem Schutz der Scheide und des sich entwickelnden Babys. Sollte der Ausfluss jedoch seinen Geruch verändern, klumpig oder bröckelig werden oder von Juckreiz und Brennen begleitet sein, kann dies ein Zeichen für eine Vaginalinfektion sein, die ärztlich abgeklärt werden sollte.
Wann sollten Sie ärztlichen Rat einholen?
Auch wenn vaginaler Ausfluss in den meisten Fällen harmlos ist, sollten Sie einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen, wenn:
- sich die Menge des Ausflusses deutlich verändert.
- der Ausfluss die Farbe wechselt (gelb, grün, grau, braun oder blutig).
- sich die Beschaffenheit des Scheidensekrets verändert (krümelig, klumpig, schaumig).
- sich der Geruch des Ausflusses verändert (besonders fischig oder unangenehm).
- zusätzliche Beschwerden im Genitalbereich auftreten wie starker Juckreiz, Rötung, Brennen oder Schmerzen.
- Beschwerden beim Wasserlassen hinzukommen.
- der Ausfluss nach den Wechseljahren auftritt und sich verändert.

Diagnose und Behandlung
Die Diagnose von ungewöhnlichem Ausfluss erfolgt in der Regel durch eine gynäkologische Untersuchung. Dabei werden Fragen zur Krankengeschichte gestellt, der Genitalbereich untersucht und Abstriche aus der Scheide entnommen. Diese Abstriche können mikroskopisch oder im Labor untersucht werden, um Erreger wie Bakterien, Pilze oder Parasiten nachzuweisen. Auch der pH-Wert der Scheide wird gemessen.
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache des ungewöhnlichen Ausflusses:
- Infektionen werden mit spezifischen Medikamenten behandelt, wie z.B. Antibiotika gegen bakterielle Infektionen oder Antimykotika gegen Pilzinfektionen.
- Bei hormonellen Ungleichgewichten kann eine Hormontherapie oder die Anpassung von Verhütungsmitteln infrage kommen.
- Bei Reizungen ist es ratsam, auf reizende Produkte zu verzichten und auf milde, pH-neutrale Reinigungsmittel umzusteigen.
- Bei einem vergessenen Fremdkörper kann dieser vom Arzt entfernt werden.
Es ist wichtig, die Behandlungsempfehlungen des Arztes genau zu befolgen, insbesondere bei sexuell übertragbaren Infektionen, bei denen auch der Partner mitbehandelt werden sollte, um eine erneute Ansteckung zu vermeiden.