Gerade wenn man viel draußen in der Natur unterwegs ist, stehen alle Eltern irgendwann vor der gleichen Frage: Wie trage ich mein Baby oder Kind am besten? Denn ganz ehrlich: So nett und praktisch Kinderwägen manchmal sind, in der freien Natur muss was anderes her.
In diesem Ratgeber klären wir auf, was die Kraxe, die Babytrage und das Tragetuch ausmachen und in welchem Fall sie für Sie Sinn machen. Es ist außerdem sehr wichtig, sich vor dem Kauf über die Sicherheit des gewählten Kindertrage-Systems zu informieren.

Die Babytrage - Flexibilität von Beginn an
Mit dem Tragetuch hatten wir es nicht so. Ich finde sie super schön, aber für uns persönlich sind sie im Gebrauch einfach mega unpraktisch: zu viel Stoff, der irgendwann im Gatsch liegt, zu viel Gewickel um das Baby schnell mal aus und wieder einzupacken. Hier war schnell klar, dass wir einfach ganz grundsätzlich eher der Typ für eine gute Trage sind.
Schon für das erste Kind wurde die Ruckeli Trage genutzt. Sie ist so einstellbar, dass das Kind ab Geburt damit getragen werden kann und es immer in einer gesunden Anhock-Spreiz-Haltung positioniert ist. Das erste Jahr wurde das Kind viel in einer heißgeliebten Ruckeli Babytrage mitgenommen. Auf den ersten Berg ging es mit gut zwei Monaten. Solange es klein war, wurde es hauptsächlich vorne in der Bauchtrageweise getragen. Solange das Köpfchen noch nicht ganz stabil ist, ist das ohnehin die beste (einzige?) Wahl.
Das praktische am Vorne-Tragen ist, dass man zusätzlich noch einen Rucksack auf den Rücken nehmen kann. Bei den ersten Kindern war das noch nicht ganz so relevant, außer einer von uns war alleine unterwegs. Als Zwillinge dazu kamen, war das Ganze schon etwas herausfordernder. In der Trage haben die Kinder außerdem immer viel geschlafen, so dass die Eltern sehr flexibel in der Tourenwahl waren. Ob durch Balis Reisfelder spazierend, einen Vulkankrater auf Gran Canaria umrundend oder im finnischen Winter - die Trage blieb mehr als 2 Jahre im Einsatz, denn vor allem in Urlauben wollten die Eltern die Wanderkraxe nicht extra mitnehmen. Hier schlägt das kompakte Packmaß alles - die Babytrage geht sogar mit ins Handgepäck.
Ab dem ersten Lebensjahr wurde das Kind auch oft (meistens) hinten getragen, was auch wegen des zunehmenden Gewichts für den/die Träger/in angenehmer ist.
Vor- und Nachteile vom Wandern mit Babytrage
- Pro: Kompakt - für kürzere Touren z.B. im Urlaub angenehmer, geht mit ins Handgepäck, leicht, vielseitig: verschieden Tragepositionen möglich, engerer Körperkontakt im Vergleich zur Kraxe, bessere Schlafposition, bei kühlem Wetter wird das Baby durch den engen Körperkontakt mitgewärmt, zusätzlicher Rucksack in der Bauchtrageposition möglich.
- Contra: Schleppende Gewichtsverteilung, oft nur auf Schultern, bei höheren Temperaturen schnell „schwitzig“, kein Regenschutz, kein Extra-Gepäck in der Rücktrageweise.

Upgrade zur Wanderkraxe - mehr Komfort für größere Kinder
Mit gut 8 Monaten wurde eine Kraxe zugelegt. Beim ersten Kind wurde eine Deuter, bei den Zwillingen dann eine Osprey genutzt. In der Kraxe fand das Kind jedenfalls alle Wanderungen wieder super spannend. Hoch oben auf Papas Schultern hatte es immer alles im Blick und konnte ihm vor lauter Freude das eine oder andere Haar ausrupfen.
Die Kraxe ist im Vergleich mit der Babytrage flexibler. Hier geht z.B. ein Trägerwechsel auch bei schlafendem Kind einigermaßen easy von der Hand. Bei vielen Modellen geht auch noch einiges an Gepäck mit in den Tragerucksack. Außerdem bieten diese Tragehilfen ein hervorragendes Tragesystem, was gerade bei etwas älteren (oder groß gewachsenen) Kindern ein großer Vorteil in der Gewichtsverteilung ist. Die Last geht weg von den Schultern und wird hin zur Hüfte umverteilt.
Das Tragesystem der Kinderkraxe - Segen und Fluch
Das Tragesystem ist quasi das Herzstück der meisten guten Kinderkraxen - es erlaubt eine ideale Lastverteilung auf Schultern und Hüfte des Trägers. Aber: Das erfordert etwas an Einstellungszeit. Ohne ein wenig Rumprobieren mit Gewicht, Tragerucksack und gefühlt endlosem Auf- und Absetzen wird das Tragegefühl nie perfekt sein - egal wie gut das System eigentlich ist. Nehmen Sie sich die Zeit zum Einstellen - Sie werden es nicht bereuen.

Lifehack zum Einstellen von Kraxen
Soll die Kinderkraxe von zwei verschieden großen Personen getragen werden, was ja bei vielen Paaren der Fall ist, muss das System entsprechend beim Wechsel umgestellt werden. Hier lohnt es sich, die entsprechenden Einstellungen auf den Gurten zu markieren (z.B. mit wasserfestem Textilmarker), damit die Einstellerei nicht alle 2 Stunden von vorne los geht. Man muss hier darauf hinweisen, dass viele Tragerucksäcke für Frauen gefühlt etwas groß geschnitten sind. Mittlerweile gibt es aber auch hier entsprechend angepasste Modelle in Damenvariante. Eine Beratung macht hier u.U. durchaus Sinn.
Wie für den Träger gibt es auch für die kleinen Piloten einiges einzustellen - von Gurtlänge über Sitzhöhe bis Fußrastenhöhe. Je nach Wachstum und Alter muss hier außerdem konstant nachjustiert werden.
Warum Pausen bei beiden Systemen essentiell sind
Mit zunehmendem Alter und Mobilität ist es beinahe egal, ob Kraxe oder Trage, das Kind will nicht mehr ewig sitzen. Ein langes Sitzen in der Kraxe ohne Pausen ist auch alles andere als gesund und sollte vermieden werden, denn durch die Position der Beine werden diese schlechter durchblutet, weshalb die Füßchen schnell mal kalt werden. Gegen den Einwand, dass Kinder in der Kraxe besonders im Winter schnell auskühlen, hat Nicole K. den Jennbag erfunden - damit passiert das nicht mehr und die Kleinen bleiben auch bei Tiefsttemperaturen mucklig warm und trocken.
Nehmen Sie sich die Zeit, das Kind immer mal wieder selbst laufen zu lassen. Das fordert zwar manchmal etwas Geduld, ist es aber echt wert: Dies ist nicht nur gut für den Körper der Kleinen, sondern fördert auch die Lust zum Wandern. Das eigene Kind ging mit 3 Jahren - wenn es Bock hat und der Weg spannend genug war - ohne Jammern und Probleme seine 400 Höhenmeter. Mit 5 schafft es locker 800hm - wenn es denn Lust hatte. Eine Weile macht man da natürlich Abstriche, um dem Kind das „sich ausprobieren“ und das Erlangen einer gewissen Grundkondition zu ermöglichen.

Gegenüberstellung: Vor- und Nachteile der Tragesysteme
Vor- und Nachteile vom Wandern mit Babytrage
- Pro: Kompakt - für kürzere Touren z.B. im Urlaub angenehmer, geht mit ins Handgepäck, leicht, vielseitig: verschieden Tragepositionen möglich, engerer Körperkontakt im Vergleich zur Kraxe, bessere Schlafposition, bei kühlem Wetter wird das Baby durch den engen Körperkontakt mitgewärmt, zusätzlicher Rucksack in der Bauchtrageposition möglich.
- Contra: Schleppende Gewichtsverteilung, oft nur auf Schultern, bei höheren Temperaturen schnell „schwitzig“, kein Regenschutz, kein Extra-Gepäck in der Rücktrageweise.
Vor- und Nachteile vom Wandern mit Kraxe bzw. Tragerucksack
- Pro: (Viel) mehr Zuladung, Extra-Fächer für Windel, Klamotten und Jause, mehr Bewegungsfreiheit für die Kleinen, bessere Aussicht für den Nachwuchs, oft fantastische Tragesysteme, Trägerwechsel auch bei schlafendem Kind möglich.
- Contra: Schwerer und sperriger, Kinder müssen stabil sitzen, viel Einstellungszeit erforderlich, höherer Preis, im Winter kühlen Kinder in der Kraxe ggf. schneller aus.
Die Kraxe ist eine Kindertrage, die über ähnliche Vorteile wie ein Wanderrucksack verfügt: ein Tragesystem, Stauraum und einen Netzrücken. Mutter oder Vater ziehen die Kraxe einfach wie einen Rucksack an. Kinder sitzen durch Gurte gesichert aufrecht in der Kindertrage und können ihre Umgebung ungestört und auf erhöhtem Sitz wahrnehmen, was vielen besondere Freude bereitet. „Das Kind sollte sicher frei sitzen können und eine gute Kopfkontrolle haben. Dies ist ungefähr ab dem achten Lebensmonat der Fall.“
Ein Bruder hat seinen Neffen mit einem Jahr das erste Mal in der Deuter Kid Comfort beim Wandern dabei gehabt. Da konnte sein Sohn bereits einige Wochen stabil sitzen. Eltern haben ihren Sohn das erste Mal in die LitteLife Kraxe gesetzt, als er einhalb Jahre alt war und waren sehr zufrieden damit.
Wenn Sie sich also sicher sind, dass Ihr Kind bereit für die Kraxe ist, dann gibt es verschiedene Kriterien, die Sie beim Kauf berücksichtigen müssen. Dazu gehören eine einstellbare Sitzhöhe und verstellbare Steigbügel, aber auch der Tragekomfort für Mutter und Vater - was insbesondere durch eine einstellbare Rückenlänge und ein gutes Tragesystem gewährleistet wird.
Der Hauptnachteil ist, dass das Kind nicht durch den Körperkontakt mit Mutter oder Vater warmgehalten wird. Um zum Beispiel Unterkühlung im Herbst oder Winter zu vermeiden, muss sichergestellt werden, dass die Kinder entsprechend der Wetterbedingungen gekleidet sind. Außerdem sollte Ihnen bewusst sein, dass der Stauraum in der Kraxe selten für all Ihr Gepäck Platz bietet. Das heißt, der andere Elternteil hat am besten noch einen extra Tagesrucksack dabei. Auch die Gewichtsverteilung ist in der Kraxe für den Träger nicht optimal: Normalerweise werden die schweren Dinge ja direkt an den Rücken gepackt, was bei der Kraxe nicht der Fall ist. Die größte Last befindet sich sehr weit hinten-oben. Kritiker bemängeln insbesondere, dass der Nacken in vielen Kraxen keinen festen Halt hat, die Beine der Kinder einschlafen oder auskühlen, oder dass der Sitz nicht ergonomisch geformt ist. Deswegen ist es so wichtig, beim Kauf einer Kraxe das Modell genau und kritisch unter die Lupe zu nehmen, sodass das Kind keinen Schaden davon trägt.

Die Deuter Kid Comfort Serie
Die Kid Comfort Kindertrage von Deuter wurde unter der Beratung mit dem Kinderchirurgen Dr. Micha Bahr entwickelt. Die Kid Comfort 3 hat vom TÜV abgenommene Fußschlaufen, die durch Anwinkeln der Beinchen ein Abklemmen des Gefäß-Nerven-Strangs, das Einschlafen und das Auskühlen der Beine verhindern. Der Kopf wird in diesem Modell besser abgestützt und stabilisiert, auch wenn das Kind einschläft und der Sitz passt sich in seiner Form der Anatomie und Größe des Kindes an. Außerdem gibt es unter den Deuter Modellen auch erstmals eine Slim Line Kraxe, die insbesondere auf die Anatomie der Mutter ausgerichtet ist. Bei den Deuter Kraxen können unterschiedliche Sitzhaltungen eingenommen werden, um eine natürliche Anhock-Spreiz-Haltung zu ermöglichen.
All about deuter Kid Carriers
Weitere Alternativen zum Tragen von Kindern
Was ist die Alternative zur Kraxe, insbesondere bei sehr kleinen Babys unter einem Jahr? In diesen Fällen wird ein Tragetuch oder eine Babytrage von Manduca oder Ergobaby empfohlen. Das Tragetuch eignet sich insbesondere wegen dem Schutz für den Kopf-Hals-Bereich besser für Babys als Kraxen. Außerdem mögen viele Eltern den direkten Körperkontakt zum Kind, um zu sehen, ob es dem Kind zu warm oder kalt ist und wie es ihm geht. Aber nicht nur das: Wenn Sie Ihr Kind direkt an Ihrem Körper tragen, ist es näher an Ihrem eigenen Schwerpunkt dran, das heißt, Sie können wegen einer idealeren Lastenverteilung länger durchhalten. Der Nachteil am Tragetuch ist, dass das Kind durch den engen Körperkontakt mit Mutter und Vater auch ins Schwitzen kommen kann. Um eine potentielle Erkältung zu verhindern, die bei nassgeschwitzter Kleidung auf dem Gipfel erfolgen kann, sollte man immer Wechselkleidung dabei haben. Noch besser ist Funktionskleidung aus Merinowolle für ein gutes Klimamanagement, sodass das Kind gar nicht erst schwitzt.
Wenn das Baby etwas schwerer wird, kann es dann auch unkomfortabel für den Träger werden, da ein Tragetuch kein Tragesystem hat, wie zum Beispiel eine Full-Buckle Babytrage, welche die Schulter entlastet und das Gewicht auch auf die Hüften verteilt. Der Vorteil bei den Babytragen ist, dass Ihr Baby aufgrund der Schnittführung und Abnäher im Po-Bereich in einer gesunden und bequemen Anhock-Spreiz-Haltung sitzen kann, sowohl bei Ihnen auf dem Bauch, auf dem Rücken oder auf der Hüfte. Die Manduca eignet sich wegen dem integrierten Sitzverkleinerer sogar für Neugeborene. Aber auch Ergobaby bietet im Sortiment Babytragen für jedes Alter, Gewicht und Größe an, auch mit leistungsfähigen und atmungsaktiven Netzen sowie einem guten Tragesystem mit Schulter- und Hüftgurten an, was sich besonders für aktive Eltern eignet.
Zwar haben Sie beim Wandern mit Kinderwagen viel Stauraum für alles, was Ihr Kind während so einer mehrstündigen Wanderung braucht, allerdings sind Treppen, viel Steigung und bewurzelte oder sehr steinige Wege damit nur schwer zu bewältigen.
Die einfachste Möglichkeit, seine Kinder mit zum Wandern zu nehmen, ist ein Kindertragerucksack. In diesem Ratgeber klären wir Sie auf, was die Kraxe, die Babytrage und das Tragetuch ausmachen und in welchem Fall sie für Sie Sinn machen.
Eine weitere Alternative ist der Fahrradanhänger mit Jogging-Rad und Bremse, sodass er ziemlich geländegängig ist. In den Fahrradanhänger können nicht nur die Kinder, sondern auch Proviant etc. geladen werden. Die Kinder sind so auch vor Regen geschützt und das Aus- und Einsteigen geht viel schneller/komfortabler. Damit können zwar aktuell leider keine schmalen Single Trails begangen werden und man muss seine Routen entsprechend wählen, aber für viele Familien überwiegen die Vorteile.
