Die Frage nach der Umstellung von Anfangsmilch auf Folgemilch, insbesondere Folgemilch 2, beschäftigt viele Eltern, oft schon lange bevor das Baby das empfohlene Alter erreicht. Insbesondere wenn das Baby scheinbar nicht mehr richtig satt wird, geraten Eltern ins Grübeln. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe und gibt Auskunft darüber, wann Folgemilch 2 tatsächlich sinnvoll ist und wann es bei der Anfangsnahrung bleiben sollte.
Häufige Fragen zur Umstellung auf Folgemilch 2
Viele Eltern stellen sich die Frage, ob sie bereits im Alter von 4 Monaten auf Folgemilch 2 umstellen sollten, wenn ihr Baby vermeintlich nicht mehr satt wird. Die Verpackungshinweise weisen oft auf eine Empfehlung "nach dem 6. Monat" hin, was zu Verunsicherung führt.
Wann ist eine Umstellung auf Folgemilch 2 sinnvoll?
Grundsätzlich gilt: Folgemilch 2 ist erst dann wirklich sinnvoll, wenn das Baby bereits Beikost erhält. Die EU-Richtlinien für Säuglingsnahrungen wurden Ende 2008 angepasst, was dazu führte, dass Folgemilch 2 nun als Ergänzung zur gemischten Kost im zweiten Lebenshalbjahr empfohlen wird. Das bedeutet, dass sie in der Regel erst nach dem 6. Monat und nur in Verbindung mit Beikostmahlzeiten gegeben werden sollte.
Die Angabe "NACH dem 4. Monat" auf älteren Verpackungen oder Empfehlungen war lediglich der früheste Zeitpunkt, ab dem die Säuglingsnahrungsmittelindustrie eine solche Nahrung empfehlen durfte. Ernährungsphysiologisch ist Folgemilch 2 für Babys, die noch keine Beikost erhalten, nicht notwendig.
Was tun, wenn das Baby nicht mehr satt wird?
Wenn ein Baby im Alter von etwa 4 Monaten nicht mehr richtig satt zu werden scheint, liegt dies oft nicht an der Milch selbst, sondern an entwicklungsbedingten Veränderungen. In diesem Alter beginnen Babys, die Welt intensiver wahrzunehmen und Erlebnisse zu verarbeiten, was zu vermehrter Unruhe und häufigerem Aufwachen führen kann. Auch das Zahnen oder erste Infekte können die Schlafqualität beeinträchtigen.
In solchen Fällen wird empfohlen:
- Bei der Anfangsnahrung (PRE oder 1er Milch) zu bleiben, da diese der Muttermilch am ähnlichsten ist und das Baby bestens versorgt.
- Die Beikosteinführung schrittweise fortzusetzen und den Gemüse-Fleisch-Brei auszubauen. Eine Portion Brei kann eine Milcheinheit ersetzen.
- Die Anfangsmilch weiterhin nach Bedarf zu füttern.

Kritische Betrachtung von Folgemilchen
Das Internet ist voll von Meinungen zu Folgemilch (2er, 3er oder Kindermilch), die oft als "Unsinn", "ungesund" oder "Geldmacherei" bezeichnet werden. Tatsächlich sind Folgemilchen für die Ernährung eines Kleinkindes grundsätzlich nicht erforderlich. Anfangsmilch (PRE oder 1er) ist der Muttermilch am ähnlichsten und kann während der gesamten Flaschenernährungsphase gegeben werden.
Inhaltsstoffe und Empfehlungen
Die Zusammensetzung von Säuglingsnahrungen wird durch EU-Richtlinien geregelt. Folgemilchen wie HiPP 2 sind für Babys im Beikostalter konzipiert und ergänzen die gemischte Kost im zweiten Lebenshalbjahr. Sie sollen nur angeboten werden, wenn Babys bereits Beikost erhalten.
Die Zusammensetzung von Kindermilch unterscheidet sich von Kuhmilch. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, dass die Gehalte an Mikronährstoffen (Vitamine und Mineralstoffe) in Kindermilch mit denen von Kuhmilch vergleichbar sein sollten. Kritisch wird angemerkt, dass Kuhmilch zwar mehr Calcium enthält, die Aufnahme und Verwertung jedoch komplexer ist und durch tierisches Eiweiß sogar mehr Calcium ausgeschieden als aufgenommen werden kann. Muttermilch ist primär auf das Gehirnwachstum ausgerichtet, während Kuhmilch auf das schnelle Wachstum des Kalbsknochengerüsts.
Bezüglich des Zuckergehalts in Folgemilchen wird festgestellt, dass diese hauptsächlich Laktose, Stärke und Maltodextrin enthalten. Diese dienen dazu, die Milch sämiger und sättigender zu machen, wobei die Menge an zugesetzter Stärke/Maltodextrin die Laktosemenge reduziert, sodass der Gesamtkohlenhydratgehalt ähnlich bleibt. Im Vergleich zu Frucht- oder Getreidegläschen enthalten Folgemilchen oft deutlich weniger Zucker.
Die Rolle von Vitaminen und Mineralstoffen
Kindermilch werden Vitamine zugesetzt. Nach Ansicht des BfR könnten diese Mengen zu hoch sein, wenn sie mehr als 30% der empfohlenen Tagesmenge an Vitaminen enthalten. Eisen aus Milch hat eine vergleichsweise geringe Bioverfügbarkeit, sodass eine höhere Dosierung sinnvoll ist und bei Überdosierung nicht toxisch ist.
Die Verbraucherzentrale Hamburg hat festgestellt, dass Kindermilch im Vergleich zu Kuhmilch "überteuert" sei. Dies liegt jedoch primär an aufwändigeren Herstellungsprozessen. Ob die geringen Preisunterschiede eine pauschale Verurteilung von Folgemilchen rechtfertigen, ist fraglich.

Individuelle Bedürfnisse und Alternativen
Es ist wichtig zu betonen, dass die Ernährungsbedürfnisse von Babys individuell sind. Während für viele Babys Anfangsmilch ausreicht, können bei manchen Kindern besondere Umstände eine Anpassung erfordern.
Was tun bei Stillproblemen oder Unzufriedenheit?
Wenn ein Baby trotz Beikost und Anfangsmilch nicht satt wird, sollte zunächst die Möglichkeit besprochen werden, die Milchmenge zu steigern, falls gestillt wird. Bei Flaschennahrung kann in Betracht gezogen werden, auf eine reichhaltigere Anfangsmilch (z.B. Milumil oder Bebivita) zurückzugreifen, anstatt direkt auf Folgemilch 2 umzustellen.
Die Fähigkeit, länger zu schlafen, hängt nicht von der Art oder Menge der Nahrung ab, sondern ist oft entwicklungsbedingt. Eine Umstellung auf Folgemilch 2 nur mit dem Ziel, das Baby länger schlafen zu lassen, ist daher nicht empfehlenswert.
Saugverwirrung und Zufütterung
Bei Schwierigkeiten mit dem Stillen und der Notwendigkeit zuzufüttern, sollte auf eine möglichst milchähnliche Nahrung zurückgegriffen werden. Um eine Saugverwirrung zu vermeiden, können Alternativen zur Flasche wie die Sonden- oder Löffelfütterung in Betracht gezogen werden.
Die Entscheidung für oder gegen Folgemilch 2 ist letztlich eine individuelle. Sie ist nicht per se "schlecht" oder "unnötig", aber oft auch nicht zwingend erforderlich, wenn Anfangsmilch und Beikost gut angepasst sind. Eine Beratung durch eine Hebamme oder einen Kinderarzt kann hierbei wertvolle Unterstützung bieten.
Ernährung Säugling - Richtig essen von Anfang an
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