Mut zur zweiten ICSI: Chancen und Erfahrungen

Eine aktuelle Studie zeigt, dass nach einer ersten künstlichen Befruchtung die Aussichten, ein zweites Kind auf diesem Wege zu bekommen, gut sind. Die Erfolgschancen steigen noch mehr, wenn dafür die kryokonservierten Embryonen aus der ersten Behandlung verwendet werden.

Schema zur künstlichen Befruchtung (IVF)

Hintergründe und Studienergebnisse

Die Erfolgschancen für eine zweite Schwangerschaft mittels assistierter Reproduktionstechniken (ART) sind nach Erreichen einer Lebendgeburt im ersten Zyklus beträchtlich. Eine Studie ergab, dass die Chance für ein zweites Kind zwischen 51% und 88% nach 6 Therapiezyklen lag. Studienautorin Prof. Georgina Chambers von der University of New South Wales, Sydney, Australien, erklärte, dass die Wahrscheinlichkeit für eine erneute Lebendgeburt nach einem bestimmten Zyklus berechnet wurde, falls frühere Versuche erfolglos blieben.

Im Rahmen einer Studie mit 35.290 Frauen, die sich zwischen 2009 und 2013 in Australien oder Neuseeland einer ART unterzogen und ein lebendes Kind entbanden, wurden die Frauen bis 2015 nachbeobachtet. Etwa 43% der Probandinnen suchten aufgrund eines weiteren Kinderwunsches erneut medizinische Hilfe. Von diesen nutzten 73% ein eingefrorenes Embryo aus dem gleichen Zyklus wie ihr erstes Kind. Für diese Gruppe lag die kumulative Lebendgeburtenrate (CLBR) zwischen 61% und 88% nach sechs Zyklen. Frauen, die sich erneut stimulieren ließen und sich für ein frisches Embryo entschieden, hatten eine CLBR zwischen 51% und 70%.

Der Einsatz aufgetauter Embryonen ist insbesondere bei Frauen über 40 Jahren von Vorteil. So lagen die Erfolgsraten für Frauen im Alter von 40 bis 44 Jahren bei 38% bzw. 55%, im Gegensatz zu 20%.

Expertenmeinung zur Studie und klinischer Praxis

PD Dr. med. A. Kohl Schwartz kommentiert die Studienergebnisse und hebt hervor, dass die Ergebnisse seine klinische Wahrnehmung bestätigen. Frauen, die bereits einmal mit IVF schwanger geworden sind, haben in der Regel gute Prognosefaktoren für eine erneute Schwangerschaft. Zu diesen zählen laut Studie eine kurze Behandlungsdauer bis zur ersten Schwangerschaft und das Fehlen weiblicher Sterilitätsursachen. Dagegen verringert ein fortgeschrittenes Alter die Chance auf ein zweites IVF-Kind, was die Ergebnisse aus Australien ebenfalls zeigten.

Stärken und Schwächen der Studie

Eine Stärke der Studie ist die Grösse der Population in einem westlichen Land mit vergleichbarer Infrastruktur. Ebenso wertvoll ist die Analyse der kumulativen Lebendgeburtenrate, da sie genau die Information liefert, die Kinderwunschpaare suchen: die Gesamtchance auf eine Lebendgeburt pro zusätzlichem Behandlungszyklus.

Als limitierend empfindet Dr. Kohl Schwartz die starke Generalisierung der Studie. Für die individuelle Beratung eines Paares sei die Vorgeschichte entscheidend. Wichtige Fragen wären beispielsweise, wie lange der unerfüllte Kinderwunsch vor dem ersten IVF-Kind andauerte, ob es davor bereits eine Schwangerschaft oder Geburt gab und wie der aktuelle Gesundheitszustand des Paares ist.

Infografik: Einflussfaktoren auf die IVF-Erfolgsrate

Kryokonservierte Embryonen vs. frische IVF-Zyklen

Frauen mit kryokonservierten Embryonen und zusätzlicher Stimulation zeigten höhere Geburtenraten als Frauen, die mit einem frischen IVF-Zyklus begannen. Dr. Kohl Schwartz erklärt dies mit zwei Hauptgründen:

  • Die aufgetauten Embryonen in der Studie waren im Durchschnitt 1,5 Jahre vor der erneuten Behandlung konserviert worden. Sie stammen somit biologisch von "jüngeren" und für die Prognose besseren Eizellen.
  • Es ist bekannt, dass das Endometrium nach hoch dosierter Hormonbehandlung bei stimulierten Frischzyklen weniger empfänglich sein kann, was die Chance auf eine Schwangerschaft im Vergleich zu einem Auftauzyklus mit kryokonservierten Embryonen verringern könnte.

Emotionale und praktische Aspekte des zweiten Kinderwunsches

In der Sprechstunde erleben Paare mit einem zweiten Kinderwunsch oft einen geringeren emotionalen Druck, da das Glück einer bereits erfolgreichen Schwangerschaft überwiegt. Dennoch steigen die Erwartungen an die IVF, da es beim ersten Mal bereits geklappt hat. Prognosemodelle stoßen hier an ihre Grenzen.

Eine Frau, die im ersten Embryotransfer mit einem ersten Kind schwanger wurde, kann eine erneute Therapie, die nach dem dritten Transfer noch nicht erfolgreich war, als grosse Belastung empfinden - selbst wenn dies im Rahmen der normalen Wahrscheinlichkeit liegt.

Eine Patientin berichtete, dass die Behandlung so wenig belastend und angenehm war, dass sie sich sogar ein drittes Kind wünschte. Dies klappte kurz darauf, obwohl die Frau bereits fast 40 Jahre alt war.

Empfehlungen für erneute Behandlungszyklen

Bei einem erneuten Kinderwunsch wird Paaren immer empfohlen, zuerst die kryokonservierten Embryonen zu verwenden. Dies hat zum einen Vorteile bezüglich der besseren Schwangerschaftschance. Zum anderen erscheint es ethisch nicht sinnvoll, in einem frischen Zyklus weitere Embryonen zu generieren, wenn noch konservierte Embryonen vorhanden sind.

In der Reproduktionsmedizin ist es wichtig, potenzielle Gesundheitsrisiken für Frau und Kind abzuschätzen, wie beispielsweise ein erhöhtes Präeklampsierisiko nach IVF-Schwangerschaften. Eine Therapie wird nur eingeleitet, wenn die Gesundheit der Frau und die Lebensprognose des Paares dies zulassen. Das oberste Ziel ist immer das gesunde Kind, nicht eine hohe Schwangerschaftsrate um jeden Preis.

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Lebensstil und präkonzeptionelle Beratung

In der präkonzeptionellen Beratung werden Frauen stets eine Anpassung des Lebensstils empfohlen, um die Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen. Dazu gehören:

  • Folsäureprophylaxe
  • Verzicht auf Nikotin
  • Absetzen oder Umstellen von Medikamenten
  • Erreichen eines normalen Körpergewichts

Diese Empfehlungen gelten gleichermaßen, wenn eine Frau ein zweites IVF-Kind wünscht.

Persönliche Erfahrungen und Ratschläge

Janine, 29 Jahre alt und Lehrerin aus Wien, teilt ihre Erfahrungen mit unerfülltem Kinderwunsch und zwei negativen ICSI-Versuchen. Sie betont, dass die größte Herausforderung das Warten ist, insbesondere zwischen dem Embryotransfer und dem Bluttest. Die finanzielle Belastung wird ebenfalls als Faktor genannt, wobei sie und ihr Mann die Kosten derzeit noch aufbringen können.

Trotz der Rückschläge bewahrt Janine eine optimistische Einstellung. Sie schöpft Kraft aus den Geschichten anderer Paare, die lange gekämpft und letztendlich Erfolg hatten. Ihr Instagram-Profil "wiener.wunschkind" dient als Plattform, um offen über ihren Kinderwunsch und die damit verbundenen Probleme zu sprechen.

Sie ist der Meinung, dass unerfüllter Kinderwunsch mit anderen normalen Krankheiten gleichzusetzen ist und äußert sich kritisch gegenüber gut gemeinten, aber oft unwissenden Ratschlägen wie "Ihr müsst euch nur entspannen".

Was die Frage angeht, wie weit sie für den Kinderwunsch gehen würde, antwortet Janine, dass für sie alles in Frage kommt: Samen-, Eizellspende, alle möglichen Untersuchungen und Behandlungen. Lediglich zum Thema Adoption kann sie sich derzeit noch kein klares "Ja" sagen, da ihr das Erlebnis Schwangerschaft und die genetische Verbindung zum Kind zu wichtig sind.

Als Leseempfehlung nennt sie das Buch "Komm schon, Baby" von Lea Lemon und den Zykluscomputer von Clearblue. Sie betont, wie viele Paare im Umfeld von unerfülltem Kinderwunsch betroffen sind, dies aber oft nicht offen kommunizieren.

Ein Ratschlag, den sie aus der Instagram-Community erhalten hat und der ihr Kraft gibt, lautet: "Ein fehlgeschlagener Versuch bedeutet nicht gescheitert zu sein, wie­der bei Null anfan­gen zu müs­sen. Er bedeu­tet einen wei­te­ren Schritt geschafft zu haben auf eurem Weg zum Baby."

Austausch in Foren und Communities

In Online-Foren und Communities tauschen sich Frauen über ihre Erfahrungen mit der zweiten ICSI aus. Eine Nutzerin berichtet von ihrem Start in die zweite ICSI und fragt nach Erfolgsgeschichten anderer. Eine andere Nutzerin drückt ihre Daumen und teilt mit, dass sie im April ebenfalls in ihre zweite ICSI startet.

Ein weiterer Beitrag beschreibt den ersten Versuch mit 5 punktierten Eizellen, 4 befruchteten und nur einer Morula, die sich nicht festbiss. Da nichts übrig blieb, wurde direkt der nächste Versuch gestartet. Der erste Transfer der zweiten ICSI machte Mut.

Eine Frau teilt ihre Gedanken, warum bei ihrem ersten Versuch keine Eizellen die Blastozysten-Stadium erreichten oder nur 6 reife Eizellen vorhanden waren. Für den nächsten Zyklus ist eine andere Stimulation geplant. Auf die Frage, warum sie eine ICSI macht, antwortet sie, dass im Pausenzyklus eine Gebärmutterspiegelung mit Entfernung eines kleinen Polypen durchgeführt wurde. Die Stimulation erfolgt mit demselben Medikament wie zuvor. Ihr rechter Eierstock reagierte nicht, während im linken drei Follikel mit guter Größe sichtbar waren. Davon ließen sich 6 Eizellen punktieren, 3 waren reif und 2 ließen sich befruchten. Nach zwei Tagen wurden ein 3- und 4-Zeller zurückgegeben, was leider nicht zum Erfolg führte. Sie nimmt nun Nahrungsergänzungsmittel ein und erwägt die zusätzliche Einnahme von Kalzium-Ionophor zur Erhöhung der Befruchtungsrate.

Auf die Frage nach der Definition von "geklappt" berichtet eine Nutzerin, dass sie im ersten ICSI-Versuch schwanger wurde, aber eine Fehlgeburt in der 9. SSW erlitt. Im zweiten ICSI-Versuch wurde sie direkt wieder schwanger und ihre Tochter wurde geboren (zu diesem Zeitpunkt war sie 37 Jahre alt).

Es wird betont, dass jeder Mensch andere Voraussetzungen hat und Statistiken Durchschnittswerte darstellen, die individuelle Einschränkungen wie Endometriose, PCO, Übergewicht oder andere Faktoren, die die Schwangerschaftschancen verringern können, nicht gesondert aufschlüsseln.

Eine weitere Frau berichtet, dass sie und ihr Mann voraussichtlich Ende der Woche mit ihrer zweiten ICSI beginnen. Bei ihr habe ebenfalls nur ein Eierstock auf die letzte Stimulation reagiert, und sie fragt sich, ob dies beim zweiten Mal wieder der Fall sein wird und ob bei der anderen Nutzerin beide Eierstöcke gut oder normal reagiert haben.

Grafik: Kumulative Lebendgeburtenrate nach Zyklen

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