Die Wechseljahre, auch als Menopause oder klimakterisches Syndrom bekannt, sind eine natürliche Phase im Leben einer Frau, die durch einen allmählichen Rückgang der Hormonproduktion in den Eierstöcken gekennzeichnet ist. Dieser Prozess kann eine Vielzahl von Symptomen hervorrufen, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Die Hormonersatztherapie (HRT) bietet eine wirksame Möglichkeit, diese Beschwerden zu lindern und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.
Das klimakterische Syndrom und seine Symptome
Im Vordergrund der Beschwerden der Abänderung (Menopause) steht das sogenannte klimakterische Syndrom. Zu den bekanntesten Symptomen gehören Hitzewallungen, Schlafstörungen und Herzrasen. Hinzu kommen können seelische Veränderungen wie Angstgefühle, Traurigkeit, Gedächtnisverlust und eine Abnahme der Leistungsfähigkeit. Daneben sind auch Beschwerden der Harnwege, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Störungen der Sexualität bekannt.
Behandlungsansätze in den Wechseljahren
Zur Behandlung und Linderung dieser Symptome werden verschiedene Ansätze empfohlen, darunter Phytoöstrogene (pflanzliche Östrogene), Psychotherapie, Verhaltenstherapie, Homöopathie und Akupunktur. Von medizinischer Seite ist jedoch die Hormonersatztherapie (HRT) diejenige Behandlungsmethode, für die wissenschaftliche Studiendatenlage existiert. Das primäre Ziel einer medikamentösen Behandlung der Menopause ist das Erreichen einer guten Lebensqualität, was der Prävention und Behandlung von Krankheiten gleichzusetzen ist.
Grundlagen der Hormonersatztherapie
Die Hormonproduktion in den Eierstöcken nimmt im Laufe der Wechseljahre über mehrere Jahre hinweg kontinuierlich ab und kommt mit Eintritt der Menopause (der letzten Regelblutung) zum Erliegen. Dies führt zu deutlich niedrigeren Hormonspiegeln im Körper, was zu den genannten Beschwerden führen kann. Ziel einer Hormonersatztherapie ist es, Hormone von außen zuzuführen, um die Hormonmangel-bedingten Symptome zu lindern.
Wirkstoffe und ihre Funktionen
Grundsätzlich kommen bei einer HRT zwei Hormone zum Einsatz: Östrogen und Gestagen (Gelbkörperhormon). Östrogene gelten als Schlüsselhormone für die weibliche Sexualität, sind am weiblichen Zyklus, der Eizellreifung und der Fruchtbarkeit beteiligt. Als Ersatz für fehlendes Östrogen wird häufig ein Estradiol-haltiges Medikament eingesetzt, da Estradiol das im Blut vorherrschende und wirksamste Östrogen ist. Lokal kann auch bioidentisches Estriol verwendet werden, das gut zur Behandlung von Symptomen wie Scheidentrockenheit geeignet ist.
Das Gelbkörperhormon Progesteron ist maßgeblich an der Steuerung des Menstruationszyklus beteiligt und bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf die Aufnahme einer befruchteten Eizelle vor. Bei Frauen mit vorhandener Gebärmutter ist die zusätzliche Gabe eines Gestagens wichtig, da es als Gegenspieler des Östrogens ein übermäßiges Wachstum der Gebärmutterschleimhaut verhindert. Ein übermäßiges Wachstum kann zu Blutungen oder im ungünstigsten Fall zu Gebärmutterschleimhautkrebs führen.
Bioidente Hormone sind Hormone, die exakt die gleiche chemische Molekülstruktur aufweisen wie die körpereigenen Hormone. Sie werden oft aus pflanzlichen Vorstufen wie der Yamswurzel oder Sojabohnen hergestellt und entfalten dieselben Wirkungen wie die körpereigenen Hormone. Sie sind weder natürlicher noch sicherer als synthetisch hergestellte Hormone.
Applikationsformen und Anwendungsarten
Für die Hormonersatztherapie stehen diverse Applikationsformen zur Verfügung: Tabletten, Kapseln, Gele, Sprays, Pflaster, Vaginalcremes, Vaginaltabletten oder Vaginalzäpfchen. Die Wahl der Darreichungsform und des Anwendungsrhythmus erfolgt individuell.
Orale vs. transdermale Anwendung
Bei der oralen Gabe gelangen die Hormone über den Magen-Darm-Trakt und die Leber an ihren Bestimmungsort. In der Leber werden sie teilweise verstoffwechselt, was zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann, wie z. B. einer Förderung der Gerinnungsfaktorenbildung bei oraler Gabe von Östrogen. Bei der transdermalen Anwendung (über die Haut) gelangen die Hormone direkt in die Blutbahn, wodurch Magen-Darm-Trakt und Leber umgangen werden. Dies ist besonders vorteilhaft für Frauen mit einem erhöhten Risiko für Thrombosen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, da hierbei keine Verstoffwechslung in der Leber stattfindet.

Lokale Anwendung
Treten die Beschwerden überwiegend lokal auf, wie z. B. Scheidentrockenheit, kann die Hormonersatztherapie auch nur in den betroffenen Körperbereichen angewendet werden. Hierfür eignen sich östrogenhaltige Vaginalcremes, Vaginaltabletten oder Ovula (Vaginalzäpfchen).
Therapieschemata: Zyklisch und kontinuierlich
Bei der Hormonersatztherapie kommen verschiedene Behandlungsrhythmen zur Anwendung:
- Zyklische Kombinationstherapie: Diese ahmt den natürlichen Zyklus nach und wird oft Frauen zu Beginn der Wechseljahre empfohlen, die noch einen unregelmäßigen Zyklus haben. Sie kann über 21 Tage mit einer einwöchigen Pause erfolgen oder über 28 Tage mit durchgehender Östrogenanwendung. Während der Pausen kann es zu Abbruchblutungen kommen.
- Kontinuierliche kombinierte Therapie: Hierbei werden Östrogen und Gestagen täglich und ohne Unterbrechung eingenommen. Dieses Schema führt in der Regel zu keiner zyklischen Blutung mehr und eignet sich für Frauen in der Postmenopause oder wenn keine Blutungen gewünscht sind.
- Östrogen-Monotherapie: Diese ist nur bei Frauen möglich, denen die Gebärmutter bereits entfernt wurde. Sie erfolgt in der Regel als kontinuierliche Therapie.
Die Wahl des Therapieschemas richtet sich nach dem individuellen Beschwerdebild, der Lebensphase der Frau und ihren Präferenzen.
Nutzen und Risiken der Hormonersatztherapie
Die Hormonersatztherapie kann das Risiko für osteoporosebedingte Frakturen bei Frauen zwischen 50 und 60 Jahren signifikant reduzieren. Zudem kann sie einer Verschlechterung der Hirnleistung, einschließlich Gedächtnis und der Entstehung von Demenz, entgegenwirken. Der Nutzen ist hierbei altersabhängig, besonders gut ausgeprägt zwischen 50 und 60 Jahren.
Es gibt jedoch auch potenzielle Risiken. Die Hormonersatztherapie vermindert das Risiko für Gefäßerkrankungen nicht sonderlich und kann in bestimmten Fällen ein leicht erhöhtes Schlaganfall- und Thromboembolie-Risiko mit sich bringen. Nach der WHI-Studie wurde bei einer kontinuierlichen kombinierten Östrogen-/Gestagen-Gabe eine leichte Erhöhung des Brustkrebsrisikos berichtet, wobei eine geringere Häufigkeit bei Frauen, die nur Östrogene allein einnahmen, beobachtet wurde. In der Subgruppe der WHI-Studie im Alter zwischen 50 und 59 Jahren fand sich zudem keine Zunahme des Mammakarzinoms.
Es ist wichtig zu betonen, dass die Risiken stark von der Art der Hormontherapie, der Anwendungsdauer und individuellen Faktoren wie Alter und Vorerkrankungen abhängen. Transdermale Anwendungen und niedrig dosierte Therapien, die frühzeitig begonnen werden, gelten als risikoärmer.
#33 Über die Untiefen der Hormontherapie | Podcast Hormongesteuert | MDR
Indikationen für eine Hormonersatztherapie
Die Indikation zur Hormonersatztherapie ist absolut gegeben bei einer vorzeitigen (<40 Jahre) oder frühen (<45 Jahre) Menopause sowie zur Behandlung des klimakterischen Syndroms bei einer verminderten Lebensqualität als Folge des Östrogenmangels.
Die Therapieentscheidung für den Einsatz von Hormonen erfolgt stets gemeinsam mit der Patientin, wobei Nutzen und Risiko sorgfältig abgewogen werden. Grundsätzlich gelten die Prinzipien der niedrigsten effektiven Dosis und der individuell erforderlichen Behandlungsdauer. Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind unerlässlich, um die Wirksamkeit zu beurteilen und eventuelle Nebenwirkungen zu überwachen.
Alternative und ergänzende Ansätze
Neben der Hormonersatztherapie gibt es eine Reihe von alternativen und ergänzenden Ansätzen zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden:
- Pflanzliche Mittel: Präparate aus Traubensilberkerze (Cimicifuga) können bei psychovegetativen Störungen helfen. Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) wird traditionell bei hormonellen Schwankungen eingesetzt. Phytoöstrogene aus Pflanzen wie Soja oder Rotklee können ähnliche Wirkungen wie Östrogene haben. Johanniskraut kann leichte bis mittelschwere depressive Verstimmungen lindern und gilt als Option gegen Hitzewallungen bei Brustkrebspatientinnen.
- Lebensstiländerungen: Eine ausgewogene Ernährung mit wenig Zucker und Fett, regelmäßige Bewegung, Stressbewältigung und Entspannungsübungen können das Wohlbefinden fördern. Auch Kleidung, die flexibel an Hitzewallungen angepasst werden kann, und Techniken wie das Laufenlassen von kaltem Wasser über die Handgelenke können Linderung verschaffen.
- Beckenbodenübungen und Blasentraining: Diese können bei Blasenschwäche und häufigem Harndrang helfen.
- Pflegeprodukte: Cremes und Gele können bei Trockenheit der Schleimhäute und der Haut Linderung bringen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die wissenschaftliche Evidenz für viele dieser alternativen Methoden begrenzt ist.
Bioidentische vs. synthetische Hormone
Bioidente Hormone haben die gleiche Molekülstruktur wie körpereigene Hormone und werden oft aus pflanzlichen Ausgangsstoffen hergestellt. Sie sind nicht per se sicherer als synthetisch hergestellte Hormone, können aber in ihrer Wirkung dem körpereigenen Hormonprofil ähnlicher sein. Die Herstellung von verschreibungspflichtigen bioidentischen Hormonen unterliegt strengen Qualitätskontrollen, während individuell erstellte Mischungen (Magistralrezepturen) eine eigene Kategorie darstellen.
Hormontherapie und Gewichtszunahme
Viele Frauen befürchten eine Gewichtszunahme durch die Einnahme von Hormonen. Wissenschaftliche Studien entkräften diese Befürchtung weitgehend. Die häufige Gewichtszunahme in den Wechseljahren hat meist andere Gründe, wie z. B. einen sinkenden Grundumsatz. Regelmäßige Bewegung und eine gesunde Ernährung sind die effektivsten Mittel, um eine Gewichtszunahme zu verhindern.
Langzeitanwendung und Absetzen der Hormontherapie
Die Dauer einer Hormonersatztherapie ist individuell und sollte ärztlich begleitet werden. Ein langsames Absetzen ("Ausschleichen") über einen Zeitraum von mehreren Monaten kann erwogen werden. Bei wiederauftretenden Beschwerden kann die Therapie verlängert werden. Es gibt keine eindeutige Antwort darauf, ob die Beschwerden nach dem Absetzen wieder auftreten oder ob die Therapie die Umstellung nur überbrückt.
Es ist entscheidend, dass Arzt und Patientin gemeinsam Nutzen und Risiko der therapeutischen Möglichkeiten abwägen. Die moderne Hormontherapie, individuell angepasst und regelmäßig kontrolliert, kann für viele Frauen eine sichere und wirksame Methode zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden und zur Verbesserung der Lebensqualität sein.