Milchpumpen für stillende Mütter: Anwendung und Tipps

Muttermilch gilt als die optimale Ernährung für Säuglinge. Das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt, mindestens bis zum Beginn des fünften Monats voll zu stillen. Dennoch ist dies nicht immer für jede Mutter und jedes Baby umsetzbar, wie die Erfahrung von Apothekerin Katrin Kraus zeigt.

Hilfe bei Stillproblemen durch Milchpumpen

Es gibt verschiedene Situationen, in denen eine Milchpumpe eine wertvolle Unterstützung sein kann. Dazu gehören wunde Brustwarzen, Milchstau, nachlassende Milchmenge, die Notwendigkeit, Medikamente einzunehmen, die nicht stillverträglich sind, oder wenn das Baby krank und zu schwach zum Stillen ist. In solchen Fällen ermöglicht das Abpumpen, dass das Baby weiterhin Muttermilch erhält. Bei der Einnahme bestimmter Medikamente kann es notwendig sein, Milch im Voraus abzupumpen und zu lagern.

Illustration einer Milchpumpe, die neben einem Baby liegt

Mehr Freiheit im Alltag

Auch bei gesunden Müttern und Babys kann eine Milchpumpe den Alltag erleichtern. Beispielsweise, wenn die Mutter während der Stillzeit wieder arbeiten möchte. Dies bedeutet nicht, dass das Kind auf Muttermilch verzichten muss. Eine Milchpumpe ermöglicht es, auch bei einer Rückkehr in den Beruf die Versorgung mit Muttermilch sicherzustellen. Des Weiteren bietet sie Müttern die Möglichkeit, sich eine kurze Auszeit zu nehmen, während der Partner oder Großeltern das Baby mit der abgepumpten Milch füttern können.

Milchpumpen ausleihen statt kaufen

Die Anschaffung einer Milchpumpe muss nicht kostspielig sein. Bei gesundheitlichen Gründen kann der Frauen- oder Kinderarzt die Milchpumpe auf Rezept verschreiben. Ohne Rezept besteht die Möglichkeit, Milchpumpen in der Apotheke gegen eine Gebühr von etwa einem bis zwei Euro pro Tag auszuleihen. Hierfür wird in der Regel eine Kaution von 50 bis 100 Euro hinterlegt und eine Kopie des Personalausweises benötigt.

Doppelt abpumpen ist effektiver

Mit einem Rezept übernehmen Krankenkassen oft die Kosten für ein Einzelpumpset. Ein Doppelpumpset wird jedoch aus mehreren Gründen als die bessere Wahl angesehen. Das Abpumpen dauert nur halb so lange, und Studien zeigen, dass mit einem Doppelpumpset etwa 20 Prozent mehr Muttermilch gewonnen wird. Zudem hat diese Milch einen höheren Kaloriengehalt. Daher wird Müttern in der Regel ein Doppelpumpset empfohlen, auch wenn hierfür eventuell Mehrkosten privat anfallen.

Vergleichsgrafik, die die Milchmenge beim einseitigen und beidseitigen Abpumpen zeigt

Anwendungstipps für das Abpumpen

Eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Abpumpen ist Entspannung. Still- und Laktationsberaterin Katrin Reich empfiehlt, während des Abpumpens zu kuscheln, zu lesen, Musik zu hören oder fernzusehen. Manche Frauen profitieren auch von sanfter Brustmassage oder der Anwendung eines Kirschkernkissens zur Vorwärmung. Ein Wärmekissen im Nackenbereich kann ebenfalls unterstützend wirken.

Das Abpumpen sollte nicht länger als 30 Minuten dauern, um eine unnötige Reizung der Brustwarzen zu vermeiden. Wenn keine Milch fließt, wird eine halbstündige Pause empfohlen. Zehn bis 15 Minuten pro Seite sind in der Regel ausreichend, um die Brust vollständig zu entleeren. Idealerweise wird vor dem Abpumpen gestillt, um den Milchfluss anzuregen. Es empfiehlt sich, mit der zweiten Brustseite zu beginnen, da diese oft noch Milch enthält, nachdem das Baby eine Seite geleert hat. Die Menge der abgepumpten Milch variiert stark von Frau zu Frau.

Eine Milchpumpe bringt den Stillrhythmus in der Regel nicht durcheinander, vorausgesetzt, das Baby wird vorher angelegt oder es wird im Rhythmus des Kindes abgepumpt, wenn Stillen nicht möglich ist. Elektrische Pumpen können bei Müttern mit sehr viel Milch die Milchproduktion zusätzlich anregen und somit kontraproduktiv wirken.

Was tun, wenn das Abpumpen nicht funktioniert?

Ein entscheidender Punkt ist der korrekte Zusammenbau der Pumpe. Pumpen mit möglichst wenigen Einzelteilen werden empfohlen, da ein richtig aufgebautes Vakuum für die Funktion unerlässlich ist. Ein zu schwaches Vakuum verhindert den Milchfluss, während ein zu starkes Vakuum Schmerzen verursachen kann. Auch das korrekte Aufsetzen des Trichters ist wichtig: Der Trichter sollte möglichst nur die Brustwarze umfassen und wenig Vorhof einschließen, sodass sich die Brustwarze frei bewegen kann. Die richtige Größe der Brusthaube ist ebenfalls entscheidend, und eine Beratung durch eine Stillberaterin oder Hebamme ist ratsam.

Hygiene beim Umgang mit Milchpumpen

Die Fähigkeit der Milchpumpe, das natürliche Saugverhalten des Kindes nachzuahmen, ihre Leistungsstärke und vor allem ihre leichte Reinigung sind entscheidend. Eine sorgfältige Hygiene ist unerlässlich, um eine Keimübertragung zu verhindern, insbesondere da das Immunsystem von Säuglingen noch nicht vollständig ausgereift ist. Pumpenteile sollten nach jedem Gebrauch gründlich mit klarem Wasser, Spülmittel und einer sauberen Bürste gereinigt und anschließend wieder mit klarem Wasser abgespült werden. Einmal täglich sollten die Teile für fünf Minuten in kochendem Wasser oder im Vaporisator sterilisiert werden. Der Schlauch, der die Pumpenteile verbindet, wird nicht ausgekocht.

Infografik zur korrekten Reinigung und Sterilisation von Milchpumpenteilen

Aufbewahrung von abgepumpter Muttermilch

Abgepumpte Muttermilch ist bei Raumtemperatur in einem verschlossenen Behälter vier bis sechs Stunden haltbar. Empfohlen werden sterilisierte Glas- oder Kunststofffläschchen, die im Kühlschrank am kältesten Platz (direkt über dem Gemüsefach) aufbewahrt werden sollten. Gekühlte Milch ist drei Tage verwendbar. Für eine längere Lagerung kann die Milch in speziellen Muttermilchbeuteln portionsweise eingefroren werden; bei -18 Grad ist sie bis zu sechs Monate haltbar.

Erwärmung von abgepumpter Muttermilch

Beim Erwärmen von Muttermilch ist Vorsicht geboten: Die Milch sollte nicht wärmer als 37 Grad werden, da sonst wichtige Nährstoffe verloren gehen können. Auf keinen Fall sollte die Milch in der Mikrowelle erwärmt werden, da die Erwärmung dort nicht gleichmäßig und schlecht kontrollierbar ist. Wenn Milch über den Tag gesammelt wird, sollten die Portionen einzeln im Kühlschrank aufbewahrt und erst zusammen gemischt werden, wenn alle die gleiche Temperatur haben. Die Haltbarkeit richtet sich nach der zuerst abgepumpten Milch.

Um eine Saugverwirrung beim Baby zu vermeiden, sollten stillfreundliche Weithalssauger verwendet werden.

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