Gesprächsführung für Hebammen: Eine vertrauensvolle Beziehungsgestaltung

Die Gesprächsführung und die Gestaltung von Beziehungen sind zentrale Kompetenzen in der Hebammenarbeit. Auf der Basis einer vertrauensvollen Betreuungsbeziehung können eine fundierte Einschätzung von Ressourcen, eine angemessene Informationsvermittlung und fundierte Entscheidungen getroffen werden. Die Qualität der Beziehung zwischen der Hebamme, der betreuten Frau und ihren Angehörigen beeinflusst maßgeblich das Wohlbefinden der Frau und ihre Selbstbestimmung. Professionell geführte Kommunikation und Interaktion fördern somit die Effektivität und Effizienz gesundheitsfördernder und präventiver Versorgungsleistungen von Hebammen. Dieses Modul vermittelt vertiefte Kenntnisse der beruflichen Beziehungsgestaltung unter enger Berücksichtigung der Rahmenbedingungen und spezifischen Klientinnengruppen im Hebammenwesen und unterstützt die Entwicklung einer professionellen hermeneutischen Fallkompetenz.

Lehrinhalte im Detail

1. Elemente der Beziehungsgestaltung

  • Partnerschaftliche Beziehungsgestaltung
  • Betreuungskontinuität und Betreuungsbogen
  • Umgang mit Nähe und Distanz
  • Führungsstile und Rollenverständnis
  • Diagnostik und Ressourceneinschätzung in der Betreuungsbeziehung

2. Hermeneutisches Fallverstehen

  • Interaktions- und Kommunikationsmodelle
  • Interkulturelle Kommunikation
  • Fallkompetenz

Lernergebnisse und Kompetenzziele

Wissensvertiefung und -erweiterung

Die Studierenden lernen verschiedene Kommunikationsmodelle kennen und bewerten deren Relevanz für die Betreuungsbeziehung im Hebammenwesen. Sie erkennen die Bedeutung religiöser und kultureller Diversität für das Handeln von Hebammen. Darüber hinaus berücksichtigen sie in der Betreuungsbeziehung die Prinzipien der Partizipation und Kontinuität und verstehen die Bedeutung des interaktiven, personenbezogenen Fallverstehens für die professionelle Beziehungsarbeit.

Instrumentale und kommunikative Kompetenzen

Die Studierenden sind befähigt, durch einen angemessenen Umgang mit Nähe und Distanz die Grundlage für eine bedarfsgerechte Interaktion zu legen. Sie identifizieren religiöse und kulturelle Unterschiede und richten ihre Beziehungsgestaltung an der Individualität der Frau aus. Weiterhin sind sie in der Lage, verschiedene Kommunikationsstile zu identifizieren, diese zu bewerten und situationsgerecht anzuwenden.

Systemische Kompetenzen

Die Studierenden reflektieren den systemischen Kontext der Betreuungsbeziehung und gestalten einen förderlichen Rahmen für Frau und Familie. Sie analysieren die Rahmenbedingungen gesundheitsbezogener Versorgungsleistungen von Hebammen auf verschiedenen Ebenen des Gesundheitswesens.

Schema der Hebammenausbildung mit Fokus auf Beziehungsgestaltung und Fallkompetenz

Lehr- und Lernmethoden

Die Veranstaltung wird seminaristisch durchgeführt. Die Studierenden arbeiten mit unterschiedlichen Seminarbeiträgen, Diskussionsrunden und ausgewählten Texten. Zentrale Lehr- und Lernmethoden umfassen Vorträge, Diskussionen, Fallstudien, Gruppenarbeiten, Selbststudium, Rollenspiele mit Video-Feedback sowie studentische Referate. Die erarbeiteten Inhalte werden in Fallstudien auf Anwendungsbeispiele übertragen.

Empfohlene Vorkenntnisse

Grundkenntnisse der Physiologie und Pathologie in Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit sowie Grundkenntnisse der Psychologie sind empfehlenswert.

Leistungspunkte und Workload

Das Modul umfasst 5 Leistungspunkte. Der Workload für Dozenten beträgt 20 Stunden (11 Stunden Seminar 1, 10 Stunden Seminar 2, 5 Stunden Übungen in betreuten Kleingruppen). Der dozentenungebundene Workload für Studierende beträgt 45 Stunden, aufgeteilt in 45 Stunden Veranstaltungsvor- und -nachbereitung, 30 Stunden Literaturstudium und 30 Stunden Prüfungsvorbereitung.

Literatur

Eine Auswahl empfohlener Literatur umfasst Werke zu folgenden Themen:

  • Die Hebammen-Mutter-Beziehung in verschiedenen Phasen (Anderson, Kirkham)
  • Theorie und Praxis der Hebammenarbeit (Bryar)
  • Kommunikative Kompetenzen in der Pflege und Hebammenarbeit (Darmann, Elzer & Sciborski)
  • Das neue Hebammenwesen: Wissenschaft und Sensibilität in der Praxis (Page & McCandlish)
  • Psychologie für Hebammen (Raynor & England)
  • Geteilte Entscheidungsfindung und partnerschaftliche Entscheidungsfindung (Scheibler)
  • Systemische Therapie und Beratung (von Schlippe & Schweitzer)
  • Klientenzentrierte Gesprächsführung (Weinberger)

Erstgespräch mit Deiner Hebamme ♥️ Diese 10 Fragen solltest Du stellen

Das Wunder der Geburt als essenzieller Schritt des menschlichen Lebens wird von Hebammen seit jeher begleitet. Die Arbeit von Frauen, die sich gegenseitig bei der Entbindung unterstützten, hat sich im Laufe der Zeit zu einem hochprofessionellen Beruf entwickelt. Eine gravierende Änderung im 20. Jahrhundert war die zunehmende Verlagerung von Geburten aus dem häuslichen Umfeld in Kliniken und Krankenhäuser. Das Aufgabenfeld der Hebammenkunde hat sich seither stark erweitert und umfasst nicht nur die unmittelbare Begleitung der Geburt, sondern auch die Betreuung von Müttern vor (präkonzeptionell), während (perinatal) und nach der Schwangerschaft (postpartal).

Vor der Schwangerschaft steht die Beratung im Vordergrund, einschließlich der Unterstützung bei der Familienplanung. Während der Schwangerschaft ist die Hebamme die zentrale Anlaufstelle für alle Anliegen der Schwangeren. Sie kann den Schwangerschaftsverlauf anhand der Vorsorgeuntersuchungen beurteilen und zu wichtigen Themen wie Zeitpunkt und Ort der Geburt beraten. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Leitung von Geburtsvorbereitungskursen, in denen Atemübungen, Beckenbodentraining und Entspannungstechniken vermittelt werden.

Die Geburtsphase selbst - ob stationär, im Geburtshaus oder zu Hause - ist die kritischste Phase, in der die Hebamme zur Seite steht. Idealerweise greift sie nicht aktiv in den Geburtsprozess ein, sondern behält den Überblick, beurteilt die Situation und steht unterstützend zur Seite. Durch intensive Anleitung werden Vertrauen und Zuversicht vermittelt, damit die Schwangere selbstständig gebären kann. Nach der Schwangerschaft setzt sich die Unterstützung von Mutter und Kind fort, wobei die Bindungsförderung ein zentrales Thema darstellt.

Illustrative Darstellung der verschiedenen Phasen der Schwangerschaft und der Rolle der Hebamme

Das Fach der Hebammenkunde wird mittlerweile in fast ganz Europa im Studium erlernt. Für das breite Aufgabenspektrum ist eine Vielzahl an Kompetenzen erforderlich, darunter fachliches Wissen als Expertin, aber auch Kompetenzen in den Bereichen Kommunikation, Teamwork und Leadership für die zwischenmenschliche Komponente der Arbeit. Explizit gefordert werden auch Kompetenzen als "scholar", denn "Hebammen brauchen heute mehr denn je wissenschaftlich fundiertes Wissen, um die Vielfalt und die Komplexität der perinatalen Versorgung zu meistern."

Das Fach der Hebammenkunde hat in den letzten Jahren im deutschsprachigen Raum eine zunehmende Akademisierung erfahren. Während zuvor eine reine Praxisausbildung die Grundlage bildete, steht neben der praktischen Tätigkeit nun auch eine wissenschaftliche Tätigkeit im Fokus der Ausbildung. Diese zunehmende Wissenschaftlichkeit kann als Gewinn für die Disziplin betrachtet werden, da sie Standardisierung, eine breitere Studienlage und einen differenzierteren akademischen Diskurs ermöglicht. Gleichzeitig kann dies für Berufsanfänger, die sich mehr "Hands-on"-Tätigkeiten erhoffen, ungewohnt sein. Erfahrenen Fachkräften kann die theoretische Arbeit schwerfallen. Da es sich um relativ neue Studiengänge handelt, ist eine gute Betreuung nicht immer sichergestellt und die Anforderungen können manchmal unklar oder unübersichtlich sein.

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