Martin Luther: Leben und Wirken des Reformators

Martin Luther (1483-1546) hat die Kirchengeschichte in Deutschland wesentlich geprägt.

Porträt von Martin Luther

Frühes Leben und Ausbildung

Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren. Seine Eltern, Hans Luder und Margarethe Lindemann, stammten aus wohlhabenden Bauernfamilien und zogen nach Mansfeld, um sich im Kupferbergbau eine Existenz aufzubauen. Dort stieg sein Vater vom Berghauer zum Hüttenbesitzer auf und wurde Ratsherr von Mansfeld. Martin verbrachte seine Kindheit und Jugend in Mansfeld und besuchte dort ab etwa fünf Jahren die Lateinschule. Später besuchte er Schulen in Magdeburg und Eisenach.

Im Jahr 1501 begann Martin Luther ein Studium an der Universität Erfurt. Sein Vater wünschte sich für ihn eine Karriere als Jurist, doch Martin schlug einen anderen Weg ein. Während seines Studiums der Artes (Freien Künste) wurde er am 29. September 1502 zum Bakkalaureus ernannt. Das studentische Leben war reglementiert, doch es gab auch Ausschweifungen wie Gelage und Prügeleien. Luther selbst galt als zurückhaltend und war ein erfolgreicher Student, der 1505 den Grad eines Magisters Artium erwarb.

Das Universitätsgebäude in Erfurt zur Zeit Luthers (Illustration)

Der Weg ins Kloster

Am 2. Juli 1505 geriet der Jurastudent auf dem Rückweg von einem Elternbesuch bei Stotternheim in ein schweres Gewitter. Ein Blitzschlag in seiner Nähe veranlasste ihn, ein Gelübde abzulegen: Er versprach, sein Leben Gott zu widmen, wenn er die Gefahr überstehe. Dieser Vorfall und eine Krise, die durch den Tod von Kommilitonen und Professoren infolge der Pest ausgelöst wurde, führten zu seiner Entscheidung, ins Kloster einzutreten.

Im Herbst 1505 wurde Luther im Erfurter Augustinerkloster als Novize aufgenommen. Am 4. April 1507 wurde er im Erfurter Dom zum Priester geweiht. Anschließend begann er ein Theologiestudium. Seine Vorgesetzten legten fest, dass er Priester werden und anschließend Theologie studieren sollte.

Akademische Laufbahn und theologische Erkenntnisse

Auf Empfehlung von Johann von Staupitz wurde Luther am 18. Oktober 1508 nach Wittenberg versetzt, wo er an der Artistenfakultät Moralphilosophie lehrte. Im März 1509 erwarb er den Grad des Baccalaureus biblicus. Nach einem weiteren Semester disputierte er für den Grad des Baccalaureus sententiarius. Nach seiner Rückkehr nach Erfurt setzte er sein Studium fort und las seit 1509 die Schriften des Augustinus von Hippo. Durch seine Beschäftigung mit den biblischen Quellen, unter anderem durch das Studium der griechischen und hebräischen Originaltexte, entwickelte Luther die Erkenntnis, dass der Mensch nicht aufgrund seiner Werke, sondern vielmehr durch die Gnade Gottes gerechtfertigt wird. Diese Erkenntnis, die er als „Turmerlebnis“ beschrieb, stand im Widerspruch zum damals blühenden Ablasshandel und dem Verständnis der Kirche.

Am 18. Oktober 1512 wurde Luther an der Leucorea (Universität Wittenberg) zum Doktor der Theologie promoviert. Er übernahm die Professur für Bibelauslegung an der Theologischen Fakultät. Luther legte in seinen Vorlesungen, darunter die über den Römerbrief (1515/16) und den Galaterbrief (1516/17), zunehmend Wert auf die Gnade Gottes als alleinige Grundlage der Rechtfertigung durch Glauben an Jesus Christus. Dies zerbrach nach gängiger protestantischer Deutung die mittelalterliche Theologie.

Das Augustinerkloster in Erfurt, wo Luther eintrat

Die 95 Thesen und der Beginn der Reformation

Papst Leo X. erneuerte 1517 den Jubiläumsablass, um Geld für den Bau der neuen Peterskirche zu sammeln. Dies führte Martin Luther dazu, seine Kritik am Ablasshandel zu formulieren. Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche geschlagen haben. Dieses Ereignis gilt als Auslöser der Reformation. Die Thesen zielten auf eine Abschaffung des Ablasshandels und eine Erneuerung der Kirche.

Die schnelle Verbreitung der Thesen durch den Buchdruck führte zu einer weltweiten Spaltung in Anhänger und Gegner. Rom forderte den Widerruf Luthers, drohte mit dem Kirchenbann. Luther verbrannte am 10. Dezember 1520 die päpstliche Bannandrohungsbulle am Elstertor in Wittenberg. Am 3. Januar 1521 wurde durch die Bannbulle "Decet Romanum Pontificem" von Papst Leo X. der kirchliche Bann über Luther ausgesprochen.

Die Schlosskirche in Wittenberg, an deren Tür die 95 Thesen angeblich angeschlagen wurden

Der Reichstag zu Worms und die Wartburg

Am 17. und 18. April 1521 verteidigte sich Luther vor dem Reichstag in Worms. Kaiser Karl V. forderte den Widerruf seiner Lehren, dem Luther nicht nachkam. Er berief sich auf die biblischen Texte mit den Worten: „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders.“ Am 8. Mai 1521 wurde Luther auf dem Reichstag in Worms geächtet, erhielt jedoch freies Geleit. Auf der Rückreise von Worms wurde er im Auftrag von Friedrich dem Weisen von Sachsen auf die Wartburg entführt, wo er unter dem Decknamen "Junker Jörg" lebte. Dort begann er mit der Übersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche, ein Werk, das maßgeblich zur Entwicklung einer einheitlichen deutschen Sprache beitragen sollte.

Die Wartburg

Familie und späteres Leben

Im Jahr 1525 heiratete Martin Luther die ehemalige Nonne Katharina von Bora, die 1523 aus dem Kloster Nimbschen geflohen war. Die Eheschließung war für Luther eine logische Konsequenz seiner Lehren, da er das Zölibat ablehnte. Das Paar hatte sechs Kinder. Katharina von Bora war eine wichtige Stütze für Luther, auch in schwierigen Zeiten. Sie unterstützte ihn in theologischen Fragen und sorgte durch die Beherbergung von Studenten für wirtschaftliche Sicherheit.

Luther setzte seine Predigt- und Lehrtätigkeit fort und war maßgeblich an der Organisation der reformatorischen Bewegung beteiligt. Er verteidigte die Reformation gegen die katholische Seite und warb für Bildung und die Verbreitung der Bibel in deutscher Sprache. Seine gemässigte Linie in der reformatorischen Bewegung stieß jedoch auch auf Kritik und führte zu Konflikten, beispielsweise mit den aufständischen Bauern, die er verurteilte.

Porträt von Katharina von Bora

Tod und Vermächtnis

Martin Luther starb am 18. Februar 1546 in seiner Geburtsstadt Eisleben. Er war nach Eisleben gereist, um die Erbstreitigkeiten der Mansfelder Grafen zu schlichten. Seine letzten niedergeschriebenen Worte waren: „Wir sind Bettler, das ist wohl wahr!“.

Sein Vermächtnis ist immens. Als Augustinermönch, Theologe und Professor wurde er zum Urheber der Reformation, die die mittelalterliche Alleinherrschaft des Katholizismus in Europa beendete. Seine sprachliche Gabe und charismatische Persönlichkeit entfalteten breite Wirkungen. Luthers Bekenntnis folgen heute mehrere hundert Millionen Menschen. Die Lutherbibel, Luthers Theologie und Kirchenpolitik trugen zu tiefgreifenden Veränderungen der europäischen Gesellschaft und Kultur in der Frühen Neuzeit bei. Schulen, Krankenhäuser und Universitäten tragen in Gedenken seinen Namen. Das Geburtshaus und das Sterbehaus Martin Luthers in Eisleben sind heute als Museen erhalten und Teil des UNESCO-Welterbes.

Lutherstadt Eisleben: Geburtshaus und Sterbehaus

Wichtige Lebensstationen im Überblick

Datum Ereignis
10. November 1483 Geburt in Eisleben
Juli 1505 Gewitter bei Stotternheim, Gelübde als Mönch
Herbst 1507 Ableistung des Mönchsgelübdes im Erfurter Augustinerkloster
1510 Reise nach Rom im Auftrag des Augustiner-Ordens
Oktober 1512 Promotion zum Doktor der Theologie, Übernahme der Professur in Wittenberg
1513-1515 Erkenntnis der Gnade und des Glaubens als Grundlage der Rechtfertigung (Turmerlebnis)
31. Oktober 1517 Anschlag der 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg
April 1521 Auftritt vor dem Reichstag in Worms, Verurteilung als vogelfrei
1521-1522 Aufenthalt auf der Wartburg, Übersetzung des Neuen Testaments
1525 Heirat mit Katharina von Bora
18. Februar 1546 Tod in Eisleben

Martin Luther und die Reformation I musstewissen Geschichte

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