Natürlich können auch übergewichtige Frauen gesunde Kinder auf die Welt bringen. Dennoch besteht, abhängig von der individuellen körperlichen Verfassung, ein höheres Risiko für gewisse Schwangerschaftskomplikationen.
Definition und Risiken von Übergewicht in der Schwangerschaft
Was ist Übergewicht?
Der Body-Mass-Index (BMI) dient als Maßstab zur Beurteilung des Körpergewichts. Beträgt der BMI vor der Schwangerschaft mehr als 25, gilt eine Frau als übergewichtig. Liegt der Wert über 30, spricht man von starkem Übergewicht (Adipositas).
Ein BMI über 30 erfordert eine engmaschige medizinische Betreuung, um mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Wichtig: Schwangere Frauen, deren BMI zu Beginn der Schwangerschaft über 25 liegt, sollten insgesamt nicht mehr als 6,8 kg bis 11 kg zunehmen.
Erhöhte Risiken bei Übergewicht in der Schwangerschaft
Übergewicht in der Schwangerschaft kann das Risiko für verschiedene Komplikationen erhöhen. So sind schwerere Babys häufiger: Die Babys von übergewichtigen Müttern sind oft schwerer und größer.
Mit Übergewicht zu entbinden, kann das Risiko für Fehlgeburten erhöhen. Eine Wiener Studie aus dem Jahr 2023 untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Gewicht der Mutter und möglicherweise höheren Zahlen von Totgeburten. Betrachtet wurde der Ausgang von 15.404 Schwangerschaften in Wien in den letzten 14 Jahren. Aus den Ergebnissen geht hervor, dass die Rate von Fehlgeburten wegen Übergewicht um 20 Prozent höher liegt. Bei einem BMI von mehr als 40 ist das Risiko für Fehlgeburten im Vergleich zum Normalfall sogar um 80 Prozent erhöht.
Weitere bekannte Risiken zählen:
- Schwangerschaftsdiabetes
- Bluthochdruck
- Schlafapnoe (Atemstörungen beim Schlafen)
- Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung)
- Nachblutungen
- Wundheilungsstörungen

Ernährung und Lebensstil während der Schwangerschaft
Gesunde Ernährung
Eine abwechslungsreiche und gesunde Ernährung ist das A und O einer Schwangerschaft; das gilt insbesondere für übergewichtige Schwangere. Vollkornprodukte, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, eiweißhaltige Lebensmittel und ausreichend Flüssigkeit (2,5 bis 3 Liter pro Tag) sollten auf dem Speiseplan stehen.
Diäten während der Schwangerschaft sind grundsätzlich nicht zu empfehlen. Stattdessen sollte dein Fokus auf einer gesunden, ausgewogenen Ernährung liegen, die alle notwendigen Nährstoffe für dich und dein Kind liefert. Statt Kalorien zu zählen, achten Schwangere am besten auf die Qualität ihrer Nahrung.
Der Energiebedarf steigt in den letzten Monaten der Schwangerschaft nur etwa zehn Prozent höher als vor der Schwangerschaft. Der Körper braucht also nur geringfügig mehr Energie - jedoch erheblich mehr Mineralstoffe und Spurenelemente.
Bewegung und Sport
Auch körperliche Aktivitäten in der Schwangerschaft sind der Gesundheit von Mutter und Kind zuträglich. Hier ist zu beachten, dass Schwangere ihr sportliches Training vorab immer mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprechen und nur mit mäßiger Intensität ausüben sollten.
Gut aufgebaute Betreuungsnetzwerke und regelmäßige Überwachung durch Hebammen und Fachärzt*innen helfen, eventuelle Komplikationen möglichst kleinzuhalten.
Der Kaiserschnitt bei Adipositas
Ist ein Kaiserschnitt bei Adipositas möglich?
Ja, der Kaiserschnitt bei Übergewicht ist möglich und während des Eingriffs nicht mit einer höheren Rate an Komplikationen verbunden. Dies geht aus den Ergebnissen einer sekundären Analyse der Daten des Sectio-Registers der Maternal Fetal Medicine Units (MFMU) hervor. Hierin zeigt sich, dass selbst bei Frauen mit einem BMI von mehr als 40 kein erhöhtes Risiko für Probleme während der Operation vorliegt.
Allerdings kann es bei höherem BMI öfter zu Geburtsstillstand kommen. Auch beim Kaiserschnitt gibt es eben die erhöhten Probleme mit der Wundheilung und höheren Blutverlust.
Risiken und Vorteile eines Kaiserschnitts
Ein Kaiserschnitt ist eine Operation, und wie bei jeder Operation gibt es Risiken. Bei Frauen mit Adipositas können sich diese Risiken potenziell erhöhen, insbesondere im Hinblick auf die Wundheilung aufgrund von Bauchfalten, die zu Feuchtigkeit und Infektionen führen können. Auch ein erhöhter Blutverlust ist möglich.
Dennoch ist die Entscheidung für oder gegen einen Kaiserschnitt immer eine individuelle, die in Absprache mit dem medizinischen Team getroffen werden muss. Manche Frauen fühlen sich mit einem geplanten Kaiserschnitt sicherer, insbesondere wenn Ängste vor einer natürlichen Geburt bestehen.
Adipositas-Risiko bei Kindern nach Kaiserschnitt
Nach der Schwangerschaft könnte bei Kindern, die durch einen Kaiserschnitt auf die Welt gekommen sind, ein höheres Adipositas-Risiko vorliegen. Eine schwedische Untersuchung aus dem Jahr 2019 konnte keinen Zusammenhang feststellen. Anders sieht es die Harvard Medical School im Jahr 2016. Allerdings sind Kinder übergewichtiger Mütter häufig bereits bei der Geburt schwerer. Der Kaiserschnitt ist also nicht der Grund für höheres Gewicht, sondern eine mögliche Folge.
Kinder, die per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, haben nach einer umfangreichen Studie von Forschern des Karolinska Instituts in Schweden kein höheres Risiko, übergewichtig zu werden, als Kinder, die auf natürlichem Wege geboren werden. Die Forscher fanden keine Beweise, die einen Zusammenhang zwischen Kaiserschnitt und der Entwicklung von Adipositas belegen. Die Veranlagung zu Übergewicht und die Exposition des Fötus gegenüber bestimmten Faktoren, die durch das Übergewicht der Mutter bedingt sind, scheinen wichtiger als die Art der Entbindung.
Eine andere Theorie besagt, dass der fehlende Einfluss der vaginalen Entbindung auf die Darmflora des Kindes eine Rolle spielen könnte. Der Darm enthält nach einem Kaiserschnitt oft weniger Bifidobakterien und mehr Staphylokokken, was die Vielfalt der Darmflora verringert. Dies könnte die Resorption von Nährstoffen aus dem Darm erhöhen und zu einem späteren Übergewicht führen.
Kaiserschnitt
Psychosoziale Aspekte und Stigmatisierung
Mit Übergewicht zu entbinden, kann bei Müttern ein Geburtstrauma bedingen. So besteht neben der höheren Wahrscheinlichkeit für Kaiserschnitte ein Risiko für Blutungen nach der Geburt, was die körperliche Erholung erschweren und die emotionale Belastung erhöhen kann.
Die psychische Komponente eines Geburtstraumas darf nicht unterschätzt werden. Frauen mit Übergewicht können sich während der Geburt oder im Umgang mit dem medizinischen Personal stigmatisiert fühlen. Viele Frauen sind in ihrem Leben von einem Adipositas-Stigma betroffen. Auch Bodyshaming und Geburt hängen zusammen, wie sich anhand zweier Untersuchungen aus dem Jahr 2019 erkennen lässt. Angelina Incollingo Rodriguez vom Worcester Polytechnic Institute hat herausgefunden, dass zwei Drittel der Schwangeren und Frauen kurz nach der Geburt betroffen sind. Stigmatisiert werden sie oft von Freunden, Familie und bei medizinischen Untersuchungen.
Es ist wichtig, dass betroffene Mütter umfassende Unterstützung erhalten - sowohl ärztlich als auch psychologisch. Frauen können selbstbewusst in die Geburt gehen, wenn sie sich gut vorbereitet fühlen, einfühlsame Betreuung erfahren und sich möglicher Risiken bewusst sind. Sie haben das Recht auf eine respektvolle und unterstützende Behandlung.
Besondere Vorsorge und Entbindung
Schwangerenvorsorge bei Adipositas
Bei Adipositas kann es sinnvoll sein, zusätzliche Kontroll-Untersuchungen zu machen. Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt wird mit Ihnen besprechen, ob neben der normalen Schwangerenvorsorge zusätzliche Termine nötig sind. Möglicherweise wird Ihnen geraten, zur Vorbeugung von Präeklampsie ab der frühen Schwangerschaft Acetylsalicylsäure (ASS) einzunehmen.
Teil der Schwangerenvorsorge ist ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes, sofern nicht bereits ein Diabetes bekannt ist. Schwangeren mit Adipositas wird der Test meist schon zu Beginn der Schwangerschaft angeboten. Wenn der frühe Test unauffällig ist, wird er später noch einmal wiederholt.
Insbesondere im letzten Schwangerschaftsdrittel wird Ihre Ärztin oder Ihr Arzt vermehrt darauf achten, ob es zu Wachstumsverzögerungen beim Ungeborenen kommt oder ob es voraussichtlich sehr schwer auf die Welt kommen wird. Gerade in den letzten Wochen der Schwangerschaft ist die exakte Messung aber oft ungenau und kann aufgrund der dickeren Bauchdecke besonders schwierig sein. Deshalb ist die Ultraschalluntersuchung in einer spezialisierten Praxis sinnvoll.
Geburtsplanung und Entbindung
Adipositas erhöht die Wahrscheinlichkeit für Geburtskomplikationen oder einen Kaiserschnitt. Allen Frauen ab Adipositas Grad II wird deshalb geraten, ihr Kind in einem Perinatalzentrum auf die Welt zu bringen. Wenn eine Frau schon ein Kind per Kaiserschnitt geboren hat, gilt die Empfehlung bereits bei Adipositas Grad I.
Zeichnet sich bei einer Ultraschalluntersuchung ab, dass das Kind sehr schwer ist, wird die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen besprechen, ob ein geplanter Kaiserschnitt sinnvoll ist. Der Grund dafür ist, dass sehr große Kinder während der Geburt häufiger mit der Schulter im Becken hängenbleiben (Schulterdystokie).
Bei Frauen mit Adipositas lässt die Geburt häufiger auf sich warten und der errechnete Termin wird überschritten. Es kann auch sein, dass eine Einleitung nicht funktioniert oder dass es während der Geburt zu einem Geburtsstillstand kommt. Dann ist ein Kaiserschnitt nötig.
Frauen mit Adipositas benötigen in der Regel deutlich mehr Zeit bis zum Einsetzen der Wehen als normalgewichtige Frauen. Eine Geburtseinleitung kann über Tage dauern, nicht über Stunden. Erst wenn am Ende dennoch ein Kaiserschnitt notwendig wird, spricht man von einer erfolglosen Einleitung.

Stillen nach der Geburt
Stillen wirkt sich positiv auf den Stoffwechsel aus und trägt nach der Geburt zum Abnehmen bei. Auch für das Kind hat das Stillen viele gesundheitliche Vorteile. Deshalb wird Frauen mit Adipositas das Stillen empfohlen. Sollte es damit nicht gleich klappen oder später Probleme geben, steht Ihnen Ihre Hebamme oder eine Stillberaterin zur Seite.
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