Materialermüdung bei Kindersitzen von Britax Römer

Die Frage, ob ein Kindersitz, dessen empfohlene Nutzungsdauer nur geringfügig überschritten wurde, noch sicher ist, beschäftigt viele Eltern. Grundsätzlich wird empfohlen, Kindersitze nach Ablauf der vom Hersteller angegebenen Nutzungsdauer auszutauschen oder nicht mehr zu verwenden. Handelt es sich dabei jedoch nur um wenige Tage oder Wochen, ist ein sofortiger Austausch oft nicht zwingend erforderlich.

Die Einschätzung der Restlebensdauer eines Kindersitzes hängt maßgeblich von seiner Lagerung ab. Ein Sitz, der vor UV-Licht und extremen Temperaturschwankungen geschützt im dunklen Karton gelagert wurde, behält seine Sicherheit länger als ein Sitz, der beispielsweise auf einem sonnigen Dachboden aufbewahrt wurde. Ebenso wichtig ist die Vorgeschichte eines Sitzes. Bei gebrauchten Kindersitzen ist besondere Vorsicht geboten. Ein Blick in Ratgeber zum Gebrauchtkauf von Kindersitzen, inklusive Checklisten zur Überprüfung der Sicherheit, kann hier Abhilfe schaffen. Bei Unsicherheiten, insbesondere bei gebrauchten Sitzen oder Geschenken von Bekannten, ist es ratsam, auf den Kauf zu verzichten.

Produktionsdatum und Materialermüdung

Kindersitze bestehen aus vielen Einzelteilen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten hergestellt werden können. Daher ist es nicht ungewöhnlich, dass Prägestempel mit unterschiedlichen Daten auf verschiedenen Komponenten, wie z.B. Gurtsteckern und der Sitzschale, zu finden sind. Dies ist kein Grund zur Sorge und resultiert aus dem Produktionsprozess, bei dem Komponenten von verschiedenen Zulieferern stammen können.

Das Produktionsdatum selbst ist nur eine Annäherung. Ein Kindersitz wird nicht schlagartig unsicher, sobald ein bestimmtes Datum erreicht ist. Dennoch ist es ratsam, auf eine ausreichende "Restlebensdauer" zu achten, um die Zulassungsbegrenzungen des Sitzes voll ausschöpfen zu können. Bei Unsicherheiten bezüglich des Produktionsdatums oder der Restlebensdauer ist der Kauf eines neuen, vertrauenswürdigen Kindersitzes die sicherste Option.

Die maximal empfohlene Nutzungsdauer ist kein Gesetz, sondern eine Garantie des Herstellers für den Zeitraum, in dem der Kindersitz optimalen Schutz bietet. Die Weiterverwendung eines Sitzes über die empfohlene Dauer hinaus birgt jedoch ein erhöhtes Risiko von Materialermüdung. Dies kann die Schutzfunktion des Sitzes bei einem Unfall beeinträchtigen und das Risiko schwerer Verletzungen erhöhen.

Materialermüdung beschreibt den schleichenden Verschleiß von Kunststoffen, Schaumstoffen und Gurten in einem Kindersitz. Diese Ermüdung führt mit der Zeit zu einem Verlust an Stabilität, was die Schutzwirkung des Sitzes negativ beeinflusst.

Grafik, die den Prozess der Materialermüdung in Kunststoffen über die Zeit darstellt.

Normen und Zulassungen von Kindersitzen

Es gibt Kindersitze, die nicht mehr verwendet werden dürfen, weil sie nach veralteten Normen geprüft wurden. Dies betrifft insbesondere Sitze, die nach den Normen ECE R44/01 oder ECE R44/02 zugelassen sind. Informationen zur Zulassung sind auf dem entsprechenden Etikett des Kindersitzes zu finden.

Kindersitze, die nach der Norm ECE R44/03 geprüft wurden, dürfen noch verwendet werden. Allerdings sind diese Sitze bereits mindestens 20 Jahre alt. Angesichts des hohen Risikos unsichtbarer Schäden und der rasanten Entwicklung der Sicherheitstechnik in den letzten Jahrzehnten ist von der Verwendung solch alter Sitze abzuraten. Ältere Kindersitze gehören bestenfalls ins Museum, nicht aber ins Auto.

Auch bei Kindersitzen, die nach den neueren Normen ECE R44/04 oder R129 (i-Size) zugelassen sind, sollte auf das Alter geachtet werden. Die Norm UN R129 (i-Size) basiert auf Körpergrößenangaben, während die ältere Norm ECE R44/04 auf Gewichtangaben setzt.

Alle in Europa zugelassenen Kindersitze tragen den charakteristischen orangenen Zulassungsaufkleber.

Sicherheit und Qualität bei Britax Römer

Britax Römer legt höchste interne Standards an die chemische und mechanische Prüfung seiner Produkte. Das interne General Test Protocol (GTP) verbietet die Verwendung von über 400 Chemikalien und basiert auf EU-Richtlinien, aktuellen Gesetzen und Empfehlungen von Prüflaboren. Britax Römer arbeitet eng mit externen Prüfunternehmen wie Bureau Veritas und SGS zusammen.

Die Europäische Verordnung REACH (Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe) ist seit 2007 in Kraft und wird von Britax Römer eingehalten.

Das Unternehmen entwickelt und designt viele Produkte selbst, um Plagiaten vorzubeugen. Die Entwicklung eines neuen Kindersitzes dauert in der Regel rund zwei Jahre, bis die Serienproduktion beginnt. In dieser Zeit optimieren Designer und Ingenieure kontinuierlich das Design und die Sicherheit.

Britax Römer verfügt über eigene Crash-Anlagen, um verschiedene Unfallsituationen zu simulieren und die Kräfte zu erforschen, die auf Kinder bei einem Aufprall wirken. Hochgeschwindigkeitskameras und Sonden in Crashtest-Dummies liefern detaillierte Daten zur Auswertung.

BRITAX | Crash Test Simulation

Die Kindersitze von Britax Römer werden regelmäßig mit zahlreichen Sicherheits-, Design- und Verbraucherpreisen ausgezeichnet. Unabhängige Organisationen wie die Stiftung Warentest und der ADAC loben regelmäßig die hervorragende Sicherheit, Ergonomie und Handhabung der Produkte.

Mehrere Britax Römer Produkte wurden mit dem AGR-Gütesiegel „Gesunder Rücken“ ausgezeichnet, was ihre ergonomische Qualität bestätigt. Dieses Gütesiegel wird von der Aktion Gesunder Rücken e.V. vergeben, einer unabhängigen Vereinigung medizinischer und therapeutischer Fachkräfte.

Britax Römer hat die Sicherheit von Kindern von Anfang an im Fokus. Das Unternehmen hat an der Entwicklung der ersten Kindersitz-Vorschrift (ECE R44) mitgewirkt und den ersten ISOFIX-Kindersitz entwickelt. Das Unternehmen ist überzeugt, dass ein 5-Punkt-Gurtsystem den besten Schutz bietet, da es die Aufprallkräfte auf fünf Punkte verteilt und somit abmildert.

Produktion und Unternehmensgeschichte

Britax Römer produziert seine Kindersitze in Ulm. Die Fertigung erfolgt in sogenannten "Inseln", wo Teams in verschiedenen Arbeitsgängen komplette Kindersitze zusammenbauen. Pro Jahr stellt das Unternehmen in Ulm rund eine Million Kindersitze her.

Die einzelnen Komponenten für die Kindersitze stammen von zahlreichen Zulieferern aus der Region, die "Just in Time" liefern.

Britax Römer entstand in den 1970er Jahren durch die Fusion des deutschen Herstellers Römer (gegründet 1871 in Ulm) und des britischen Unternehmens Britax (gegründet 1938). Beide Unternehmen wechselten von der Produktion von Sicherheitsgurten zu Kindersitzen.

Bis 2025 sollten etwa 70 % der Kindersitze von Britax Römer in Deutschland produziert werden. Allerdings gab es Pläne, die Produktion teilweise nach Asien zu verlagern, was zu Verunsicherung bei Mitarbeitern führte. Als Gründe wurden ein Umsatzrückgang und hohe Produktionskosten in Deutschland genannt. Das Unternehmen sah sich seit 2021 mit finanziellen Problemen konfrontiert.

Die Neuentwicklung eines Britax Römer Kindersitzes dauert laut Unternehmensangaben zwei bis drei Jahre.

Arten von Kindersitzen und ihre Verwendung

Es gibt verschiedene Arten von Kindersitzen, die auf die Bedürfnisse von Kindern unterschiedlichen Alters und Größe zugeschnitten sind:

  • Babyschalen: Für Säuglinge, die entweder mit dem 3-Punkt-Fahrzeuggurt oder auf einer ISOFIX-Basisstation installiert werden. Sie sind abnehmbar und oft mit Kinderwagen kompatibel.
  • Drehbare Kindersitze: Bleiben im Auto installiert und können zur offenen Autotür gedreht werden, um das Hineinsetzen des Kindes zu erleichtern. Sie werden in der Regel für einen längeren Zeitraum verwendet und sind oft mit einem herausnehmbaren Neugeboreneneinsatz ausgestattet.
  • Rückwärtsgerichtete Sitze: Die sicherste Art, ein Kind zu transportieren. Vorwärtsgerichtete Kindersitze können erst ab einem Alter von 15 Monaten und einer Größe von 76 cm verwendet werden.
  • Kombinations-Kindersitze: Bieten eine längere Nutzungsdauer, oft bis zu 10 Jahre.
  • Kindersitze mit hoher Rückenlehne (Sitzerhöhungen): Geeignet ab einer Größe von 100 cm (ca. 3,5 Jahre) bis 150 cm (12 Jahre), je nach gesetzlichen Bestimmungen.

Für die Auswahl des passenden Kindersitzes bietet Britax Römer das Online-Tool FIT FINDER® an.

Bei der Nutzung von Kindersitzen gilt: Der Sitz sollte so lange verwendet werden, bis das Kind das Höchstgewicht erreicht hat oder über den oberen Rand des Sitzes hinausragt. Dies gilt insbesondere für Babys, da rückwärtsgerichtete Sitze die sicherste Reisemethode darstellen. Ein zu früher Wechsel zu einem Sitz der Gruppe 2-3 sollte vermieden werden, da diese Sitze breiter sind und die Schultern kleinerer Kinder den Erwachsenengurt möglicherweise nicht sicher halten.

Bei Reboarder-Kindersitzen ist der Neigungswinkel oft steiler als bei Babyschalen, und der Körper des Kindes wird durch die größere Fläche besser gestützt. Diese Sitze können verwendet werden, bis das zulässige Höchstgewicht erreicht ist oder der obere Schalenrand bzw. die Kopfstütze sich auf Augenhöhe des Kindes befindet.

Infografik, die verschiedene Arten von Kindersitzen und ihre Alters-/Größenempfehlungen zeigt.

Zulassungsarten und Kompatibilität

Um festzustellen, ob ein Kindersitz in ein bestimmtes Fahrzeug passt, berücksichtigt Britax Römer fünf Arten von Zulassungen:

  • i-Size Universal ISOFIX: Passt auf jeden i-Size-zugelassenen Sitzplatz.
  • Fahrzeugspezifisch gegurtet: Muss mit dem 3-Punkt-Gurt des Autos installiert und auf einer speziellen Liste zugelassener Kindersitze aufgeführt sein.
  • Spezifische Fahrzeug-Sitzerhöhungen: Sitzerhöhungen mit hoher Rückenlehne, die nicht i-Size-konform sind.
  • i-Size-Sitzerhöhungen: Sitzerhöhungen mit hoher Rückenlehne, die i-Size-konform sind.

Ein Kindersitz kann je nach Installationsmethode für mehr als eine Zulassungsart zugelassen sein, was auf dem orangefarbenen Zulassungsetikett vermerkt ist.

Komfort, Ergonomie und Design

Britax Römer legt Wert auf Komfort und das Gefühl der Sicherheit für kleine Kinder. Bei der Auswahl eines Kindersitzes sollten spezifische Bedürfnisse berücksichtigt werden, wie z.B. die Möglichkeit für das Kind, die Eltern während der Fahrt zu sehen, Schlafgewohnheiten oder Platzverhältnisse.

Viele Kinderwagen von Britax Römer verfügen über das CLICK & GO®-System und weich gepolsterte Griffe. Vorderräder können fest oder schwenkbar gestellt werden, und schnell lösbare Räder erleichtern den Transport bei begrenztem Stauraum.

Die CLASSIC Collection und die STYLE COLLECTION bieten hochwertige Materialien und ansprechendes Design. Britax Römer wurde wiederholt für seine Designs mit renommierten Preisen wie dem Red Dot Design Award und dem IF Design Award ausgezeichnet.

Die ergonomische Qualität der Produkte wird durch das AGR-Gütesiegel "Gesunder Rücken" bestätigt, das für rückenfreundliche und ergonomisch durchdachte Gestaltung steht.

Sicherheit im Detail: Rückwärtsgerichtetes Fahren und Gurtsysteme

Kindersitze sind so konstruiert, dass sie Aufprallkräfte absorbieren und vom Körper des Kindes weg lenken. Bei einem Frontalaufprall ist es physikalisch sicherer, in einem rückwärtsgerichteten Sitz zu sitzen, da die Aufprallkräfte in die Rückenlehne gelenkt werden und sich die Energie gleichmäßig über Kopf, Nacken und Oberkörper verteilt.

Die Überzeugung von Britax Römer bezüglich des längeren rückwärtsgerichteten Fahrens wird von schwedischen Sicherheitsorganisationen unterstützt. Das Unternehmen hat über 20 Jahre Erfahrung mit rückwärtsgerichteten Sitzen und nutzt diese Erkenntnisse zur Entwicklung innovativer Produkte.

Der PLUS-Test ist ein anspruchsvoller freiwilliger Test, der den Kopf- und Nackenschutz bei Frontalzusammenstößen bewertet und derzeit für den schwedischen Markt durchgeführt wird.

Ein 5-Punkt-Gurt verringert die Kräfte bei einem Unfall erheblich, indem sie über fünf Kontaktpunkte am Sitz abgeleitet werden. Die Gurte liegen eng am Körper an und halten das Kind sicher zurück. Die Konstruktion von Gurtsystemen ist komplex und erfordert spezielle Technologie für einfaches Festziehen und Lösen.

Bei der Einstellung des Gurtes sollte eine Balance gefunden werden: fest genug, um ein Herausrutschen zu verhindern, aber nicht so straff, dass das Kind sich unwohl fühlt. Zwei Finger sollten zwischen Gurt und Brust des Kindes passen.

Bei der Installation von Babyschalen auf dem Beifahrersitz muss der Airbag deaktiviert sein. Vorwärtsgerichtete Sitze und Sitze mit hoher Rückenlehne können grundsätzlich auf dem Beifahrersitz verwendet werden, wobei der Sitz so weit wie möglich nach hinten geschoben werden sollte, wenn ein Beifahrerairbag aktiviert ist.

Seitenairbags entfalten sich geringfügig und haben nur minimalen Kontakt mit dem Kindersitz. Bei Unsicherheiten bezüglich der Seitenairbags sollte der Fahrzeughersteller konsultiert werden.

Baby-Safe Core: Sicherheit und Komfort

Der Baby-Safe Core und seine Basisstation bieten maximale Sicherheit, einfache Handhabung und ein beruhigendes Gefühl auf jeder Reise. Das intuitive Klicksystem ermöglicht eine schnelle und sichere Befestigung der Babyschale auf der Basisstation.

Ein integrierter Indikator zeigt an, ob die Installation korrekt erfolgt ist. Die Basisstation stabilisiert die Babyschale und absorbiert Aufprallkräfte im Falle eines Unfalls.

Der Baby-Safe Core ist mit einer Vielzahl von Fahrzeugen kompatibel, was Flexibilität bei häufigem Fahrzeugwechsel ermöglicht. Die verwendeten Materialien sind von höchster Qualität, robust, langlebig und umweltfreundlich.

Bild der Britax Römer Baby-Safe Core Babyschale mit Basisstation.

Garantie und Produktpflege

Britax Römer gewährt eine Garantie von zwei Jahren für Fabrikations- oder Materialfehler. Die Garantiezeit beginnt am Tag des Kaufs.

Obwohl Britax Römer Kindersitze kein offizielles Verfallsdatum haben, da hochwertige UV-stabilisierte Materialien verwendet werden, empfiehlt das Unternehmen, die Richtlinien der European Nursery Products Confederation zu beachten. Gesetze, Vorschriften und Standards werden regelmäßig aktualisiert, um die neuesten Erkenntnisse zur Kindersicherheit zu berücksichtigen.

Funktionelle Produktelemente können durch Abnutzung oder äußere Einflüsse beeinträchtigt werden. Daher ist eine regelmäßige Überprüfung des Kindersitzes ratsam.

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