Viele Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch stoßen auf das Thema erhöhte natürliche Killerzellen (NK-Zellen), insbesondere im Kontext von wiederholten Einnistungsversagen oder frühen Fehlgeburten. Diese Immunzellen, die eigentlich dem Schutz des Körpers dienen, können in bestimmten Fällen eine Schwangerschaft beeinträchtigen. Eine häufig diskutierte Behandlungsoption ist die Gabe von Prednisolon, einem Kortikosteroid, das das Immunsystem dämpfen soll.
Nach mehreren erfolglosen In-vitro-Fertilisations (IVF) oder Intracytoplasmatischer Spermien-Injektion (ICSI)-Zyklen werden oft zusätzliche Untersuchungen durchgeführt, um mögliche Ursachen für das Scheitern zu identifizieren. Dazu gehört auch die Bestimmung der NK-Zellzahlen, sowohl im Blut als auch, was als relevanter gilt, in der Gebärmutterschleimhaut (uterine NK-Zellen, uNK).
Was sind natürliche Killerzellen und warum sind sie im Kinderwunsch relevant?
Natürliche Killerzellen (NK-Zellen) sind eine Untergruppe der Lymphozyten, also weiße Blutkörperchen, die eine wichtige Rolle im Immunsystem spielen. Sie sind darauf spezialisiert, infizierte oder krankhaft veränderte Zellen zu erkennen und abzutöten. Im gesunden Körper machen sie etwa 5-15% der Blutzellen aus.
Im Kontext des Kinderwunsches wird die Rolle der NK-Zellen kontrovers diskutiert. Eine erhöhte Anzahl oder Aktivität von NK-Zellen, insbesondere in der Gebärmutterschleimhaut, kann potenziell zu Problemen bei der Einnistung des Embryos führen oder eine frühe Fehlgeburt verursachen. Dies liegt daran, dass das Immunsystem des Körpers das väterliche genetische Material des Embryos als "fremd" einstufen und fälschlicherweise angreifen könnte.
Die Bestimmung der NK-Zellen im Blut allein wird von einigen Experten als wenig aussagekräftig für die Behandlung im Kinderwunsch betrachtet. Die Untersuchung der uterinen NK-Zellen (uNK) mittels einer Biopsie der Gebärmutterschleimhaut gilt als relevanter, da hier die Zellen direkt am Ort der Einnistung agieren.

Prednisolon als Behandlungsoption bei erhöhten NK-Zellen
Prednisolon, ein Kortikosteroid, wird häufig zur Dämpfung des Immunsystems eingesetzt. Die Idee dahinter ist, die Aktivität der erhöhten NK-Zellen zu reduzieren, um so die Einnistung und den Erhalt einer Schwangerschaft zu unterstützen.
Die Empfehlungen zur Einnahme von Prednisolon variieren stark:
- Manche Kliniken empfehlen die Gabe von Prednisolon bereits ab dem positiven Schwangerschaftstest.
- In anderen Fällen gehört Prednisolon zur Standardmedikation, die bereits vor oder ab dem Transfer eingenommen wird.
- Die Dosierung reicht von 5 mg bis hin zu 10 mg oder mehr pro Tag.
- Die Einnahme kann bis zur 12. Schwangerschaftswoche fortgesetzt werden.
Einige Patientinnen berichten, dass ihre NK-Zellen nach der Einnahme von Prednisolon von Werten über 600 auf etwa 180 gesunken sind, was als normaler Bereich gilt. Andere wiederum haben trotz der Einnahme von Prednisolon und anderen Therapien (wie Intralipid-Infusionen) negative Ergebnisse erlebt.
Es gibt auch die Ansicht, dass eine leichte Erhöhung der NK-Zellen allein nicht zwangsläufig behandlungsbedürftig ist und eine individuelle Risiko-Nutzen-Abwägung erfolgen sollte. Die Nebenwirkungen von Kortison, insbesondere bei längerer Anwendung, sind nicht zu unterschätzen.
Alternative und ergänzende Therapien
Neben Prednisolon werden im Kinderwunschbereich auch andere Behandlungsansätze diskutiert:
Intralipid-Infusionen
Intralipid ist eine Fettemulsion, die Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren enthält. Es wird vermutet, dass Intralipid die Aktivität von Killerzellen reduzieren kann, ähnlich wie Kortison und Immunglobuline. Die Behandlung muss oft bereits vor einem IVF/ICSI-Versuch oder einer Schwangerschaft begonnen werden.
Einige Patientinnen berichten von positiven Erfahrungen mit Intralipid-Infusionen in Kombination mit Prednisolon, was zu einer erfolgreichen Schwangerschaft führte, nachdem zuvor mehrere Kryotransfers negativ waren. Die Datenlage zur Effizienz von Intralipid ist jedoch uneinheitlich.
Omegaven
Omegaven, ebenfalls eine Lipidemulsion auf Sojabohnenbasis, wird als potenzielle immunmodulierende Therapie diskutiert und könnte eine kostengünstigere Alternative zu Intralipid darstellen.
Mikroimmuntherapie und Ursachenforschung
Einige Experten verfolgen einen Ansatz, der über die reine Symptombekämpfung hinausgeht und die Ursachenforschung in den Vordergrund stellt. Dies kann die Untersuchung des gesamten Immunstatus umfassen, um herauszufinden, ob das Immunsystem beispielsweise mit Viren oder Bakterien kämpft. Solche Hintergrundbelastungen können indirekt zu einer erhöhten NK-Zellaktivität führen.
Die Mikroimmuntherapie nutzt hoch verdünnte Substanzen, um das Immunsystem zu modulieren und auf spezifische Erreger einzugehen. Diese Therapie setzt direkt am Immunsystem an, hat bisher keine bekannten Nebenwirkungen und kann zuhause durchgeführt werden.
Partnerlymphozyten-Immunisierung (PI)
Die aktive Immunisierung mit Partnerlymphozyten ist eine Methode, bei der die potenzielle Mutter mit Lymphozyten des potenziellen Vaters "geimpft" wird. Diese Therapieform wird bereits länger angewendet, insbesondere bei Frauen mit wiederholten Fehlgeburten. Die Studienergebnisse sind unterschiedlich, aber bei sorgfältiger Patientenauswahl können Erfolge erzielt werden.
Häufig gestellte Fragen und Unsicherheiten
Im Austausch unter Betroffenen und mit Ärzten tauchen immer wieder Fragen auf:
- Kann ein Transfer mit erhöhten NK-Werten überhaupt klappen? Die Meinungen und Erfahrungen hierzu sind geteilt. Manche berichten von Schwangerschaften trotz hoher Werte, andere benötigen eine Therapie.
- Wie kurzfristig wirkt sich Stress auf die NK-Werte aus? Stress kann das Immunsystem beeinflussen, und gerade der Tag der Blutentnahme kann durch Aufregung und Anspannung beeinflusst werden.
- Ist es sinnvoll, Prednisolon erst ab positivem Test zu nehmen? Dies ist eine klinische Entscheidung, die von der individuellen Situation und den Empfehlungen der Klinik abhängt.
- Was sind die Nebenwirkungen von Prednisolon? Mögliche Nebenwirkungen können Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen, erhöhte Infektanfälligkeit und bei Langzeitanwendung ernstere gesundheitliche Probleme sein.
- Wie lange sollte Prednisolon eingenommen werden? Die Dauer der Einnahme variiert und wird oft von regelmäßigen Blutkontrollen begleitet.
- Kann Prednisolon die Eizellreifung stören oder eine Schwangerschaft verhindern? Generell wird Prednisolon zur Unterstützung der Einnistung eingesetzt, aber die korrekte Dosierung und der Zeitpunkt der Einnahme sind entscheidend.
Ein Austausch mit anderen Betroffenen kann wertvolle Einblicke und emotionale Unterstützung bieten, ersetzt aber keine ärztliche Beratung. Es ist wichtig, alle Fragen und Bedenken offen mit dem behandelnden Arzt oder der Kinderwunschklinik zu besprechen.
Immunologie und Kinderwunsch - Antiphospholipipdsyndrom, T-Helferzellen und Natürliche Killerzellen
Expertenmeinungen und Studienlage
Die wissenschaftliche Evidenz zur Wirksamkeit von Prednisolon und anderen immunmodulierenden Therapien bei erhöhten NK-Zellen im Kinderwunschbereich ist nicht immer eindeutig.
Studien deuten darauf hin, dass Prednisolon in etwa der Hälfte der Fälle die Konzentration von uterinen NK-Zellen senken kann. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass diese Therapie keinen signifikanten Einfluss auf den Verlauf der Schwangerschaft oder die Rate an Fehlgeburten hat, verglichen mit Frauen, die keine Medikation erhielten.
Die Herausforderung liegt oft darin, zwischen einer erhöhten Anzahl von NK-Zellen und einer tatsächlichen funktionellen Überaktivität dieser Zellen zu unterscheiden. Nicht jede Erhöhung der Zellzahl erfordert eine Behandlung.
Die Experten empfehlen daher oft eine umfassende Diagnostik, um die genaue Ursache der Einnistungsprobleme oder Fehlgeburten zu ermitteln und eine individuell angepasste Therapie zu entwickeln. Dies kann auch die Betrachtung von Faktoren wie chronischen Entzündungen, Infektionen oder Autoimmunerkrankungen umfassen.

Die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Therapie sollte immer auf einer sorgfältigen Abwägung der individuellen Situation, der wissenschaftlichen Datenlage und der potenziellen Risiken und Vorteile basieren. Ein offener Dialog mit dem Kinderwunschteam ist dabei unerlässlich.
tags: #erhohte #killerzellen #kinderwunsch #prednisolon