Hochstühle im Test: Ein Leitfaden für Eltern

Ein Hochstuhl gehört zur absoluten Grundausstattung, wenn man kleine Kinder hat. Er ermöglicht Kindern, bei gemeinsamen Mahlzeiten richtig am Tisch zu sitzen und auf Augenhöhe mit den Erwachsenen zu essen. Eltern stehen bei der Auswahl eines Kinderhochstuhls vor der Entscheidung, ob sie eine mitwachsende Variante wünschen oder ob es zunächst darum geht, preiswert und einfach einen Hochsitz für die Allerkleinsten zu haben. Einfache Kinderhochstühle gibt es schon für sehr wenig Geld, sie sind jedoch nur kurze Zeit einsetzbar, da die Kleinen schnell herauswachsen.

Hochstühle sind vor allem deshalb so beliebt, weil sie es Kindern ermöglichen, aktiv und selbstbestimmt an den Mahlzeiten teilzunehmen. Dafür sorgt oft das mitgelieferte Zubehör wie Tischplatten und Haltesitze. Kinder sollten im Hochstuhl immer bequem sitzen und erst dann hineingesetzt werden, wenn sie problemlos alleine aufrecht sitzen können. Leider werden immer wieder Babys in den Hochstuhl gesetzt, die nicht selbstständig sitzen können, was zu gesundheitlichen Schäden führen kann.

Ein moderner Hochstuhl mit einem Kind am Esstisch

Vielfalt im Hochstuhl-Markt: Modelle und ihre Besonderheiten

Insgesamt wurden 31 Hochstühle getestet, von denen 23 Modelle noch erhältlich sind. Die Preisspanne reicht von günstigen Modellen bis hin zu teuren Luxusvarianten.

Testsieger und Premium-Modelle

Stokke Nomi: Design und Funktionalität vereint

Der moderne Stokke Nomi bietet ein gelungenes Gesamtpaket aus tollem Design und praktischer Handhabung. Er punktet durch schnelles Anpassen der Größe und freies Bewegen auf dem Stuhl. Die konkurrenzlos hohe Belastbarkeit bis 120 Kilogramm macht den Nomi zu einem Spitzenmodell. Obwohl er nicht günstig ist, kann er mit Zubehör lange genutzt werden und ist ein Design-Statement für moderne Wohnungen.

Der Nomi wurde vom Designer des legendären Tripp Trapp, Peter Opsvik, entworfen, mit dem Ziel, die Interaktion mit Kindern neu zu überdenken. Die schmale Rückenlehne und die breite Fußablage ermöglichen es dem Kind, sich jederzeit mitzudrehen und den Erwachsenen zu folgen. Der Umbau von kind- auf babygerecht erfolgt in wenigen Sekunden. Dank Rollen lässt sich der Stuhl bewegen, was nonverbaler Kommunikation dient, wenn Kinder noch nicht sprechen können. Das Testkind nutzte den Stuhl auch als Lauflernhilfe.

Der Nomi ist äußerst solide und stabil und kann mit einem Gewicht von bis zu 120 Kilogramm belastet werden. Er kann durch einen separat erhältlichen Wippenaufsatz (ca. 100 Euro) bereits ab der Geburt genutzt werden, was den Kauf einer separaten Babywippe überflüssig machen kann. Der Nomi ist sehr flexibel und lange nutzbar, ähnlich dem Stokke Tripp Trapp, bietet aber ein zeitgemäßeres Design und ist oft preislich attraktiver.

Der Stokke Nomi kann individuell gestaltet werden, mit verschiedenen Holzarten, Farben und Optionen für Sitz- und Fußfläche. Als Zubehör sind der "Nomi Mini" Babyaufsatz und ein Gurt sinnvoll. Ein ansteckbares Tischchen (ca. 50 Euro) wird ebenfalls angeboten, jedoch mit Vorsicht zu genießen: Es ist nur am Babyaufsatz befestigt und hält nicht viel Gewicht aus. Bei Belastung durch das Kind kann es sich lösen und zu Stürzen führen. Daher wird empfohlen, das Tischchen nur mit Gurt zu nutzen. Oft ist der eigene Tisch gar nicht nötig, da Kinder es meist interessanter finden, direkt am Familientisch zu sitzen.

Kritikpunkte am Nomi sind das geringe Gewicht, das das Tablett trägt, und Essensreste, die sich in den Schlitzen des Standfußes festsetzen und schwer zu entfernen sind. Stiftung Warentest bewertete den Nomi im Test 12/2024 mit "mangelhaft", nachdem er im Test 05/2018 noch Testsieger war. Hersteller Stokke ließ daraufhin erneute Prüfungen durch unabhängige Institute durchführen.

Stokke Tripp Trapp: Der Klassiker

Der Stokke Tripp Trapp ist und bleibt ein tolles Produkt. Er ist in wenigen Minuten aufgebaut, und die Platten lassen sich schnell und unkompliziert verstellen. Die breite Fußfläche ermöglicht es auch kleineren Kindern, den Stuhl selbstständig zu erklimmen. Er ist robust und wertig verarbeitet, lässt sich aber dennoch leicht schieben. Stokke bietet auch Rutschschienen für Fliesenböden an. Obwohl der Nomi zeitgemäßer wirkt, ist der Tripp Trapp zurecht ein Klassiker.

Der Tripp Trapp ist für eine lange Nutzungsdauer konzipiert und kann mit separatem Newborn und Baby Set von Geburt an verwendet werden. Seine stabile Konstruktion aus europäischem Buchenholz trägt bis zu 136 kg und bietet ergonomischen Halt. Mit dem Newborn Set können Babys von Geburt an bis 9 kg am Familientisch teilnehmen. Die Sitz- und Fußplatte lassen sich stufenlos verstellen. Das geringe Gewicht von knapp 5 kg erleichtert das Umplatzieren. Er wird als praktische, langlebige und sichere Option mit ansprechendem Design gelobt.

Eltern berichten von positiven Erfahrungen mit dem Tripp Trapp, auch bei Kindern mit besonderen Bedürfnissen. Die Langlebigkeit und die Möglichkeit, den Stuhl über Jahre hinweg zu nutzen, werden hervorgehoben. Einige Nutzer empfinden ihn als teure, aber lohnende Investition.

Stokke Steps: Modern und vielseitig

Der Stokke Steps liegt preislich im Mittelfeld und ist sehr lange nutzbar (bis 85 kg). Sowohl der Grundkörper als auch das Babyset und der Tisch müssen separat erworben werden. Ohne Babyset sollte der Steps erst ab drei Jahren genutzt werden, da kein Rückhaltesystem vorhanden ist. Die Sitzfläche ist nicht veränderbar, aber die Fußleiste lässt sich anpassen. Die Reinigung ist unkompliziert. Mit der separat erhältlichen Babywippe Stokke Steps Bouncer ist der Stuhl ab Geburt nutzbar.

Die Langlebigkeit, der Sitzkomfort und das dezente Design werden gelobt. Die Qualität ist hochwertig, was auf eine lange Lebensdauer schließen lässt. Der Preis ist jedoch ein Kritikpunkt, ebenso wie die Kosten für das Zubehör.

Gute und preiswerte Alternativen

Zwergheld ZS-3: Treuer Begleiter

Der Zwergheld ZS-3 ist ein treuer Begleiter für Kinder ab sechs Monaten bis zu einem Gewicht von 90 kg. Der Treppenhochstuhl ist ausgezeichnet verarbeitet und im Alltag einfach zu handhaben. Er ist klassisch aus Buchenholz gefertigt, mit weißen Sitz- und Trittbrettern für ein modernes Design. Das Zusammenschrauben kann alleine etwas mühsam sein, aber der Stuhl ist sehr stabil und einfach zu handhaben. Sitzfläche und Trittstufe rasten sicher ein und lassen sich leicht lösen. Das Holztablett ist abnehmbar und hält viel aus. Ein 5-Punkt-Gurt wird mitgeliefert. Auch Erwachsene können auf dem Stuhl Platz nehmen, da er bis zu 90 kg belastbar ist.

Lionelo Cora: Flexibel ab Geburt

Der Lionelo Cora ist bereits ab Geburt nutzbar und preislich im Mittelfeld angesiedelt. Er ist bis 15 kg nutzbar und besonders in den ersten Monaten praktisch. Die Rückenlehne lässt sich in drei Positionen verstellen, das Tablet hat zwei Entfernungsstufen, und die Höhe kann in vier Varianten eingestellt werden. Der Aufbau ist unkompliziert und der Stuhl ist schnell zusammengeklappt. Das angepriesene Ständer-Feature zum Aufstellen im zusammengeklappten Zustand konnte im Praxistest nicht überzeugen.

Theoretisch kann der Lionelo Cora ab Geburt genutzt werden, dann jedoch in liegender Position, eher als eine Art Wippe. Um ihn als Hochstuhl zum Sitzen zu nutzen, muss das Kind eigenständig sitzen können. Die Reinigung mit Wasser und mildem Reinigungsmittel ist ausreichend. Der Tisch kann in mehreren Abständen angebracht werden oder weggelassen werden, um am Familientisch mitzuessen.

Hauck Alpha+: Mitwachsender Preis-Leistungs-Sieger

Für Eltern, die eine günstigere Alternative zum Nomi oder Tripp Trapp suchen, ist der Hauck Alpha+ eine Empfehlung. Er erinnert stark an den Tripp Trapp, kostet aber nur einen Bruchteil. Er wird aus nachhaltig angebautem Buchenholz gefertigt, ist bis 90 kg belastbar und kann ab dem Sitzalter eingesetzt werden. Für Babys gibt es den optionalen Hauck Alpha+ Newborn Bouncer, der den Einsatz ab Geburt ermöglicht. Babys und Kleinkinder werden mit einem Fünfpunktgurt gesichert. Ein Vorderbügel ist enthalten, aber zu klein zum Essen. Der Umbau vom Baby- zum normalen Hochstuhl ist einfach. Mit über 6,5 kg ist er etwas schwerer, aber immer noch verhältnismäßig leicht. Die Konstruktion ist absolut kippsicher.

Er ist kein Designwunder, aber praktisch und sehr preiswert. Stiftung Warentest bewertete den Antilop im Test 12/2024 mit "befriedigend".

Ikea Antilop: Die einfache Zwischenlösung

Wer nur eine Zwischenlösung für das Babyalter sucht und kein Interesse an einem mitwachsenden Hochstuhl hat, für den ist der Ikea Antilop eine Empfehlung. Er kann vom Sitzalter bis etwa zum zweiten Geburtstag genutzt werden und ist preislich unschlagbar (ca. 10 Euro). Er ist weltweit in vielen Restaurants zu finden. Die Verarbeitung ist dank Vollplastik nicht besonders nachhaltig, aber stabil. Die Stiftung Warentest bewertete ihn im Test 12/2024 mit "befriedigend", wobei er bei Schadstoffen gut abschnitt, die kindgerechte Gestaltung aber nur mittelmäßig war.

Kinder können sich im Antilop nicht vom Tisch abstoßen. Das Hineinsetzen geht nur mit Hilfe von Eltern, was für die Zielgruppe aber üblich ist. Der Stuhl ist sehr stabil.

Besondere Modelle und ihre Eigenschaften

Geuther Syt: Innovative Sicherheitslösungen

Der Geuther Syt Hochstuhl verspricht innovative Neuerungen. Er wächst dank verstellbarer Sitz- und Fußbretter mit und ist in sechs Farbvarianten erhältlich. Ein neuartiges Sicherheitsbügel-System macht das Einfädeln des Kindes überflüssig. Der Sicherheitsbügel ist durch einen Klick-Verschluss mit nur einer Hand abnehmbar. Das Kind wird durch einen waagerechten Bauchring samt vertikalem Durchrutschschutz gehalten. Dies erübrigt die Verwendung eines Dreipunktgurtes.

Zum Verstellen von Sitz- oder Fußbrett kommen seitlich angebrachte Handschrauben zum Einsatz, die einen schnellen Umbau ermöglichen. Der Stuhl trägt bis zu 85 kg Körpergewicht. Im ÖKO-TEST Magazin 06/2023 wurde der Geuther Syt Hochstuhl wegen Sicherheitsmängeln abgewertet, unter anderem wegen einer möglichen Durchrutschgefahr und optischen Aufhellern im Gurtsystem. Der Hersteller hat angekündigt, spätestens Mitte 2025 einen verbesserten Hochstuhl auf den Markt zu bringen.

Geuther Tamino: Ein mitwachsender Hochstuhl

Der Geuther Tamino ist ein Treppenhochstuhl, der mit dem Kind mitwächst. Er kann vom Sitzalter bis 36 Monate als Hochstuhl genutzt und später als Stuhl bis 85 kg weiterverwendet werden. Das Design wird als ansprechend empfunden, und die Montage wird als einfach beschrieben. Die Metallschnecken im Aufbau sorgen für Stabilität. Die separat erhältliche Tischplatte hat einen silbernen Plastikrand, der leicht beschädigt werden kann. Der Abstand zwischen Sitz- und Fußbrett kann durch seitliche Schrauben angepasst werden.

Der 3-Punkt-Sicherheitsbügel ist genial und erleichtert das Hinein- und Heraussetzen des Kindes. Optional gibt es den Babyliege-Aufsatz Sit’n Sleep, der die Nutzung ab Geburt ermöglicht. Der Hochstuhl ist standfest dank Metallbügel am Fuß.

Detailansicht eines Geuther Tamino Hochstuhls mit Kind

Worauf Sie beim Kauf eines Hochstuhls achten sollten

Bei der Auswahl eines Hochstuhls sind mehrere Kriterien zu beachten:

  • Sicherheit: Achten Sie auf stabile Konstruktion, Kippsicherheit, ein zuverlässiges Rückhaltesystem (Gurt, Bügel) und die Einhaltung relevanter Normen (z.B. EN 14988).
  • Ergonomie: Die Sitz- und Fußbretter sollten verstellbar sein, um eine gesunde Haltung zu gewährleisten. Das Kind sollte bequem sitzen und sich frei bewegen können.
  • Material und Verarbeitung: Hochwertige Materialien wie Buchenholz sorgen für Langlebigkeit und Stabilität. Eine gute Verarbeitung verhindert scharfe Kanten oder Quetschstellen.
  • Handhabung und Reinigung: Ein einfacher Auf- und Abbau, leicht verstellbare Elemente und eine pflegeleichte Oberfläche sind praktisch für den Familienalltag.
  • Mitwachsende Funktion: Modelle, die mit dem Kind mitwachsen, bieten eine langfristige Nutzung und sind oft wirtschaftlicher.
  • Zubehör: Überlegen Sie, ob Sie zusätzliches Zubehör wie Neugeborenenaufsätze, Tischplatten oder Sitzverkleinerer benötigen.

Kinderhochstühle im Test: Sicherheit und Qualität bei vielen mangelhaft | 2019 | Kassensturz | SRF

Testergebnisse und Empfehlungen

Stiftung Warentest und ÖKO-TEST haben verschiedene Hochstühle geprüft und bewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass es sowohl Testsieger als auch Modelle mit Sicherheitsmängeln gibt. Es ist ratsam, aktuelle Testberichte zu konsultieren.

Unsere Favoriten für Hochstühle basieren auf Erfahrungsberichten, Bewertungen, Anzahl der Käufe sowie Prüfzeichen und Gütesiegeln:

  • Hauck Alpha+: Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, mitwachsend, TÜV-geprüft.
  • Kinderkraft YUMMY: Praktisch zusammenklappbar, höhenverstellbar, 5-Punkt-Gurt.
  • Bebeconfort Timba: Stabile Verarbeitung, schmal, praktisches Tablett.
  • Maxi-Cosi Minla: Flexibel ab Geburt, komfortabel, kinderfreundliche Reinigung.
  • Stokke Tripp Trapp: Klassiker, langlebig, ergonomisch, mit Zubehör ab Geburt nutzbar.

Weitere gute Hochstühle laut Tests umfassen Modelle von Roba, Hauck (Beta+), Kinderkraft (Sienna 2-in-1), Hauck (Sit N Fold), Ezebaby (Natur), Bebeconfort (Meely 2-in-1) und Kinderkraft (ENOCK 3 in 1).

Alternativen zu Hochstühlen sind Tischsitze für Babys und Sitzerhöhungen.

Infografik: Vergleich von Hochstuhl-Merkmalen

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