Der Muttermund: Funktion, Veränderungen und Bedeutung in Schwangerschaft und Zyklus

Der Muttermund (auch Zervix genannt) ist das untere Ende des Gebärmutterhalses und spielt eine entscheidende Rolle im weiblichen Fortpflanzungssystem. Er verbindet die Gebärmutter mit der Vagina und hat während des Menstruationszyklus, bei Kinderwunsch, in der Schwangerschaft und während der Geburt vielfältige Funktionen.

Die Anatomie und grundlegenden Funktionen des Muttermunds

Der Gebärmutterhals, mit dem Muttermund als seinem Abschluss, ist etwa vier Zentimeter lang und bildet eine natürliche Schranke zwischen der Gebärmutter und der Vagina. Diese Schranke ist entscheidend für den Schutz vor Keimen und spielt eine wichtige Rolle bei der Fortpflanzung.

Der Muttermund selbst besteht aus zwei Öffnungen: dem inneren Muttermund, der den Übergang zur Gebärmutter darstellt, und dem äußeren Muttermund, der zur Vagina hin geöffnet ist. Beide sind von Schleimhaut umgeben.

Rolle beim Geschlechtsverkehr und der Spermienleitung

Beim Geschlechtsverkehr unterstützt der äußere Muttermund die Weiterleitung der Spermien. Während des weiblichen Orgasmus bewegt er sich wellenförmig und taucht in den ausgestoßenen Samen ein. Er fungiert somit als Eingang für Spermien und hilft, die Samenzellen sicher durch den Gebärmutterhals in die Gebärmutter zu leiten.

Veränderungen des Muttermunds während des Menstruationszyklus

Die Beschaffenheit und Position des Muttermunds verändern sich im Laufe des Menstruationszyklus, was wichtige Hinweise auf die Fruchtbarkeit geben kann.

Muttermund während der Menstruation und nach der Periode

Während der Menstruation öffnet sich der Muttermund leicht, um das Abfließen des Menstruationsblutes aus der Gebärmutter zu ermöglichen. Nach der Menstruation steht der Muttermund tief, ist hart und fest verschlossen. In dieser Phase ist in der Regel nur wenig oder kein Zervixschleim vorhanden.

Muttermund während und nach dem Eisprung

Zur Zeit des Eisprungs wird der Muttermund weicher, öffnet sich und steht höher. Gleichzeitig produziert die Gebärmutter vermehrt Zervixschleim, der klar, dünnflüssiger und spinnbar ist, um den Spermien den Weg zu erleichtern. Die Textur kann sich wie die eigenen Lippen anfühlen. Nach dem Eisprung senkt sich der Gebärmutterhals wieder ab, der Muttermund schließt sich und wird fester und trockener, vergleichbar mit der Konsistenz der Nasenspitze.

Schema des weiblichen Zyklus mit den Veränderungen des Muttermunds und des Zervixschleims

Die Bedeutung des Muttermunds in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft übernimmt der Muttermund eine zentrale Schutzfunktion für das heranwachsende Kind.

Verschluss und Schutz in der Früh- und gesamten Schwangerschaft

Während einer normalen Schwangerschaft bleibt der Zervixkanal mit dem inneren und äußeren Muttermund fest verschlossen. Der produzierte Zervixschleim verdichtet sich zu einem Schleimpfropf, der den Gebärmutterhals sicher verschließt. Diese natürliche Barriere verhindert das Aufsteigen von Keimen in die Fruchthöhle und schützt den Embryo und Fötus vor Infektionen. Der Gebärmutterhals misst in der Schwangerschaft typischerweise zwischen 2,5 und 5 Zentimetern.

Vorzeitige Öffnung des Muttermunds: Zervixinsuffizienz

Eine vorzeitige Öffnung des Muttermunds, oft verbunden mit einer Verkürzung des Gebärmutterhalses, wird als Zervixinsuffizienz oder Muttermundschwäche bezeichnet. Dies kann ein ernsthaftes Risiko für eine Fehl- oder Frühgeburt darstellen, da die Schutzfunktion beeinträchtigt ist. Die Gefahr steigt erheblich, wenn sich der Muttermund vor der 37. Schwangerschaftswoche öffnet. Eine verkürzte Zervixlänge unter 15 Millimetern kann das Frühgeburtsrisiko auf etwa 50% erhöhen.

Ursachen für einen geöffneten Muttermund in der Schwangerschaft

Verschiedene Faktoren können zu einer Muttermundschwäche beitragen:

  • Muttermundschwäche (Zervixinsuffizienz): Eine Schwäche des Gebärmutterhalses, die dem Druck der wachsenden Gebärmutter nicht standhält.
  • Infektionen im Vaginalbereich: Bakterielle Infektionen können Entzündungen auslösen und die Ausschüttung von Prostaglandinen fördern, die den Muttermund weicher machen und seine Öffnung begünstigen.
  • Frühere Operationen am Gebärmutterhals: Eingriffe wie eine Konisation können das Risiko erhöhen.
  • Mehrlingsschwangerschaften: Die starke Dehnung der Gebärmutter erhöht den Druck auf den Muttermund.
  • Weitere Risikofaktoren: Vorangegangene Fehl- oder Frühgeburten, angeborene Bindegewebsstörungen, Rauchen, starkes Übergewicht, höheres Alter der Mutter oder schwere körperliche Arbeit.

Symptome und Diagnose eines offenen Muttermunds

Die Symptome einer Zervixinsuffizienz sind oft unspezifisch und können sich als Ziehen in den Leisten, Rückenschmerzen, Unterbauchdruck oder leichte Blutungen äußern. Der Verlust des Schleimpfropfs, Zeichnungsblutungen oder Fruchtwasserabgang können ebenfalls Anzeichen sein. Die zuverlässigste Diagnose erfolgt mittels transvaginaler Ultraschalluntersuchung, die die Zervixlänge misst und eine mögliche Trichterbildung erkennen lässt.

Ultraschallbild, das eine Verkürzung des Gebärmutterhalses und eine Trichterbildung zeigt

Behandlung und Vorsorge bei Muttermundschwäche

Ziel der Behandlung ist die Verlängerung der Schwangerschaft. Mögliche Maßnahmen umfassen:

  • Körperliche Schonung: Vermeidung von intensivem Sport, Sex und schwerem Heben.
  • Medizinische Maßnahmen:
    • Cerclage: Ein chirurgischer Eingriff, bei dem ein Kunststoffband um den Gebärmutterhals gelegt wird.
    • Pessar: Ein Silikonring, der den Gebärmutterhals stützt.
  • Progesteron: Die Gabe von vaginalem Progesteron kann das Frühgeburtsrisiko senken.

Bei regelmäßigen Wehen, Blasensprung, stark verkürztem Gebärmutterhals oder Fruchtwasserabgang ist ein Krankenhausaufenthalt notwendig.

Der Muttermund kurz vor und während der Geburt

Gegen Ende der Schwangerschaft bereitet sich der Körper auf die Geburt vor. Der Muttermund wird weicher und elastischer, und der Gebärmutterhals beginnt sich zu verkürzen und zu öffnen.

Geburtsvorbereitung: Zervixreifung und Schleimpfropf

Ab etwa der 36. Schwangerschaftswoche beginnt die Zervixreifung. Das Gewebe um den Gebärmutterhals lockert sich, was die Öffnung des Muttermunds ermöglicht. Der Schleimpfropf löst sich und wird oft mit einer leichten Blutung (Zeichnungsblutung) abgeht. Dies sind Anzeichen für die nahende Geburt.

Der Geburtsverlauf: Öffnung des Muttermunds

Während der Geburt sorgen Wehen dafür, dass sich der Muttermund schrittweise öffnet. Hebammen beurteilen den Fortschritt anhand der Öffnungsweite: Zwei Fingerbreiten (ca. 2-3 cm), eine "V"-Form (ca. 4 cm) bis hin zur vollständigen Öffnung von 9-10 cm in der Austreibungsphase.

Wundersame Wirkung der Gebärmutterkontraktionen (3D-Animation)

Der Muttermund nach der Geburt

Nach der Geburt zieht sich der Muttermund wieder zusammen. Seine Form kann sich jedoch verändern: War er vor der ersten Schwangerschaft eher rund, wird er nach der Entbindung oft länglich und ähnelt einem Mund mit einem Querspalt. Seine Funktion bleibt jedoch dieselbe.

Selbstbeobachtung des Muttermunds zur Zyklusbestimmung

Frauen können durch regelmäßiges Ertasten des Muttermunds wertvolle Informationen über ihren Zyklus gewinnen, was bei Kinderwunsch oder zur Verhütung hilfreich sein kann.

Position und Beschaffenheit als Indikatoren

Die Position des Muttermunds variiert: An unfruchtbaren Tagen steht er tiefer und fühlt sich hart an, ähnlich einer Nasenspitze. An fruchtbaren Tagen, besonders um den Eisprung herum, rückt er nach oben, wird weicher und ist oft leicht geöffnet. Die regelmäßige Dokumentation dieser Veränderungen in einem Tagebuch oder einer App kann helfen, das eigene Muster zu erkennen.

Vorbereitung und Durchführung der Selbstuntersuchung

Für die Selbstuntersuchung ist es wichtig, sich gründlich die Hände zu waschen und eine bequeme Position zu finden (z.B. ein Bein auf einem Hocker). Mit Mittel- und Zeigefinger wird der Muttermund ertastet, um seine Härte, Position und Öffnung zu beurteilen. Es kann hilfreich sein, ein Gleitmittel zu verwenden, um Reibung zu vermeiden.

Illustration zur richtigen Positionierung für die Selbstuntersuchung des Muttermunds

tags: #zyklustag #27 #muttermund #offnet #sich