Die HCG-Diät: Anwendung von Tropfen und Globuli zur Gewichtsabnahme

Die HCG-Diät, auch bekannt als Stoffwechsel-Diät, ist eine Methode zur Gewichtsreduktion, die auf der Einnahme des Hormons humanes Choriongonadotropin (HCG) in Kombination mit einer stark kalorienreduzierten Ernährung basiert. Entwickelt wurde diese Diät ursprünglich in den 1950er Jahren vom britischen Arzt Dr. Albert T.W. Simeons.

Ursprung und Entwicklung der HCG-Diät

Dr. Albert T.W. Simeons entwickelte die HCG-Diät im Jahr 1954. Seine Beobachtungen an indischen, schwangeren Frauen, die trotz extrem geringer Energiezufuhr vorrangig Fett- und nicht Muskelgewebe verloren und dabei sehr leistungsfähig blieben, inspirierten ihn zu dieser Diät. Simeons führte diese Beobachtung auf die durch die Schwangerschaft erhöhten Konzentrationen von HCG zurück. Er stellte fest, dass seine Patienten stärkere Gewichtsverluste erzielten, wenn sie zu einer extremen Energierestriktion niedrige Dosierungen von HCG-Injektionen erhielten.

Das primäre Ziel der HCG-Diät ist laut Simeons die Gewichtsabnahme durch den Abbau von Depotfett, insbesondere an Stellen wie Hüften, Beinen und Armen, die oft als problematisch für die Gewichtsreduktion gelten. Ein weiterer versprochener Effekt der Hormongabe ist die Reduzierung des Hungergefühls, das typischerweise bei solch restriktiven Diäten auftritt.

Grafik, die den Abbau von Depotfett an typischen Problemzonen wie Hüften, Beinen und Armen veranschaulicht.

Was ist humanes Choriongonadotropin (HCG)?

Humanes Choriongonadotropin (HCG) ist ein Peptidhormon, das während der Schwangerschaft vom Körper gebildet wird und für den Erhalt der Schwangerschaft essentiell ist. Erhöhte Konzentrationen von HCG im Urin sind daher das Prinzip, das auch von Schwangerschaftstests genutzt wird. Das Hormon kann auch bei bestimmten Krebsarten erhöht sein, ist aber kein spezifischer Tumormarker.

Die medizinisch zugelassenen Indikationen für HCG umfassen die Behandlung von Kryptorchismus (Hodenhochstand), sekundärem Hypogonadismus bei Jungen und Männern sowie bestimmten Formen der Amenorrhoe, allein oder in Kombination zur Auslösung der Ovulation bei Frauen. Für die Gewichtsabnahme sind Medikamente mit HCG in Deutschland nicht zugelassen.

Die Anwendung der HCG-Diät

Die HCG-Diät wird typischerweise über einen Zeitraum von mehreren Wochen durchgeführt und gliedert sich in verschiedene Phasen:

1. Ladephase (Schlemmertage)

Die Diät beginnt mit zwei sogenannten "Schlemmertagen" (Lade- oder Entlastungstage), an denen der Stoffwechsel angekurbelt werden soll. Während dieser Tage ist eine hohe Kalorienzufuhr erwünscht, wobei alles erlaubt ist, was schmeckt - insbesondere fett- und kalorienreiche Lebensmittel. Ziel ist es, den Körper zu übersättigen und Reserven aufzubauen, um ihn auf die bevorstehende Einschränkung vorzubereiten.

2. Diätphase

Nach den Lade- oder Entlastungstagen folgt eine drastische Reduktion der Kalorienzufuhr auf maximal 500 kcal pro Tag. Diese Phase dauert in der Regel 21 Tage an. Während dieser Zeit wird auf Fett, Kohlenhydrate und Alkohol verzichtet. Stattdessen wird eine eiweißreiche Ernährung mit viel Rohkost, magerem Fleisch oder Fisch empfohlen.

Zusätzlich zur kalorienreduzierten Ernährung erhalten die Abnehmwilligen geringe Dosierungen des Hormons HCG. Heutzutage wird HCG anstelle von Injektionen meist in Form von Tropfen, Tabletten oder Nasensprays verabreicht. Auch Globuli, oft in homöopathischer Verdünnung (z.B. HCG C30), sind eine gängige Darreichungsform.

Die versprochenen Gewichtsverluste in dieser Phase liegen laut Befürwortern bei etwa 10 % des Körpergewichts in den ersten drei Wochen. Es wird zudem zur Einnahme verschiedener Nahrungsergänzungsmittel geraten, um den Körper trotz der geringen Kalorienzufuhr mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Die Flüssigkeitszufuhr sollte mindestens 2 Liter pro Tag betragen und aus Mineralwasser oder Quellwasser bestehen.

Infografik mit den Phasen der HCG-Diät: Ladephase, Diätphase (500 kcal, Verzicht auf Fett/Kohlenhydrate/Alkohol) und Stabilisierungsphase.

3. Stabilisierungsphase

Nach der intensiven Diätphase folgt eine Stabilisierungsphase, die ebenfalls etwa drei Wochen dauert. In dieser Zeit wird die Kalorienzufuhr schrittweise wieder gesteigert. Lebensmittel, auf die während der Diät verzichtet wurde, dürfen nun wieder in Maßen konsumiert werden. Ziel ist es, das erreichte Körpergewicht zu halten und den gefürchteten Jojo-Effekt zu vermeiden.

Darreichungsformen von HCG

Während Dr. Simeons ursprünglich HCG-Injektionen verwendete, sind heute verschiedene Darreichungsformen auf dem Markt:

  • HCG-Tropfen
  • HCG-Globuli (oft in homöopathischer Verdünnung wie C30)
  • HCG-Tabletten
  • HCG-Nasensprays

Die HCG-Globuli und Tropfen enthalten oft nicht das Hormon selbst, sondern dessen "energetisierte Information" in stark verdünnter Form, basierend auf homöopathischen Prinzipien. Diese Präparate sind in der Regel rezeptfrei erhältlich.

Wissenschaftliche Bewertung und Kritik der HCG-Diät

Die Wirksamkeit der HCG-Diät zur Gewichtsreduktion ist wissenschaftlich stark umstritten. Zahlreiche Studien und Meta-Analysen konnten keine Beweise dafür finden, dass HCG allein zu einem signifikant größeren Gewichtsverlust führt als eine rein kalorienreduzierte Diät.

  • Studienlage: Bereits 1976 zeigten Doppelblindstudien, dass HCG-Injektionen keinen Unterschied in Bezug auf Gewichtsverlust, Fettabbau oder Hungergefühl im Vergleich zu Placebo-Injektionen bewirkten. Der Gewichtsverlust war lediglich auf die energiereduzierte Diät zurückzuführen.
  • Behördliche Einschätzungen: Die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) erklärte bereits 1976, dass HCG-Injektionen weder sicher noch effektiv für die Gewichtsabnahme seien. Auch die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft kam 1987 zu dem Ergebnis, dass HCG keine fettmobilisierende Wirkung hat und den Appetit oder das Hungergefühl nicht beeinflusst.
  • Meta-Analyse von Lijesen et al. (1995): Diese Analyse aller verfügbaren Studien kam zu dem Schluss, dass keine wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit der HCG-Diät zur Behandlung von Übergewicht vorliegt. Die Diät reduziere weder das Hungergefühl noch löse sie Wohlgefühle aus.
  • Kritikpunkte: Kritische Stimmen aus der Wissenschaft betonen, dass der beobachtete Gewichtsverlust allein auf die drastische Kalorienrestriktion (oft nur 500 kcal pro Tag) zurückzuführen ist. Diese extreme Kalorienzufuhr kann zu Mangelerscheinungen, Muskulaturabbau und Stoffwechselverlangsamung führen.

Risiken und Nebenwirkungen

Die HCG-Diät birgt potenzielle Risiken und Nebenwirkungen:

  • Gesundheitliche Risiken durch extreme Kalorienrestriktion: Mangelerscheinungen (Vitamine, Mineralstoffe), Kopfschmerzen, Müdigkeit, Frieren, Schwindel, Elektrolytstörungen, Nierensteine, Herzrhythmusstörungen.
  • Hormonelle Nebenwirkungen: Störungen der Regelblutung bis zum Ausbleiben der Periode, Reizbarkeit, Unruhe, Depressionen, Ödeme, Gynäkomastie (bei Männern), Ovarialzysten.
  • Risiken bei hormoneller Verhütung: In Einzelfällen wurde berichtet, dass HCG die Wirksamkeit von Verhütungsmitteln beeinträchtigen kann.
  • Thrombosegefahr: Es gibt Berichte über die Entstehung von Thrombosen in Verbindung mit HCG-Anwendungen.
  • Risiken beim Kauf von HCG-Präparaten: Insbesondere im Internet gekaufte HCG-Präparate können gefälscht sein, unwirksam oder sogar gesundheitsschädlich.

Aufgrund dieser Risiken und der fehlenden wissenschaftlichen Evidenz wird von einer Behandlung mit HCG zur Gewichtsabnahme dringend abgeraten.

Alternative Ansätze zur Gewichtsreduktion

Gesundheitsexperten und Ernährungsgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) raten von der HCG-Diät ab. Stattdessen wird eine langfristige Ernährungsumstellung und eine ausgewogene, kalorienbewusste Ernährung empfohlen. Ein maximaler Gewichtsverlust von 0,5 kg pro Woche gilt als gesund und nachhaltig.

Empfehlenswerte Strategien für eine gesunde Gewichtsabnahme umfassen:

  • Regelmäßige Mahlzeiten mit viel Gemüse.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr.
  • Bewegung und körperliche Aktivität.
  • Vermeidung von strikten Verboten, stattdessen moderate Mengen von allen Lebensmitteln.
  • Selbst kochen, um die Kontrolle über die Inhaltsstoffe zu behalten.
  • Geduld und eine positive Einstellung zur Veränderung der Essgewohnheiten.

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