CTG für Baby Tonus: Ein umfassender Leitfaden

Die werdenden Papas im Gebärsaal sind oft sehr interessiert an den technischen Geräten. Dazu gehört vor allem das CTG (Cardiotokogramm). Bei der ersten Kontrolle im Gebärsaal oder auch während der Geburt erklären wir dann meistens, was welche Linie auf dem Papier zu bedeuten hat. Das CTG ist ein Messgerät, mit dem Hebammen und Gynäkologen/Gynäkologinnen die Herztöne des Babys und die Aktivität der Gebärmutter aufzeichnen. Es wird bei Schwangerschaftskontrollen ab dem errechneten Termin, bei Notfallkontrollen im Gebärsaal, während der Geburt und bei Risikoschwangerschaften meist schon ab der 34. Schwangerschaftswoche durchgeführt.

Eine Hebamme legt die Sensoren eines CTG-Geräts auf den Bauch einer schwangeren Frau.

Was ist ein CTG?

Die Abkürzung CTG steht für Cardiotokografie, zu Deutsch Kardiotokografie. Dieses diagnostische Verfahren wird in der Schwangerschaft und unter der Geburt eingesetzt, um die Herztöne des Fötus und die Wehentätigkeit der Mutter aufzuzeichnen. Es wird darum auch als Herzton-Wehenschreiber oder einfach Wehenschreiber bezeichnet. Einige der heute im Kreißsaal üblichen modernen CTG-Geräte können zudem auch die Kindsbewegungen aufzeichnen. Ein CTG dient demnach der Überwachung des ungeborenen Babys.

Die Messung überprüft, ob die Herztöne Deines Kindes "normal" sind, zu schnell oder langsam sind. Gleichzeitig prüft der Wehenschreiber, wie Dein kleiner Schatz auf Wehen reagiert. Diese Untersuchung ist wichtig, denn Dein Arzt möchte wissen, wie es Deinem kleinen Schatz geht und ob er ausreichend mit Sauerstoff versorgt ist.

Lange Zeit gehörte das CTG zu den routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen in den letzten Schwangerschaftswochen (etwa ab der 30. SSW). Gemäß den aktuellen Mutterschaftsrichtlinien wird das CTG bei einer komplikationslosen Schwangerschaft ohne besonderen Grund nicht mehr empfohlen. Auch in Bezug auf die Geburt haben sich die CTG-Empfehlungen in den letzten Jahren verändert. Kam früher eine Schwangere mit Wehen in die Klinik, so wurde meist direkt ein CTG geschrieben, um den Geburtsbeginn zu überprüfen. Hierdurch wurde geschaut, wie regelmäßig die Wehen kommen und wie es dem Baby damit geht.

Seit dem 1. Januar 2021 darf ein CTG während der Schwangerschaft nur in medizinisch begründeten Fällen durchgeführt werden. Der Grund hierfür ist die Befürchtung, dass Ultraschallwellen sich negativ auf das ungeborene Kind auswirken könnten. Sowohl beim CTG als auch bei Ultraschalluntersuchungen entstehen Ultraschallwellen. Obwohl es bisher keine ausreichende Studienlage dafür gibt, dass ein CTG wirklich schädlich für dein Baby ist, hat der Gesetzgeber verordnet, dass bei Schwangeren standardmäßig nur noch 3 Ultraschalluntersuchungen und gar kein CTG durchgeführt werden dürfen. Das gilt, sofern es keine gesundheitlichen Gründe für weitere Ultraschall-Untersuchungen gibt.

Ablauf des CTG

Während des CTG wirst Du sehr wahrscheinlich auf der Seite liegen oder auf einem speziellen Stuhl sitzen. Vielleicht kommt es Dir so vor, als wäre der Gurt zu eng. Aber keine Sorge, dieser muss ziemlich fest sitzen, Dir und Deinem Baby passiert dabei nichts. Die beiden Knöpfe des Gurtes zeichnen mit Ultraschallsignalen nun die Herzfrequenz Deines kleinen Schatzes auf. Dabei reagieren einer der Messfühler auf die verschiedenen Spannungen in Deinem Bauch. Dadurch können Wehen aufgezeichnet werden, sofern welche vorhanden sind.

Beim CTG werden dir 2 Sensoren auf den Bauch gelegt, die so ähnlich aussehen wie der vordere Teil des Abhörgerätes von Ärzten. Diese werden mit Gurten oder einem Stoffband fixiert. Ein Sensor zeichnet die Herztöne deines Babys auf, die andere reagiert auf unterschiedliche Spannungen deiner Bauchdecke und misst somit die Wehentätigkeit. Ein CTG dauert in der Regel 30 Minuten und ist völlig schmerzfrei.

Die beiden Knöpfe (Messfühler) sind mittels eines Kabels an den Computer angehängt. Dieser wertet nun die Daten aus und druckt zwei Messkurven auf ein Papier.

Die CTG-Daten und ihre Auswertung

Die obere Kurve schreibt die kindliche Herzfrequenz auf. Diese liegt bei ungeborenen Kindern so zwischen 120 und 160 Schlägen pro Minute. Die Herztöne schwanken sehr stark nach oben und nach unten, was durch ganz viele Zacken angezeigt wird. Das ist ein Zeichen, dass es Deinem Baby gut geht. Wenn Dein Baby schläft, sind die Ausschläge eher kleiner.

Die andere Kurve zeigt an, ob Du Kontraktionen oder Wehen hast. Dann sieht das so aus wie "kleine Berge". Es gibt keinen absoluten Zahlenwert, der bestimmt, ob es eine starke Wehe war oder nicht. Das spürst Du am besten selbst. Man kann mit dem CTG nur die Länge und die Abstände der Wehen bestimmen.

Grundfrequenz (Basisfrequenz)

Hierbei handelt es sich um die durchschnittliche Herzfrequenz des Babys, gemessen über einen Zeitraum von mindestens zehn Minuten. Normalerweise liegt diese Grundfrequenz bei 110 bis 160 Herzschlägen pro Minute. Von einer Tachykardie wird Dein Arzt sprechen, wenn die Grundfrequenz länger als zehn Minuten über 160 Schlägen pro Minute liegt. Von einer Bradykardie spricht man, wenn die Grundfrequenz länger als zehn Minuten bei unter 110 Schlägen pro Minute liegt.

Bandbreite (Oszillation)

Diese bezeichnet die Differenz zwischen der höchsten und der tiefsten gemessenen Herzfrequenz. Bei einem normalen Befund schwankt die Herzfrequenz um 5 bis 25 Schläge pro Minute. Eine geringere Schwankung kann beispielsweise in Phasen auftreten, in denen das Baby tief schläft. Dies wird auch als Oszillation bezeichnet.

Akzelerationen

Wenn der Herzschlag Deines Babys für 15 Sekunden oder mehr um 15 Schläge pro Minute ansteigt, ist das eine Akzeleration. Diese Schwankungen werden von Deinem kleinen Schatz durch seine Bewegungen verursacht. Ist Dein Baby also während des CTG sehr aktiv, so kann man das auf der Auswertung sehen. Sporadische Akzelerationen sind ein gutes Zeichen dafür, dass das Baby auf einen Mehrbedarf an Sauerstoff reagieren kann, beispielsweise, wenn es sich bewegt.

Dezelerationen

Bricht die Herzfrequenz Deines Babys kurz ein, so spricht man von einer Dezeleration. Die Herzfrequenz fällt also um etwa 15 Schläge pro Minute unter die Baseline. Dabei unterscheidet Dein Arzt zwischen Dezelerationen, die unabhängig oder abhängig von Deinen Wehentätigkeiten während des CTG sind. Hattest Du gerade eine Wehe, dann fällt die Herzfrequenz Deines kleinen Schatzes kurz ab. Das liegt daran, dass während einer Wehe der Mutterkuchen weniger Blut bekommt. Fällt die Herzfrequenz Deines Babys aber erst ab, wenn die Wehe ihren Höhepunkt erreicht hat, dann muss das Dein Arzt auf jeden Fall beobachten.

Beispiel einer CTG-Aufzeichnung mit den Kurven für kindliche Herztöne und Wehentätigkeit.

Was bedeutet der Tonus der Gebärmutter?

Der Toko-Knopf erkennt, wenn sich die Muskulatur der Gebärmutter anspannt und der Bauch hart wird. Oft wird der Toko-Knopf auch als Wehenschreiber betitelt. Dies ist jedoch nicht ganz korrekt. Es stimmt, dass bei einer Wehe sich die Gebärmuttermuskulatur zusammenzieht und dann auch der Bauch hart wird. Dadurch erkennt der Toko-Knopf auch Kontraktionen. Jedoch sagt die Höhe des Ausschlags des Tokos nichts über die Qualität oder die Stärke der Kontraktion aus. Er gibt uns lediglich Auskunft darüber, wie häufig die Kontraktionen auftreten, ob diese regelmässig sind und wie lange sie dauern.

So kann eine Frau zur Schwangerschaftskontrolle kommen und äussern, dass sie noch keine Kontraktionen spüre. Jedoch zeichnet das CTG bereits Kontraktionen auf, da sich der Tonus der Gebärmutter während diesen 30 Minuten immer wieder verändert und der Bauch ab und zu hart wird. Es kann aber auch sein, dass eine Frau etwas fester gebaut ist und der Toko-Knopf deshalb die Veränderungen des Tonus nicht registriert, obwohl diese Frau sich unter der Geburt befindet und bereits kräftige Wehen hat. Manchmal ist der Knopf auch nicht am optimalsten Ort platziert oder ist verrutscht. Somit ist es wichtig zu wissen, dass die einzige Person, die etwas über die Intensität der Wehen sagen kann, die werdende Mutter ist.

Warum wird ein Tokogramm geschrieben?

Es hilft uns nämlich auch bei der Beurteilung der Herztöne. Viele Kinder reagieren in der Austreibungsphase mit ihren Herztönen durch den entstehenden Druck. Dies ist in einem gewissen Mass auch physiologisch. Es ist aber wichtig zu sehen, ob diese Herztonveränderungen in Zusammenhang mit einer Kontraktion stehen. So können wir die Situation besser einschätzen. Auch hilft uns das Tokogramm weiter, wenn die Frau zum Beispiel eine PDA hat und die Wehen kaum mehr spürt. Jedoch ist es auch immer eine wichtige Aufgabe der betreuenden Hebamme die Kontraktionen zu palpieren und sich selbst ein Bild zu machen, unabhängig des Tokogramms.

Weitere Untersuchungen bei auffälligen CTG-Werten

Ist Dein CTG auffällig, heißt das nicht zwangläufig, dass mit Deinem Baby etwas nicht in Ordnung ist. Verlaufen die Kurven "nicht normal", sind die Ursachen ganz unterschiedlich. Vielleicht ist Dein Baby gerade müde und schläft während der Untersuchung oder es ist einfach sehr aktiv. Dein Arzt wird Dich über die Ergebnisse ganz genau aufklären.

Damit Dein Arzt absolut sicher sein kann, dass es Deinem Baby auch wirklich gut geht, wird er vielleicht noch weitere Untersuchungen anordnen. Auch diese sind völlig ungefährlich für Dich und Dein Baby.

Dopplersonographie

Damit Dein Arzt überprüfen kann, ob der Blutfluss in den Gefässen Deines Babys in Ordnung ist, wird er diese spezielle Form der Ultraschall-Untersuchung anwenden.

Kineto-CTG

Hierbei werden neben den Herztönen und den Wehentätigkeiten auch noch die Bewegungen Deines kleinen Schatzes aufgezeichnet. Wenn sich Dein Baby wenig bewegt, kann es ein Anzeichen dafür sein, dass es zu wenig Sauerstoff bekommt.

Wehenbelastungstest (Oxytocin-Herausforderungstest)

Dieses Verfahren soll sicherstellen, dass Dein Baby genügend Sauerstoff bekommt, wenn Du Wehen hast. Dazu bekommst Du das Hormon Oxytocin verabreicht.

CTG Beispiele

Der erste Herzschlag: Ein emotionaler Moment

Wenn werdende Eltern zum ersten Mal den Herzschlag ihres noch ungeborenen Babys hören, bekommen sie nicht selten Tränen in den Augen. Den ersten Herzton zu hören, gilt als einer der emotionalsten Momente während der Schwangerschaft. Ab SSW 6 fängt das kleine Herz deines Kindes an zu schlagen. Hast du in dieser Woche deinen Kontrolltermin bei deinem Gynäkologen/deiner Gynäkologin, kannst du mit etwas Glück schon die ersten Herztöne deines Babys hören. Die erste Ultraschall-Untersuchung findet in dieser Zeit der Schwangerschaft statt, also zwischen SSW 6 und SSW 12, bei dem sogenannten Early Screening. Die meisten Early Screenings werden ab der 9. Woche gemacht.

CTG während der Geburt

Seit der Neuregelung ab Januar 2021 gehört das CTG auch in der Geburtsklinik nicht mehr zu den Routineuntersuchungen. Wahrscheinlicher ist es aber, dass dir ein CTG angeboten wird. Wenn du Zweifel an der Notwendigkeit hast, lass dir erklären, warum es von den Hebammen oder Ärzten als notwendig erachtet wird. Es gibt bestimmte Gründe, bei denen ein CTG während der Geburt begründet sein kann. Bei bestimmten gesundheitlichen Komplikationen kann sogar ein Dauer-CTG angeordnet werden.

Gemäß der S3-Leitlinie "Vaginale Geburt am Termin" sollten die Herztöne des Babys während der Eröffnungsphase von den Geburtshelfern regelmäßig (alle 15 bis 30 Minuten) mit einem Pinard-Hörrohr oder per Doppler-Ultraschall abgehört werden. Hierfür ist jedoch eine 1:1-Betreuung durch kompetentes Personal notwendig. Leider ist diese Voraussetzung derzeit in vielen Geburtskliniken nicht gegeben. In bestimmten Fällen ist es jedoch ratsam, das Baby während der gesamten Entbindung per CTG zu überwachen.

Ab der Austreibungsphase ist ein fortlaufendes CTG sinnvoll. Besonders dann, wenn während Ihrer Schwangerschaft oder während der Wehen Komplikationen aufgetreten sind, die Wehen eingeleitet wurden oder eine PDA liegt. Wird die Plazenta oder die Nabelschnur in dieser kritischen Phase schlecht durchblutet, gelangt zu wenig Sauerstoff zum Kind, was sich mit dem Absinken der Herzfrequenz bemerkbar macht.

Eine Grafik, die die verschiedenen Stadien der fetalen Herzfrequenzüberwachung während der Geburt darstellt.

Fachpersonen sind sich nicht einig, ob bei einem normalen Verlauf der Schwangerschaft und Wehen in der Eröffnungsphase eine kontinuierliche CTG-Überwachung notwendig ist. Bei einer normalen Geburt ohne vorbestehende Risiken können die Herztöne des Kindes von Zeit zu Zeit kontrolliert werden. Diese periodische Überwachung geschieht dann entweder mit dem CTG oder einem Dopton, einem kleinen tragbaren Handgerät zum Abhören der kindlichen Herztöne.

Der FIGO-Score und die Beurteilung von CTG-Mustern

Um das Wohlbefinden deines Babys zu beurteilen, schauen sich die Ärzte und Hebammen alle Werte des CTGs genau an und es wird ein Gesamtergebnis ermittelt, nach dem das CTG entweder als normal, suspekt oder pathologisch gilt. Wird das CTG als suspekt oder pathologisch eingestuft, so gilt es als auffällig.

Der FIGO-Score ist ein international anerkanntes System zur Auswertung eines CTGs und wurde von der Internationalen Föderation für Gynäkologie und Geburtshilfe entwickelt. Der Score hilft Ärzten und Hebammen, die Herzfrequenzmuster systematisch zu bewerten und die Situation klar einzuschätzen.

  • Kategorie I: Normal - Ein normales Muster prognostiziert dringend einen normalen fetalen Säure-Basen-Status zum Zeitpunkt der Beobachtung. Dieses Muster hat alle der folgenden Eigenschaften: HR 110 bis 160 Schläge/Minute als Baseline, moderate HR-Variabilität (von 6 bis 25 Schlägen), kein später oder variabler Abfall während der Wehen.
  • Kategorie II: Unbestimmt - Jedes Muster, das nicht eindeutig als normal oder abnormal eingestuft wird. Unbestimmte Muster erfordern eine enge Überwachung des Fötus, sodass eine Verschlechterung so früh wie möglich erkannt werden kann.
  • Kategorie III: Abnormal - Weist normalerweise auf eine fetale metabolische Azidose zum Zeitpunkt der Beobachtung hin. Dieses Muster wird durch fehlende Baseline-HR-Variabilität mit wiederkehrenden späten oder variablen Dezelerationen, fehlende Baseline-HR-Variabilität sowie Bradykardie oder ein sinusförmiges Muster charakterisiert. Abnormale Muster erfordern sofortige Maßnahmen zur Korrektur oder Vorbereitung für eine beschleunigte Entbindung.

Bei einem suspekten CTG wird zunächst überlegt, was die Ursache für die auffälligen Werte sein könnten und es werden konservative Maßnahmen unternommen. Danach wird erneut ein CTG geschrieben. In diesem Fall ist das Risiko hoch, dass das Kind nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Aus diesem Grund sollte neben der Durchführung der oben genannten Maßnahmen ärztliche Hilfe angefordert und die CTG-Werte regelmäßig alle 10 Minuten überprüft werden. Gegebenenfalls wird zur weiteren Kontrolle des Gesundheitszustandes des Babys eine Fetalblutanalyse durchgeführt.

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