Die Frage, ob Donald Trump, dem die Umfragen im Endspurt einen leichten Vorteil gegenüber Kamala Harris verheißen, gut für Israel und die Juden ist, gleicht einer talmudischen Debatte. Vorweg zu den Fakten: Eine Umfrage zeigt, dass 72 Prozent der Juden Amerikas Harris bevorzugen. Was bewegt sie? Israel steht dabei an dritter Stelle, hinter Wirtschaft und Abtreibung.
Ein Blick zurück in die Geschichte offenbart, dass die jüdische Wählerschaft in den USA seit den 1930er und 1940er Jahren, als bis zu 90 Prozent für den Demokraten Franklin D. Roosevelt stimmten, traditionell den Demokraten nahesteht. Diese Tendenz, wenn auch mit leicht sinkender Tendenz, hat die Demokraten zur „jüdischen Partei“ gemacht. Neu in dieser Konstellation ist jedoch eine Verschiebung innerhalb der Demokratischen Partei. Ein mächtiger linker Flügel sieht Israel als „kolonialistischen Siedlerstaat“ und setzt sich für Quoten an Spitzenuniversitäten ein, die Schwarze und Latinos begünstigen. Dies führt zu einem Rückgang der Zahl jüdischer Studenten in der „Efeu-Liga“.
Im Gegensatz dazu positionieren sich die Republikaner mit einer Politik, die keine Bevorzugung für Nichtweiße vorsieht, freie Bahn für Leistung verspricht, pro-Israel ist und Redefreiheit anstelle von Sprachregelungen propagiert. Dennoch wird Donald Trump kritisch gesehen. Er wird als „Händler des Hasses“ wahrgenommen und steht nicht für den liberalen Staat, den Juden schätzen, da dieser ihnen den Aufstieg aus den Ghettos ermöglicht und sie zur erfolgreichsten Minderheit in der US-Geschichte gemacht hat.

Der fiktive talmudische Disput: Trump als Retter Israels?
Im Zentrum der Debatte steht der fiktive Disput zwischen Rabbi Elieser, der in Trump den Retter Israels sieht, und Rabbi Akiva, der die strategische Partnerschaft zwischen Amerika und Israel unter Biden betont. Rabbi Elieser führt als Indizien für Trumps Unterstützung Israels dessen Äußerungen am Jahrestag des 7. Oktober 2023 an, in denen er vor „Vernichtung“ warnte. Er verweist auf Trumps Handlungen in seiner ersten Amtszeit: die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem, die Anerkennung der Annexion des Golan und die Durchsetzung der „Abraham Accords“, die Frieden mit diversen muslimischen Staaten festschreiben sollen. Zudem habe Trump den Atom-Deal mit dem Iran aufgekündigt und neue Sanktionen verhängt, da der Bombenbau weiterging.
Rabbi Akiva entgegnet, dass Biden zweimal Israel bei der Abwehr iranischer Raketen unterstützt habe und die strategische Partnerschaft zwischen Amerika und Israel funktioniere. Elieser kontert, dass auf Harris wegen ihrer dominanten Linken kein Verlass sei, insbesondere wegen ihrer woken Kulturpolitik, die gegen jüdische Werte wie Individualrechte, Leistung und freien Diskurs stehe.
Das Dilemma der amerikanischen Juden
Dieses Szenario beleuchtet das Grunddilemma für Amerikas Juden: Einerseits stehen ihnen die Demokraten traditionell näher, andererseits war Trump als Präsident ein verlässlicher Freund des jüdischen Staates. Seine Rhetorik mag jenen Juden Trost spenden, denen Israel am Herzen liegt. Harris-Fürsprecher Akiva widerspricht jedoch und warnt, dass auf Trumps Parolen kein Verlass sei und er mit den Ultrarechten flirtet, die antisemitische Verschwörungstheorien verbreiten.
Dieser Disput mag erhellend sein, ist aber in der realen Politik nicht entscheidend. Die Umfragen zeigen weiterhin, dass die jüdischen Wähler mit überwältigender Mehrheit für Harris stimmen werden. Das jüdisch-amerikanische Herz schlägt grundsätzlich mitte-links, wie seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Zwar nagen Harris und ihr radikalisierter linker Flügel am Vertrauen, doch die Wahl fällt nicht auf den unberechenbaren Wüterich Trump. Die alte Liebe rostet nicht.
Warum verändert sich das Verhältnis zwischen Israel und den USA?
Die politische Landschaft in Deutschland und Europa: Populismus statt Faschismus?
Der Artikel thematisiert auch die politische Landschaft in Deutschland und Europa, insbesondere die wachsende Bedeutung von Rechtspopulisten. Medienberichte deuten darauf hin, dass der Iran-Krieg vom Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages als völkerrechtswidrig eingestuft wurde. Die Debatte über die Abtreibung und die Rolle von linken und feministischen Strömungen in den USA wird ebenfalls aufgegriffen und kritisch beleuchtet, wobei Behauptungen über „postnatale Abtreibung“ als grob irreführend eingestuft werden.
Die Analyse kritisiert die Darstellung von Faschismus 2.0 und argumentiert, dass die aktuelle politische Situation eher von „Populismus“ geprägt ist, der sich rechts wie links gegen den liberalen Staat richtet. Die Erfolge der AfD in Ostdeutschland und das Aufkommen der Partei Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) werden als Phänomene betrachtet, die nicht mit dem historischen Faschismus vergleichbar sind. Diese Parteien teilen eine prorussische und antiamerikanische Haltung in der Außenpolitik und fordern Umverteilung und einen starken Versorgungsstaat im Inland.
Als Ursachen für den Aufstieg des Populismus werden der Kulturkampf und Klasseninteressen genannt. Die Forderungen nach Respekt, sicheren Grenzen und Wohnbezirken sowie die Angst vor dem sozialen Abstieg spielen dabei eine entscheidende Rolle. Der Artikel betont, dass der Rechtsstaat wehrhaft ist, wie der 6. Januar 2022 gezeigt habe, und dass die liberale Demokratie auf die Bedürfnisse der Wähler hören und den Entfremdeten beweisen müsse, dass die „Elite“ nicht verbissen an ihren Projekten festhält.
Die politische Marktlogik fordere konkurrierende Angebote statt Ausgrenzung. Die Bedürfnisse der als „Abgehängte“ bezeichneten Bevölkerungsgruppen müssten aufgefangen, die „Umerziehung“ heruntergefahren, Grenzen gegen Massenmigration gefestigt und die Sicherheit in „Brennpunkten“ gestärkt werden. Der Artikel schließt mit der Feststellung, dass der Westen sich sputen müsse, um das Gespenst des Populismus zu verjagen, indem er den Bürgern signalisiert: „Wir haben euch verstanden.“

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