Hebammenzentrale Uelzen: Unterstützung für junge Familien am Königsweg

In den ersten Lebensmonaten stellen Eltern wichtige Weichen für die weitere Entwicklung ihres Kindes. Eltern, die früh unterstützt und gestärkt werden, können auch ihr Kind stärken. Kinder, die früh gestärkt werden, können sich gut entwickeln.

Das Angebot der Familien-Hebamme

Die Familien-Hebamme kann von der Schwangerschaft bis zum ersten Geburtstag des Kindes in die Familie kommen und hilft, wenn frisch gebackene Mütter oder junge Familien Unterstützung benötigen. Dabei handelt es sich um erfahrene Hebammen mit einer sozialpädagogischen Zusatzqualifikation. Sie betreuen Frauen in der Schwangerschaft und bis zu einem Jahr nach der Geburt in verschiedenen Lebenslagen:

  • Wenn die Frauen minderjährig sind.
  • Wenn sie unsicher im Umgang mit ihrem Kind sind.
  • Wenn sie psychisch stark belastet sind oder Probleme mit der Beziehung zu ihrem Kind haben.
  • Wenn sie sich in einer schwierigen Lebenslage befinden oder Bedarf an sozialer Unterstützung haben.
  • Wenn sie Hilfe bei der Alltagsbewältigung benötigen.
  • Wenn sie sich als Migrantin im deutschen Gesundheitswesen schwer zurechtfinden.
  • Wenn sie Gewalt erfahren haben oder süchtig sind.
  • Aus anderen Gründen Unterstützung bedürfen.

Das Angebot der Familien-Hebammen im Landkreis Uelzen wird durch den Landkreis Uelzen gefördert.

Ansprechpartnerin in der Hebammenzentrale: Tanja Neumann, langjährige freiberufliche Hebamme, mit einer Puppe auf dem Arm.

Die Hebammenzentrale im Landkreis Gifhorn

Die Hebammenzentrale, die jeden Mittwoch von 10 bis 14 Uhr Sprechstunde hat, möchte junge Mütter und ihre Familien vor und nach der Geburt bestmöglich unterstützen. Das vor drei Jahren geschaffene Angebot des Landkreises Gifhorn gibt es nun seit kurzem auch im Nordkreis.

Der Hintergrund ist laut der Gleichstellungsbeauftragten Christine Gehrmann ein Hebammenmangel - längst nicht jede junge Mutter finde die gewünschte Betreuung. „Für die freiberuflich arbeitenden Hebammen sind nicht so viele Hausbesuche möglich, wie nötig wären, sie haben dafür nicht genügend Zeit.“

An dieser Stelle kommt die Hebammenzentrale ins Spiel. Tanja Neumann und Nina Petrakov, die beiden Ansprechpartnerinnen im Wittinger Beratungshaus, verfolgen als oberstes Ziel die Vermittlung ihrer Klientinnen an eine niedergelassene Hebamme, die die gängigen Kassenleistungen wie Vorsorge, Nachsorge, Rückbildungskurse und Stillberatung bietet. Wenn aber trotz Unterstützung bei der Suche keine Hebamme gefunden wird, dann gibt es am Hindenburgwall neben Beratung auch ganz praktische Hilfe bei Themen wie Wickeln, Stillen oder Rückbildungsgymnastik.

„Wir sehen unser Angebot als Ergänzung und Entlastung der freiberuflichen Hebammen, nicht als Konkurrenz“, betont Neumann. So werden für Frauen ohne Hebammenbetreuung auch Kurse angeboten, etwa zur Geburtsvorbereitung oder zu Themen wie Wochenbett oder Beikost.

Derzeit läuft die Suche nach Räumlichkeiten in Wittingen, in denen zum Beispiel auch Rückbildungsgymnastik als Kursangebot stattfinden kann. Bei Kochkursen für Babybrei - voraussichtlich in der Wittinger IGS - soll mit den Landfrauen zusammengearbeitet werden.

Infografik zur Verteilung von Hebammen im ländlichen Raum.

Zielgruppe und Kosten

Die Anlaufstelle am Hindenburgwall soll für Nordkreislerinnen kurze Wege bieten. Hausbesuche machen Neumann und Petrakov nicht. Zielgruppe für die Beratung sind Schwangere und Wöchnerinnen sowie junge Familien bis zum 1. Geburtstag des Kindes. Weil der Landkreis Gifhorn sich diese Unterstützung zur freiwilligen Aufgabe gemacht hat, sind die Leistungen der Hebammenzentrale kostenlos.

Herausforderungen und Lösungsansätze

Kreisweit gibt es laut Neumann 18 selbstständige Hebammen, das Gros davon im Südkreis. Das sei nicht viel, und nicht alle würden in Vollzeit arbeiten, und so passe sich auch das Kreisgebiet in eine bundesweite „Landkarte der Unterversorgung“ ein. Aus Gehrmanns Sicht wiegt das umso schwerer, weil der Landkreis wächst und in den Neubaugebieten viele junge Familien wohnen.

Wenn die persönliche Situation es erfordert, dann können junge (werdende) Mütter sich auch via Smartphone beraten lassen. Gehrmann und Neumann sind sich allerdings sicher, dass gerade der praktische Umgang mit einem Baby sich auf digitale Weise nicht adäquat und schon gar nicht durch Internet-Portale vermitteln lässt - sondern dass persönliche Betreuung dafür der Königsweg ist.

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