Sechslinge: Eine seltene medizinische Sensation

Die Geburt von Sechslingen ist ein äußerst seltenes Ereignis, das statistisch nur einmal unter 4,4 Milliarden Geburten vorkommt. In der Berliner Charité wurde kürzlich eine solche Sensation Realität: Vier Mädchen und zwei Jungen erblickten das Licht der Welt. Die Mutter befand sich zum Zeitpunkt der Entbindung in der 27. Schwangerschaftswoche, was bei Mehrlingsschwangerschaften nicht ungewöhnlich ist. Trotz der anspruchsvollen Umstände verlief die Entbindung dank der hohen Motivation der Mutter und des engagierten medizinischen Teams problemlos.

Darstellung einer Mehrlingsschwangerschaft mit sechs Föten

Besonderheiten und Herausforderungen bei Mehrlingsschwangerschaften

Mehrlingsschwangerschaften, insbesondere solche mit höhergradigen Mehrlingen wie Sechslingen, stellen eine erhebliche körperliche Belastung für die Mutter dar und gelten als Risikoschwangerschaften. Jede Mehrlingsgeburt wird entsprechend als Risikogeburt eingestuft.

Entstehung von Mehrlingen

Mehrlinge können auf natürliche Weise durch zwei wesentliche Mechanismen entstehen:

  • Reifung und Befruchtung mehrerer Eizellen: Wenn mehrere Eizellen gleichzeitig heranreifen, befruchtet werden und sich erfolgreich in die Gebärmutter einnisten, entstehen mehreiige (polyzygote) Mehrlinge. Zwei Eizellen führen zu Zwillingen (zweieiige oder dizygote Zwillinge), drei zu Drillingen und so weiter.
  • Teilung einer befruchteten Eizelle: Teilt sich eine befruchtete Eizelle einmal, entstehen eineiige Zwillinge (monozygote Zwillinge). Erfolgt die Teilung mehrfach, können auch höhergradige eineiige Mehrlinge wie eineiige Drillinge oder Vierlinge entstehen.

In seltenen Fällen kommt es zu einer Kombination beider Mechanismen. Beispielsweise können zwei Eizellen befruchtet werden, von denen sich nur eine teilt. Dies führt zu einer sogenannten gemischten Mehrlingsschwangerschaft mit sowohl eineiigen als auch zweieiigen Anteilen.

Künstliche Entstehung von Mehrlingen

Seit der Entwicklung der künstlichen Befruchtung kommen mehreiige Mehrlingsschwangerschaften generell häufiger vor. Dies geschieht durch:

  • Übertragung mehrerer Embryonen bei IVF: Im Zuge einer In-vitro-Fertilisation (IVF) werden mehr als ein Embryo in die Gebärmutter übertragen, um die Erfolgschancen zu erhöhen.
  • Hormonelle Stimulation: Eine hormonelle Stimulation kann dazu führen, dass mehr als eine Eizelle gleichzeitig heranreift.

Diese Methoden erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Mehrlingsgeburten erheblich. In Deutschland ist die Übertragung von mehr als zwei Embryonen bei einer künstlichen Befruchtung nicht erlaubt, während in anderen Ländern wie Spanien und Polen mehr als drei Embryonen im Mutterleib heranwachsen dürfen.

Formen von Mehrlingen

Mehrlinge können sich in Bezug auf Plazenta und Fruchtwasserschläuche unterscheiden:

  • Monochorial-monoamnial: Alle Föten teilen sich eine gemeinsame Plazenta und eine einzige Fruchthöhle. Diese Form ist extrem selten und tritt nur bei einer späten Teilung aus einer einzigen Zygote auf.
  • Monochorial-diamnial: Alle Föten teilen sich eine Plazenta, haben jedoch separate Fruchthöhlen.
  • Dichorial-diamnial: Jeder Fötus hat eine eigene Plazenta und Fruchthöhle. Dies ist typisch für zweieiige oder Mischformen.

Unterscheidung von eineiigen und mehreiigen Mehrlingen

Ob Mehrlinge eineiig oder mehreiig sind, lässt sich während der Schwangerschaft nicht immer eindeutig feststellen. Das Teilen einer Plazenta deutet auf eineiige Mehrlinge hin. Haben die Föten eigene Plazenten, können sie sowohl mehreiig als auch eineiig sein, da auch eineiige Mehrlinge separate Fruchthöhlen und Plazenten entwickeln können. Für die medizinische Betreuung ist es entscheidend zu klären, ob die Föten eine gemeinsame Plazenta und/oder Frucht­höhle teilen, was mittels Ultraschalluntersuchungen beurteilt wird.

Statistische Häufigkeit und Risikofaktoren

Die Häufigkeit von Mehrlingsgeburten nimmt mit steigender Kinderzahl exponentiell ab. Die sogenannte Hellin-Regel oder Hellin-Hypothese beschreibt diese Wahrscheinlichkeiten:

  • Zwillinge: ca. 1:80 Geburten
  • Drillinge: ca. 1:6.400 Geburten
  • Vierlinge: ca. 1:512.000 Geburten
  • Fünflinge: ca. 1:40.960.000 Geburten

Die Geburt von Sechslingen ist demnach extrem unwahrscheinlich.

Faktoren, die Mehrlingsschwangerschaften beeinflussen

Folgende Faktoren beeinflussen vor allem mehreiige Mehrlingsschwangerschaften:

  • Genetische Faktoren: Eine familiäre Vorgeschichte von Mehrlingsgeburten, insbesondere auf mütterlicher Seite, erhöht die Wahrscheinlichkeit. Frauen afrikanischer Abstammung haben häufiger Mehrlingsgeburten.
  • Alter und Hormone: Frauen zwischen 35 und 40 Jahren produzieren häufiger mehrere Eizellen pro Zyklus, da der Spiegel des follikelstimulierenden Hormons (FSH) mit dem Alter steigt.
  • Anzahl früherer Geburten: Frauen, die bereits Kinder geboren haben, haben ein geringfügig höheres Risiko für Mehrlingsschwangerschaften.
  • Ernährung: Eine proteinreiche Ernährung oder ein hoher Konsum von Milchprodukten könnte das Risiko erhöhen.
  • BMI: Frauen mit einem höheren Body-Mass-Index (BMI) haben eine leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit.
  • Medizinische Faktoren: Fruchtbarkeitsbehandlungen wie hormonelle Stimulationen und IVF erhöhen das Risiko signifikant.

Medizinische Betreuung und Risiken

Mehrlingsschwangerschaften sind mit zahlreichen Risiken für Mutter und Kinder verbunden. Dazu gehören Frühgeburten, Präeklampsie, Wachstumsverzögerungen der Babys und eine erhöhte Sterblichkeit der Mütter. Die Frühgeborenen sind oft nicht in der Lage, selbstständig zu atmen, zu schlucken oder zu saugen. Ihre Organe wie Herz, Leber und Lungen sind noch nicht voll entwickelt, was zu Komplikationen wie Hirnblutungen führen kann.

Intensive medizinische Überwachung

Die Geburt der Berliner Sechslinge fand in der 27. Schwangerschaftswoche statt. Die Babys werden intensivmedizinisch betreut und müssen zunächst künstlich ernährt werden. Stillversuche sind frühestens in fünf Wochen möglich, und die Entlassung aus der Klinik erfolgt erst, wenn die Kinder stabil genug sind. Die Ärzte betonen, dass jeder zusätzliche Tag in der Gebärmutter die Überlebenschancen erhöht hat.

Selektiver Fetozid als Option

In Fällen von hochgradigen Mehrlingsschwangerschaften kann ein selektiver Fetozid (Reduktion der Föten) in Erwägung gezogen werden. Dabei werden gezielt ein oder mehrere Föten abgetrieben, um die Überlebens- und Entwicklungschancen der verbleibenden Kinder zu erhöhen. Diese Entscheidung liegt letztlich bei den Eltern, und sie ist mit erheblichen ethischen und emotionalen Belastungen verbunden.

Historische und weltweite Perspektive

Die Geburt von Sechslingen ist eine medizinische Sensation, die weltweit für Aufsehen sorgt. In Deutschland gab es in den letzten Jahrzehnten nur wenige Sechslingsgeburten, darunter:

  • 1988 in Aachen: Eines der Kinder starb kurz nach der Geburt.
  • 1986 in München: Die Mutter verstarb nach der Geburt, und einer der Jungen erlag wenige Wochen später einer Darmentzündung.

Die Überlebenschancen von Frühgeborenen haben sich durch medizinische Fortschritte in den letzten Jahren erheblich verbessert. Weltrekorde bei Mehrlingsgeburten reichen bis zu Zehnlingen, wobei solche extremen Fälle oft nicht vollständig medizinisch dokumentiert sind.

Das Geheimnis der eineiigen Drillinge GERMAN DOKU

Fazit und Ausblick

Die Geburt der Sechslinge in der Berliner Charité ist ein beeindruckendes Beispiel für die Fortschritte der modernen Medizin und die Widerstandsfähigkeit des menschlichen Körpers. Gleichzeitig unterstreicht sie die komplexen medizinischen, ethischen und emotionalen Herausforderungen, die mit solchen außergewöhnlichen Schwangerschaften verbunden sind. Die Privatsphäre der Familie wird von der Klinik geschützt, um ihnen die nötige Ruhe für die Erholung und die erste Zeit mit ihren sechs Kindern zu ermöglichen.

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