Die Geburt eines Kindes ist ein einmaliges Erlebnis, das idealerweise nach den Wünschen der Frau gestaltet wird. Jede Schwangerschaft und Geburt ist individuell, und Hebammen begleiten Frauen unterstützend durch diese besondere Zeit - von der Schwangerschaft über die Geburt bis hin zum Wochenbett. Viele Fragen und Bedenken können bereits im persönlichen Gespräch mit erfahrenen Hebammen geklärt werden, und körperliche sowie seelische Beschwerden lassen sich oft mit einfachen Maßnahmen lindern.

Herausforderungen im Berufsalltag einer freiberuflichen Hebamme
Susanne Wallisch, eine 42-jährige freiberufliche Hebamme aus Frankfurt, beschreibt ihren Beruf als den schönsten, den sie sich vorstellen kann. Trotz dieser positiven Einschätzung sieht sie sich mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert, die aus den schwierigen Arbeitsbedingungen resultieren. Sie arbeitet in ihrer Praxis „Midwifery“ und ist nicht fest in einer Klinik angestellt. Ihr Tagesgeschäft umfasst die Betreuung von etwa sieben Frauen, sowohl in der Praxis als auch durch Hausbesuche, sowie die Durchführung von Pflege- und Rückbildungskursen.
Um ihren Beruf wirtschaftlich ausüben zu können, ist sie auf diese vielfältigen Tätigkeiten angewiesen. Ihre Arbeit gliedert sich in die Vorsorge und die Nachsorge. Während der Vorsorgephase, einige Wochen vor dem Geburtstermin, berät und untersucht sie schwangere Frauen und übernimmt Aufgaben, die über die üblichen gynäkologischen Untersuchungen hinausgehen. Besonders intensiv gestaltet sich jedoch die Nachsorge nach der Geburt, die sich auf die Gesundheit von Mutter und Kind sowie deren psychisches Wohlbefinden konzentriert. In den ersten Tagen nach der Entbindung besucht Wallisch Mutter und Kind täglich und in den darauffolgenden Wochen in größeren Abständen.

Vergütung und Arbeitsbelastung
Mehr als 18.000 freiberufliche Hebammen arbeiten bundesweit, doch nur etwas mehr als 4.000 von ihnen bieten auch Geburtshilfe an und begleiten Frauen in die Klinik. Susanne Wallisch erklärt, dass der Hebammenberuf bereits ohne Geburtshilfe extrem zeitaufwendig ist. Mit Geburtshilfe wird das Zeitmanagement unkalkulierbar, und die Vergütung wird als zu niedrig empfunden. Seit Kurzem erhalten Hebammen für einen Hausbesuch 40,38 Euro, zuvor waren es 38,46 Euro. Wallisch betont, dass der Beruf sowohl emotional als auch zeitlich sehr anspruchsvoll ist und eine hohe Verantwortung mit sich bringt. Um profitabel zu arbeiten, müsste sie jeden Hausbesuch nach 20 Minuten beenden. Dies sei jedoch angesichts der emotionalen Belastung der Frauen, die oft mit Stillproblemen oder anderen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, nicht praktikabel. Sie ist auch bereit, am Wochenende zur Stelle zu sein und abends wichtige Fragen per SMS zu beantworten.
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Hohe Versicherungskosten als finanzielle Belastung
Ein signifikanter Kostenfaktor für freiberufliche Hebammen sind die Versicherungskosten. Susanne Wallisch zahlt monatlich 657 Euro Sozialversicherung, zuzüglich der Krankenversicherung. Hinzu kommen über 1.000 Euro pro Jahr für die Haftpflichtversicherung. Für Hebammen, die Geburtshilfe leisten, steigen die Kosten für die Haftpflichtversicherung auf 12.659 Euro jährlich. Die Vergütung für eine Geburt, je nach Geburtsort, liegt oft nur bei etwa 600 Euro.
Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Personalmangel
Susanne Wallisch, selbst Mutter zweier Kinder, versucht, zumindest die Sonntage für ihre Familie freizuhalten, was ihr selten gelingt, da sie meist sieben Tage die Woche im Einsatz ist. Die Suche nach Vertretungen gestaltet sich äußerst schwierig, da alle anderen Hebammen ebenfalls stark ausgelastet sind. Die Frauen, die ihre Dienste benötigen, vertrauen zudem am meisten ihrer bekannten Hebamme.
Dies führt dazu, dass Wallisch täglich bis zu fünf Frauen abweisen muss, was für die Betroffenen oft mit großer Enttäuschung verbunden ist. Sie betreut jährlich etwa 60 Familien und plädiert dafür, den Beruf attraktiver zu gestalten. Sie wünscht sich mehr Zeit für die Familien durch eine bessere Personaldecke und eine angemessenere Vergütung. Die enge menschliche Nähe und die vielen Erlebnisse, die ihr Beruf mit sich bringt, motivieren sie, auf eine positive Veränderung zu hoffen, die mehr junge Menschen für diesen wichtigen Beruf begeistert.

Simulationstrainings für mehr Sicherheit und Teamwork
Susanne Wallisch spielt auch eine wichtige Rolle in der Verbesserung der Sicherheit in Geburtshäusern durch ihre Simulationstrainings. Diese finden alle 8-12 Wochen statt und bereiten das Team optimal auf Notfallsituationen vor. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Kooperation und Kommunikation innerhalb des Teams. Durch fundiertes theoretisches Wissen, kombiniert mit praktischen Übungen in realitätsnahen Szenarien, können die Hebammen die Notfallsituationen nacherleben, Fehler machen und daraus lernen. Solche Trainings fördern eine positive Fehlerkultur, erhöhen die Sicherheit bei außerklinischen Geburten und stärken das Selbstvertrauen der Hebammen, im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben.