Fötusatmung im Qigong: Ein tiefer Einblick

Die Fötusatmung (Embryonale Atmung) stellt die letzte Stufe in der Entwicklung von Atemtechniken dar, bevor man sich der kleinen himmlischen Zirkulation (Xiao Zhou Tian) widmet. Sie baut auf den vorhergehenden Techniken der normalen und umgekehrten Bauchatmung auf und erfordert, dass der Geist die Bauchmuskeln und den Huiyin-Bereich (Dammbereich) auf natürliche und gewohnte Weise steuern kann, ohne dass eine direkte Konzentration auf diese Aktionen nötig ist. Dies bedeutet, dass die Aufmerksamkeit und nicht die Absicht im Vordergrund steht.

Während die ersten beiden Techniken darauf abzielen, mehr Qi (Lebensenergie) im Körper zu produzieren, ist die Embryonalatmung darauf ausgerichtet, dieses überschüssige Qi nicht nur zu kultivieren, sondern es auch im echten unteren Dan Tian, im Zentrum des Bauches, zu speichern. Wird überschüssiges Qi nicht richtig gespeichert, verbraucht es sich hauptsächlich im physischen Körper.

Warum ist die Embryonale Atmung so wichtig?

Diese fortgeschrittene Atemtechnik reaktiviert oder verstärkt die natürliche Qi-Zirkulation, die mit dem "Uratem" eines Fötus im Mutterleib verbunden ist. Dieser ursprüngliche Atemzug ist essentiell für die Aufnahme von Nährstoffen über die Nabelschnur und ist eng mit der Expansion und Kontraktion des Bauchraums sowie des Huiyin-Bereichs verknüpft. Durch sorgfältiges Üben kann man sich an diese vergessene embryonale Atmung "erinnern".

Während der Praxis der Embryonalatmung wird der physische Atemprozess immer subtiler und kann den Anschein erwecken, vollständig aufzuhören. Dies ermöglicht den Zugang zum "Meer des Qi", dem Bereich des echten unteren Dan Tian und Mingmen, um Lebensenergie direkt daraus zu schöpfen.

Schema des menschlichen Energiesystems mit hervorgehobenen Dan Tian-Bereichen.

Die Rolle von Yijin Jing und Xisui Jing Qigong

Die verschiedenen Haltungen des Yijin Jing (Sehnen- und Muskelwandlungs-Qigong) zielen darauf ab, die Menge an Qi zu erhöhen und diese für Kraft und Langlebigkeit im physischen Körper nutzbar zu machen. Dies beinhaltet einen komplexen Prozess, bei dem der Körper entspannt ("song") sein muss, um Bindegewebe und Faszien zu transformieren. Dies repräsentiert den Yang-Teil der Praxis.

Der Yin-Teil ist das Xisui Jing Qigong (Knochenmark-/Gehirnwasch-Qigong), das den Geist reinigt und die effiziente Nutzung des Qi optimiert. Das ultimative Ziel des Xisui Jing ist es, Qi zum Gehirn zu leiten, den Geist zu erheben und Erleuchtung zu erreichen. Innerhalb des daoistischen Yijin Jing kann diese Methode ebenfalls in eine Yin- und Yang-Seite unterteilt werden, wobei Yang sich auf Haltungen und Yin auf Meditation und den kleinen himmlischen Kreislauf bezieht.

Die Entwicklung des Dan Tian

Für die effektive Speicherung von Qi ist es entscheidend, nicht nur zu wissen, wie man Qi im Dan Tian kultiviert, sondern auch, wie man es dort "aufbewahrt". Durch die Erinnerung an den embryonalen Atem und die Verbesserung der natürlichen bioelektrischen Schaltkreise im Körper kann Qi effektiv im Dan Tian gespeichert werden. Dies setzt voraus, dass der Dan Tian durch Qigong-Übungen über die Zeit geformt und entwickelt wurde.

Man kann sich die Entwicklung des Dan Tian wie folgt vorstellen: Anfangs ist der Bereich wie ein Stoffbeutel, der zwar mit Qi (Wasser) gefüllt werden kann, aber ständig wieder "tropft". Durch verschiedene Übungen wird dieser Beutel gestärkt und feiner gewebt, bis die Struktur des Dan Tians "wasserdicht" ist und Qi darin gespeichert werden kann.

Der Dan Tian entwickelt sich am effektivsten, wenn der Geist (die mentale Präsenz) sich auf die Atmung, den Schwerpunkt und die Bewegung im Dan Tian konzentriert. Um überschüssiges Qi zu speichern, muss der Geist am echten unteren Dan Tian gehalten werden, damit das Qi nicht von seinem "Wohnort" weggeleitet wird. Gleichzeitig wird durch die Bauchatmung mehr Qi im Körper produziert. Wenn das Yi (Weisheitsverstand) am echten unteren Dan Tian gehalten wird, sammelt sich dort Qi an, bleibt erhalten und die Körperfunktionen werden effizient reguliert.

Unterschied zwischen falschem und echtem Dan Tian

Die Vorderseite des Bauches wird als "falscher Dan Tian" bezeichnet. Obwohl hier Qi erzeugt und akkumuliert werden kann, fließt es sofort in das Konzeptions- und Lenkergefäß, die zwei Haupt-Qi-Gefäße entlang der Mittellinie der Vorder- und Rückseite des Körpers. Dies bedeutet, dass es in den natürlichen bioelektrischen Schaltkreisen verteilt und im physischen Körper verwendet wird.

Um Qi zu speichern, muss die Embryonalatmung angewendet und der Geist (Yi) auf dem echten unteren Dan Tian gehalten werden, der sich etwa zwei bis drei Zoll unterhalb des Nabels und nach innen, vor dem Mingmen, befindet. Voraussetzung dafür ist die Lokalisierung und Entwicklung des echten unteren Dan Tian.

Vier Schritte zum Erlernen der Embryonalatmung

Sobald eine reibungslose und natürliche normale und umgekehrte Bauchatmung entwickelt wurde, kann die Embryonalatmung in vier Schritten erlernt werden:

  1. Körperregulation und Entspannung: Erreichen Sie einen tiefen Entspannungszustand und lösen Sie jegliche körperliche Spannung. Insbesondere die Bauchmuskeln sollten sich nur sanft bewegen, ohne zusätzliche Anstrengung. Wo immer Muskeln angespannt sind, wird Qi verbraucht.

  2. Atmungsregulation: Die Atmung sollte schlank, lang und entspannt sein. Stellen Sie sicher, dass Sie tatsächlich in den unteren Bauch atmen. Die Koordination des Atems mit der Bewegung des Bauches und des Huiyin sollte glatt und natürlich erfolgen, ohne Spannung zu erzeugen. Mit der Zeit wird der Atem sehr tief und langsam, und es kann das Gefühl entstehen, physisch gar nicht mehr atmen zu müssen, da die sanfte automatische Bewegung des Abdomens und des Huiyin ausreicht, um den Körper mit Sauerstoff zu versorgen.

  3. Lokalisierung der Yin- und Yang-Zentren: Lokalisieren Sie das Yin-Zentrum (im Kopf, Oberer Dan Tian) und das Yang-Zentrum im echten unteren Dan Tian. Die umgekehrte Bauchatmung erleichtert die Lokalisierung des Yang-Zentrums. Beim Einatmen zieht sich der Bauch nach innen, und gleichzeitig bewegt sich der Mingmen von hinten ebenfalls nach innen zurück. Durch gleichzeitige Konzentration auf den Bauchbereich vorne und den unteren Rückenbereich kann der Mittelpunkt lokalisiert werden. Es ist wichtig, dies mit der Auf-Ab-Bewegung des Huiyin abzustimmen. Sobald der Geist natürlich im echten unteren Dan Tian gehalten werden kann, muss auch das Yin-Zentrum des oberen Dan Tian fokussiert werden. Shen (Geist) wohnt im oberen Dan Tian, Qi im unteren Dan Tian. Durch gleichzeitige Konzentration auf beide Zentren kann der Geist gehoben und ein konzentrierter, aber ruhiger Geisteszustand erreicht werden, während Qi durch die umgekehrte Bauchatmung im echten unteren Dan Tian angesammelt wird.

  4. Vereinigung von Shen und Qi: Dies ist die "Vereinigung von Shen und Qi". Das Qi bleibt an seinem Ort und kann auf einem sehr hohen Niveau gespeichert werden. Shen und Qi, Oberer und Echter Unterer Dan Tian, repräsentieren die beiden Polaritäten der zentralen Energielinie des Körpers. Durch ihre Vereinigung zu einer Singularität wird der Wuji-Zustand (Zustand des Nichts) geschaffen.

Illustration, die die Verbindung von Shen (Geist) im oberen Dan Tian und Qi im unteren Dan Tian zeigt.

Wichtige Aspekte und Empfehlungen für die Praxis

Die Embryonalatmung erfordert ein gut entwickeltes Körperbewusstsein, eine natürliche Bauchatmung, die mit der Auf-Ab-Bewegung des Huiyin abgestimmt ist, sowie die Fähigkeit, die unteren und oberen Dan Tian-Zentren zu lokalisieren und zu spüren. Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, den Geist im Zentrum des echten unteren Dan Tian zu halten, was einen ruhigen, aber konzentrierten Geist erfordert.

Es ist essenziell, selbstkritisch und ehrlich bezüglich des eigenen Fortschritts zu sein. Beginnen Sie mit normaler und dann umgekehrter Bauchatmung. Setzen Sie sich keine Fristen für das Erreichen bestimmter Niveaus oder Techniken. Üben Sie konsequent und lassen Sie die Dinge auf natürliche Weise geschehen. Genießen Sie den Prozess und die Glückseligkeit während der Meditation. Erzwingen Sie nichts und fahren Sie erst mit dem nächsten Schritt fort, wenn Sie sich sicher sind.

Dieser Artikel dient als Hilfestellung und zur Vertiefung des Verständnisses von Qigong. Er ersetzt nicht die Anleitung durch einen erfahrenen Lehrer, der Sie führen, Ihre Empfindungen besprechen und Ihre Fortschritte bewerten kann. Umfangreiche Kurse, wie beispielsweise das Yijin Jing-Programm, enthalten detaillierte Anleitungsvideos und schrittweise Anleitungen zur Beherrschung dieser und anderer Atemtechniken.

Die Grundlagen der Bauchatmung

Die Bauchatmung, auch als "natürliche Atmung" bekannt, ist die intuitive Art der Atmung, die Säuglinge von Geburt an beherrschen. Sie gilt als die optimale Atmung für Entspannung. Leider verlernen viele Menschen im Laufe ihres Lebens diese natürliche Funktion, was zu negativen Auswirkungen führt, oft bedingt durch eine hektische Lebensweise.

Tai Chi und Qigong-Übungen beruhigen und vertiefen den Atem. Durch langsame, fließende Bewegungen harmonisiert sich der Atem mit der Bewegung, der Parasympathikus wird angeregt und der Körper entspannt sich. Regelmäßiges Üben führt dazu, dass die Bauchatmung fast von selbst wieder einsetzt.

Die Vorteile der Bauchatmung sind vielfältig: Der Körper wird ausreichend mit Sauerstoff versorgt, Stoffwechselprozesse laufen besser ab, und das allgemeine Wohlbefinden steigt. Die Bedeutung der Atmung zeigt sich darin, wie kurz wir ohne sie auskommen können.

Mechanismus der Bauchatmung

Bei der Bauchatmung wölbt sich der Bauch beim Einatmen nach außen ("wird dicker") und entspannt sich beim Ausatmen. Dies geschieht, weil das Zwerchfell beim Einatmen nach unten gedrückt wird, was einen größeren "Sog" erzeugt und das Lungenvolumen besser ausnutzt. Die inneren Organe im Unterbauch werden dabei leicht komprimiert und weichen nach vorne aus, was zur sichtbaren Wölbung des Bauches führt.

Dieser Prozess kann bewusst mit viel Aufmerksamkeit geübt werden, bis er wieder natürlich wird und jederzeit im Alltag eingesetzt werden kann. Für Personen, die Schwierigkeiten damit haben, ist das Üben im Liegen mit den Händen auf dem Bauch empfehlenswert, was auch zum Einschlafen förderlich ist.

Eine optimale Übung für die Bauchatmung ist das "Qi Gong-Stehen" oder der Wu Ji-Stand. Die richtige Atmung ist generell eine Methode, um tiefe innere Zufriedenheit und Ruhe zu erreichen.

Praktische Übungen zur Bauchatmung

  • Qi Gong-Stehen: Stehen Sie entspannt, nicht unbedingt tief, aber etwas länger. Richten Sie Ihre gesamte Aufmerksamkeit auf die Atmung. Beginnen Sie mit wenigen Minuten und verlängern Sie die Zeit schrittweise.

  • Sitzen: Sitzen Sie aufrecht auf einem Stuhl (ohne Anlehnen) oder auf einer Couch. Konzentrieren Sie sich ausschließlich auf bewusstes und aufmerksames Atmen. Halten Sie den Rücken gerade und die Brust natürlich aufrecht. Beginnen Sie mit 5 Minuten und lassen Sie sich von nichts ablenken. Beobachten Sie nur den Atem und Ihre Gedanken. Diese Übung kann eine Herausforderung darstellen.

Bauchatmung

Fortgeschrittene Atemtechniken und Konzepte

Die Embryonalatmung ist eng verbunden mit der Praxis des Kleinen Himmlischen Kreislaufs (Xiao Zhou Tian), einer grundlegenden und kraftvollen Qigong-Meditation, die seit Jahrtausenden zur Transformation des Körpers und zur Entwicklung höherer Bewusstseinszustände angewendet wird. Ursprünglich wurde diese Methode als geheime Praxis der Lebenspflege und inneren Kultivierung nur an ausgewählte Schüler weitergegeben.

Die Grundlage des Kleinen Himmlischen Kreislaufs bilden die Acht Wundergefäße, die das primäre Qi der angeborenen Konstitution (Yuan Qi) im Körper verteilen. Das Üben des Kleinen Himmlischen Kreislaufs zielt darauf ab, einen kontinuierlichen Energie- und Lichtstrom entlang zweier dieser Wundergefäße zu schaffen: des Renmai (Konzeptionsgefäß) und des Dumai (Lenker- oder Gouverneur-Gefäß).

Im Mutterleib kreiste die Energie automatisch auf dieser Verbindung: vom Beckenboden durch die Wirbelsäule nach oben, dann auf der vorderen Mittellinie wieder nach unten zum Nabel und weiter zum unteren Elixierfeld (Dantian). Nach der Geburt teilt sich dieser kontinuierliche Energiekreis in Renmai und Dumai. Durch das Üben des Kleinen Himmlischen Kreislaufs wird der ursprüngliche und harmonische Energiefluss wiederhergestellt.

Renmai und Dumai

  • Dumai: Verläuft von der Steißbeinspitze entlang der Wirbelsäule, über den Kopf und endet an der Oberlippe. Er wird als das Meer der Yang-Energie bezeichnet und steht mit allen Yang-Leitbahnen in Verbindung.

  • Renmai: Verläuft vom Beckenboden entlang der Vorderseite des Rumpfes bis unter die Unterlippe. Er ist das Meer des Yin und steht mit allen Yin-Leitbahnen in Verbindung.

Da Ren- und Dumai mit allen 12 Leitbahnen kommunizieren, hat die Arbeit mit diesen Gefäßen eine unmittelbare Auswirkung auf alle Meridiane.

Grafische Darstellung der Renmai- und Dumai-Meridiane im menschlichen Körper.

Weitere fortgeschrittene Konzepte

Umgekehrte Bauchatmung (Nierenatmung): Hierbei wird der Bauch beim Einatmen sanft eingezogen, was eine Kompression im Bauchraum und erhöhten Druck auf die Bauchorgane bewirkt, insbesondere im Nierenbereich. Beim Ausatmen entspannt sich der Bauchraum wieder, was zu einer Druckentlastung führt. Während die normale Bauchatmung Qi im unteren Dantian sammelt, wirkt die umgekehrte Bauchatmung dynamisierend auf den Qi-Fluss.

Körperatmung (Virtuelle Körperatmung): Hierbei liegt der Schwerpunkt auf der Vorstellung, dass durch die Poren der Haut eingeatmet wird. Die Atmung durch Nase oder Mund findet weiterhin statt, ist aber feiner und weniger spürbar. Die Vorstellung des Ansaugens von Luft und Qi durch die Hautporen wird durch die Gegenbauchatmung verstärkt. Das angesaugte kosmische Qi kann als farbiges Licht visualisiert werden (blau steht für universelles Qi).

Intervallatmung ("Schildkrötenatmung"): Diese Technik beinhaltet lange Atempausen, die nach dem Ausatmen die Yin-Funktionen und nach dem Einatmen die Yang-Funktionen im Körper stärken. Die Reduktion der Atemfrequenz sollte jedoch nicht erzwungen werden, um Überlastung zu vermeiden.

Ursprung des Himmels und klares Yang: Diese Konzepte beziehen sich auf das Erreichen eines Zustands der Gedankenleere und tiefen inneren Ruhe, vergleichbar mit dem Zustand des Universums vor seiner Entstehung oder einem klaren Himmel ohne Wolken. Die Praxis zielt darauf ab, den Geist zu beruhigen und den Wesenskern zu erfahren.

Taixi Gong: Diese Qigong-Form aus der alten chinesischen Alchemie wird als "QiGong der embryonalen Atmung" bezeichnet und zielt auf die Bildung der "inneren Perle" ab. Sie ist der zweite Teil einer Trilogie, die mit den "Acht Brokaten" beginnt und mit "Shen Dan Gong" endet. Beim Taixi Gong wird das Qi gesammelt, wobei der Anteil der Bewegung die Stille überwiegt. Die Atmung ähnelt der embryonalen Atmung, wobei quasi über den Nabel ein- und ausgeatmet wird, und der Geist vollkommen auf die Atmung des Bauches konzentriert ist.

Fan Huan Gong: Diese Methode beinhaltet sowohl bewegte als auch stille Übungen. Die stillen Übungen, insbesondere die Harmonisierung des Atems und die Embryonalatmung, führen zu tieferer Ruhe für Körper, Herz und Geist. Die Praxis der drei Regulationen (Körper, Atem, Geist) ist zentral.

Bauchatmung

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