Feuchttücher und feuchtes Toilettenpapier: Warum sie nicht ins Klo gehören

Die englische Sprache bietet mit der Alliteration "Pee, poo and paper" eine einfache Eselsbrücke, um zu verstehen, was in die Toilette gehört. Doch trotz dieser Merkhilfe landen noch immer zu viele Dinge im Abwassersystem, die dort nichts zu suchen haben. Insbesondere feuchtes Toilettenpapier und Feuchttücher verursachen große Probleme, da sie sich auf dem Weg zum Klärwerk nicht so zersetzen wie herkömmliches Toilettenpapier.

Was viele Verbraucher nicht wissen: Auch feuchtes Toilettenpapier gehört nicht ins Klo. Stattdessen sollte es nach Gebrauch im Restmüll entsorgt werden. Die Stabilität von feuchtem Toilettenpapier, die ein Reißen während der Benutzung verhindert, beruht auf stabil miteinander verbundenen Kunststofffasern. Diese Fasern lösen sich auch auf dem Weg durch Toilette und Kanal nicht auf.

Schema, das die unterschiedliche Zersetzungsfähigkeit von herkömmlichem Toilettenpapier und Feuchttüchern im Wasser zeigt.

Der Rührversuch: Was passiert im Wasser?

Um die Zersetzungseigenschaften verschiedener Papiersorten zu testen, wurde ein Rührversuch mit drei verschiedenen Produkten durchgeführt:

  • Papier 1: Feuchtes Toilettenpapier mit dem Hinweis "biologisch abbaubar, wegspülbar".
  • Papier 2: Feuchtes Toilettenpapier mit dem Hinweis "biologisch abbaubar, ohne Mikroplastik, wegspülbar und wasserlöslich".
  • Papier 3: Herkömmliches dreilagiges Toilettenpapier.

Jedes Papier wurde in ein Becherglas mit Wasser gegeben, das in Bewegung versetzt wurde, um den Weg durch Rohre und Kanäle zu simulieren. Der Test zeigte eindeutig:

  • Normales, trockenes Klopapier löste sich innerhalb einer Minute vollständig auf.
  • Das feuchte Toilettenpapier aus Glas zwei, das als "wasserlöslich" gekennzeichnet war, zerfiel nach drei Minuten in kleine Fetzen.

Die Allgegenwart von Feuchttüchern und ihre Folgen

Heutzutage sind reißfeste Feucht- und Reinigungstücher allgegenwärtig. Ob Abschminktücher, desinfizierende Hygienetücher, Haushaltstücher, Babytücher oder Allzwecktücher - die Liste der modernen Hygienehelfer ist lang und ihre Einsatzbereiche vielfältig. Nach einmaligem Gebrauch landen diese Vliestücher jedoch oft in der Toilette. Dies führt zu erheblichen Problemen in Abflussrohren von Gebäuden, in den Kanälen und schließlich in den Anlagen der Wasserwerke.

Sven Lietzmann, Teamleiter Anlagen- und Kanalnetzmanagement bei den Leipziger Wasserwerken, erklärt, dass trockenes Klopapier seit etwa 600 Jahren in Gebrauch ist, während feuchtes Toilettenpapier erst seit rund vierzig Jahren existiert. In den letzten Jahren hat sich das Problem durch falsch entsorgte Feuchttücher und feuchtes Toilettenpapier deutlich verschärft. Die meisten Tücher aus Kunststofffasern lassen sich zwar wegspülen, verklumpen aber aufgrund ihrer Beständigkeit und verbinden sich mit anderen Stoffen. Da Feuchttücher häufig abends verwendet werden, treten Störungen meist nachts auf, was für die Abwasserfachleute umfangreiche und kostspielige Reparaturen und Wartungsarbeiten bedeutet. Diese Kosten werden letztlich auf die Bevölkerung umgelegt. Durchschnittlich 50 Havarien an Abwasserpumpen zählen die Kollegen von Herrn Lietzmann jeden Monat.

Feuchttücher verstopfen Pumpen und verursachen Kosten

Verantwortung und Kennzeichnung: Ein dringender Appell

Herr Lietzmann appelliert: "Das sollte für jeden Motivation sein, feuchtes Toilettenpapier und Feuchttücher richtig zu entsorgen - ein kleiner Abfalleimer fürs Bad ist doch schnell besorgt." In Deutschland fehlt es jedoch an einer einheitlichen Kennzeichnung auf den Produkten, die klare Hinweise zur richtigen Entsorgung gibt. Dies führt dazu, dass viele Verbraucher versehentlich Feuchttücher über die Toilette entsorgen.

Die Frage der Verantwortung für Schäden, die durch verstopfte Abwassersysteme entstehen, ist komplex. Grundsätzlich liegt die Verantwortung beim Verbraucher, der die Feuchttücher in die Toilette wirft. In bestimmten Fällen kann jedoch auch der Vermieter haftbar gemacht werden, wenn ein Mieter Schäden verursacht. Eine Wohngebäudeversicherung oder eine spezielle Versicherung für Wasserschäden kann unter Umständen die Kosten für die Beseitigung von Verstopfungen abdecken.

Der Unterschied: Feuchtes Toilettenpapier vs. Feuchttücher

Immer mehr Menschen nutzen Feuchttücher nicht nur zur Babypflege, sondern auch für diverse Reinigungszwecke. Ein Großteil dieser Tücher besteht aus Kunststofffasern, die thermisch verfestigt sind. Diese Feuchttücher verstopfen Abwasserpumpen, da sie sich nicht wie normales Klopapier zersetzen. Werden sie über die Toilette entsorgt, landen sie im Kanal und werden mit dem Abwasser zur Kläranlage transportiert. Dort verknoten sich die Tücher mit anderen Feststoffen und verstopfen die Pumpenräder, was zu einem Rückstau im Kanal führt. Auch Hebeanlagen in Gebäuden können dadurch großen Schaden nehmen.

Es ist wichtig, den Unterschied zwischen feuchtem Toilettenpapier und herkömmlichen Feuchttüchern zu verstehen. Während viele Feuchttücher synthetische Fasern enthalten, die sich nicht auflösen, gibt es auch feuchtes Toilettenpapier, das speziell dafür entwickelt wurde, sich aufzulösen. Achten Sie beim Kauf auf Produkte, die als "spülbar" gekennzeichnet sind und aus pflanzenbasierten Fasern hergestellt werden, idealerweise ohne Kunststoffanteil.

Verpackung von feuchtem Toilettenpapier mit einem klar erkennbaren

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Wenn Sie feuchtes Toilettenpapier verwenden möchten, achten Sie auf die Kennzeichnung. Produkte, die das Symbol "spülbar" tragen und aus 100% pflanzenbasierten Fasern (wie z.B. Flachs) hergestellt werden, sind in der Regel sicher für die Entsorgung in der Toilette. Diese Produkte lösen sich im Abwassersystem auf und verursachen keine Verstopfungen. Beispiele hierfür sind spezielle Produkte, die von Organisationen wie EDANA als spülbar zertifiziert wurden.

Im Gegensatz dazu sollten Feuchttücher, Baby-Wischtücher und andere Reinigungstücher, die synthetische Fasern enthalten, niemals in die Toilette geworfen werden. Ihre Entsorgung im Restmüll ist die einzig umweltfreundliche und systemschonende Option. Auch Produkte wie Tampons, Slipeinlagen, Wattestäbchen, Verbände, Kondome und Zigarettenkippen gehören nicht in die Toilette, sondern in den Restmüll (Essensreste und Küchenabfälle gehören in den Biomüll).

Die richtige Entsorgung schont Umwelt und Geldbeutel

Die richtige Entsorgung von Hygieneartikeln ist nicht nur eine Frage der Umweltfreundlichkeit, sondern auch der Wirtschaftlichkeit. Verstopfte Pumpen und Kanäle verursachen erhebliche Kosten, die letztlich von allen Verbrauchern getragen werden müssen. Ein kleiner Abfalleimer im Badezimmer ist eine einfache und effektive Lösung, um Feuchttücher und ähnliche Produkte ordnungsgemäß zu entsorgen. Helfen Sie mit, das Abwassersystem funktionsfähig zu halten und unnötige Kosten zu vermeiden.

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