Jeder dritte Mann und jede fünfte Frau in Deutschland schnarcht. Sie rasseln, röhren, sägen und schnauben durch die Nacht und rauben ihren Partnern den erholsamen Schlaf. Denn Schnarchen ist ein nervtötendes Geräusch. Manch einer bringt es gar auf 90 Dezibel - so laut wie ein vorbeifahrender Lastwagen. Schnarchen kann aber nicht nur die Ehe gefährden, vielmehr auch die Gesundheit.
Nämlich dann, wenn Atemaussetzer zu einem dramatischen Abfall der Sauerstoffsättigung im Blut sowie der Herzfrequenz und zum Anstieg des Blutdrucks führen. Dieses Syndrom, genannt „Schlafapnoe“, kann langfristig zu lebensbedrohlichen gesundheitlichen Schäden führen. Deshalb sollten erste Signale ernst genommen werden.
Wohl jeder kennt das typische Geräusch, das durch Schnarchen hervorgerufen wird. Schnarchen gehört zu den vier häufigsten Schlafstörungen und ist nicht nur lästig für den Bettnachbarn, sondern kann auch ernsthaft krank machen. Die nächtliche Belästigung und große Herausforderung für jede Paarbeziehung bzw. Ehe wurde vom Schriftsteller Anthony Burgess perfekt auf den Punkt gebracht: „Lache, und die Welt lacht mit dir. Schnarche, und du schnarchst allein.“

Wie entsteht das lästige Geräusch?
Zuerst handelt es sich beim Schnarchen um ein Geräusch, das im Schlaf meistens beim Einatmen - lediglich selten auch beim Ausatmen, in den oberen Atemwegen entsteht. Um dieses typische Schnarchgeräusch in wachem Zustand zu erzeugen, müssen wir nur den Mund leicht öffnen, die Zunge nach hinten nehmen, die Rachenmuskulatur entspannen und andauernd einatmen. Unser Rachen ist mit Weichteilen (Gaumensegel, Zäpfchen und Schleimhautfalten) ausgekleidet. Atmen wir nun in erster Linie durch den Mund, können diese Weichteile durch den Sog der Luftströmung in Schwingungen versetzt werden.
Bei jedem Menschen lässt im Schlaf die Muskelspannung nach. Im Zuge dieser Muskelentspannung kommt es sowohl beim Schnarcher als auch beim ruhigen Schläfer ebenfalls zum Erschlaffen der Muskeln im Rachen und des Zungenmuskels (zieht die Zunge nach vorne). In der Folge nähern sich Rachenwand, weicher Gaumen und Zungenwurzel beim Einatmen durch den Sog, der von der Lunge ausgeht, und durch die reduzierte Muskelspannung einander an.
Aufgrund der entspannten Rachenmuskulatur und Zungenmuskulatur kommt es beim Schnarcher zu Verengungen. Teilweise verfügt der Schnarcher zusätzlich auch noch über weitere Engstellen in den oberen Atemwegen wie vergrößerte Mandeln oder ein vergrößertes Zäpfchen. Die Luft strömt in diesen engen Bereichen beim Einatmen schneller. Durch den beschleunigten Luftstrom werden die Weichteile im Rachen vermehrt in Vibrationen versetzt.
Zum Schnarchen kommt es besonders dann, wenn der Schlafende auf dem Rücken liegt. Die Ursache hierfür ist in der Schwerkraft zu finden. In der Rückenlage fällt die Zungenwurzel leicht nach hinten zur Rachenwand hin, und da insbesondere in Tiefschlafphasen eine Entspannung des Hauptzungenmuskels vorliegt, erfolgt kein Gegensteuern zur Schwerkraft. Eine Enge im Rachenraum entsteht, wodurch sich der Luftstrom beschleunigt und die Weichteile im Rachen anfangen zu schwingen - der Schläfer schnarcht.

Faktoren, die Schnarchen begünstigen
Neben der Rückenlage zum Schlafen, die schnell zum Garanten für Schnarchen wird, begünstigt Alkoholgenuss das Schnarchen ungemein. Auch alles, was die Atmung reizt oder beeinträchtigt (Rauchen, Allergien, einige entspannende Medikamente), wirkt sich förderlich auf das Schnarchen aus. Daneben ist Übergewicht ein weiterer Hauptauslöser für das Schnarchen. Weiterhin können ebenfalls körperliche Besonderheiten und Umstände Schnarchen hervorrufen oder verstärken.
Lautstärke des Schnarchens
Die Lautstärke beim Schnarchen variiert je nach Ausprägung der Schlafstörung. Normale Schnarcher erreichen in der Regel einen Schallpegel zwischen 40 und 45 Dezibel, was in etwa mit einem „Flüstern“ gleichzusetzen ist. Schnarcher, deren Schnarchen ein Anzeichen für eine Schlafapnoe ist, werden jedoch deutlich lauter. Das Schnarchen erreicht hierbei oft Lautstärken von 70 Dezibel und mehr. Der Lautstärken-Rekord im Schnarchen (Guinness-Rekord) wird vom aus dem schwedischen Kumala stammenden Kare Walkert gehalten und liegt bei sagenhaften 93 Dezibel. Um eine etwas bessere Vorstellung vom Ausmaß einer derartigen Schnarchbelästigung zu bekommen: starker Straßenverkehr verursacht einen Geräuschpegel von etwa 90 Dezibel.
Medizinische Einteilung des Schnarchens
Schnarchen ist nicht gleich schnarchen. In der Medizin werden beim Schnarchen beispielsweise Unterschiede nach den Weichteilen, die das Schnarchgeräusch auslösen, gemacht. So wird das Schnarchen, welches durch das Gaumensegel ausgelöst wird, als velares Schnarchen bezeichnet. Wird das Schnarchen durch die im Rachen befindlichen Schleimfalten verursacht, ist die Rede vom pharyngealen Schnarchen. Das normale Schnarchen, das medizinisch unbedenklich ist, wird außerdem als primäres oder habituelles Schnarchen bezeichnet.
Häufigkeit von Schnarchen
Von diesem Schnarchen sind etwa ein Drittel aller erwachsenen Deutschen betroffen. In jüngeren Jahren schnarchen mehr Männer als Frauen. Man geht davon aus, dass etwa vier von zehn Männern und drei von zehn Frauen schnarchen. Im Alter wird allgemein mehr geschnarcht, was damit zusammenhängt, dass die Weichteile im Rachen im Alter erschlaffen und so leichter in Vibrationen geraten. Auch bei Kindern kann gelegentlich Schnarchen beobachtet bzw. „belauscht“ werden.
Mögliche Gefahren und gesundheitliche Risiken
Schnarchen kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken, insbesondere wenn es mit Atemaussetzern einhergeht. Diese Schlafapnoe kann zu einem dramatischen Abfall der Sauerstoffsättigung im Blut, einer Verlangsamung der Herzfrequenz und einem Anstieg des Blutdrucks führen. Langfristig kann dies zu lebensbedrohlichen gesundheitlichen Schäden führen.
Es gibt Hinweise darauf, dass Schnarchen das Risiko für Bluthochdruck erhöhen kann. Eine Studie des Presbyterian Hospitals in New York fand heraus, dass schnarchende schwangere Frauen ein doppelt so hohes Risiko für Präeklampsie aufweisen wie Nicht-Schnarcher. Bei der obstruktiven Schlafapnoe (OSAS) kommt es zu teilweisen oder kompletten Verschlüssen der Atemwege während des Schlafs, was zu Sauerstoffmangel bei der Mutter und potenziellen Wachstumsverzögerungen beim Fötus führen kann.
Darüber hinaus kann Schnarchen die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Es kann zu Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen, Nervosität und Abgeschlagenheit führen, selbst nach ausreichend Schlaf. Studien deuten darauf hin, dass Schnarchen in der frühen Kindheit sich nachteilig auf die kognitive Entwicklung auswirken könnte.
Schlafapnoe: Erklärung und Behandlung im Schlaflabor
Was kann man gegen Schnarchen unternehmen?
Es gibt verschiedene Ansätze zur Behandlung von Schnarchen, die von einfachen Hausmitteln bis hin zu medizinischen Eingriffen reichen.
Selbsthilfe und Hausmittel
- Gewichtsreduktion: Übergewicht ist ein Hauptauslöser für Schnarchen. Eine Gewichtsabnahme kann die Beschwerden oft deutlich lindern.
- Vermeidung von Alkohol und Schlafmitteln: Alkohol und bestimmte Medikamente entspannen die Rachenmuskulatur und können Schnarchen verstärken. Es wird empfohlen, auf Alkoholkonsum in den Stunden vor dem Schlafengehen zu verzichten.
- Veränderung der Schlafposition: Da die Rückenlage Schnarchen begünstigt, kann es helfen, die Schlafposition zu ändern. Dies kann durch spezielle Kissen, das Einnähen eines Tennisballs in den Schlafanzug oder das Tragen einer Rückenlageverhinderungsweste erreicht werden.
- Nasenhygiene: Bei einer verstopften Nase oder Erkältung können Nasenspülungen helfen, die Nasenatmung zu verbessern.
- Kopfhochlage: Eine leicht erhöhte Schlafposition des Kopfes kann die Atemwege freihalten. Vorsicht ist jedoch geboten, da eine zu starke Kopfhochlage die Atemwege abknicken und die Situation verschlimmern kann.
- Allergiebehandlung: Bei Allergien, die zu Schnupfen führen, ist eine ärztliche Behandlung ratsam. Die Verwendung von antiallergischen Bettmaterialien und regelmäßiges Waschen von Bettwäsche kann ebenfalls helfen.
Medizinische Hilfsmittel und Therapien
Wenn einfache Maßnahmen nicht ausreichen, können medizinische Hilfsmittel und Therapien in Betracht gezogen werden:
- Zahnschienen (Schnarchschienen): Individuell angepasste Kunststoff-Zahnschienen, die vom Zahnarzt oder Kieferorthopäden hergestellt werden, können eine Einengung oder einen Verschluss der Atemwege verhindern, indem sie den Unterkiefer leicht nach vorne schieben und so die Zunge am Zurückfallen hindern.
- Nasenspreizer und Nasenpflaster: Diese können helfen, die Nasenatmung zu erleichtern, wobei die Wirksamkeit von Nasenpflastern nicht immer eindeutig belegt ist.
- Spezielle Kissen: Antischnarchkissen sollen den Kopf in einer Position halten, in der die Atemwege frei bleiben.
- CPAP-Behandlung (Continuous Positive Airway Pressure): Bei Schlafapnoe kommt diese nächtliche Überdruckbeatmung mit einer Maske zum Einsatz, um die Atemwege offen zu halten.

Chirurgische Eingriffe
In bestimmten Fällen kann auch eine Operation in Erwägung gezogen werden, insbesondere wenn das Schnarchen nicht im Zusammenhang mit einer Schlafapnoe steht. Verschiedene chirurgische Methoden zielen darauf ab, die Weichteile im Rachen zu straffen oder zu entfernen, wie z.B.:
- Uvula-Palato-Pharyngo-Plastik (UPPP): Straffung des Gaumens und ggf. Entfernung des Zäpfchens und der Mandeln.
- Laser-assistierte Uvula-Palato-Plastik (LAUP): Entfernung von Teilen des Gaumens und des Zäpfchens mit einem Laser.
- Radiofrequenztherapie (RFITT): Gewebeschonende Behandlung mit Hochfrequenz zur Straffung des Rachengewebes.
- Weichgaumenimplantate: Stabilisierung des Weichgaumens durch Einsetzen von Kunststoffstiften.
- Hyoidsuspension: Eine Operation, die den Zungengrund am Zurückfallen hindern soll.
Die operative Behandlung des Schnarchens wird kritisch bewertet und ist nicht immer erfolgreich. Vor einem Eingriff sind umfassende medizinische Untersuchungen, oft in einem Schlaflabor, unerlässlich.
Wann ist ein Arztbesuch ratsam?
Wenn mehrere Symptome aus der unten aufgeführten Checkliste zutreffen, ist es ratsam, einen Schlafmediziner aufzusuchen. In einer Untersuchung unterscheidet er harmloses Schnarchen von der Schlafapnoe. Je nach Diagnose wird er eine entsprechende Therapie vorschlagen.
Checkliste für Schnarcher
- Sie schnarchen jede Nacht - auch ohne Alkohol
- Sie stören Ihren Lebenspartner mit Ihrem Schnarchen
- Sie haben Atemaussetzer im Schlaf
- Sie haben nächtliches Herzrasen
- Sie schwitzen nachts
- Sie haben nachts häufigen Harndrang
- Sie erwachen bereits mit Kopfschmerzen
- Sie sind tagsüber müde und schlapp
- Sie sind unkonzentriert und in Ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt
- Sie haben Übergewicht
- Sie leiden unter Bluthochdruck
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