Das Cushing-Syndrom ist eine seltene hormonelle Störung, die durch einen Überschuss an Cortisol verursacht wird. Cortisol ist ein Hormon, das der Körper in Stresssituationen produziert. Zu den Symptomen zählen Gewichtszunahme, Hautveränderungen, Muskelschwäche, Bluthochdruck und Stimmungsschwankungen. Auslöser sind eine langfristige Einnahme von Glukokortikoid-Medikamenten oder ein Tumor in der Hypophyse oder den Nebennieren. Lesen Sie hier mehr zu Symptomen und Ursachen!
Was ist das Cushing-Syndrom?
Von einem "Syndrom" sprechen Mediziner, wenn mehrere Krankheitszeichen (Symptome) gleichzeitig vorliegen. Im Falle des Cushing-Syndroms sind das sogar sehr viele Symptome. Deren Ursache ist eine zu hohe Konzentration des "Stress"-Hormons Cortisol. In der richtigen Dosis ist Cortisol im menschlichen Körper unabdingbar. Ist es aber im Überfluss vorhanden (Hypercortisolismus), entstehen aber unter Umständen Probleme an den unterschiedlichsten Schaltstellen des Körpers und führen somit zum Vollbild des Cushing-Syndroms.
Der hohe Cortisol-Spiegel wird entweder durch kortisonhaltige Medikamente (exogenes Cushing-Syndrom) oder - in sehr seltenen Fällen - durch hormon-produzierende Tumoren ausgelöst (endogenes Cushing-Syndrom). Ist ein Tumor in Teilen des Gehirns (Hypothalamus oder Hypophyse) verantwortlich, spricht man vom zentralen Cushing-Syndrom oder Morbus Cushing.
"Kortison" entfaltet im Körper keinerlei Wirkung und muss im Körper erst zur wirksamen Form "Cortisol" umgewandelt werden. Einige Medikamente, sogenannte "Synthetische Glukokortikoide" werden landläufig auch als "Kortison" bezeichnet. Werden sie in zu hoher Dosis zugeführt, entsteht eventuell ein Cushing-Syndrom (siehe unten: Exogenes Cushing-Syndrom).

So funktioniert Cortisol
Cortisol ist ein lebenswichtiges Hormon, das zahlreiche Aufgaben hat. Es wird auch als "Stresshormon" bezeichnet, weil es verstärkt gebildet wird, wenn der Körper dauerhaft erhöhten Anforderungen ausgesetzt ist. Als "Stresshormon" aktiviert Cortisol abbauende (katabole) Stoffwechsel-Vorgänge, um dem Körper Energie für die Bewältigung außergewöhnlicher Belastungen zur Verfügung zu stellen. Dafür werden vermehrt energiereiche Verbindungen aus den jeweiligen körpereigenen Reserven bereitgestellt. Dabei greift das Cortisol auf verschiedenen Stoffwechsel-Ebenen ein:
- Es sorgt indirekt (via Genexpression) für die Bereitstellung von Zucker (durch Gluconeogenese in der Leber), Proteinen (vor allem durch Muskelabbau) und Fett. In der Körpermitte (Bauch, Hals, Gesicht) kommt es gleichzeitig zur vermehrten Fett-Einlagerung.
- Ferner bewirkt Cortisol einen Abbau von Kollagen, Bindegewebe und Knochensubstanz, was im Übermaß zu einem Abbau (Atrophie) der Haut und einer Abnahme der Knochendichte führt.
- Cortisol steigert den Blutdruck, indem es die Auswurfleistung des Herzens erhöht und für eine Engstellung der Gefäße sorgt.
- Schließlich spielt Cortisol noch eine wichtige immunsuppressive Rolle, indem es die Immunantwort und Entzündungsreaktionen in gewissem Maße hemmt. Dies ist auch der Grund, warum Cortisol als Medikament von großer Bedeutung ist.
Wie äußert sich das Cushing-Syndrom?
Das Cushing-Syndrom äußert sich durch Gewichtszunahme, insbesondere im Gesicht und am Bauch, dünne, leicht blutende Haut, blaue oder lilafarbene Dehnungsstreifen und Muskelschwäche. Weitere Anzeichen sind Bluthochdruck, hohe Blutzuckerwerte, vermehrte Körperbehaarung, Müdigkeit und Stimmungsschwankungen. Bei Frauen kommt es oft zu Zyklusstörungen, bei Männern zu einer erektilen Dysfunktion.
Entsprechend der vielfältigen Funktionen von Cortisol im Körper, äußern sich auch die Symptome beim Cushing-Syndrom an den unterschiedlichsten Stellen:
- Stammfettsucht: Bei einem Cushing-Syndrom wird verstärkt Fett am Körperstamm eingelagert. Deshalb haben die Betroffenen meist einen massigen Bauch ("Bierbauch"). Beine und Arme sind dagegen oft schlank.
- Vollmondgesicht / Mondgesicht: Typisch für das Cushing-Syndrom ist auch ein durch Fetteinlagerung kugelrundes sowie gerötetes Gesicht.
- Stiernacken (Büffelnacken): Auch im Nackenbereich wird vermehrt Fett abgelagert.
- Veränderte Blutwerte: Die Menge an Cholesterin im Blut ist beim Cushing-Syndrom oftmals erhöht. Häufig Veränderungen des Blutbildes, selten Kaliummangel.
- Erhöhter Blutdruck: Viele Menschen mit Cushing-Syndrom haben einen erhöhten Blutdruck.
- Diabetische Stoffwechsellage: Durch die erhöhte Konzentration von Zucker im Blut (Hyperglykämie), eine verminderte Insulin-Empfindlichkeit und eine gesteigerte Ausschüttung von Insulin entsteht eine diabetische Stoffwechsellage (ähnlich der bei Diabetes mellitus). Der viele Zucker im Blut löst vermehrtes Durstgefühl und häufiges Wasserlassen aus.
- Muskelschwäche und verminderte Knochendichte: Im Rahmen des Cushing-Syndroms kommt es zum Abbau von Muskeln und Knochensubstanz. So verringern sich Muskelmasse und Knochendichte. Unter Umständen entwickelt sich eine Osteoporose.
- Hautveränderungen: Auch die Haut leidet beim Cushing-Syndrom - sie wird dünn (Pergamenthaut), und es entstehen teilweise rote Dehnungsstreifen (Striae rubrae), hauptsächlich am Bauch. Eine gestörte Wundheilung sowie schubweises Auftreten von Akne und Furunkeln sind ebenfalls möglich.
- Erhöhte Infekt-Anfälligkeit: Durch die allgemeine Unterdrückung des Immunsystems beim Cushing-Syndrom sind die Betroffenen anfällig für Infektionen - zum Beispiel häufigere Erkältungen.
- Psychische Veränderungen: In einigen Fällen geht ein Cushing-Syndrom auch mit psychischen Veränderungen, wie einer Depression, einher.
- Vermännlichung: Bei Frauen mit Cushing-Syndrom kommt es mitunter zur Vermännlichung (Virilismus) - es entwickeln sich eine verstärkte Körperbehaarung an für Männer typischen Stellen (Hirsutismus) sowie Zyklusstörungen.
- Potenz-Minderung: Männer mit Cushing-Syndrom entwickeln oft eine Impotenz.
- Vermindertes Wachstum: Bei Kindern beeinträchtigt ein Cushing-Syndrom das Wachstum, und zwar über eine indirekte Hemmung des Wachstumshormons.
Der Überschuss des Stresshormons Cortisol ist eine Belastung für den Körper. Typisch für das Cushing-Syndrom sind Müdigkeit, Muskelschwäche, Rückenschmerzen, Gewichtszunahme, vor allem im Gesicht und am Oberkörper, und Hautveränderungen wie Dehnungsstreifen und Blutergüsse. Häufig kommt es auch zu psychischen Problemen wie Depressionen und Ängstlichkeit. Frauen haben oft Zyklusstörungen, bei Männern sind eine verringerte Libido oder Impotenz typisch.

Cushing-Syndrom: Ursachen
Bei der Frage nach der Ursache wird zunächst das exogene Cushing-Syndrom vom endogenen Cushing-Syndrom unterschieden. Exogen bedeutet, dass es von außen herbeigeführt wird. Dagegen entsteht das endogene Cushing-Syndrom durch eine Fehlfunktion oder Erkrankung im Körper.
Exogenes Cushing-Syndrom
Ein exogenes Cushing-Syndrom entsteht durch eine zu hohe Zufuhr von Glukokortikoiden (Kortison) im Rahmen einer medikamentösen Therapie. Man spricht dann auch von einem iatrogenen Cushing-Syndrom (iatrogen = durch einen Arzt oder eine ärztliche Therapie verursacht).
Der Wirkstoff Kortison hat (nachdem er im Körper in Cortisol umgewandelt wurde) einen entzündungshemmenden und generell das Immunsystem unterdrückenden (immunsuppressiven) Effekt. Er wird deshalb beispielsweise zur Behandlung von chronisch-entzündlichen Darm-Erkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), Asthma, Multipler Sklerose und vielen Autoimmun-Erkrankungen eingesetzt. In solchen Fällen wird Kortison meist systemisch verabreicht, etwa als Tablette oder Infusion. Wird es dabei versehentlich überdosiert, entwickelt sich in manchen Fällen ein exogenes Cushing-Syndrom. Deshalb ist es wichtig, dass eine Kortison-Therapie immer unter ärztlicher Aufsicht erfolgt.
Die Dosis an Glukokortikoiden, die bei einem Patienten ein Cushing-Syndrom auslöst, wird Cushing-Schwelle genannt.
Endogenes Cushing-Syndrom
Auch das endogene Cushing-Syndrom beruht auf einem Überschuss an Glukokortikoiden beziehungsweise Cortisol. Dieser entsteht hier aber im Körper selbst. Das endogene Cushing-Syndrom ist viel seltener als die exogene Variante; es finden sich nur etwa zwei bis drei Patienten pro eine Million Einwohner. Frauen sind dabei deutlich häufiger betroffen als Männer.
Die Regulierung der Cortisol-Produktion
Cortisol wird in den Nebennieren gebildet, genauer in der sogenannten Nebennierenrinde. Dort werden auch noch andere Hormone wie Androgene (männliche Sexualhormone wie Testosteron) und Aldosteron (wichtig für die Regulierung des Wasser- und Natrium-Haushaltes) produziert.
Die Produktion des Cortisols findet nicht willkürlich statt, sondern unterliegt einer komplexen Regulierung durch übergeordnete Kontroll-Stellen. Dabei ist zunächst die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) zu nennen. In ihrem Vorderlappen wird das Hormon Adrenocorticotropin (auch Adrenocorticotropes Hormon, ACTH) gebildet. Es regt die Aktivität der Nebennierenrinde an. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das: Je mehr ACTH in der Hypophyse gebildet wird, desto mehr Hormone (hauptsächlich Cortisol) produziert die Nebennierenrinde.
Die ACTH-Produktion in der Hypophyse wird ihrerseits vom Zwischenhirn kontrolliert, genauer gesagt vom Hypothalamus. Dieser fungiert damit als oberste Kontrollstelle der Cortisol-Produktion: Der Hypothalamus bildet CRH (Corticotropin-releasing Hormone), das für eine Steigerung der ACTH-Bildung sorgt - und damit indirekt für eine Steigerung der Cortisol-Bildung.
Die Selbst-Kontrolle der Cortisol-Bildung geschieht nun mithilfe eines Regelkreises zwischen CRH, ACTH und Cortisol: Zirkuliert ausreichend Cortisol im Blut, drosselt es die CRH- und ACTH-Ausschüttung im Hypothalamus beziehungsweise in der Hypophyse - und dadurch indirekt die weitere Cortisol-Produktion. Dabei gilt: Je höher der Cortisol-Spiegel im Blut ist, desto stärker werden CRH und ACTH gehemmt und desto weniger neues Cortisol wird wiederum in der Nebennierenrinde gebildet. Im gesunden Organismus wird so ein Cortisol-Überschuss automatisch unterbunden. Ist dieser Regelkreis aber an einer Stelle gestört, läuft die Cortisol-Produktion gegebenenfalls aus dem Ruder und führt dann zu einem endogenen Cushing-Syndrom.
Je nachdem, wo die Störung lokalisiert ist, unterscheidet man beim endogenen Cushing-Syndrom eine ACTH-abhängige und eine ACTH-unabhängige Variante:
ACTH-abhängiges Cushing-Syndrom
Das ACTH-abhängige Cushing-Syndrom ist für rund 85 Prozent aller Fälle von endogenem Cushing-Syndrom verantwortlich. Es beruht auf einem Überschuss an dem Hypophysen-Hormon ACTH. Dadurch wird die Nebennierenrinde zu einer übermäßigen Cortisol-Produktion angeregt.
Dass zu viel ACTH vorhanden ist, liegt meist an einem kleinen, hormonproduzierenden Tumor (Mikroadenom) der Hypophyse. Seltener ist eine Über-Funktion des Hypothalamus daran schuld: Der Hypothalamus produziert in einem solchen Fall zu viel CRH, was die ACTH-Bildung der Hypophyse stark ankurbelt.
Egal, ob die gesteigerte ACTH-Bildung letztlich von der Hypophyse oder aber vom Hypothalamus ausgeht - man spricht in beiden Fällen vom zentralen Cushing-Syndrom (auch Morbus Cushing genannt), da die Ursache des ACTH-Überschusses im zentralen Nervensystem (Gehirn) liegt.
Neben dem zentralen Cushing-Syndrom gibt es noch das ektope (paraneoplastische) Cushing-Syndrom: Es entsteht meist durch einen Tumor außerhalb (ektop) der Hypophyse, der ACTH produziert und so die Cortisol-Bildung der Nebennieren unreguliert steigert. Zu diesen ACTH-produzierenden Tumoren zählen zum Beispiel das kleinzellige Bronchial-Karzinom (eine Form von Lungenkrebs) und seltene Darm-Tumoren. Gelegentlich beruht das ektope Cushing-Syndrom auch auf einem CRH-produzierenden Tumor: Er regt die ACTH-Produktion der Hypophyse übermäßig stark an und damit wiederum indirekt die Cortisol-Produktion.
ACTH-unabhängiges Cushing-Syndrom
Etwa 15 Prozent der Fälle von endogenem Cushing-Syndrom entstehen unabhängig von ACTH direkt in der Nebennierenrinde: Trotz eines normalen ACTH-Spiegels produziert die Nebennierenrinde zu viel Cortisol. Mediziner sprechen auch vom adrenalen Cushing-Syndrom (adrenal = die Nebennieren betreffend).
Dessen Ursache ist meist ein Cortisol-produzierender Tumor der Nebennierenrinde. Bei Erwachsenen handelt es sich dabei meist um einen gutartigen (Adenom), bei Kindern häufiger um einen bösartigen Tumor (Karzinom).
Bei jungen Kindern ist ein solcher Tumor der Nebenniere auch die häufigste Ursache eines endogenen Cushing-Syndroms. Die meisten sind zum Zeitpunkt der Diagnose unter 5 Jahre alt. Bei Kindern über 7 Jahren ist ein zentrales, ACTH-abhängiges Cushing-Syndrom häufiger.
Sehr selten ist eine übermäßige Zunahme des Nebennierenrinden-Gewebes (Hyperplasie) für ein adrenales Cushing-Syndrom verantwortlich.
Von diesen Cushing-Formen abzugrenzen ist ein durch Alkohol-Konsum ausgelöster Überschuss an Cortisol - das alkoholinduzierte "Pseudo-Cushing-Syndrom". Es wird davon ausgegangen, dass hier eine vermehrte Ausschüttung von CRH durch den Hypothalamus die Ursache ist. Diese Form der Erkrankung bildet sich meist nach längerem Verzicht auf Alkohol zurück.
Cushing-Syndrom: Wann zum Arzt?
Wenn Sie eines oder mehrere der genannten Symptome bei sich bemerken, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Selbst wenn es sich nicht um ein Cushing-Syndrom handelt und andere Ursachen dahinterstecken, werden diese sinnvollerweise abgeklärt und behandelt.
Je früher ein Cushing-Syndrom, beziehungsweise dessen Ursachen, behandelt werden, desto größer sind die Chancen, dass es sich zurückbildet und keine bleibenden Schäden zurückbleiben.
Cushing-Syndrom: Untersuchungen und Diagnose
Bei Verdacht auf ein Cushing-Syndrom erhebt der Arzt zuerst ausführlich die Krankengeschichte des Patienten (Anamnese). Er erkundigt sich dabei unter anderem nach den genauen Beschwerden. Außerdem ermittelt er, welche Medikamente der Patient in der letzten Zeit eingenommen hat - um ein exogenes Cushing-Syndrom auszuschließen.
Dann folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei misst der Arzt unter anderem den Blutdruck und das Gewicht des Patienten. Außerdem inspiziert er die Haut des Patienten. Mithilfe verschiedener Tests lässt sich feststellen, ob tatsächlich ein Überschuss an Cortisol (Hypercortisolismus) im Blut vorliegt und woher dieser gegebenenfalls kommt:
- Cortisol-Messung im Speichel oder Blut: Der Cortisol-Spiegel schwankt über den Tagesverlauf relativ stark. So steigt er frühmorgens an, sinkt über den Tag hinweg ab und erreicht spätabends einen Tiefpunkt. Ist der Messwert nachts trotzdem deutlich erhöht, spricht das für ein Cushing-Syndrom.
- 24-Stunden-Sammelurin: Der im Laufe von 24 Stunden ausgeschiedene Urin des Patienten wird gesammelt, um dann die Konzentration des freien Cortisols darin zu bestimmen. Bei einem Cushing-Syndrom ist das Messergebnis deutlich erhöht.
- Dexamethason-Hemmtest (Kurztest): ...
Cushing Syndrom (Morbus Cushing, Ektopisches ACTH Syndrom, NNR Adenom) | Einfach erklärt! (Deutsch)
"Stressbauch" durch Cortisol: Ursachen und Abhilfe
Der Begriff "Stressbauch" beschreibt eine Zunahme von Bauchfett durch chronischen Stress. Das ist kein medizinischer Fachbegriff, wird aber im Alltag häufig genutzt. Wissenschaftlich gibt es Hinweise darauf, dass dauerhaft erhöhte Cortisolwerte die Fettverteilung beeinflussen und besonders die Einlagerung von viszeralem Fett - dem Fettgewebe um die inneren Organe - fördern können. Viszerales Fett gilt als besonders stoffwechselaktiv und wird mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht. Allerdings entsteht Fettgewebe nur, wenn dem Körper über längere Zeit mehr Energie zugeführt als verbraucht wird.
Warum lagert sich Fett bei Stress im Bauch an?
Chronischer Stress kann verschiedene Prozesse im Körper beeinflussen, die indirekt die Fettverteilung verändern:
- Verändertes Essverhalten (z. B. Heißhunger auf kalorienreiche Lebensmittel)
- Chronischer Schlafmangel, der Hunger- und Sättigungshormone wie Ghrelin und Leptin aus dem Gleichgewicht bringen kann
- Hormonelle Veränderungen wie dauerhaft erhöhte Cortisolwerte
Zusammengefasst: Stress allein verursacht keinen "Stressbauch". Er kann jedoch in Kombination mit weiteren Faktoren eine Gewichtszunahme im Bauchbereich begünstigen.

Kann man durch Stress zunehmen?
Ja, es gibt Hinweise, dass chronischer Stress mit einer Gewichtszunahme in Zusammenhang stehen kann. Dabei spielt die Ausschüttung verschiedener Stresshormone eine Rolle:
- Adrenalin und Noradrenalin steigern kurzfristig den Energieverbrauch und hemmen den Appetit.
- Cortisol wirkt längerfristig und kann:
- das Verlangen nach kalorienreichen Lebensmitteln steigern ("Comfort Food").
- die Einlagerung von Bauchfett fördern.
- die Wirkung von Insulin abschwächen, was den Blutzuckerspiegel erhöht.
Weitere Faktoren, die Gewichtszunahme bei Stress begünstigen
Neben hormonellen Veränderungen spielen auch folgende Aspekte eine Rolle:
- Emotionales Essen: Viele Menschen greifen in belastenden Zeiten zu süßen oder fettigen Snacks - nicht aus Hunger, sondern zur Beruhigung oder Bewältigung einer herausfordernden Situation.
- Bewegungsmangel: Unter Stress fehlt oft die Energie für Sport oder Bewegung.
- Schlafmangel: Schlechter Schlaf kann die Hunger- und Sättigungshormone (Ghrelin / Leptin) stören und Heißhunger fördern.
- Muskelabbau: Hohe Cortisolwerte können Muskelmasse abbauen. Weniger Muskeln senken den Grundumsatz und erschweren die Fettverbrennung. Umgekehrt kann auch der Verlust von Muskeln (z. B. durch Inaktivität) den Körper belasten und den Cortisolspiegel erhöhen.
Unterschiede zwischen Männern und Frauen
- Männer: Neigen unter Einfluss von Cortisol eher zur Einlagerung von Bauchfett, besonders in Kombination mit wenig Bewegung.
- Frauen: Speichern vor der Menopause Fett eher an Hüften und Oberschenkeln (periphere Fettverteilung). Nach den Wechseljahren kann ein niedriger Östrogenspiegel die Einlagerung von viszeralem Fett im Bauch begünstigen.
Was tun gegen einen „Stressbauch“?
Eine gezielte Fettverbrennung nur am Bauch ist nicht möglich - eine Gewichtsabnahme erfolgt immer über ein Kaloriendefizit. Stressabbau kann jedoch helfen, das Essverhalten zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine gesunde Gewichtsabnahme zu verbessern.
Bei anhaltender Gewichtszunahme, starkem Leidensdruck oder bestehender Adipositas kann eine ärztliche Beratung sinnvoll sein. Hier können Ernährungsberatung, Verhaltenstherapie oder - in bestimmten Fällen - medikamentöse Unterstützung helfen.
Alltagstaugliche Maßnahmen: Stress abbauen
- Aufgaben priorisieren, Pausen einplanen und „Nein“ sagen lernen
- Entspannungstechniken wie Meditation oder Atemübungen nutzen
- Mehr Bewegung: Tägliche Aktivität (z. B. Spaziergänge)
Auch körpereigenes Cortisol, sondern auch Kortisonpräparate - etwa bei entzündlichen Erkrankungen - können mit einer Gewichtszunahme und veränderten Fettverteilung einhergehen.
Häufige Fragen
Kann chronischer Stress zu Gewichtszunahme führen?
Ja, chronischer Stress kann eine Gewichtszunahme begünstigen. In belastenden Phasen greifen viele Menschen häufiger zu kalorienreichen Snacks, bewegen sich weniger und schlafen schlechter. Gleichzeitig erhöht sich der Cortisolspiegel, was die Fettverbrennung hemmt und die Einlagerung von Fett fördert.
Erschwert chronischer Stress das Abnehmen?
Chronischer Stress kann das Abnehmen erschweren. Sind die Cortisol-Werte über einen längeren Zeitraum erhöht, kann das den Muskelaufbau hemmen, den Blutzuckerspiegel erhöhen und damit die Einlagerung von Fettreserven fördern. Gleichzeitig sinkt bei chronischem Stress oft der Antrieb zu Bewegung und gesunder Ernährung - ein Teufelskreis für alle, die abnehmen wollen.
Wie beeinflusst Cortisol die Fettverteilung?
Dauerhaft erhöhte Cortisolwerte können eine Gewichtszunahme begünstigen, indem sie den Blutzuckerspiegel erhöhen, die Wirkung von Insulin schwächen und den Fettabbau hemmen. Gleichzeitig begünstigen sie die Einlagerung von Bauchfett (viszerales Fett) und den Abbau von Muskelmasse, wodurch der Grundumsatz sinkt.
Fördert chronischer Stress die Einlagerung von Bauchfett?
Ja, chronischer Stress kann die Einlagerung von Fett im Bauchbereich fördern - ein Phänomen, das umgangssprachlich als „Stressbauch“ bezeichnet wird. Verantwortlich ist vor allem das Stresshormon Cortisol: Es begünstigt die Speicherung von viszeralem Fett um die inneren Organe und verändert gleichzeitig den Stoffwechsel. Schlafmangel, reduzierte Bewegung und emotionales Essen in belastenden Situationen können diesen Effekt zusätzlich verstärken.
Was ist ein „Stressbauch“?
Der Begriff „Stressbauch“ beschreibt eine Zunahme von Bauchfett durch chronischen Stress. Das ist kein medizinischer Fachbegriff, wird aber im Alltag häufig genutzt. Er zeigt sich als Fettansammlung am unteren bis mittleren Bauch, oft ohne deutliche Gewichtszunahme am restlichen Körper. Er wirkt eher „weich“ als muskulös.
Was ist ein „Cortisol-Bauch“ und wie reduziert man ihn?
Der Begriff „Cortisol-Bauch“ beschreibt eine Zunahme von Bauchfett durch chronischen Stress. Aber: Das ist kein medizinischer Fachbegriff. Um einen sogenannten „Cortisol-Bauch“ zu reduzieren, ist ein Kaloriendefizit entscheidend - der Körper baut Fett nur ab, wenn er mehr Energie verbraucht als er aufnimmt. Stressabbau spielt dabei eine wichtige Rolle: Er kann Heißhunger verringern, den Schlaf verbessern und die Motivation für Bewegung und ausgewogene Ernährung stärken.
Wenn es Ihnen schwerfällt, Stress allein zu bewältigen oder Ihr Essverhalten zu stabilisieren, kann ärztliche Beratung, psychologische Unterstützung oder eine professionelle Ernährungsberatung sinnvoll sein.
