Reboarder-Kindersitze sind nachweislich bis zu fünfmal sicherer als vorwärtsgerichtete Sitze. Dennoch fahren nur 29 % der Kinder im Alter von vier Jahren in Schweden rückwärtsgerichtet. Dies geht aus einem Bericht der schwedischen Versicherungsgesellschaft Folksam über die Sicherheit von rückwärtsgerichteten Kindersitzen hervor.
Schweden als Vorbild für Kindersicherheit im Straßenverkehr
Schweden gilt vielen als Vorbild in puncto Kindersicherheit im Straßenverkehr. Obwohl die Zahlen dort weitaus besser aussehen als im übrigen Europa, sind sie dennoch alarmierend, insbesondere wenn man bedenkt, dass die meisten Länder in Europa noch deutlich schlechter abschneiden.
Sieben von zehn Eltern in Schweden drehen ihr Kind viel zu früh, bereits im Alter von vier Jahren, in Fahrtrichtung. Im Vergleich zum gleichen Bericht aus dem Jahr 2006 ist jedoch auch ein positiver Trend zu beobachten: Die Zahl der rückwärtsfahrenden Kinder steigt. Dennoch sollte man sich nicht mit diesem „positiven Trend“ zufriedengeben, da der Wandel schneller voranschreiten muss, um die Sicherheit von Kindern zu gewährleisten.

Mythen über Kindersitze hinterfragen
Es ist wichtig, den Status quo zu hinterfragen. Der Bericht von Folksam zeigt, dass die Hauptgründe für Eltern, ihre Kinder nach vorne zu setzen, darin bestehen, dass „das Kind zu groß für den Autositz ist“ oder dass „nicht genug Beinfreiheit für das Kind vorhanden ist“.
Heutzutage werden Kindersitze produziert, die langes Rückwärtsfahren bis zu einer Größe von 125 cm erlauben, was etwa einem Alter von 6-7 Jahren entspricht. Obwohl Kinder in unterschiedlichem Tempo wachsen, gibt es innovative Lösungen, die den meisten Kindern weit über das Alter von vier Jahren hinaus passen.
Bewusstsein schaffen für mehr Sicherheit
Es geht vor allem darum, ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen. Eltern möchten zweifellos das Beste und Sicherste für ihr Kind. Ohne die richtigen Informationen und das nötige Wissen ist es jedoch schwierig, die sicherste Option zu wählen.
Gemeinsam muss Aufmerksamkeit für das Thema Rückwärtsfahren geschaffen werden. Innovative Lösungen auf dem Markt bieten Kindern die größtmögliche Sicherheit und ermöglichen den längstmöglichen rückwärtsgerichteten Transport.
Die Vorteile des Rückwärtsfahrens
Die Idee der rückwärtsgerichteten Kindersitze stammt ursprünglich aus Schweden. Professor Bertil Aldman von der Technischen Hochschule Chalmers in Göteborg entwickelte in den 1960er Jahren den ersten Prototyp, inspiriert von rückwärts sitzenden Astronauten. Ziel war es, Kinder bei einem Frontalzusammenstoß nicht mehr lebensbedrohlichen Kräften auszusetzen.
Seitdem arbeiten schwedische Eltern, Politik, Forschung und Hersteller eng zusammen, um die Zahl der Kinderleben auf den Straßen zu retten. Dies hat dazu beigetragen, dass Schweden zu den weltweit sichersten Ländern in Bezug auf die Verkehrssicherheit von Kindern gehört.
Der Plus-Test: Ein Härtetest für Kindersitze
Der Plus-Test, einer der härtesten Crashtests der Welt, stammt ebenfalls aus Schweden. Er bewertet die Belastung des empfindlichen Kinderhalses im Ernstfall. Ein Sitz erhält das Plus-Test-Label oder nicht; detaillierte Messwerte werden nicht veröffentlicht.
Vision Zero: Ein Leben ohne Verkehrstote
Im Jahr 1997 verabschiedete das schwedische Parlament die Vision Zero mit dem Ziel, keine Todesfälle und lebenslangen Verletzungen im Straßenverkehr mehr zu verzeichnen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Sicherheit von Kindern in Autos, wofür rückwärtsgerichtete Kindersitze als effektive Lösung identifiziert wurden.
Vision Zero besagt, dass Kinder aufgrund ihres empfindlichen Nackens und ihres schweren Kopfes rückwärtsgerichtet reisen sollten, um schwere Verletzungen im Falle eines Unfalls zu vermeiden.
Statistik: Zahlen sprechen für das Rückwärtsfahren
Die Maßnahmen zur Sicherheit von Kindern in Autos haben beeindruckende Ergebnisse erzielt. Schweden verzeichnet eine der niedrigsten Todesfallraten bei Kindern im Alter von 0 bis 5 Jahren, was es zu einem der sichersten Länder der Welt macht. Dennoch muss die Arbeit fortgesetzt werden, da Vision Zero noch nicht vollständig umgesetzt ist und Länder außerhalb Schwedens leider höhere Zahlen bei Todesfällen und verletzten Kindern aufweisen.
Die Botschaft „Länger rückwärts! Länger sicher!“ muss weltweit verbreitet werden, damit Eltern fundierte Entscheidungen für die Sicherheit ihres Kindes treffen können. Dies ist ohne umfassendes Wissen über die Vorteile des langen Rückwärtsfahrens nicht möglich.

Gesetzliche Regelungen und Normen
In Deutschland ist die Sicherung von Kindern im Auto gesetzlich vorgeschrieben. Seit dem 8. April 2008 dürfen nur noch Kindersitze genutzt werden, die nach ECE 44/03 oder höher geprüft sind. Erkennbar ist dies an den ersten beiden Ziffern der Zulassungsnummer auf dem orangefarbenen ECE-Prüfsiegel.
Am 9. Juli 2013 trat die ECE-Regelung Nr. 129 (i-Size-Norm) in Kraft. Diese orientiert sich an der Körpergröße des Kindes und schreibt unter anderem eine Isofix-Befestigung vor. Nach dieser Regelung dürfen zertifizierte Kindersitze den Transport von Kindern in den ersten 15 Lebensmonaten nur rückwärtsgerichtet zulassen.
In der Schweiz müssen Kinder unter 12 Jahren, die kleiner als 1,50 Meter sind, seit dem 1. April 2010 im Auto in einem Kindersitz sitzen, der die Sicherheitsstandards der Version 03 des entsprechenden UNO-Abkommens (UN-ECE, Nr. 44) erfüllt.
Häufige Unfallarten und ihre Folgen
Frontalunfälle führen die Statistik der Unfälle mit Schwerverletzten und Toten an. Über die Hälfte dieser Unfälle, etwa 55 %, sind Frontalunfälle, gefolgt von Seitenaufprall-Szenarien mit 35-40 %. Die restlichen 5 % der Unfälle resultieren aus einem Heckaufprall. Der Frontalunfall ist nicht nur die häufigste, sondern auch die gefährlichste Unfallart.
Bei einem Reboarder wirken bei einem Frontalaufprall Kräfte von etwa 40 bis 60 Kilo auf den Körper, während es bei einem vorwärtsgerichteten Sitz 150 bis 300 Kilo sein können. Diese geringere Kraft kann die empfindliche Halsmuskulatur und die Knochen deutlich besser abfangen, wodurch das Risiko für schwere Halswirbelsäulenverletzungen und bleibende Schäden erheblich sinkt.
Praktische Aspekte und Reisekindersitze
Die Mitnahme von Kindersitzen auf Reisen, sei es mit dem Mietwagen, Flugzeug oder Bus, erfordert besondere Überlegungen.
Kindersitze im Urlaub
- Kindersitz-Lösung für Babys im Urlaub: Spezielle Babyschalen sind für Reisen unerlässlich.
- Kindersitze mit Mietwagen: Mietwagenfirmen bieten Kindersitze an, deren Verfügbarkeit jedoch nicht immer garantiert ist. Es ist ratsam, dies im Voraus zu klären und den Sitz nach Möglichkeit mit einer speziellen Tasche zu schützen, falls er als Gepäck aufgegeben wird.
- Eigener Kindersitz im Urlaub: Das Mitnehmen des eigenen Kindersitzes bietet die höchste Sicherheit, erfordert aber zusätzlichen Aufwand beim Transport.
Reisekindersitze für verschiedene Verkehrsmittel
- Flugzeug: Kinder unter sieben Jahren sollten im Flugzeug auf eigenen Sitzen mit einem passenden Kindersitz gesichert sein. Spezielle Kindersitze mit dem Siegel „for use in aircraft“ oder eine alternative Lösung wie der CARES-Gurt können genutzt werden. Der CARES-Gurt ist leicht und speziell für Flugzeugsitze entwickelt, wird aber nicht von allen Airlines akzeptiert.
- Reisebus: Prüfen Sie, ob im Bus Sitzgurte vorhanden sind. Nur mit einem 3-Punkt-Gurt können die meisten Reisekindersitze befestigt werden. Bei 2-Punkt-Gurten sind nur Sitze mit dem Hinweis „Approved for aircraft“ zulässig.
- Taxi und Fahrdienste: Für Fahrten mit Taxis oder Fahrdiensten wie Uber sollten Sie im Voraus prüfen, ob Kindersitze verfügbar sind.
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Die Rolle von Herstellern und Organisationen
Die norwegische HTS-Gruppe, ein Familienunternehmen in vierter Generation, hat sich seit 1919 auf die Sicherheit von Kindern im Automobilbereich spezialisiert. BeSafe, ein Teil der HTS-Gruppe, entwickelte Ende der 1980er Jahre gemeinsam mit Frank Lilleheil den ersten BeSafe Reboarder.
Organisationen wie der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) und die Unfallforschung der Versicherer (UDV) bieten Broschüren und Videos zur richtigen Sicherung von Kindern im Auto an, um Eltern zu informieren und zu unterstützen.
Hersteller wie Axkid setzen die lebensrettende Arbeit von Professor Aldman fort, indem sie sichere Kindersitze entwickeln und über die Vorteile des langen Rückwärtsfahrens informieren.
Fazit: Länger rückwärts fahren für maximale Sicherheit
Die Entscheidung für einen rückwärtsgerichteten Kindersitz, auch über das empfohlene Alter hinaus, ist eine der sichersten Optionen für Kinder im Straßenverkehr. Schweden zeigt mit seinen niedrigen Unfallzahlen eindrucksvoll, wie effektiv diese Maßnahme ist. Eltern sollten sich umfassend informieren und die sicherste Wahl für ihr Kind treffen, um das Risiko schwerer Verletzungen im Falle eines Unfalls zu minimieren.