Eine Frau gilt als unfruchtbar, wenn sie innerhalb eines Jahres trotz regelmäßigen, ungeschützten Geschlechtsverkehrs nicht schwanger wird. Die Anzeichen für eine Unfruchtbarkeit (auch Sterilität) bei Frauen sind oft unspezifisch. Hormonstörungen, Alter, Fehlbildungen und Verletzungen der Eierstöcke und Eileiter können mögliche Ursachen sein. Dieser Artikel beleuchtet die Gründe, möglichen Symptome und wie sich Unfruchtbarkeit bei Frauen feststellen und behandeln lässt.
Was bedeutet Unfruchtbarkeit (Sterilität)?
Unfruchtbarkeit (Sterilität) bei der Frau liegt vor, wenn sie innerhalb eines Jahres trotz regelmäßigen, ungeschützten Geschlechtsverkehrs nicht schwanger werden kann. Ist eine Frau hingegen bereits schwanger, kann aber das Kind nicht bis zur Lebensreife austragen, sprechen Mediziner von Infertilität.
Wie viele Frauen sind betroffen?
Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge gelten etwa 186 Millionen Menschen weltweit als unfruchtbar. Der Grund für Unfruchtbarkeit liegt dabei zu etwa einem Drittel bei der Frau und zu einem Drittel beim Partner. In den restlichen Fällen sind die Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch bei beiden zu finden oder sie bleiben unbekannt.
Anzeichen für Unfruchtbarkeit bei Frauen
Viele Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch quält die Frage: "Bin ich unfruchtbar?". Stellt sich trotz ungeschützten Geschlechtsverkehrs innerhalb eines Jahres keine Schwangerschaft ein, ist eine Frau eventuell tatsächlich unfruchtbar. Neben der ungewollten Kinderlosigkeit ist es gar nicht so einfach, weitere Anzeichen auszumachen, die eindeutig auf eine Sterilität der Frau hindeuten. Mögliche Symptome sind unter anderem:
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Chronische Unterleibsschmerzen
- Starke Regelschmerzen (Dysmenorrhoe)
- Starke und lange Monatsblutungen (Hypermenorrhoe)
- Schwache Blutungen (Hypomenorrhoe)
- Zwischenblutungen (Metrorrhagie)
- Fehlgeburten
- Übermäßige Behaarung (deutet auf zu viele männliche Hormone hin; Hirsutismus)
- Austritt von Flüssigkeit aus der Brust (Galaktorrhoe)
Ob es sich dabei allerdings wirklich um Anzeichen für eine Unfruchtbarkeit der Frau handelt, lässt sich erst nach eingehender Untersuchung beim Frauenarzt feststellen.

Wie kann man Unfruchtbarkeit feststellen?
Meist sind mehrere Untersuchungen und Tests nötig, um eine Unfruchtbarkeit bei der Frau festzustellen. Dazu gehören beispielsweise:
- Gespräch mit dem Arzt: Erörterung von Regelmäßigkeit, Stärke und Dauer der Regelblutung, bestehenden Erkrankungen, Medikamenteneinnahme.
- Gynäkologische Untersuchung: Beurteilung der äußeren Geschlechtsorgane, der Bauchdecke und der Brust.
- Ultraschall (Sonographie): Zur visuellen Beurteilung der Organe.
- Gynäkologischer Abstrich: Pap-Test, Untersuchung des Zervixsekrets (Farnkrauttest), Nachweis von Bakterien.
- Basaltemperaturkurve oder Zyklusmonitoring: Zur Überprüfung des Eisprungs.
- Hormonuntersuchung: Messung von Östrogenen, luteinisierendem Hormon (LH), follikelstimulierendem Hormon (FSH), Androgenen (Testosteron, DHEA-S), Prolaktin, Progesteron, Schilddrüsenhormonen, Anti-Müller-Hormon (AMH).
- Eileiteruntersuchung: Ultraschalluntersuchung (Hysterosalpingo-Kontrastsonografie) und Röntgen der Eileiter (Hysterosalpingografie) zur Überprüfung der Durchgängigkeit. Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) oder Bauchspiegelung (Laparoskopie) können ebenfalls notwendig sein.
- Genetische Untersuchung: Mittels Blutuntersuchung, falls genetische Ursachen vermutet werden.
Nicht immer liegt die Ursache für Unfruchtbarkeit bei der Frau. Der Grund kann auch beim Partner liegen oder bei beiden gemeinsam. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass sich sowohl die Frau als auch der Mann untersuchen lassen.
Ursachen für Unfruchtbarkeit der Frau
Neben Faktoren, die eine Sterilität bei beiden Geschlechtern gleichermaßen begünstigen (z.B. Übergewicht, Nikotin, Drogen, Alkohol oder Stress), gibt es geschlechtsspezifische Ursachen, die bei Frauen zu Problemen beim Schwanger werden führen können.
Fortgeschrittenes Alter
Heutzutage entscheiden sich Paare immer später dazu, eine Familie zu gründen. Allerdings erhöht sich schon ab dem 30. Lebensjahr die Wahrscheinlichkeit für eine Unfruchtbarkeit der Frau. So liegt die Chance von Frauen, mit 30 Jahren innerhalb eines Jahres erfolgreich schwanger zu werden, bei 75 Prozent; mit 35 Jahren sinkt der Wert auf 66 Prozent. Mit 40 Jahren beträgt er nur noch 44 Prozent. Der Grund: Die Anzahl und Qualität der Eizellen gehen mit dem Alter zurück, und es steigt die Wahrscheinlichkeit für Chromosomenschäden, Fehlgeburten, Komplikationen und Unfruchtbarkeit. Eine Frau sollte daher mit dem Kinderkriegen nicht allzu lange warten.
Hormonelle Störungen
Bei rund 30 bis 40 Prozent der betroffenen Frauen ist eine hormonelle Störung Grund für ihre Unfruchtbarkeit. Läuft der weibliche Hormonhaushalt nicht reibungslos, führen folgende Probleme zur Unfruchtbarkeit:
- Die Frau produziert zu wenig oder keine Eizellen.
- Der Eisprung findet nicht statt (Anovulation).
- Der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut für die Einnistung einer befruchteten Eizelle bleibt aus.
- Die Konsistenz des Zervixschleims (im Gebärmutterhals) erschwert das Eindringen der Samenzelle.
Hormonell bedingte Zyklusstörungen können unterschiedlicher Art sein: Manchmal ist der Zyklus verlängert (Oligomenorrhoe) oder verkürzt (Polymenorrhoe) oder die Regelblutung bleibt komplett aus (Amenorrhoe).
Hormonelle Störungen als Ursache der weiblichen Unfruchtbarkeit betreffen in vielen Fällen die Geschlechtshormone wie etwa Östrogen, Prolaktin, Gonadotropin und das Gelbkörperhormon Progesteron. Beispielsweise weisen Frauen mit starkem Übergewicht (Adipositas) oft erhöhte Blutspiegel für Testosteron und Östrogen auf. Genauso kann auch Untergewicht die Fruchtbarkeit infolge Störungen der Geschlechtshormone negativ beeinflussen. Manchmal steckt hinter einer Unfruchtbarkeit der Frau das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom). Mitunter führt ein sogenanntes Prolaktinom - ein gutartiger Tumor der Hypophyse - dazu, dass Prolaktin im Gehirn ausgeschüttet wird und so den Eisprung stört.
Neben Geschlechtshormonen sind auch sehr oft Schilddrüsenhormone für die Unfruchtbarkeit der Frau verantwortlich: Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) führt vor allem zu Fehlgeburten (Aborten). Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) bringt die Hormone Prolaktin und das luteinisierende Hormon durcheinander, was Problemen beim Eisprung verursachen kann.
Darüber hinaus löst mitunter auch ein gestörter Insulinstoffwechsel bei Diabetes eine weibliche Unfruchtbarkeit aus (Insulin ist ein blutzuckersenkendes Hormon).
Organische Ursachen
Es kommt vor, dass eine hormonelle Störung eine organische Ursache hat. Gründe dafür sind unter Umständen aber auch eine angeborene Fehlbildung, eine Operation oder Krankheiten. Frauen mit verklebten, vernarbten bzw. verwachsenen oder verschlossenen Eileitern beispielsweise haben oft Probleme, schwanger zu werden. Auslöser dafür können sein:
- Entzündungen (z.B. Eileiterentzündung)
- Infektionen (z.B. Chlamydien)
- Endometriose (wenn Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle in andere Unterleibsorgane wächst)
- Verwachsungen nach Operationen
- Spirale
- Eierstockzysten
- Gutartiger Tumor der Gebärmutter (Myom)
- Hormonproduzierende Tumore
Immunologische Sterilität
Manchmal ist auch das Immunsystem schuld daran, dass eine Frau unfruchtbar ist. Frauen produzieren in diesem Fall Antikörper, die sich gegen die eigenen Eizellen oder gegen die Samenzellen des Partners richten: Die Abwehrzellen binden an die Keimzellen und blockieren sie so. Eine erfolgreiche Befruchtung ist dann nicht möglich.
Psyche, Stress oder Sexualstörung
Oftmals ist organisch alles in Ordnung, dennoch wird die Frau nicht schwanger. In diesem Fall gilt es, mögliche innere Konflikte genauer zu analysieren, denn die Psyche trägt nicht unwesentlich zu einer erfolgreichen Fortpflanzung bei. Ängste, Stress, Anspannung sowie starke körperliche Belastung bringen den weiblichen Hormonhaushalt schnell durcheinander. Auch Sexualstörungen (z.B. Libidoverlust, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) in der Paarbeziehung erschweren die Fortpflanzung.
Genetische Defekte
Als mögliche Ursache für die Unfruchtbarkeit der Frau kommen auch genetische Veränderungen in Frage. Diese können beispielsweise zu Problemen bei der Zellteilung führen, sodass sich eine befruchtete Eizelle nicht weiterentwickelt und auch nicht in der Gebärmutter einnistet. Auch das sogenannte Turner-Syndrom, bei dem Betroffene nur ein Geschlechtschromosom besitzen, resultiert in der Unfruchtbarkeit der Frauen.
Mehrere Fehlgeburten
Viele Frauen werden zwar schwanger, erleiden aber immer wieder eine Fehlgeburt (Abort). Gründe können Fehlbildungen der Gebärmutter, eine Chromosomenstörung beim Kind, Infektionen, Myome oder Schilddrüsenstörungen sein. Nicht immer lässt sich die Ursache jedoch finden.

Was ist eine niedrige ovarielle Reserve?
Die ovarielle Reserve ist die Anzahl der Eizellen, die eine Frau in ihren Eierstöcken hat. Wenn bei einer Frau eine niedrige ovarielle Reserve diagnostiziert wird, bedeutet dies, dass sie weniger Eizellen hat, als sie für ihr Alter haben sollte, oft sind diese Eizellen von geringerer Qualität. Bei der Geburt verfügen Frauen über eine bestimmte Anzahl von Eizellen, die mit der Zeit abnimmt. Im Laufe des Lebens einer Frau gehen jeden Monat Dutzende von Keimzellen verloren. Die besten Eizellen werden in den 20er und 30er Jahren der Frau freigesetzt. Die Qualität und die Quantität der Eizellen nehmen mit den Jahren auf natürliche Weise ab, wobei dieser Rückgang ab dem 35. Lebensjahr stärker wird.
Das Alter ist die häufigste Ursache für eine geringe Ovarialreserve. Eine niedrige ovarielle Reserve zeigt normalerweise keine Symptome. In einigen Fällen kann es zu Unregelmäßigkeiten im Menstruationszyklus kommen, zu verkürzten Zyklen (statt 28 nur 24 oder 26 Tage zwischen den Zyklen). Die Bestätigung einer niedrigen ovariellen Reserve erfolgt durch Labortests und die Auswertung der Krankengeschichte der Patientin.
Diagnostik der niedrigen Ovarialreserve
Zur Diagnose einer niedrigen Ovarialreserve werden verschiedene Tests eingesetzt:
- Anti-Müller-Hormon (AMH): Dieses Hormon wird von den Eierstockfollikeln produziert und sein Anteil im Blut gibt Hinweise auf die Menge der in den Eierstöcken verbliebenen Eizellen. Je höher der AMH-Wert, desto größer die ovarielle Reserve.
- Follikelstimulierendes Hormon (FSH): Dieses Hormon, das von der Hypophyse gebildet wird, stimuliert das Follikelwachstum in den Eierstöcken. Ein erhöhter FSH-Wert, insbesondere zu Beginn des Zyklus, kann auf eine geringe Reserve hindeuten.
- Estradiol: Dieses Hormon wird von den aktiven Follikeln gebildet.
- Luteinisierendes Hormon (LH): Dieses Hormon ist für die Follikelproduktion und die Auslösung des Eisprungs verantwortlich.
- Ultraschalluntersuchung (transvaginaler Ultraschall): Mit dieser Methode können die sogenannten Antralfollikel - kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen in den Eierstöcken, die Eizellen enthalten - gezählt werden. Eine geringe Anzahl von Antralfollikeln ist ein Indikator für eine niedrige ovarielle Reserve.
Die Untersuchung ist am aussagekräftigsten in der frühen Follikelphase und sollte zwischen dem 2. und 5. Zyklustag erfolgen.
Behandlung bei niedriger ovarieller Reserve
Behandlung der Unfruchtbarkeit und niedrigen Ovarialreserve
Abhängig von der Diagnose und den individuellen Umständen der Frau sind verschiedene Behandlungen möglich:
- Hormonelle Stimulation der weiblichen Eierstöcke: Dies geschieht mit Medikamenten (Tabletten oder Spritzen), um die Eizellreifung anzuregen. Die Behandlung beginnt meist am dritten Tag nach Beginn der Regelblutung und wird durch Ultraschalluntersuchungen und Hormonwerte kontrolliert. Manchmal ist die Gabe eines Medikaments erforderlich, das den Eisprung auslöst.
- Hormontherapie: Gezielte Gabe oder Hemmung bestimmter Hormone (z.B. Östrogen, Prolaktin, Gonadotropin, Progesteron) zur Regulierung des Hormonhaushalts.
- Intrauterine Insemination (IUI): Hierbei werden aufbereitete Spermien direkt in die Gebärmutter, den Gebärmutterhals oder die Eileiter eingebracht. Dies ist oft bei eingeschränkter männlicher Fruchtbarkeit oder Problemen mit dem Zervixschleim der Frau indiziert.
- Künstliche Befruchtung (In-vitro-Fertilisation, IVF): Bei dieser Methode werden Eizellen aus dem Eierstock entnommen und im Labor mit Spermien befruchtet. Die entstandenen Embryonen werden anschließend in die Gebärmutter transferiert. IVF wird unter anderem bei Eileiterverschlüssen, Endometriose oder Problemen mit der Samenzellqualität eingesetzt.
- Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI): Eine spezielle Form der IVF, bei der ein einzelnes Spermium direkt in eine Eizelle injiziert wird. Dies ist besonders bei schwerer männlicher Unfruchtbarkeit eine Option.
- Eizellspende: Frauen, deren eigene Eizellen nicht mehr zur Verfügung stehen oder von geringer Qualität sind (oft bei fortgeschrittenem Alter oder vorzeitiger ovarieller Insuffizienz), können Eizellen von einer Spenderin erhalten.
- Kryokonservierung (Einfrieren) von Eizellen: Eizellen können eingefroren und zu einem späteren Zeitpunkt für eine IVF oder ICSI verwendet werden. Dies ist eine Option für Frauen, die ihren Kinderwunsch aufschieben möchten oder sich einer Behandlung unterziehen müssen, die ihre Fruchtbarkeit beeinträchtigen könnte (z.B. Chemotherapie).
- Operation: Chirurgische Eingriffe können notwendig sein, um organische Ursachen wie Verwachsungen, Endometrioseherde oder Myome zu beheben und die Durchgängigkeit der Eileiter zu verbessern.
- Reaktivierung der Eierstöcke: Techniken wie die Verabreichung von eigenem plättchenreichem Plasma (PRP) in den Eierstock werden erforscht, um die Eizellgewinnung zu verbessern und die Fruchtbarkeit bei jungen Patientinnen wiederherzustellen.
Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und Stressabbau begünstigt den Behandlungserfolg. Techniken zur Reaktivierung der Eierstöcke sind noch in der Erforschung, aber vielversprechend, insbesondere bei jungen Patientinnen.

Vorbeugung und Fruchtbarkeitserhaltung
Es gibt keine wissenschaftlich belegte Methode zur Vergrößerung der ovariellen Reserve. Daher ist es empfehlenswert, eine Erschöpfung der ovariellen Reserve so früh wie möglich zu erkennen, um einem weiteren Verlust entgegenzuwirken. Bei gynäkologischen Untersuchungen kann die Follikelzahl überprüft werden. Frauen, die ihren Kinderwunsch erst zu einem späteren Zeitpunkt realisieren möchten, haben die Möglichkeit, ihre Eizellen einfrieren zu lassen.
Wichtige Informationen für die Behandlung
Wenn Sie außerhalb Spaniens leben, können Sie Ihre erste Beratung zur assistierten Reproduktion online durchführen. Fruchtbarkeitstests können auch in Ihrem Land vorgenommen und im Anschluss an die Klinik gesendet werden. Die Behandlung hängt von den Umständen und dem Alter einer Frau ab. Bei Frauen über 42 Jahren kann die Verwendung von Eizellen einer anderen Frau die einzige Möglichkeit einer Schwangerschaft sein.
Beratung und Unterstützung
Das Thema Unfruchtbarkeit und die damit verbundenen Behandlungen können psychisch belastend sein. Es ist wichtig, sich umfassend zu informieren und professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Eine individuelle Beratung hilft, die Ursachen der ungewollten Kinderlosigkeit zu erkennen und die am besten geeigneten therapeutischen Maßnahmen zu finden.