Entwicklung eines Kleinkindes im 20. Monat: Ein umfassender Überblick

Der 20. Monat im Leben eines Kleinkindes ist eine spannende Zeit, die von rasanten Fortschritten in den geistigen, emotionalen und motorischen Fähigkeiten geprägt ist. In dieser Phase entwickelt sich das Kind zunehmend zu einer eigenständigen Persönlichkeit und beginnt, die Welt um sich herum mit neuen Augen zu sehen und zu begreifen.

Die Ich-Entwicklung und das Selbstbewusstsein

Um den 20. Monat herum beginnt Ihr Kleinkind, eine erste Vorstellung vom eigenen „Ich“ zu entwickeln. Es erkennt sich selbst im Spiegel an und kann sein Bewusstsein des eigenen Ichs mit seinem Vornamen und den Zuschreibungen seiner Umwelt verknüpfen. Diese Zuschreibungen, wie „Ich bin das Kind von Mama und Papa“ oder „Ich habe einen Hasen als Lieblingskuscheltier“, sind angelernt und verinnerlicht. Zusammen mit den Erfahrungen der Selbstwirksamkeit entsteht daraus das kindliche Selbstbewusstsein.

Diese Ich-Entwicklung wird durch die Autonomiephase und das Austesten von Grenzen weiter gefestigt. Das Kind lernt durch Wutanfälle und das wiederholte „Nein“ sagen, was seine eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Vorstellungen sind. Gleichzeitig entwickelt es ein erstes Verständnis von Empathie.

Infografik: Entwicklung des kindlichen Selbstbewusstseins im Kleinkindalter

Sprachentwicklung: Vom Wortschatz zum Satz

Die Sprachentwicklung macht im 20. Monat große Fortschritte. Der Wortschatz eines 20 Monate alten Kleinkindes liegt üblicherweise zwischen 50 und 200 Wörtern, wobei das Sprachverständnis deutlich höher ist. Das Kind kann nun mit zwei oder mehr Wörtern einen sinnvollen Satz bilden und versteht einfache Zusammenhänge. Es verwendet meist Wörter, die sich auf vertraute Objekte oder Menschen beziehen. Wenn es etwas haben möchte, kann es dies nun mitteilen, was das Zusammenleben für alle Beteiligten erleichtert.

Eltern sollten weiterhin auf ihre Wortwahl achten, da Kinder ihre Eltern in ihrem Verhalten nachahmen. Das Sprechen mit viel Melodie und die Unterstützung durch Mimik und Gestik helfen dem Kind, Sprache zu verstehen und sich auszudrücken. Es ist ratsam, von Anfang an die richtigen Bezeichnungen für Gegenstände und Tiere zu verwenden, anstatt auf Babysprache zurückzugreifen.

Spiel und Fantasie: Soziale Interaktionen und Rollenspiele

Die Fantasie Ihres Kleinkindes ist in diesem Alter oft ausgeprägt. Es taucht in eigene Spielwelten ein und beschreibt diese. Soziale Interaktionen werden mit Kuscheltieren oder anderen Gegenständen nachgespielt, wie „Tee trinken“, „Jemanden ins Bett bringen“ oder „Füttern“. Das Kind ahmt beobachtete Programme nach und baut eigene fantasiebezogene Wörter, Dinge, Handlungsstränge und Orte ein. Dies verbindet Sprache, Sozialverhalten und Spiel.

Spielerisches Lernen ist in dieser Phase besonders wichtig. Durch das Erkunden von Gegenständen und das Ausprobieren von Funktionen lernt das Kind, wie Dinge funktionieren. Die Bereitstellung von altersgerechtem Spielzeug wie kleinen Teetassen, Puppenbetten oder Spielfiguren kann die Freude am Spielen steigern.

Illustration: Kinder spielen mit Kuscheltieren und fantasievollen Requisiten

Motorische Entwicklung und Bewegung

Ab einem Alter von 20 Monaten ist es üblich, dass sich das Kind selbstständig hochziehen, aufrichten und fortbewegen möchte. Das zweite Lebensjahr ist geprägt von einem großen Bewegungsdrang. Ausflüge in die Natur, auf den Spielplatz oder Besuche bei Freunden sind sehr beliebt. Das Kind möchte oft nicht mehr im Buggy geschoben werden, da es unterwegs viel zu entdecken gibt.

Die motorischen Fähigkeiten verbessern sich stetig. Das An- und Ausziehen klappt schon recht gut, das Umblättern von Seiten im Buch, das Trinken aus einem Glas und das Essen mit einem Löffel werden geübt. Auch der Umgang mit einem Stift wird besser, und ungiftige Knete begeistert das Kind zum Formen und Zerreißen.

Autonomiephase und Grenzen austesten

Das „Trotzen“ und das Austesten von Grenzen sind typische Merkmale der Autonomiephase, die sich im 20. Monat verstärkt. Das Kind testet Grenzen aus, weil es eine große Neugierde verspürt und wissen möchte, was passiert, wenn es etwas Verbotenes tut. Es erforscht das Feld der Konflikte, um zu erfahren, welche Reaktionen es hervorruft.

Eltern können hier pädagogisch wertvoll reagieren, indem sie das unerwünschte Verhalten sprachlich wiederholen, ihre eigenen Gefühle ausdrücken und eine alternative Handlung vorschlagen. Gewaltfreie Kommunikation kann helfen, eine Verbindung auf Augenhöhe mit dem Kind aufzubauen und Verständnis für seinen Entdeckergeist zu zeigen.

Gewaltfreie Kommunikation

Ernährung und Essverhalten

Eine ausgewogene Ernährung ist für das Wachstum und die Entwicklung des Kleinkindes entscheidend. Drei Hauptmahlzeiten und zwei Snacks sollten alle notwendigen Nährstoffe liefern. Der Speiseplan sollte ausreichend Eiweiße, Milchprodukte, Vollkorngetreide, Obst und Gemüse enthalten.

Wenn das Kind Gemüse ablehnt, können Eltern als Vorbilder agieren, indem sie selbst genussvoll Gemüse essen. Eine bunte Auswahl an Obst und Gemüse in verschiedenen Formen und Farben macht die Mahlzeiten ansprechender. „Hidden Veggies“ - das unauffällige Untermischen von püriertem Gemüse in Lieblingsspeisen wie Kartoffelpüree oder Saucen - kann ebenfalls helfen. Auch gemeinsame Kochaktivitäten fördern das Interesse am Essen.

Schlaf und Nachtschreck

Das Kleinkind benötigt etwa 11 bis 14 Stunden Schlaf pro Tag, einschließlich eines Mittagsschlafs. Regelmäßige Bettzeiten fördern einen guten Schlaf. Gelegentlich kann es zu Schlafstörungen kommen. Der Nachtschreck, bei dem das Kind schreiend aufwacht, sich aber nicht beruhigen lässt und nicht wirklich wach ist, kann vorkommen. Dies wird oft als eine Art schlafende Angstattacke interpretiert, die mit der Verarbeitung von Eindrücken, Gefühlen oder Stress zusammenhängen kann.

Wenn das Kind nachts häufig aufwacht, kann dies auch daran liegen, dass der Schlafbedarf gesunken ist. Eine Verkürzung des Mittagsschlafs oder eine spätere Zubettgehzeit am Abend können Abhilfe schaffen.

Gesundheit und Sicherheit

Die Gesundheit des Kleinkindes steht im Vordergrund. Das Erlernen von Mundhygiene, wie Zähneputzen, kann spielerisch gestaltet werden, beispielsweise durch Zahnputzlieder oder Handpuppen. Bei der Ernährung sollte auf zuckerhaltige Süßigkeiten, die sich langsam im Mund auflösen und die Zähne verkleben, verzichtet werden. Müsliriegel oder Vollkornkekse sind gesündere Alternativen.

Die Sicherheit des Kindes ist ebenfalls von größter Bedeutung. Eltern sollten wachsam sein und gefährliche Gegenstände außer Reichweite aufbewahren. Bei Ausflügen mit dem Fahrrad ist ein gut sitzender Helm und ein sicherer Kindersitz unerlässlich. Die Auswahl des richtigen Helms und Sitzes sollte in einem Fachgeschäft erfolgen.

Förderung der Eigenständigkeit und Kreativität

Eltern können die Entwicklung ihres Kindes fördern, indem sie ihm so viel wie möglich erlauben, selbst zu entscheiden und zu handeln. Die Wahl zwischen zwei Optionen, wie „Banane oder Apfel?“ oder „Spielplatz oder Park?“, stärkt das Selbstbewusstsein. Eine vorbereitete Umgebung, in der das Kind eigenständig agieren kann, unterstützt diesen Prozess.

Kreativität wird durch fantasievolles Spiel gefördert. Das Bereitstellen von Materialien wie Bauklötzen, Naturmaterialien oder Bastelutensilien regt die Fantasie an. Auch das gemeinsame Gestalten von Dekorationen für saisonale Feiertage kann Freude bereiten.

Umgang mit Emotionen und Trennungsangst

An manchen Tagen ist das Kleinkind sehr emotional und neigt zu Trotzanfällen. Gutes Benehmen wahrzunehmen und das Kind dafür zu loben, ist ein wirksames Mittel. Lob und Aufmerksamkeit sind für das Kind wichtig. Wenn das Kind viel Energie hat und frustriert oder verärgert ist, kann es helfen, diese Energie durch Bewegung im Freien zu kanalisieren.

Die Trennungsangst, die in den letzten Monaten ein großes Thema war, könnte langsam nachlassen. Dennoch ist es normal, dass sich das Kind von Zeit zu Zeit ängstlich fühlt, wenn Eltern den Raum verlassen. Eine kurze Umarmung und die Zusicherung, bald zurück zu sein, können helfen. Das Kind sollte behutsam auf Trennungen vorbereitet werden, um ihm die Situation zu erleichtern.

Die Rolle der Eltern

Die letzten 20 Monate waren für Eltern eine intensive Zeit des Lernens und Wachsens. Eltern sind Vorbilder und prägen die Entwicklung ihres Kindes maßgeblich. Durch achtsame Begleitung im Wachstum, das Setzen konsequenter Grenzen und das Schaffen einer sicheren Umgebung unterstützen Eltern die Entwicklung eines selbstbewussten und emotional stabilen Kindes.

Das Leben mit einem 20 Monate alten Kleinkind ist ein Abenteuer, das manchmal auch Chaos mit sich bringt. Das Einbeziehen des Kindes in tägliche Arbeiten, wie das Aufräumen, kann den Alltag erleichtern und spielerisch fördernd wirken.

Collage: Eltern, die mit ihren Kleinkindern spielen, lernen und den Alltag meistern

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