Die Schwangerschaft ist eine Zeit voller Vorfreude, aber auch Unsicherheiten. Um sicherzustellen, dass es dem Baby im Mutterleib gut geht, stehen moderne medizinische Verfahren zur Verfügung, die die Entwicklung und das Wohlbefinden des Ungeborenen überwachen. Eines dieser wichtigen Instrumente, insbesondere in den letzten Schwangerschaftswochen und während der Geburt, ist das Kardiotokogramm (CTG), auch bekannt als Wehenschreiber oder Herzton-Wehenschreiber.
Was misst das CTG?
Das CTG ist ein diagnostisches Verfahren, das simultan die Herztöne des Fötus und die Wehentätigkeit der Mutter aufzeichnet. Moderne CTG-Geräte im Kreißsaal können darüber hinaus auch Kindsbewegungen erfassen. Somit dient das CTG der umfassenden Überwachung des ungeborenen Babys.

Historischer Hintergrund
Die Möglichkeit, die Herzschläge eines Babys noch vor der Geburt zu hören, ist das Ergebnis medizinischer Fortschritte, die bis ins späte 19. Jahrhundert zurückreichen. Im Jahr 1895 entwickelte der französische Frauenarzt Adolphe Pinard ein einfaches Holzrohr, das als Pinard-Stethoskop bekannt wurde. Dieses Gerät ermöglichte Ärzten und Hebammen erstmals, die Herztöne des ungeborenen Kindes durch Anlegen des Rohrs auf den Bauch der Mutter zu hören - eine Revolution für die Geburtshilfe.
Wie läuft eine CTG-Untersuchung ab?
Ein CTG ist eine schmerzfreie und unkomplizierte Untersuchung, die in der Regel zwischen 20 und 40 Minuten dauert. Die werdende Mutter nimmt dabei eine möglichst entspannte Position ein, meist liegend auf der Seite oder halbsitzend.
Die Messung
Zwei Hauptkomponenten sind für die Messung verantwortlich:
- Eine Ultraschallsonde überwacht die Herzaktivität des Babys. Bei einigen Modellen zeichnet diese Sonde auch die Kindsbewegungen auf.
- Ein Drucksensor, der im oberen Bauchbereich (am oberen Rand der Gebärmutter) angebracht wird, erfasst die Wehentätigkeit.
Die von den Sensoren auf dem Bauch empfangenen Signale werden per Kabel oder drahtlos an einen Computer weitergeleitet. Dieser wandelt die Daten in Kurven um, die auf Millimeterpapier ausgedruckt werden. Die obere Kurve stellt die kindlichen Herztöne (in Herzschlägen pro Minute) dar, während die untere Kurve die Wehentätigkeit anzeigt.

Anwendung und Empfehlungen
Lange Zeit gehörte das CTG zu den routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen in den letzten Schwangerschaftswochen, etwa ab der 30. Schwangerschaftswoche (SSW). Gemäß den aktuellen Mutterschaftsrichtlinien wird das CTG bei einer komplikationslosen Schwangerschaft ohne besonderen Grund jedoch nicht mehr generell empfohlen.
CTG während der Geburt
Auch die Empfehlungen bezüglich des Einsatzes von CTG während der Geburt haben sich geändert. Während früher bei Ankunft einer Schwangeren mit Wehen in der Klinik meist direkt ein CTG geschrieben wurde, um den Geburtsbeginn zu überprüfen, empfehlen aktuelle Leitlinien, wie die S3-Leitlinie „Vaginale Geburt am Termin“, in der Eröffnungsphase eine regelmäßige (alle 15 bis 30 Minuten) Kontrolle der Herztöne mittels eines Pinard-Hörrohrs oder Doppler-Ultraschalls - vorausgesetzt, es liegt eine 1:1-Betreuung durch kompetentes Personal vor. In vielen Geburtskliniken ist diese Voraussetzung jedoch nicht immer gegeben. In bestimmten Fällen ist eine kontinuierliche CTG-Überwachung während der gesamten Entbindung dennoch ratsam.
Viele gynäkologische Praxen führen jedoch weiterhin routinemäßig CTGs durch, beginnend ab der 28. oder 30. SSW, zunächst alle zwei Wochen und ab der 36. SSW wöchentlich. Nach dem errechneten Geburtstermin wird der Zustand des Kindes oft alle zwei Tage per CTG kontrolliert.
Es ist wichtig zu wissen, dass ein CTG nur eine Momentaufnahme darstellt und falsch-positive Ergebnisse liefern kann. Nicht alle Mediziner und Hebammen befürworten daher das CTG als Routineuntersuchung in der Schwangerschaftsvorsorge, da es unnötige Beunruhigung auslösen oder zu überflüssigen medizinischen Maßnahmen führen kann.
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Auswertung der CTG-Kurven
Die Auswertung der aufgezeichneten Kurven gibt Aufschluss über den Zustand des Babys. Die obere Kurve zeigt die fetale Herzaktivität, die untere Kurve die Wehentätigkeit (Tokogramm).
Was ist „normal“?
Bei einem unauffälligen CTG liegt die durchschnittliche Herzfrequenz des Babys zwischen 110 und 160 Schlägen pro Minute. Kleine Schwankungen sind normal und können beispielsweise durch Kindsbewegungen verursacht werden, die zu einer Erhöhung der fetalen Herzfrequenz führen. Auch eine Dezeleration, ein kurzzeitiges Verlangsamen der Herzschläge, kann auftreten, zum Beispiel während einer Wehe, wenn durch den Druck auf das kindliche Köpfchen die Herztöne vorübergehend abfallen.
Die Überprüfung der Wehentätigkeit dient dazu, die Reaktion des Babys auf die Wehen zu beurteilen. Selbst wenn die Mutter noch keine Kontraktionen spürt, kann der Wehenschreiber bereits sehr leichte Kontraktionen der Gebärmutter registrieren. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass die Höhe der Kurven nicht die exakte Wehenstärke angibt, sondern lediglich Druckveränderungen auf der Bauchdecke misst, die individuell variieren können.
Der FIGO-Score
Zur systematischen Auswertung der CTG-Muster wird häufig der FIGO-Score (entwickelt von der Internationalen Föderation für Gynäkologie und Geburtshilfe) verwendet. Dieser Score bewertet verschiedene Parameter:
- Grundfrequenz (Baseline): Die durchschnittliche Herzfrequenz des Babys über mindestens zehn Minuten. Normalerweise zwischen 110 und 160 Schlägen pro Minute.
- Bandbreite (Oszillation): Die Differenz zwischen höchster und tiefster gemessener Herzfrequenz. Bei einem normalen Befund schwankt die Herzfrequenz um 5 bis 25 Schläge pro Minute. Geringere Schwankungen können auftreten, wenn das Baby schläft.
- Akzeleration: Ein vorübergehender Anstieg der Herzfrequenz. Sporadische Akzelerationen sind ein gutes Zeichen dafür, dass das Baby auf Sauerstoffbedarf reagieren kann (z. B. bei Bewegung). Fehlende Akzelerationen oder periodische Beschleunigungen bei jeder Wehe können auffällig sein.
- Dezeleration: Ein vorübergehender Abfall der kindlichen Herzfrequenz.
Basierend auf diesen Parametern wird das CTG als normal, suspekt oder pathologisch eingestuft.
Auffällige CTG-Ergebnisse
Bei einem suspekten CTG werden zunächst die Ursachen für die auffälligen Werte gesucht, und es werden konservative Maßnahmen ergriffen, gefolgt von einer erneuten CTG-Aufzeichnung. Ein pathologisches CTG kann auf ein Risiko einer unzureichenden Sauerstoffversorgung des Kindes hinweisen. In solchen Fällen wird das CTG engmaschiger kontrolliert, und bei ausbleibender Besserung oder auffälliger fetaler Blutgasanalyse kann die Einleitung oder Beschleunigung der Entbindung, gegebenenfalls per Kaiserschnitt, erwogen werden.
Um das Wohlbefinden des Babys bei auffälligen CTG-Ergebnissen weiter zu beurteilen, kann eine Fetalblutanalyse durchgeführt werden, bei der einige Tropfen Blut aus der Kopfhaut des Kindes zur pH-Wert-Bestimmung entnommen werden.
Wichtige Hinweise zum CTG
- Das CTG ist ein wertvolles Hilfsmittel zur Sicherstellung des Wohlbefindens des Babys, sollte aber als Teil des Gesamtbildes der Schwangerschaft oder Geburt betrachtet werden.
- Manchmal reagieren Kinder während der Aufzeichnung sehr lebhaft, was die Messung erschweren kann. Beruhigende Worte der Mutter oder leichte Stimulation des Bauches können helfen.
- Wenn die kindlichen Herzfrequenzen schmalere Ausschläge zeigen, kann dies auf Schlafphasen des Babys hindeuten.
- Während der Geburt beeinflussen Wehen die fetale Herzaktivität. Ein kurzzeitiger Abfall der Herzfrequenz während einer Kontraktion ist normal, solange sich die Werte danach wieder normalisieren.
- Das CTG gibt Sicherheit, da es Herzschlag und Wehen in Echtzeit zeigt. Es ist jedoch wichtig, sich bewusst zu sein, dass viele „auffällige“ Kurven harmlos sind und auf normale Prozesse wie Bewegung, Schlaf oder Wehen zurückzuführen sind.
- Fragen Sie Ihre medizinischen Betreuer, wenn Unklarheiten bestehen. Oft reichen einfache Maßnahmen wie ein Lagewechsel, etwas Trinken oder kurzes Abwarten, damit sich die Kurven beruhigen.
- Sie haben das Recht, ein CTG abzulehnen, insbesondere wenn es als reine Routineuntersuchung ohne besonderen Grund durchgeführt werden soll.

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