Beim Organscreening wurde der Verdacht auf eine Plazenta accreta geäußert. Eine Plazenta praevia war bereits bekannt. Die Diagnose Plazenta accreta, die erst am Vortag mitgeteilt wurde, wirft viele Fragen auf, insbesondere hinsichtlich der Risiken für eine erneute Schwangerschaft und die Geburt.

Plazenta praevia: Eine Fehllage des Mutterkuchens
Die Plazenta praevia, auch vorliegende Plazenta genannt, ist eine Fehllage des Mutterkuchens. Dabei liegt die Plazenta so tief in der Gebärmutter, dass sie den inneren Muttermund ganz oder teilweise bedeckt. Dies kann den Zugang zum Geburtskanal blockieren und zu Komplikationen führen.
Formen der Plazenta praevia
- Tiefsitzende Plazenta: Die Plazenta liegt weniger als 2 cm vom Rand des Muttermundes entfernt, berührt ihn aber nicht.
- Placenta praevia marginalis: Das Plazentagewebe berührt den Rand des inneren Muttermundes, verdeckt ihn aber nicht.
- Placenta praevia partialis: Das Plazentagewebe bedeckt die Muttermundöffnung teilweise.
- Placenta praevia totalis: Der Mutterkuchen bedeckt den inneren Muttermund vollständig und versperrt den Geburtskanal.
Die Wahrscheinlichkeit für eine Plazenta praevia liegt bei etwa 0,5 Prozent aller Schwangerschaften. In vielen Fällen kann sich eine tiefsitzende Plazenta im Verlauf der Schwangerschaft durch das Wachstum der Gebärmutter nach oben verlagern.
Plazenta accreta: Ein gefährliches Einwachsen
Plazenta accreta ist eine schwerwiegende Form der Plazentationsstörung, bei der die Plazenta abnormal tief in die Gebärmutterwand einwächst. Es gibt verschiedene Schweregrade:
- Plazenta accreta: Die Plazenta wächst über die innere Schleimhautschicht hinaus und haftet fest am Muskel.
- Plazenta increta: Die Plazenta dringt tief in die Muskelschicht der Gebärmutter ein.
- Plazenta percreta: Die Plazenta wächst durch die äußerste Schicht der Gebärmutter und kann andere Organe beeinträchtigen.
Das Risiko für eine Plazenta accreta steigt signifikant mit der Anzahl vorausgegangener Kaiserschnitte. Bei Frauen mit einer oder mehreren Kaiserschnitten ist eine engmaschige Überwachung besonders wichtig.
Risiken und Komplikationen
Eine Plazenta praevia und insbesondere eine Plazenta accreta bergen erhebliche Risiken:
- Starke Blutungen: Sowohl während der Schwangerschaft als auch unter der Geburt können lebensbedrohliche Blutungen auftreten.
- Erschwerte Nachgeburt: Bei Plazenta accreta löst sich die Plazenta nach der Geburt nicht von selbst, was manuelle Eingriffe und weitere Blutungen nach sich ziehen kann.
- Notwendigkeit eines Kaiserschnitts: Bei Plazenta praevia totalis oder partialis ist ein Kaiserschnitt in der Regel unumgänglich. Bei Plazenta accreta ist ein Kaiserschnitt fast immer erforderlich und muss sorgfältig geplant werden.
- Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie): In schweren Fällen von Plazenta accreta kann die Entfernung der Gebärmutter die sicherste Methode sein, um lebensbedrohliche Blutungen zu stoppen.
- Erhöhtes Risiko für Frühgeburten: Die Komplikationen können dazu führen, dass die Geburt vorzeitig eingeleitet werden muss.
- Vasa praevia: Ein erhöhtes Risiko für diese seltene, aber lebensbedrohliche Komplikation, bei der Blutgefäße des Fötus ungeschützt über dem Muttermund liegen.
- Plazentainsuffizienz: Die Plazenta kann das Kind nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen.
Plazenta-Entbindung (3D-Animation)
Erfahrungsberichte und Management
Frauen, die mit diesen Diagnosen konfrontiert sind, teilen ihre Erfahrungen:
- Einige berichten von einer unkomplizierten Schwangerschaft und Geburt trotz Plazenta praevia, insbesondere wenn die Plazenta sich nach oben verlagert hat.
- Andere beschreiben traumatische Geburtserlebnisse mit hohem Blutverlust und Notoperationen. Die Tatsache, dass die Ärzte im Voraus informiert sind, wird als großer Vorteil genannt, da so eine gezielte Planung der Geburt erfolgen kann.
- Bei einer bekannten Plazenta accreta wird häufig ein geplanter Kaiserschnitt empfohlen, um die Risiken zu minimieren. Dies ermöglicht den Eltern, die Geburt bewusst mitzuerleben und sofort nach der Entbindung bei ihrem Kind zu sein.
- Auch wenn zunächst ein Trauma erlebt wurde, berichten einige Frauen, dass sich ihre Einstellung zu weiteren Kindern geändert hat.
Risikofaktoren für Plazenta praevia und Plazenta accreta
- Mehrere Kaiserschnitte (je mehr, desto höher das Risiko)
- Vorherige Operationen an der Gebärmutter (z.B. Ausschabungen, Myomektomie)
- Mehrlingsschwangerschaften
- Höheres Alter der Mutter (über 35 Jahre)
- Mehrere Schwangerschaften in kurzen Abständen
- Künstliche Befruchtung (IVF)
- Rauchen
- Vorherige Plazenta praevia
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose einer Plazenta praevia erfolgt meist durch Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaftsvorsorge. Bei Verdacht auf Plazenta accreta werden ergänzend oft eine Magnetresonanztomographie (MRT) und eine detaillierte Ultraschalluntersuchung durchgeführt.
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad und den Symptomen:
- Modifizierte Aktivität und Schonung: Vermeidung von anstrengenden Tätigkeiten, schwerem Heben und Geschlechtsverkehr.
- Stationäre Aufnahme: Bei wiederholten oder starken Blutungen ist oft eine Krankenhausaufnahme zur Überwachung notwendig.
- Geplanter Kaiserschnitt: In den meisten Fällen wird die Entbindung per Kaiserschnitt geplant, idealerweise zwischen der 36. und 37. Schwangerschaftswoche, um die Lungenreife des Kindes zu gewährleisten und Risiken zu minimieren.
- Notkaiserschnitt: Bei akuten, lebensbedrohlichen Blutungen oder instabilem Zustand von Mutter oder Kind kann ein sofortiger Kaiserschnitt notwendig sein.
- Medikamentöse Unterstützung: Zur Beschleunigung der Lungenreife des Kindes können Kortikosteroide verabreicht werden. Bei Bedarf werden auch Wehenhemmer eingesetzt.

Die Zeit zwischen der Diagnose und der Geburt ist entscheidend für die strategische Vorbereitung. Eine frühe und genaue Diagnose ermöglicht eine optimale Planung der Entbindung, um die Sicherheit von Mutter und Kind zu gewährleisten.