Viele Frauen kennen es: Kleine alltägliche Missgeschicke, wie das Umschütten des Kaffees, können bereits die Welt bedeuten, oder das Anziehen des Pullovers wird durch Schmerzen in der Brust zur Herausforderung. Das Prämenstruelle Syndrom (PMS) kann die Lebensqualität der Betroffenen maßgeblich einschränken und eine große Belastung darstellen. Es handelt sich um ein komplexes Zusammenspiel aus unterschiedlichen zyklusbedingten, körperlichen und seelischen Beschwerden. Die Vorsilbe „Prä“ bedeutet „vorher“ und beschreibt den Zeitraum vor der monatlichen Regelblutung, also die zweite Zyklushälfte. Das PMS tritt nicht selten auf; fast jede 3. bis 4. Frau ist davon betroffen. Der Höhepunkt der Symptome wird in der fünften Lebensdekade beschrieben. Die lokalen und generalisierten chronisch-wiederkehrenden Beschwerden können sich auf den Alltag auswirken und die Lebensqualität in der beschriebenen Zeit maßgeblich mindern. Dies kann so weit gehen, dass alltägliche Aufgaben nicht mehr nachgegangen werden können, bis hin zur Berufsunfähigkeit.

Was genau ist das Prämenstruelle Syndrom?
Das Prämenstruelle Syndrom (PMS) bezeichnet eine Gruppe körperlicher und psychischer Symptome, die einige Tage vor Beginn einer Menstruationsperiode einsetzen und in der Regel einige Stunden nach dem ersten Tag der Periode enden. Es handelt sich um ein Syndrom, das heißt, das Auftreten von verschiedenen Krankheitszeichen, die in einem Zusammenhang miteinander stehen. Die Silbe „prä“ weist darauf hin, dass etwas zeitlich vor einem Ereignis liegt, in diesem Fall vor der monatlichen Menstruation. Von PMS spricht man, wenn diese Veränderungen das Wohlbefinden erheblich einschränken und im Alltag zur Belastung werden. Dies ist bei mehr als 20-30 % der Frauen im gebärfähigen Alter der Fall. Die Beschwerden des Prämenstruellen Syndroms machen sich immer in der zweiten Zyklushälfte bemerkbar, zwischen Eisprung und Menstruation, genauer gesagt wenige Tage bis maximal zwei Wochen vor der Blutung. Typischerweise klingen sie mehr oder weniger abrupt mit dem Einsetzen der Periode vollständig ab.
Wie viele Frauen sind betroffen und wann treten die Symptome auf?
Das Prämenstruelle Syndrom tritt nicht selten auf; fast jede 3. bis 4. Frau ist davon betroffen. Die Angaben zur Häufigkeit variieren erheblich. Es dürften mehr als drei Viertel aller Frauen mit PMS-Beschwerden vertraut sein, etwa ein Drittel ist relevant beeinträchtigt. Bei Frauen, die unter einer besonders starken Form des PMS leiden und auch psychische Beeinträchtigungen erleben, wird das komplexe Beschwerdebild auch als Prämenstruelle Dysphorische Störung (PMDS) oder PMDD (engl. Premenstrual dysphoric disorder) bezeichnet. Weltweit variieren die Schätzungen von 1 bis 50 Prozent der Frauen mit PMS und bis zu 18 Prozent mit prämenstrueller dysphorischer Störung. Der Höhepunkt der Symptome wird in der fünften Lebensdekade beschrieben. Die Beschwerden bei PMS sind individuell sehr unterschiedlich, ebenso wie der Zeitpunkt, wann sie einsetzen. Typischerweise treten die Symptome in der zweiten Zyklushälfte, mehrere Tage vor der Periode, auf. Bei einigen Ausnahmefällen können die ersten Beschwerden bereits ein bis zwei Wochen vor dem ersten Tag der Regelblutung beginnen. In den Jahren vor der Menopause (sogenannte Perimenopause) können bei den Frauen Symptome auftreten, die während und nach der Menstruationsperiode anhalten. Die Symptome können unter Stress oder während der Perimenopause stärker werden.

Typische Symptome des Prämenstruellen Syndroms
Die Symptome und ihre Intensität sind nicht bei jeder Frau gleich. Manche spüren nur leichte Schmerzen, während andere zu dieser Zeit kaum aus dem Bett kommen. Das kann so weit gehen, dass an einen Schulbesuch oder den Arbeitsantritt nicht zu denken ist. Die Art und Intensität der PMS-Symptome variieren von Frau zu Frau und von Zyklus zu Zyklus. Die Beschwerden können wenige Stunden bis zu 5 Tage vor der Menstruation einsetzen und verschwinden oft vollständig einige Stunden nach Beginn der Periode.
Körperliche Symptome
Die Symptome, die den Körper betreffen, reichen von Schmerzen in Brust, Bauch, Rücken und Kopf bis hin zu Migräne. Schweißausbrüche im Wechsel mit Hitzewallungen erschweren den Alltag, und auch Magen-Darm-Beschwerden sind ein ständiger Begleiter. Dies kann sich unterschiedlich äußern: entweder durch ein Völlegefühl, Verstopfung und Blähungen oder durch Übelkeit, Reizdarm, Reizmagen bis hin zu Durchfällen. In manchen Fällen ist der Kreislauf stark beeinträchtigt und Schwindel sowie Wassereinlagerungen kündigen sich monatlich vor Beginn der Periode an.
- Kreislaufbeschwerden
- Heißhunger UND Appetitlosigkeit
- Spannungsgefühl in den Brüsten
- Kopfschmerzen/ Menstruelle Migräne
- Rückenschmerzen
- Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme)
- Übelkeit
- Migräne
- Müdigkeit und Erschöpfungszustände
- Unterbauchkrämpfe
- Verdauungsbeschwerden
- Unreine Haut
- Herz-Kreislauf-Beschwerden
- Neigung zu Blutergüssen
- Gelenk- und Muskelschmerzen
- Kribbeln und Stechen in den Händen und Füßen

Psychische Symptome
Als wäre das nicht schon Einschränkung genug, kommt es neben dem körperlichen Beschwerdebild häufig auch durch eine seelische Begleitkomponente zur Minderung der Lebensqualität. Stimmungsschwankungen erschweren tagtägliche Entscheidungen. Der Antrieb kann gemindert sein, und dies kann wiederum zeitgleich mit ängstlichen oder depressiven Episoden auftreten. Es gibt eine beachtliche Anzahl an weiteren Symptomen, darunter auch Schlaf- und Konzentrationsstörungen.
- Gesunkenes Selbstwertgefühl
- Angstzustände
- Aggressionen
- Stimmungsschwankungen
- Grundloses Weinen
- Starke Antriebslosigkeit
- Depressionen
- Reizbarkeit
- Nervosität
- Traurigkeit
- Unausgeglichenheit
- Interessenlosigkeit
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Schlafstörungen
- Emotionale Überempfindlichkeit
- Vergesslichkeit oder Gedächtnisverlust
- Sozialer Rückzug
Besonders bei jungen Mädchen folgt auf PMS-Symptome häufig eine schmerzhafte Periode (Krämpfe oder Dysmenorrhö). In besonders schweren Fällen spricht man dann auch von einer sogenannten Prämenstruellen Dysphorischen Störung (PMDS).
Ursachen des Prämenstruellen Syndroms
Bis heute konnte keine genaue Ursache für das Auftreten des prämenstruellen Syndroms gefunden werden. Die gängigste Theorie ist, dass ein Ungleichgewicht der weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron der Auslöser ist. Progesteron wird in der zweiten Zyklushälfte gebildet, also vor dem Einsetzen der Menstruation. Auf dessen Abbauprodukte reagiert der weibliche Zyklus besonders empfindlich. Familiäre Veranlagung, die Wechselwirkung von Progesteron und Botenstoffen im Gehirn, Stress, Nikotin- und Alkoholkonsum, Schlaf- und Bewegungsmangel sind weitere Faktoren, die PMS begünstigen können. Eine andere Ursache von PMS vermuten Forscherinnen und Forscher im Anstieg des Hormons Prolaktin in der zweiten Zyklushälfte, der zum Beispiel zu Wassereinlagerungen im Gewebe führen könnte. Die Schwankungen des Östrogens und Progesterons können auch andere Hormone betreffen, wie z. B. Aldosteron, das hilft, das Salz- und Wasser-Gleichgewicht zu regulieren. Überschüssiges Aldosteron kann Flüssigkeitsansammlungen und Blähungen verursachen. Ein veränderter Melatoninspiegel kann für Schlafprobleme verantwortlich sein.
Menstruationszyklus - Ovulation - Hormonelle Regulation (GnRH, FSH, LH, Östradiol, Progesteron)
Warum haben Frauen depressive Verstimmungen vor der Periode?
Du bist müde, gereizt und angeschlagen. Für Frauen, die an PMS leiden, ist das oft Alltag. Einige trifft es aber in den Tagen vor den Tagen besonders hart. Diese Form der Niedergeschlagenheit und depressiven Verstimmung nennt man prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS). Untersuchungen zeigen, dass PMDS durch ein Zusammenspiel von Hormonen und deinem Hippocampus ausgelöst wird. Der Hippocampus ist dafür zuständig, Wut, Angst, Freude und dein Sexualverhalten zu steuern. Die Hormone Östrogen und Progesteron beeinflussen den Serotoninspiegel. Ist dein Serotoninspiegel hoch, hast du meist gute Laune. Ist er niedrig, kann es sein, dass du müde, aggressiv oder niedergeschlagen bist. Kurz gesagt: Wenn du vor deinen Tagen unter depressiver Verstimmung leidest, liegt das meist an deinem Östrogen- und Progesteronspiegel. Das ist nicht schön und kann auch nicht mit einem „Das wird schon wieder“ weggeredet werden. Aber vielleicht hilft dir das Wissen, dass dein Zustand nur vorübergehend ist, die schlimme Phase vor der Periode zu überstehen.
Warum haben Frauen vor der Periode Heißhunger auf Schokolade?
Vor dem Einsetzen der Periode haben viele Frauen einen richtigen Heißhunger auf Schokolade, Chips & Co. Keine Sorge, das ist vollkommen normal und leicht zu erklären. Der Appetit auf ungesunde und kohlenhydratreiche Dinge hat drei Hauptursachen: dein Hormonspiegel, deine Stimmungsschwankungen und dein Stoffwechsel. Wenn du vor deiner Regelblutung ständig Hunger hast, liegt das vielleicht an deinem Progesteron-Level. Steigt es, sinkt gleichzeitig der Östrogenspiegel. Östrogen wiederum wirkt appetitzügelnd. Progesteron kann das Gegenteil bewirken. Wenn du frustriert bist, kann Essen ein Trost sein. Dazu zählen Nudeln oder auch ein großes Stück Käsekuchen. Die emotionalen Schwankungen während des PMS können aus diesem Grund leicht Fressattacken auslösen. Beruhigend für dich dürfte diese Info sein: An den Tagen vor deiner Periode beschleunigt sich dein Stoffwechsel. Dein Körper verbraucht während des PMS und der Periode ca. 350 Kalorien mehr pro Tag. Dein gesteigerter Appetit kommt also davon, dass du mehr Energie brauchst.
Diagnose des Prämenstruellen Syndroms
Es ist nicht so einfach, das prämenstruelle Syndrom zu diagnostizieren, da sich die Beschwerden von Frau zu Frau sehr unterscheiden. Die erste Maßnahme sollte sein, mit dem oder der niedergelassenen Frauenärzt:in über die Beschwerden zu sprechen, um mögliche andere Ursachen auszuschließen. Dazu zählen zum Beispiel Endometriose, beginnende Wechseljahre oder Zeichen einer Frühschwangerschaft. Manche Frauen leiden auch schon vor dem Einsetzen der Regelblutung unter Schmerzen. Oft haben sich die Betroffenen so sehr an die chronischen Beschwerden gewöhnt, dass sie diese als den „Normalzustand“ ansehen. Im ärztlichen Gespräch berichten sie dann meist zum Beispiel nur von den Schmerzspitzen. Leider helfen Labortests zur Diagnose des PMS nicht weiter, da es keinen spezifischen „PMS-Marker“ gibt. Es ist aber möglich, einen Hormonstatus zu erheben, um der Diagnose näher zu kommen. Um die Symptome besser einschätzen zu können, wäre eine weitere sinnvolle Maßnahme, einen PMS-Kalender anzulegen. Dort können alle Veränderungen, die auf PMS zurückzuführen sind, notiert und verfolgt werden. Es kann ebenfalls dazu beitragen, die Beschwerden der Stärke nach einzuordnen, z. B. in einer numerischen Skala 1-10.

Behandlungsmöglichkeiten des Prämenstruellen Syndroms
Die Behandlung von PMS richtet sich nach den individuellen Symptomen. Eine generelle Therapie bei PMS gibt es nicht. Eine solche sollte immer individuell auf jede betroffene Frau und ihre jeweiligen Beschwerden angepasst werden. Die Behandlung besteht meist aus einer Kombination von Medikamenten und Maßnahmen, die bei akuten Symptomen kurzfristig angewendet werden können - beispielsweise Schmerzmittel bei starken Unterleibsschmerzen - und langfristigen Therapieoptionen, die zur Regulierung des Zyklus beitragen.
Änderung der Lebensführung
Bei leichten Beschwerden kann es schon ausreichen, die eigenen Lebensgewohnheiten zu ändern. Regelmäßige Bewegung: Besonders moderater Ausdauersport kann über Heißhungerattacken hinweghelfen und dazu beitragen, die achterbahnfahrenden Gefühle zu beruhigen. Stress reduzieren: Haben Sie lange To-do-Listen im Alltag? Es kann entspannend und entschleunigend wirken, wenn Sie diese Listen bewusst kürzen und sich Zeit für regelmäßige „Ruhe-Inseln“ im Alltag für sich nehmen. Ernährungsumstellung: Eine gesunde, ausgewogene Ernährung kann dazu beitragen, die Symptome von PMS abzumildern. Sie könnten zum Beispiel versuchen, weniger Schokolade, Alkohol, Koffein und Salz zu sich zu nehmen. Zu weiteren Triggersubstanzen gehören Alkohol, Nikotin und vermutlich auch Koffein. Es ist kein Geheimnis, dass Noxen wie Alkohol und Nikotin sich auf viele Arten und Weisen negativ auf den Körper auswirken. Eine weitere Komponente, die das PMS stark beeinflusst, ist Stress. Eine Stressreduktion kann dabei helfen, die PMS-Beschwerden zu lindern. Ursachen für Stress sind divers und somit gibt es hier keinen allgemeinen Weg der Stressreduktion, der für alle passt. Es kann in manchen Fällen genügen, sich im Alltag aktiv Zeit für sich selbst zu nehmen. Da in der Mehrzahl der Fälle Schlafmangel mit PMS vergesellschaftet ist, sollte auf ausreichend Schlaf und einen regelmäßigen Schlafrhythmus geachtet werden.
Pflanzliche und natürliche Mittel
Ergänzend können alternative Heilverfahren die PMS-Symptomatik verbessern. Dazu zählen Mineralien sowie Nahrungsergänzungsmittel, wie Magnesium, Vitamin B1, Vitamin B6, Vitamin E und Calciumcarbonat. Weitere beliebte natürliche Präparate sind Frauenmantel und Mönchspfeffer. Mönchspfeffer ist beispielsweise eine altbewährte Heilpflanze, die zur Regulierung des Zyklusgeschehens beiträgt. Studien zeigen eine Besserung bei 52-81 % der Anwenderinnen. Durch Mönchspfeffer lassen sich PMS-Symptome auf natürliche Weise nachweislich lindern. Die Heilpflanze hilft dabei, den Hormonhaushalt zu regulieren. Brustspannen, Hautprobleme, Nervosität und Depressionen können gelindert werden. Zusätzlich reduziert Mönchspfeffer auch den Prolaktinwert.
Medikamentöse Behandlung
Je nach Beschwerdebild kann die Einnahme von Pharmaka einen positiven Effekt auf die Symptome haben. Bisher gibt es kein Medikament, das gezielt bei PMS wirkt, beziehungsweise dafür zugelassen ist. In der Praxis bedeutet das, dass Medikamente „off label“ verschrieben werden - also, dass Medikamente gegeben werden, die nicht offiziell für die Behandlung einer Erkrankung zugelassen sind, aber trotzdem in der Praxis eine positive Wirkung erzielen. Aus diesem Grund ist die Voraussetzung einer solchen Behandlung eine ausführliche ärztliche Beratung. Wenn von PMS die Rede ist, rückt häufig der Einsatz von Hormonpräparaten ins Bild. Das kann auf Studien zurückgeführt werden, die besagen, dass Frauen, die mit Hormonpräparaten behandelt worden sind, im Vergleich zu Betroffenen ohne eine solche Behandlung über weniger PMS-Beschwerden sowie Beeinträchtigungen, die mit dem PMS einhergehen, berichtet haben. Gleichwohl bringt auch die Einnahme von oralen Kontrazeptiva ein Spektrum an Nebenwirkungen mit.
- Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol lindern Unterleibs- und Kopfschmerzen. Nehmen Sie diese nicht häufiger als an zehn Tagen pro Monat ein.
- Diuretika sind entwässernde Mittel, die helfen, Wassereinlagerungen zum Beispiel in den Brüsten, am Bauch oder an den Knöcheln zu reduzieren.
- Antidepressiva: Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) helfen bei depressiven Verstimmungen während des PMS oder PMDS.
- Hormontherapie: Die Antibabypille kann Symptome wie depressive Verstimmungen und Stimmungsschwankungen lindern. Dies konnten einige Studien belegen.
Psychotherapie
Bei ausgeprägten psychischen Symptomen, die bei manchen Betroffenen so stark ausgeprägt sind, dass von einem prämenstruktellen dysphorischen Syndrom die Rede ist, kann eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll sein. Frauen mit PMS fühlen sich häufig hilflos und belastet. Es ist ratsam, diese Symptome mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin zu besprechen und gemeinsam über eine psychotherapeutische Behandlung nachzudenken. Je nach Therapieform kann Ihnen schon eine Kurztherapie einen neuen Umgang mit Ihren Problemen vermitteln.