Das Krabbeln ist ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung eines Babys und eröffnet ihm eine neue Welt der Freiheit und Erkundung. Es fördert nicht nur die motorische, sondern auch die geistige Entwicklung und stärkt wichtige Muskelgruppen wie die Rücken- und Nackenmuskulatur. Zudem verbessert es die Koordination, das Gleichgewicht und das räumliche Vorstellungsvermögen.

Wann beginnt ein Baby zu krabbeln?
Die meisten Babys beginnen mit den ersten Krabbelversuchen zwischen dem 6. und 10. Lebensmonat. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass jedes Kind ein individuelles Entwicklungstempo hat. Es gibt verschiedene Phasen und Arten des Krabbelns: Manche Babys bewegen sich auf allen Vieren vorwärts, andere schieben sich zunächst rückwärts oder seitwärts, bevor sie beginnen, sich vorwärts zu bewegen. Entscheidend ist die fortschreitende motorische Entwicklung des Kindes.
Einige Babys überspringen das Krabbeln sogar komplett und beginnen direkt mit dem Laufen. Dies ist in der Regel kein Grund zur Sorge und hat keinen Einfluss auf die weitere motorische oder körperliche Entwicklung.
Voraussetzungen und Anzeichen für das Krabbelalter
Grundvoraussetzung für den Krabbelstart ist, dass Ihr Baby körperlich und mental bereit ist. Es hat sich bewährt, nicht zu versuchen, das Krabbeln zu erzwingen, denn "das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht".
Es gibt jedoch einige Anzeichen, auf die Eltern achten können, die darauf hindeuten, dass Ihr Kind bald bereit sein könnte, das Krabbeln zu lernen:
- Das Baby beginnt, sich auf Händen und Knien zu wiegen.
- Es bringt sich selbstständig in eine Sitzposition und kann diese halten.
- Es zeigt Interesse daran, sich auf dem Bauch in verschiedene Richtungen zu bewegen oder versucht, sich mit den Armen nach vorne zu ziehen.
- Das Kind ist neugierig und versucht, nach Gegenständen zu greifen, die außerhalb seiner Reichweite liegen.
- Es kann sich vom Robben mit den Armen in den Liegestütz hochdrücken.
- Es beginnt im Sitzen seine Arme aufzustützen und vor und zurück zu wippen.
Wie Sie Ihr Baby zum Krabbeln motivieren können
Es gibt viele spielerische Möglichkeiten, Ihr Baby zum Krabbeln anzuregen und seine motorische Entwicklung zu fördern. Wichtig ist, dass Sie herausfinden, was Ihrem Baby Spaß macht und seine Aufmerksamkeit erregt.
Geeignete Umgebungen und Hilfsmittel
Eine Krabbelmatte ist eine große Hilfe, da sie einen weichen, sicheren Untergrund bietet und verhindert, dass das Baby beim Versuch zu krabbeln abrutscht. Sie schützt zudem vor kalten, harten Böden.
Stellen Sie sicher, dass Ihr Baby viel Platz zum Bewegen auf einer weichen Unterlage, wie z.B. einer Krabbeldecke, hat.

Spielerische Anreize und Aktivitäten
- Bauchlage üben: Legen Sie Ihr Baby regelmäßig auf den Bauch. Dies stärkt die Nacken- und Rückenmuskulatur und bereitet es auf das Krabbeln vor.
- Spielzeug als Anreiz: Animieren Sie Ihr Kind mit Spielzeug, sich fortzubewegen. Platzieren Sie ein Lieblingsspielzeug leicht außer Reichweite, sodass es sich strecken und bewegen muss, um es zu erreichen.
- Krabbelstrecken bauen: Bauen Sie eine spielerische Krabbelstrecke mit Kissen und Decken.
- Vormachen: Gehen Sie selbst auf alle Viere und machen Sie es Ihrem Baby spielerisch vor. Kinder lernen viel durch Nachahmung.
- Musik einsetzen: Spielen Sie fröhliche Melodien, die Ihr Baby zum Bewegen animieren.
- Lob und Ermutigung: Loben und ermutigen Sie Ihr Baby bei jedem Fortschritt. Feiern Sie jeden kleinen Erfolg.
- Neugier wecken: Schaffen Sie Situationen, die die natürliche Neugier Ihres Babys wecken und es zum Erkunden animieren.
- Abwechslung einbauen: Bieten Sie verschiedene Spielzeuge und Aktivitäten an, um das Interesse Ihres Babys aufrechtzuerhalten.
🎶 Babys krabbeln an jedem Tag 😍 | BABY born
Wichtige Aspekte für die Entwicklung
Das Krabbeln ist wichtig für den Aufbau von überkreuzten motorischen Fähigkeiten. Dabei werden die rechte Gehirnhälfte und die linke Körperseite sowie die linke Gehirnhälfte und die rechte Körperseite miteinander verbunden. Dieser Prozess bildet eine solide Grundlage für spätere Lernprozesse wie Lesen, Rechnen, Gehen, Radfahren und Tanzen.
Durch das Krabbeln lernt Ihr Baby auch, räumliche Konzepte zu verstehen und seine Orientierung in der physischen Welt zu verbessern. Auch die visuellen Fähigkeiten werden geschult, indem das Baby abwechselnd auf seine Hände und in die Ferne schaut und Entfernungen einschätzt.
Was Sie vermeiden sollten
Es ist entscheidend, mit Geduld und ohne Druck an die Sache heranzugehen. Verkrampfte Haltung und komplizierte Trainings sind kontraproduktiv und können Ihr Baby frustrieren.
Zu vermeidende Praktiken:
- Druck ausüben: Bringen Sie Ihr Baby niemals in die Krabbelposition, wenn es noch nicht bereit dafür ist.
- Eingeschränkte Bewegungsfreiheit: Vermeiden Sie übermäßigen Gebrauch von Babywippen, Hochstühlen, Autositzen oder Tragen, da diese die freie Bewegungszeit auf dem Boden einschränken. Die WHO empfiehlt mindestens 30 Minuten aktive Bauchlage pro Tag und höchstens eine Stunde in Hochstuhl, Wippe, Autositz, Kinderwagen oder Trage, wenn das Kind wach ist.
- Sofortiges Geben: Geben Sie nicht alles sofort in die Hand. Lassen Sie Ihr Baby Anreize suchen.
- Übermäßiges Eingreifen: Vermeiden Sie es, Ihr Baby beim Laufenlernen an den Händen zu führen, da dies das Finden des eigenen Gleichgewichts verzögern kann.
- Ängstlichkeit und Überbesorgtheit: Reagieren Sie nicht ängstlich oder überbesorgt, da dies Ihr Baby verunsichern kann.
- Abkürzungen nehmen: Überspringen Sie die Krabbelphase nicht durch Hilfsmittel wie Lauflernwagen, die das Körpergewicht unnatürlich nach vorne verlagern und das Gleichgewichtfinden erschweren.
Häufige Mythen rund ums Krabbeln und Laufen
Manchmal verunsichern Eltern Tipps von anderen oder aus dem Internet, die nicht immer richtig sind. Hier eine Einordnung gängiger Aussagen:
- "Wenn ein Baby vor dem Laufenlernen nicht gekrabbelt ist, dann lernt es das normalerweise danach." - Wahr. Wenn ein Baby das Krabbeln überspringt, lernt es es meist danach.
- "Babys, die nicht krabbeln, haben später motorische oder körperliche Probleme." - Falsch. Jedes Kind ist individuell und entwickelt sich in seinem eigenen Tempo.
- "Manche Babys lernen das Laufen früher, andere später." - Wahr. Jedes Kind ist individuell.
- "Manche Babys sind schneller, wenn die Eltern sie beim Laufenlernen unterstützen." - Falsch. Am schnellsten geht es, wenn Eltern das Kind ausprobieren lassen.
- "Durch übermäßigen Einsatz von Babywippe, Hochstuhlaufsatz & Co fehlt die freie Bewegungszeit auf dem Boden und die Bewegungsentwicklung verzögert und verändert sich." - Wahr. Dies kann dazu führen, dass Kinder z.B. über Situps ins Sitzen kommen, statt über die Seite oder den Vierfüßlerstand.
- "Wenn Babys bis zum 14. Monat noch nicht frei laufen, sollte man einen Kinderarzt aufsuchen!" - Falsch. Man kann bis ca. zum 18. Monat warten.
- "Babyschuhe helfen beim Laufen lernen!" - Falsch. Barfußlaufen ist am besten für die Entwicklung der Fußmuskulatur. Schuhe sind erst nötig, wenn das Kind größere Strecken laufen kann und sollen dann vor allem draußen schützen.
- "Lauflernwagen sind eine gute Unterstützung beim Laufenlernen." - Falsch. Sie verlagern das Körpergewicht unnatürlich nach vorne und können gefährlich sein.
Wenn das Baby nicht krabbelt: Was tun?
Wenn Ihr Baby mit 7,5 Monaten noch keine Anstalten zum Robben oder Krabbeln macht, sich aber gut drehen kann, ist das oft noch im normalen Rahmen. Vergleichen Sie Ihr Kind nicht mit anderen. Jedes Baby entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Wenn Sie sich Sorgen machen oder eine plötzliche Bewegungsunlust feststellen, ist eine kinderärztliche Untersuchung ratsam, um medizinische Ursachen auszuschließen. Manchmal fühlt sich ein Baby auch einfach überfordert, da das Krabbeln sowohl körperlich als auch geistig sehr anstrengend ist.
Geben Sie Ihrem Kind Zeit, Ruhe und viel Raum für freie Bewegung. Bieten Sie spielerische Anreize und loben Sie jeden Fortschritt. Geduld ist hier der Schlüssel.