Kopfschmerzen und Fieber bei Kindern: Ursachen und Behandlung

Kopfschmerzen bei Kindern können vielfältige Ursachen haben und sind keineswegs selten. Während viele Fälle auf harmlose Auslöser wie Spannungskopfschmerzen oder Migräne zurückzuführen sind, ist es wichtig, auch ernstere Erkrankungen nicht zu übersehen. Insbesondere das plötzliche Auftreten starker Kopfschmerzen, oft begleitet von Fieber und weiteren Symptomen, erfordert ärztliche Aufmerksamkeit.

Alarmzeichen bei Kopfschmerzen

Kopfschmerzen sollten als Alarmzeichen eingestuft werden, wenn sie plötzlich und sehr heftig einsetzen. Insbesondere wenn diese mit Fieber, heftigen Nackenschmerzen, Nackenstarre sowie extremer Empfindlichkeit gegen Licht und Geräusche einhergehen, kann dies auf eine Hirn- oder Hirnhautentzündung (Enzephalitis bzw. Meningitis) hindeuten. Unbehandelt können diese Erkrankungen lebensbedrohlich sein oder zu bleibenden geistigen Schäden führen.

Auch wenn ein Schlaganfall im Kindesalter extrem selten ist, kann ein plötzliches Einsetzen von Kopfschmerzen ein Vorbote hierfür sein und sollte nicht ausgeschlossen werden. Bei erstmaligem Auftreten solcher Kopfschmerzen ist die Konsultation eines Arztes unerlässlich. Generell sollten sehr starke Schmerzen, die sich kontinuierlich verschlimmern, in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden, um schwerwiegende Ursachen wie eine Gehirnblutung auszuschließen.

Verdacht auf eine schwere Erkrankung besteht auch bei Kopfschmerzen, die von Sehstörungen, Verlust des Kurzzeitgedächtnisses, Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit oder des Gleichgewichtssinns begleitet werden. Solche Symptome können auf neurologische Störungen hinweisen.

Wachstumsschmerzen: Eine häufige Ursache

Ein Drittel aller Kinder, etwa ab dem Grundschulalter, leidet unter sogenannten Wachstumsschmerzen. Diese können auch bereits im Kleinkindalter auftreten und bis in die Pubertät andauern. Betroffen sind sowohl Jungen als auch Mädchen.

Charakteristik von Wachstumsschmerzen

  • Schmerzcharakter: Meist dumpf-drückend, selten brennend oder klopfend.
  • Lokalisation: Fast immer in den Beinen, in der Regel beidseitig, im Bereich der Kniegelenke oder des Fuß-Knöchel-Bereichs, jedoch nicht in den Gelenken selbst.
  • Zeitpunkt: Treten fast immer am Abend oder in der Nacht auf, niemals am Tage.
  • Äußere Anzeichen: Keine sichtbaren Veränderungen an den schmerzenden Stellen.
  • Art des Schmerzes: Ruheschmerzen, selten und unregelmäßig mit vorausgegangener körperlicher Belastung verbunden.
  • Häufigkeit: Sehr unregelmäßig, durchschnittlich zwei bis drei Mal pro Woche, niemals über mehrere Tage andauernd. Das Kind ist am folgenden Morgen beschwerdefrei.

Der genaue Mechanismus der Schmerzentstehung bei Wachstumsschmerzen ist bis heute nicht vollständig geklärt. Mögliche Faktoren sind Minderbelastbarkeit des Knochengerüsts bei unzureichender Knochendichte, genetische Veranlagung oder eine generell erhöhte Schmerzempfindlichkeit. Auch psychosoziale Faktoren wie Kummer oder Schulstress werden als Einflussfaktoren diskutiert.

Wichtig für betroffene Kinder und Eltern ist die Tatsache, dass Wachstumsschmerzen ein absolut harmloses und nur vorübergehend auftretendes Phänomen darstellen. Als Behandlung helfen oft persönliche Zuwendung, tröstendes Zureden und lokale Massagen der schmerzenden Region. Bei Schlafstörungen können lokale Wärme oder Kälte Linderung verschaffen. In hartnäckigen Fällen kann die Gabe eines kindgerechten Schmerzmittels wie Paracetamol vertretbar sein, um einen ungestörten Schlaf zu ermöglichen.

Schema zur Lokalisation von Wachstumsschmerzen in den Beinen.

Kopfschmerzen bei Kindern: Ursachen und Symptome

Kopfschmerzen sind bei Kindern und Jugendlichen weit verbreitet. Schätzungen zufolge haben mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen Erfahrungen mit Kopfschmerzen, wobei die Häufigkeit mit dem Alter zunimmt. Bei bis zu 5 Prozent aller Kinder liegt Migräne vor.

Häufige Formen von Kopfschmerzen bei Kindern

  • Spannungskopfschmerzen: Dies ist eine der häufigsten Formen. Sie werden oft durch muskuläre Verspannungen ausgelöst, die wiederum durch Stress, Ängste, emotionale Probleme, aber auch durch die heutige Lebensweise mit weniger Bewegung und mehr Bildschirmzeit verursacht werden können. Innere Faktoren wie eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit des Gehirns spielen ebenfalls eine Rolle. Kinder beschreiben diese Kopfschmerzen meist als drückend oder ziehend, oft vorne an der Stirn, oder als einen Ring, der den Kopf zusammendrückt. Die Symptome können von 30 Minuten bis zu mehreren Tagen anhalten.
  • Migräne: Migräne bei Kindern kann sich anders äußern als bei Erwachsenen. Typisch sind Kopfschmerzen auf beiden Seiten des Kopfes oder im Schläfenbereich, die als drückend oder pochend beschrieben werden. Begleitend können neurologische Beschwerden wie Lichtblitze vor den Augen, Gefühls-, Bewegungs-, Sprach- oder Schluckstörungen auftreten. Manchmal kommt es zu halluzinatorischen Sehstörungen, dem sogenannten Alice-im-Wunderland-Syndrom. Betroffene meiden oft Licht und laute Geräusche.

Weitere Ursachen für Kopfschmerzen bei Kindern

  • Infekte: Erkältungen sind eine häufige Ursache für Kopfschmerzen, oft begleitet von Fieber und Entzündungen der Nebenhöhlen.
  • Verspannungen: Langes Sitzen in der Schule, am Computer oder Handy sowie generell zu wenig Bewegung können zu Verspannungen im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich führen und Spannungskopfschmerzen begünstigen.
  • Äußere Faktoren: Schlafmangel, Reizüberflutung durch Handys und Computer, unregelmäßige Essens- und Schlafenszeiten sowie Flüssigkeitsmangel können Kopfschmerzen auslösen.
  • Lebensmittel: Bestimmte Nahrungsmittel wie Eier, Milchprodukte, Tomaten, Schweinefleisch, Soja sowie Konservierungs- und Farbstoffe können bei Kindern Migräneattacken auslösen.
  • Umweltreize: Lärm, grelles Licht, Hitze oder schlechte Luft (Sauerstoffmangel) sind ebenfalls mögliche Auslöser.
  • Bluthochdruck: Insbesondere bei Bewegungsmangel und Übergewicht zunehmend, kann sich hoher Blutdruck durch Kopfschmerzen, vor allem morgens im Hinterkopf, bemerkbar machen.
  • Fehlsichtigkeit: Insbesondere Weitsichtigkeit kann durch die Anstrengung beim Lesen und Schreiben zu Kopfschmerzen und Konzentrationsproblemen führen.
  • Haltungsfehler: Ständiges Schauen auf das Handy-Display kann zu Verspannungen und langfristig zu Fehlhaltungen führen, was chronische Kopfschmerzen begünstigt.
  • Zahn- und Kieferentwicklung: Wachstum der Zähne oder Fehlstellungen des Kiefers können ebenfalls Beschwerden verursachen.
  • Clusterkopfschmerzen: Dies sind sehr seltene Kopfschmerzarten bei Kindern.

Grafik, die die verschiedenen Ursachen von Kopfschmerzen bei Kindern veranschaulicht.

Diagnose von Kopfschmerzen bei Kindern

Bei häufig auftretenden, länger als zwei Stunden anhaltenden oder sehr starken Kopfschmerzen, die zu Schulabbruch führen, sollte unbedingt eine Kinderarztpraxis aufgesucht werden. Die Diagnose stützt sich maßgeblich auf die detaillierte Beschreibung der Symptome durch Eltern und Kind. Ergänzend führt der Arzt eine körperliche und neurologische Untersuchung durch.

Eine apparative Diagnostik ist nur in Ausnahmefällen notwendig, da primäre Kopfschmerzerkrankungen wie Spannungskopfschmerz oder Migräne am häufigsten sind. Nur bei bestimmten Symptomen müssen mögliche andere Ursachen durch weitere Untersuchungen, wie eine Magnetresonanztomographie (MRT), abgeklärt werden. Lebensbedrohliche Ursachen wie Hirnhautentzündung, Tumore oder Hirnblutungen sind bei Kindern sehr selten.

Therapie bei Kopfschmerzen und Fieber

Die Behandlung von Kopfschmerzen und Fieber bei Kindern sollte stets unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Insbesondere die wiederholte Gabe von Schmerzmitteln ohne ärztliche Anweisung ist zu vermeiden.

Behandlung von Spannungskopfschmerzen und Migräne

  • Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Oft reichen Ablenkung durch angenehme Aktivitäten, Ruhe, Schlaf in einem abgedunkelten Raum und ein kühler Lappen auf der Stirn aus. Zuwendung, Trost und Zuwendung durch die Eltern sind ebenfalls sehr wichtig.
  • Medikamentöse Therapie: Bei Spannungskopfschmerzen und Migräne empfehlen Kinderärzte häufig Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Paracetamol. Bei Kindern unter zwei Jahren ist bei ätherischen Ölen wie Pfefferminze oder Menthol Vorsicht geboten, da sie zu Atembeschwerden führen können. Bei starken Migräneattacken können ab dem 12. Lebensjahr Triptane als Nasenspray eingesetzt werden; hierzu berät der Arzt.

Umgang mit Fieber

Fieber ist ein wichtiger Abwehrmechanismus des Körpers. Bei Babys und Kleinkindern ist es häufig und tritt meist im Zusammenhang mit Infekten auf. Fiebersenkende Mittel wie Paracetamol oder Ibuprofen können nach ärztlicher Absprache eingesetzt werden.

Hausmittel und vorbeugende Maßnahmen

Bei leichten Kopfschmerzen im Rahmen von Erkältungen können Hausmittel wie Ruhe, viel Flüssigkeit, ein kühler Waschlappen auf der Stirn und vorsichtige Massagen Linderung verschaffen. Inhalationen können bei entzündeten Nebenhöhlen helfen.

Zur Vorbeugung von Kopfschmerzen, insbesondere bei Migräne, sind regelmäßige Bewegung an der frischen Luft, feste Schlaf- und Essenszeiten sowie ausreichende Ruhepausen essenziell. Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelentspannung oder Fantasiereisen können ebenfalls sehr hilfreich sein. Es ist wichtig, bekannte Auslöser wie bestimmte Nahrungsmittel oder psychische Belastungen zu meiden oder zu reduzieren.

Illustration eines Kindes, das sich mit einer Wärmflasche entspannt.

Periodisches Fiebersyndrom (PFAPA)

Das Periodische Fiebersyndrom (PFAPA) ist eine Erkrankung, die durch harmlose, aber starke Fieberschübe bei Kindern gekennzeichnet ist. Diese Schübe treten in regelmäßigen Abständen von einigen Wochen auf und werden von Entzündungen begleitet. Typische Symptome sind hohes Fieber (39-41 °C), schmerzende Aphthen im Mund, Mandel- und Rachenentzündungen sowie geschwollene Halslymphknoten.

Die genaue Ursache ist nicht geklärt, das Syndrom gilt als autoinflammatorisch. Die Diagnose wird in der Regel in der Hausarztpraxis anhand des typischen Verlaufs und der Untersuchungsbefunde gestellt. Eine Überweisung zu Spezialisten kann bei Unklarheiten sinnvoll sein. Die Behandlung erfolgt meist symptomatisch, Fiebersenkung mit Paracetamol kann Linderung verschaffen. Eine chirurgische Entfernung der Gaumenmandeln wird in manchen Fällen erwogen.

Wichtigkeit der ärztlichen Abklärung

Obwohl Kopfschmerzen und Wachstumsschmerzen bei Kindern oft harmlos sind, ist es wichtig, sie nicht zu bagatellisieren. Regelmäßige Kopfschmerzen können zu Leistungsabfall, Schulangst und sozialer Isolation führen. Insbesondere bei Warnzeichen wie plötzlichen, sehr starken Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteifigkeit oder neurologischen Symptomen ist eine umgehende ärztliche Abklärung unerlässlich, um ernsthafte Erkrankungen auszuschließen.

Bei wiederkehrenden oder anhaltenden untypischen Beschwerden, insbesondere in den Gliedmaßen, empfiehlt sich die Vorstellung bei einem Orthopäden oder Kinderorthopäden. Diese können bei Verdacht weiterführende Untersuchungen veranlassen, um Erkrankungen wie Knochentumore, rheumatische Erkrankungen, Knocheninfektionen oder Verletzungen auszuschließen.

Wachstumsschmerzen - warum bestehen Sie und was kann man tun?

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