Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS): Ursachen, Symptome und Behandlung

Das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine weit verbreitete hormonelle Störung, die Frauen im menstruierenden Alter betrifft und oft eine der Hauptursachen für Unfruchtbarkeit darstellt. Weltweit wird geschätzt, dass etwa jede zehnte Frau betroffen ist. Mediziner sprechen auch vom polyzystischen Ovarsyndrom oder PCO-Syndrom. Dieses heterogene Krankheitsbild äußert sich individuell sehr unterschiedlich, was dazu führt, dass es oft spät oder gar nicht erkannt wird.

Was ist das polyzystische Ovarialsyndrom?

PCOS bezeichnet ein hormonelles Ungleichgewicht bei Frauen, bei dem die Eierstöcke zu viele männliche Geschlechtshormone (Androgene) produzieren. Dies beeinträchtigt die normale Reifung von Eizellen. An den Eierstöcken bilden sich häufig viele kleine, zystenähnliche Eibläschen, die sogenannten Follikel. Diese sind namensgebend für die Erkrankung, doch ihr Vorhandensein allein reicht nicht für eine Diagnose aus, da sie auch bei Frauen ohne PCOS vorkommen können.

Das Syndrom ist eine Stoffwechselstörung, die nicht mit polyzystischen Ovarien verwechselt werden sollte. Polyzystische Ovarien können ein Merkmal von PCOS sein, aber auch isoliert auftreten, ohne dass eine Unfruchtbarkeit vorliegt. Etwa 16-25% der Frauen im gebärfähigen Alter haben polyzystische Ovarien, aber nicht alle leiden an PCOS.

Die genauen Ursachen von PCOS sind noch nicht vollständig geklärt. Aktuelle Erkenntnisse deuten auf eine Wechselwirkung zwischen dem Hormon- und Zuckerstoffwechsel hin. Expertinnen und Experten vermuten zudem eine genetische Veranlagung. Bei vielen Frauen mit PCOS liegt eine Insulinresistenz vor. Dies bedeutet, dass die Körperzellen weniger empfindlich auf Insulin reagieren, wodurch der Blutzuckerspiegel steigt. Diese Insulinresistenz beeinflusst auch die Produktion männlicher Geschlechtshormone, was zu einem Ungleichgewicht führt, das den Eisprung behindert und zu Zyklusstörungen führt.

Es wird angenommen, dass PCOS eine multifaktorielle Krankheit ist, die sowohl von genetischen als auch von Umweltfaktoren beeinflusst wird. Studien deuten darauf hin, dass auch väterliche Gene eine Rolle spielen könnten, da Väter von Frauen mit PCOS häufig frühzeitig eine hormonell bedingte Glatze entwickeln. Auch mütterliche Hormone während der Schwangerschaft könnten eine Rolle spielen.

Das PCOS ist aktuell nicht heilbar, aber gut behandelbar. Die Therapie zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern, Stoffwechselprobleme zu beheben, den Zyklus zu regulieren und Folgeerkrankungen wie Diabetes Typ 2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.

Symptome von PCOS

Das polyzystische Ovarialsyndrom kann sich auf vielfältige Weise äußern, und die Symptome können individuell stark variieren. Oft bleibt die Hormonstörung lange unerkannt und wird erst bemerkt, wenn Frauen Schwierigkeiten haben, auf natürliche Weise schwanger zu werden.

Typische Anzeichen des PCO-Syndroms umfassen:

  • Unregelmäßige oder ausbleibende Regelblutung (Amenorrhoe): Zyklusstörungen sind ein häufiges Merkmal, wobei die Perioden seltener als üblich auftreten (weniger als 9 pro Jahr) oder ganz ausbleiben.
  • Veränderte Körperbehaarung (Hirsutismus): Vermehrtes Haarwachstum nach männlichem Muster, beispielsweise an Oberlippe, Kinn, Brust, Bauch und Rücken.
  • Akne und fettige Haut: Hormonelle Veränderungen können zu Hautunreinheiten und einer verstärkten Talgproduktion führen.
  • Haarausfall (androgenetische Alopezie): Haarausfall am Kopf nach männlichem Muster kann ebenfalls auftreten.
  • Ausbleibender Eisprung (Anovulation): Dies beeinträchtigt die Fruchtbarkeit und erschwert das Eintreten einer Schwangerschaft.
  • Vereinzelt tiefer werdende Stimme und vergrößerte Klitoris.

Häufige Begleiterscheinungen und Folgeerkrankungen:

PCOS geht oft mit weiteren gesundheitlichen Problemen einher, die sich gegenseitig verstärken können:

  • Übergewicht (Adipositas): Viele Frauen mit PCOS sind übergewichtig.
  • Insulinresistenz: Dies ist ein Kernproblem bei PCOS und kann zu Diabetes Typ 2 führen.
  • Diabetes mellitus Typ 2.
  • Bluthochdruck.
  • Veränderte Blutfettwerte (Dyslipidämie), z. B. erhöhte Cholesterinwerte.
  • Metabolisches Syndrom: Das gemeinsame Auftreten mehrerer dieser Faktoren erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall.
  • Depressivität und Ängstlichkeit.
  • Essstörungen, wie z. B. Binge-Eating.
  • Schilddrüsenerkrankungen, wie Hashimoto-Thyreoiditis.

Bei Schwangeren mit PCOS besteht ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftskomplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck, Präeklampsie und ein erhöhtes Risiko für Früh- oder Fehlgeburten.

Es ist wichtig zu beachten, dass einige dieser Symptome, wie unregelmäßige Blutungen oder Akne, auch in der Pubertät auftreten können. Die Diagnose von PCOS erfordert daher eine sorgfältige Abklärung durch Fachpersonal.

Schema der hormonellen Dysregulation bei PCOS mit Fokus auf Insulinresistenz und übermäßiger Androgenproduktion

Diagnose von PCOS

Die Diagnose des polyzystischen Ovarialsyndroms basiert in der Regel auf den sogenannten Rotterdam-Kriterien. Für eine Diagnose müssen mindestens zwei der folgenden drei Kriterien erfüllt sein, wobei andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen ausgeschlossen werden müssen:

  1. Oligo- oder Anovulation: Seltener oder fehlender Eisprung, was zu unregelmäßigen oder ausbleibenden Menstruationszyklen führt.
  2. Klinische oder biochemische Anzeichen von Hyperandrogenismus: Dies sind erhöhte Spiegel männlicher Hormone (Androgene) im Blut oder sichtbare Symptome wie Hirsutismus (verstärkte Körperbehaarung) oder Akne.
  3. Polyzystische Ovarien im Ultraschall: Sichtbare Ansammlungen von 12 oder mehr Follikeln (2-9 mm) in jedem Eierstock oder ein vergrößertes Eierstockvolumen (mehr als 10 ml).

Zur Diagnose werden typischerweise folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • Anamnese und körperliche Untersuchung: Ein ausführliches Gespräch über Zyklusunregelmäßigkeiten, Kinderwunsch, Symptome wie Körperbehaarung und Akne, sowie eine körperliche Untersuchung einschließlich Blutdruckmessung und Bestimmung des Body-Mass-Index (BMI).
  • Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke: Zur Beurteilung der Follikelanzahl und des Eierstockvolumens.
  • Laboruntersuchungen: Bluttests zur Bestimmung von Hormonspiegeln (Androgene, LH, FSH, Prolaktin, Anti-Müller-Hormon (AMH)), Blutfettwerten und Glukosetoleranztests (oGTT) zur Überprüfung auf Insulinresistenz und Diabetes. Auch Schilddrüsenwerte werden oft bestimmt.

Es ist wichtig, andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome verursachen können, wie z. B. die hypothalamische Amenorrhö, nicht-klassische kongenitale adrenale Hyperplasie (NCAH), Schilddrüsenerkrankungen oder Hyperprolaktinämie.

Behandlung von PCOS

Obwohl PCOS nicht heilbar ist, lässt sich die Erkrankung durch verschiedene Therapieansätze gut behandeln. Die Behandlung richtet sich nach den individuellen Symptomen, dem Schweregrad der Erkrankung und den persönlichen Zielen der betroffenen Frau, insbesondere ob ein Kinderwunsch besteht.

Anpassung des Lebensstils:

Eine Änderung des Lebensstils ist oft der erste und wichtigste Schritt in der Behandlung von PCOS. Dies kann erhebliche positive Auswirkungen auf die Symptome haben:

  • Gewichtsreduktion: Bei Übergewicht kann eine Gewichtsabnahme von nur 5-10% des Körpergewichts den Zyklus normalisieren, die Fruchtbarkeit erhöhen und die Insulinempfindlichkeit verbessern.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene, ballaststoffreiche und zuckerarme Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und magerem Eiweiß wird empfohlen. Der Verzicht auf hochverarbeitete Kohlenhydrate, Weißmehlprodukte und übermäßigen Zucker ist ratsam.
  • Regelmäßige Bewegung: Ausdauersport (mindestens 150-300 Minuten pro Woche bei mittlerer Intensität) und Krafttraining können helfen, den Stoffwechsel zu verbessern, die Insulinempfindlichkeit zu erhöhen und das Körpergewicht zu kontrollieren.
  • Stressmanagement und seelische Gesundheit: Da PCOS auch psychisch belastend sein kann, sind Entspannungstechniken, Yoga oder auch eine Psychotherapie empfehlenswert.
Infografik mit Empfehlungen für Ernährung und Bewegung bei PCOS

Medikamentöse Behandlung:

Je nach Symptomatik können verschiedene Medikamente eingesetzt werden:

  • Hormonelle Empfängnisverhütung (z. B. Antibabypille): Bei Frauen ohne Kinderwunsch können hormonelle Verhütungsmittel helfen, den Menstruationszyklus zu regulieren, und mitunter auch vermehrtes Haarwachstum und Akne reduzieren.
  • Antiandrogene: Diese Medikamente senken den Spiegel männlicher Geschlechtshormone und können bei starker Körperbehaarung eingesetzt werden.
  • Metformin: Dieses Diabetesmedikament wird häufig eingesetzt, um die Insulinresistenz zu verbessern und den Blutzuckerspiegel zu senken. Es kann auch helfen, den Zyklus zu regulieren. (Hinweis: Metformin ist in Deutschland oft eine "Off-Label"-Anwendung bei PCOS).
  • Medikamente zur Förderung der Eizellreifung und des Eisprungs: Bei Kinderwunsch kommen Wirkstoffe wie Clomifen oder Letrozol zum Einsatz, um den Eisprung auszulösen.

Behandlung bei Kinderwunsch:

Für Frauen mit Kinderwunsch stehen verschiedene Optionen zur Verfügung:

  • Lebensstiländerungen und Gewichtsreduktion: Oft verbessern sich Fruchtbarkeit und Zyklusregelmäßigkeit bereits dadurch.
  • Medikamentöse Stimulation des Eisprungs (Ovulationsinduktion) mit Clomifen oder Letrozol.
  • Metformin-Therapie.
  • Gonadotropin-Spritzen: Hormone, die direkt einen Eisprung auslösen.
  • Intrauterine Insemination (IUI): Künstliche Befruchtung, bei der Spermien direkt in die Gebärmutter eingebracht werden.
  • In-vitro-Fertilisation (IVF): Künstliche Befruchtung außerhalb des Körpers im Labor.
  • Operative Eingriffe: Wie das "Ovarian Drilling", bei dem kleine Löcher in die Eierstöcke gemacht werden, um den Eisprung zu fördern. Diese Methode wird seltener angewendet und erfordert eine ausführliche Beratung.

Die Erfolgsaussichten einer künstlichen Befruchtung bei PCOS können variieren, sind aber generell gut. Die Behandlung wird individuell auf die Patientin abgestimmt.

Selbsthilfe und Unterstützung:

Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen oder Online-Communities kann emotionalen Rückhalt bieten und wertvolle Tipps liefern. Eine bewusste Auseinandersetzung mit der Erkrankung und das Setzen erreichbarer Ziele sind ebenfalls wichtig. Es ist ratsam, sich professionelle Unterstützung durch Ärzte zu suchen, die Erfahrung mit PCOS haben.

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