Globuli, umgangssprachlich auch oft „Globulis“ genannt, stellen eine der beliebtesten Darreichungsformen homöopathischer Arzneimittel dar. Diese kleinen weißen Streukügelchen erfreuen sich bei vielen Anwendern aufgrund ihrer sanften und natürlichen Wirkweise großer Beliebtheit.
Was sind Globuli und wie werden sie hergestellt?
Globuli sind kleine Kügelchen, die hauptsächlich aus Saccharose (Zucker) bestehen und in der Homöopathie als Träger für verschiedene Wirkstoffe dienen. Die Herstellung von homöopathischen Arzneimitteln in Form von Globuli erfolgt nach Vorschrift 10 des Homöopathischen Arzneibuchs. Dabei werden 100 Teile Kügelchen mit 1 Teil Dilution (Verdünnung, mindestens 68 Volumenprozent Alkohol) der jeweiligen Potenz benetzt. Die Imprägnierung findet in speziellen Dragierkesseln statt.
Die Globuli selbst sind gluten-, laktose- und alkoholfrei und eignen sich daher als Darreichungsform für Menschen jeden Alters, von Babys und Kindern bis hin zu Senioren. Auch für Tiere gelten Globuli auf Saccharose-Basis als gut verträgliche Darreichungsform.
Das Prinzip der Homöopathie: Ähnliches mit Ähnlichem heilen
In der Homöopathie steht der Mensch als Individuum im Mittelpunkt. Dabei werden nicht nur seine Beschwerden, sondern auch seine individuelle Wesensart und seine aktuellen Lebensumstände berücksichtigt. Dr. Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, prägte die zentrale Aussage zur Anwendung der Homöopathie: „Similia similibus“ (Lateinisch für „Ähnliches mit Ähnlichem“).
Potenzen in der Homöopathie: D und C Reihen
Die Potenz gibt an, wie häufig und in welchem Verhältnis der Wirkstoff während des Herstellungsprozesses potenziert (verdünnt und verschüttelt) wurde, bevor die Globuli damit imprägniert werden. Die charakteristische Aufbereitung im Rahmen der Potenzierung, also das schrittweise Verdünnen und anschließende Verschütteln von Hand, ist für homöopathische Arzneimittel von zentraler Bedeutung und unterscheidet ein potenziertes Mittel von einer reinen Verdünnung.
Aus dem stufenweisen Verdünnen und Verschütteln ergeben sich verschiedene Potenzen. Gängige Potenzreihen sind D und C. Dabei steht das D für Dezimal, was ein Verdünnungsverhältnis von 1:10 bedeutet. Das C steht für Centesimal, was ein Verdünnungsverhältnis von 1:100 angibt.
Die Zahlen, die hinter den Buchstaben wie D oder C stehen, geben an, wie oft der Ausgangsstoff verrieben bzw. verschüttelt und damit potenziert wurde. Zum Beispiel ist die Potenz D12 zwölfmal potenziert (12 x 1:10 Verdünnung), während die C30 dreißigmal potenziert wurde (30 x 1:100 Verdünnung).
Für die Selbstbehandlung wird grundsätzlich empfohlen, auf homöopathische Arzneimittel in vergleichsweise niedrigen Potenzen wie D6 oder D12 zu setzen.
Unterschied zwischen D6 und D12 Potenzen
Der Hauptunterschied zwischen D6 und D12 Potenzen liegt im Grad der Potenzierung, also der Anzahl der Verdünnungs- und Verschüttelungsschritte. Eine D6-Potenz wurde sechsmal im Verhältnis 1:10 verdünnt, was einer Verdünnung von 1:1.000.000 der Ausgangssubstanz entspricht. Eine D12-Potenz wurde zwölfmal im Verhältnis 1:10 verdünnt, was einer Verdünnung von 1:1.000.000.000.000 entspricht.
Generell wird angenommen, dass die D12-Potenz höher potenziert und dadurch etwas stärker ist als die D6-Potenz. Beide Potenzen werden jedoch häufig für die Selbstmedikation bei akuten Beschwerden eingesetzt, wobei die Anwendung und Dosierung nach ähnlichen Prinzipien erfolgt.

Chamomilla: Ein homöopathisches Mittel bei Blähungen und Reizbarkeit
Das homöopathische Mittel Chamomilla, hergestellt aus der echten Kamille (Matricaria chamomilla), wird häufig bei Säuglingen und Kleinkindern eingesetzt, die unter Blähungen, Koliken und allgemeiner Reizbarkeit leiden. Es soll Menschen helfen, die überempfindlich auf Schmerzen reagieren, was besonders bei Babys und Kindern während des Zahnens oder bei Koliken zutrifft.
Wann wird Chamomilla eingesetzt?
Typische Anwendungsgebiete für Chamomilla sind:
- Blähkoliken bei Säuglingen
- Kolikartige Magen- und Darmschmerzen
- Zahnungsbeschwerden beim Baby
- Ohrenschmerzen
- Durchfall
- Reizbarkeit und Wutausbrüche
- Schlafstörungen
Was charakterisiert den Chamomilla-Typ?
Kinder, die Chamomilla benötigen, können sehr unempfindlich auf Schmerzen reagieren, gereizt sein und die Schuld für ihre Beschwerden bei anderen suchen. Sie können ungeduldig quengeln, schreien und sich auch körperlich äußern. Häufig wollen sie herumgetragen werden, was ihnen Linderung verschafft, aber sobald sie abgelegt werden, beginnt das Weinen von Neuem. Auffällig ist oft auch eine ungleiche Gesichtsfarbe: Eine Wange ist rot und heiß, die andere blass und kalt.
Wie wird Chamomilla angewendet?
Chamomilla ist als Einzelmittel in Form von Globuli, Tabletten oder Tropfen erhältlich. Für Baby und Kind werden häufig die Potenzen D6 oder D12 empfohlen.
- Chamomilla D6: Kann bei akuten Beschwerden mehrmals täglich gegeben werden, im akuten Krankheitsfall auch stündlich. Sobald eine Besserung eintritt, werden die Abstände vergrößert.
- Chamomilla D12: Eignet sich ebenfalls zur Behandlung von akuten Krankheiten wie Zahnen und anderen Befindlichkeitsstörungen. Diese Potenz sollte ein- bis zweimal täglich gegeben werden.
- Chamomilla C30 oder D30: Werden eher bei Übellaunigkeit und Wutausbrüchen gewählt und sollten bedarfsweise eingesetzt werden.
Die Dosierung für Säuglinge im ersten Lebensjahr liegt üblicherweise bei 1-3 Globuli.

Colocynthis: Ein weiteres Mittel bei kolikartigen Schmerzen
Das homöopathische Mittel Colocynthis, gewonnen aus der Koloquinte (Citrullus colocynthis), wird primär bei kolikartigen Schämpfen in den Hohlorganen des Bauchraumes eingesetzt, insbesondere bei:
- Heftigen Bauchschmerzen und Krämpfen, die in Wellen auftreten und durch Zusammenkrümmen gelindert werden.
- Magen-Darm-Infekten mit Durchfall.
- Nierenkoliken.
- Menstruationsbeschwerden.
- Ischias-Schmerzen.
Was charakterisiert den Colocynthis-Typ?
Personen, die von Colocynthis profitieren, sind oft sehr reizbar, besonders wenn sie sich gekränkt oder gedemütigt fühlen. Sie können mürrisch, verdrießlich und ungeduldig werden, was ihre Beschwerden noch verschlimmern kann.
Wie wird Colocynthis angewendet?
Für akute und sehr schmerzhafte Zustände werden die Potenzen D6 oder D12 empfohlen.
- Colocynthis D6: Kann im Akutfall bis zu zehnmal täglich gegeben werden.
- Colocynthis D12: Kann bis zu sechsmal täglich gegeben werden.
Für Babys und Kleinkinder wird die Gabe von 3 Globuli empfohlen.
Einnahme und Anwendung von Globuli bei Säuglingen
Globuli sollten idealerweise eine halbe Stunde vor oder nach dem Essen eingenommen werden. Vor beziehungsweise nach der Anwendung wird empfohlen, mindestens eine halbe Stunde Abstand zur Verwendung stark riechender Substanzen wie Menthol (oft in Zahnpasta enthalten) zu halten.
Die Globuli werden nicht geschluckt, sondern sollen sich im Mund auflösen, damit die Wirkstoffe über die Mundschleimhaut aufgenommen werden können. Bei Säuglingen können die Globuli auf die Fingerkuppe der Mutter/des Vaters gegeben und dem Kind auf die Zunge gelegt werden, wo sie sich dann auflösen.
Dosierung für Säuglinge
Die genaue Dosierung hängt von der Potenz und dem spezifischen Mittel ab. Grundsätzlich gilt für Säuglinge im ersten Lebensjahr:
- D6-Potenzen: ca. 1-3 Globuli
- D12-Potenzen: ca. 1-3 Globuli
Bei Säuglingen und Kleinkindern ist es ratsam, die Dosierungsempfehlungen auf der Packungsbeilage zu beachten oder sich von einem Arzt oder Homöopathen beraten zu lassen.
Wichtige Hinweise zur Anwendung
Homöopathische Mittel sind in der Regel rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Bei der Selbstbehandlung ist es wichtig, die empfohlenen Dosierungen nicht zu überschreiten. Sollten sich die Beschwerden nicht bessern oder sich verschlimmern, ist es unerlässlich, einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen, insbesondere bei Erkrankungen von Babys und Kindern.
Es ist zu beachten, dass das Konzept der Homöopathie und ihre spezifische Wirksamkeit in der Wissenschaft umstritten sind und durch Studien nicht eindeutig belegt werden.