Viele Eltern stehen vor der Herausforderung, ihren Kindern das Trinken aus anderen Gefäßen als der Flasche beizubringen. Insbesondere bei Milch scheint dies oft schwierig zu sein, selbst wenn das Baby Wasser problemlos aus einem Becher trinkt. Dieser Artikel beleuchtet die Gründe dafür und gibt Tipps, wie der Umstieg gelingen kann.
Die Problematik: Milch aus der Flasche, Wasser aus dem Becher
Ein häufiges Szenario ist, dass Kinder Wasser aus einem Trinklernbecher oder einem normalen Becher trinken, aber bei Milch weiterhin auf die Flasche bestehen. Dies kann frustrierend sein, besonders wenn der Zahnarzt empfiehlt, die Flasche ganz wegzulassen. Die Sorge, dass das Kind dadurch eine falsche Zungenhaltung beim Schlucken entwickelt, die sich negativ auf die Zahnentwicklung auswirken kann, ist groß.
Einige Zahnärzte betonen, dass es kein "bisschen" Saugen gibt. Solange das Kind saugt, sei es an Schnuller oder Flasche, lerne es nicht, die Zunge beim Trinken nicht gegen die Zähne zu drücken. Diese Angewohnheit gehe erst verloren, wenn die Saugbewegung im Gehirn vollständig "ausgeschaltet" wird.
Andere Experten sehen dies weniger kritisch. Sie betonen, dass es wichtig sei, keine süßen Getränke nachts zu geben und die Zähne zweimal täglich zu putzen. Bei Kindern mit Kuhmilchallergie, die auf Milchersatzprodukte angewiesen sind, die sie nur aus der Flasche trinken, sei die Flasche bis zu einem gewissen Alter auch kein Problem.
Es gibt auch die Erfahrung, dass Kinder Trinklernbecher verweigern und lieber aus einem Glas trinken möchten. Wenn das Kind Milch nur noch ein- oder zweimal täglich aus der Flasche trinkt, machen sich manche Eltern noch keine großen Sorgen, achten aber darauf, dass der Schnuller tagsüber weniger genutzt wird.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Umstellung auf feste Nahrung. Ab dem 5. bis 7. Monat, wenn die ersten Breimahlzeiten eingeführt werden, reicht die Flüssigkeitszufuhr aus Milch allein langsam nicht mehr aus. Zusätzliche Getränke wie Wasser oder ungesüßter Tee werden unverzichtbar. Trinklernbecher können hierbei eine Erleichterung bieten.
Warum die Umstellung schwierig sein kann
Die Saug- und Schlucktechnik
Babys werden mit einem "unreifen Schlucken" geboren, bei dem die Zunge unten im Mund liegt und die Spitze über dem unteren Zahnfleisch ruht. Dies entspricht der Saugbewegung an Brust oder Flasche. Beim "reifen Schlucken" drückt die Zungenspitze kurz hinter den Vorderzähnen fest gegen den Gaumen, während der Rest der Zunge nach oben gezogen wird. Die Lippen sind geschlossen und die Zähne berühren sich leicht.
Bei der Verwendung von Trinklernbechern mit Schnabelaufsatz streckt das Kind die Zunge oft heraus und legt sie unter die Trinköffnung. Dadurch kann sich die Zungenspitze nicht heben, und die Zungenstellung sowie die Muskelbewegungen ähneln denen beim Trinken aus der Flasche. Ein Trinklernbecher trainiert somit keine neuen Muskeln im Mund und fördert nicht zwangsläufig das reife Schlucken.
Ein offener Becher hingegen ermöglicht es dem Kind, zu schlürfen. Um sich auf das Sprechen vorzubereiten, müssen Babys lernen, ihre Zungenspitze zu heben. Dies trainiert die Mundmuskulatur, die für die Sprachentwicklung wichtig ist. Starke und bewegliche Lippen-, Zungen- und Kiefermuskeln sind essenziell.
Die Vorliebe für die vertraute Flasche
Die Flasche ist für Babys oft ein vertrautes und beruhigendes Element. Sie verbinden damit nicht nur die Nahrungsaufnahme, sondern auch Nähe und Sicherheit. Der Saugreflex wird durch die gewohnte Bewegung ausgelöst.
Manche Kinder lehnen neue Trinkgefäße ab, weil sie den Geschmack oder die Handhabung nicht gewohnt sind. Es kann auch helfen, wenn eine andere Bezugsperson (z.B. der Vater) das Füttern übernimmt, da das Kind die Mutter mit dem Stillen verbindet.
Wenn ein Kind sehr an der Flasche hängt, kann es schwierig sein, es freiwillig davon zu trennen. Experimente mit Strohhalmflaschen oder verschiedenen Trinklernbechern führen nicht immer zum Erfolg. Manchmal dauert es einfach seine Zeit, bis das Kind sich an neue Gewohnheiten gewöhnt.
Lösungsansätze und Tipps für Eltern
Die Wahl des richtigen Trinkgefäßes
- Offene Becher: Experten wie Kirsten Lise Andersen empfehlen, von Anfang an mit einem kleinen, offenen Becher zu üben. Dies fördert das Schlürfen und das Heben der Zungenspitze. Beispiele sind der BIBS Babybecher oder ein kleines Wasserglas.
- Trinklernbecher: Diese sind als Übergangslösung gedacht. Sie erleichtern den Umstieg von der Flasche auf das selbstständige Trinken. Achten Sie auf Modelle mit Griffen für besseren Halt und auf die Art des Trinkaufsatzes.
- Spezielle Becher: Es gibt Trinklernbecher mit verschiedenen Tüllen (z.B. breiter Schlitz, schmaler Schlitz) oder mit einer Art Öffnung, durch die das Wasser langsam fließt. Auch Becher mit einer Gummiplatte zum Verschließen können hilfreich sein.
- Material: Kunststoffbecher mit abgerundetem Rand sind am besten geeignet, da sie nicht zerbrechen und das Kind sich nicht verletzen kann. Glas- oder Porzellanbecher sind aufgrund der Verletzungsgefahr und Bruchgefahr ungeeignet.

Strategien für die Umstellung
- Geduld und Wiederholung: Der Umstieg gelingt nicht über Nacht. Bieten Sie das Trinken aus dem Becher immer wieder an, ohne Druck auszuüben.
- Vorbildfunktion: Zeigen Sie Ihrem Kind, wie man aus einem Becher trinkt. Wenn die Familie gemeinsam am Tisch sitzt und trinkt, wird das Kind dies nachahmen wollen.
- Kombination mit Hunger/Durst: Probieren Sie es zu Beginn einer Mahlzeit, wenn das Kind richtig hungrig und durstig ist.
- Flüssigkeitsmenge: Beginnen Sie mit wenig Flüssigkeit, um das Verschlucken zu vermeiden.
- Spielerischer Ansatz: Lassen Sie das Kind den Becher erkunden und damit experimentieren.
- Gezielte Getränke: Bieten Sie Wasser oder ungesüßten Tee an. Bei Milch können Sie versuchen, diese zunächst mit etwas Süßem (z.B. Bananenmilch, Erdbeermilch, Kakao) zu mischen, um den Geschmack attraktiver zu machen.
- Ersatz für Milch: Wenn die Flasche komplett wegfallen soll, können Sie Milch durch Joghurt, Quark oder Käse ersetzen, falls das Kind diese Lebensmittel mag.
- Fütterung durch Papa: Wenn die Mutter stillt, kann der Vater das Füttern mit der Flasche übernehmen, um die Assoziation mit dem Stillen zu durchbrechen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Es gibt keinen exakten Zeitpunkt, da jedes Baby sich individuell entwickelt. Mehrere Voraussetzungen spielen eine Rolle:
- Die motorischen Fähigkeiten sollten so weit entwickelt sein, dass das Baby den Becher halten kann (oft ab etwa 5 Monaten).
- Das Interesse des Babys an selbstständigem Trinken ist geweckt.
- Der Wechsel zur Beikost beginnt, und der Flüssigkeitsbedarf steigt.
Es ist wichtig, auf die Signale des Kindes zu achten. Wenn es neugierig auf Trinkgefäße reagiert, ist dies ein gutes Zeichen.
Häufige Fragen (FAQ)
Warum trinkt mein Baby nachts noch aus der Flasche, obwohl es tagsüber aus dem Becher trinkt?
Dies kann darauf hindeuten, dass das Kind tagsüber nicht ausreichend gesättigt ist. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind bei den Mahlzeiten tagsüber gut isst. Wenn das Kind nachts trotzdem noch eine Flasche Milch verlangt, kann das Gute-Nacht-Fläschchen vorübergehend anstelle von Milchbrei angeboten werden, bis sich die Essgewohnheiten stabilisiert haben.
Mein Baby kaut nur auf dem Trinklernbecher herum. Was kann ich tun?
Geduld ist hier entscheidend. Bieten Sie den Becher immer wieder an und machen Sie das Trinken spielerisch. Wenn das Kind stark auf den Rand beißt, ist ein Becher aus weichem Material wie Silikon oder Kunststoff mit abgerundetem Rand ratsam.
Ist es schlimm, wenn mein Baby noch mit 15 Monaten abends aus der Flasche trinkt?
Das ist nicht unbedingt schlimm, solange keine süßen Getränke gegeben werden und die Zähne gut gepflegt werden. Die Empfehlung, die Flasche wegzulassen, hängt oft von der individuellen Einschätzung des Zahnarztes ab.
5 Tipps für das perfekte Fläschchen
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